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Auch in Heimen der Volkshilfe Wien wurden jahrzehntelang Kinder gequält – jetzt arbeitet die Organisation diese Vergangenheit auf >> Triage: Wer bekommt noch ein Intensivbett? >> Sebastian Kurz verliert heute seine Immunität >> Der Fassadenleser über ein seltsam asymmetrisches Haus

Wetterkritik: Heute verzieht er sich wieder, der Hochnebel des Grauens – die Wolken lockern spätestens am Nachmittag auf, dann kommt die Sonne raus und es wir windig bei maximal 10 Grad. 


Guten Morgen!

Wenn ich jetzt sage: Das wird heute keine heitere Lektüre, dann werden Sie wahrscheinlich sagen: Ja eh, aber was redet er da? Corona, Pflegenotstand, ÖVP-Affären – wann hat der FALTER.morgen denn zuletzt heiter begonnen? Und dann antworte ich: Erstens ist November, und zweitens haben wir Ihnen erst vor wenigen Tagen etwas über Tiere mit Wiener Nachnamen erzählt.

O.k., schwacher Versuch, ich kann nur hoffen, dass sich die allgemeine Themenlage irgendwann wieder entspannt. Vorerst ist das aber leider noch nicht der Fall. Heute geht es um einen Historikerbericht, der Missstände in Kinderheimen der Volkshilfe Wien aufarbeitet. Nina Horaczek erklärt, wie das System der Triage funktioniert, nach dem in Salzburg wegen Überlastung der Spitäler Patienten und Patientinnen möglicherweise schon bald in behandelbare und hoffnungslose Fälle sortiert werden müssen. Und Soraya Pechtl erläutert, was davon zu halten ist, dass Sebastian Kurz heute seine parlamentarische Immunität verliert.

Schwerer Stoff, ich weiß: Ich hoffe, Sie behalten trotzdem eine gewisse Leichtigkeit und wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Martin Staudinger

PS: Die afghanische Wissenschaftlerin Amena Karimyan, über wir gestern berichtet haben, wird nicht vom Forum Stadtpark finanziell unterstützt, sondern vom Grazer Medium „der ausreißer".

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„Für uns ist das besonders bitter“

Ein 200 Seiten starker Historikerbericht belegt strukturelle Missstände von der Nachkriegszeit bis ins Jahr 2012, die Volkshilfe Wien entschuldigt sich.

Leben im Kinderheim, egal ob kirchlich, staatlich oder privat – das hieß für unzählige junge Menschen bis in die jüngere Vergangenheit: körperliche Misshandlungen, psychische Erniedrigungen und sexuelle Übergriffe. Die Einrichtungen des 1947 von SPÖ-Politikern gegründeten Verein Volkshilfe machten diesbezüglich keine Ausnahme.

Nach dem 2. Weltkrieg betrieb die Organisation zeitweise bis zu vier Vertragsheime in Niederösterreich: In Altenberg, Pitten, Willendorf und Ybbs. Dort herrschten jahrzehntelang nicht nur pädagogisch, sondern auch baulich und hygienisch unzumutbare Bedingungen. Sie führten etwa dazu, dass bei einer Typhus-Epidemie mehr als 100 Kinder im Spital betreut werden mussten und fünf davon starben. Zudem waren die Verantwortlichkeiten zwischen Wien und Niederösterreich so verworren, dass Missstände unbemerkt blieben – sofern sie überhaupt bemerkt werden wollten.

„Des Fettbackl haut mi nocha wieda“: Die Zeichnung eines Jugendlichen, die im Historikerbericht abgebildet ist, illustriert den brutalen Heimalltag © Nachlass Leo1

2016 wurden die Historikerin Marion Wisinger sowie ihre Kollegen Siegfried Göllner und Michael John von der Volkshilfe Wien damit beauftragt, die Geschichte der Heime aufzuarbeiten. Das Ergebnis ist ein mehr als 212 Seiten starker Bericht unter dem Titel „Schattenseiten der Fürsorgeerziehung “.

Rund 40 ehemalige Zöglinge kommen dabei zu Wort. Die Lektüre ist teilweise nur schwer zu ertragen: „Vom Heimleiter das haben wir schon gewusst, also dass er sich Mädchen holt“, heißt es in einem der Protokolle: „Es war halt immer ein riesiges Fürchten, wenn’s geheißen hat: zum Heimleiter in die Kanzlei“.

Wenn sich Übergriffe des Personals gar nicht mehr verleugnen ließen, wurden die Täter (und auch Täterinnen) versetzt und/oder die Opfer in andere Heime verlegt. Zu strafrechtlichen Konsequenzen kam es nur in wenigen Einzelfällen. „Es wird immer klarer, dass man wusste, was sich dort abspielt. Dennoch wurden die Verhältnisse sehr spät und sehr zögerlich verändert“, so Wisinger.

Schon klar: Bei weitem nicht alle Betreuerinnen und Betreuer waren Monster und nicht alle Zöglinge gleichermaßen von Misshandlungen betroffen – viele von den tausenden Kindern, die über die Jahrzehnte in den Volkshilfe-Einrichtungen untergebracht waren, aber sehr wohl.

„Eine Heimjugend endet nicht mit der Entlassung, sie wirkt weiter“, sagt Historikerin Wisinger. Etwa in gebrochenen Biografien, die sich Depressionen, Suchterkrankungen oder Obdachlosigkeit manifestieren.

Wisinger weist zwar mit Recht darauf hin, dass „Kinderheimgeschichte auch die Beschreibung eines gesellschaftlichen Gesamtzustands“ sei. Dennoch: „Für einen Träger wie uns ist das besonders bitter“, sagt Tanja Wehsely, Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien: „Dafür kann es keine Entschuldigung geben – man muss mit der Schuld leben, sie akzeptieren und nach vorne blicken.“

Die Volkshilfe habe daraus aber ihre Lehren gezogen. Nachdem 2012 das letzte der Vertragsheime in Niederösterreich geschlossen wurde, sei ein interner Qualitätsentwicklungsprozess in Gang gekommen: „Wir schauen heute auf eine Kultur, in der man Fehler gar nicht vertuschen muss“, so Wehsely.

Für die ehemaligen Heimkinder sei es enorm bedeutsam, dass die Missstände, unter denen sie leiden mussten, aufgearbeitet werden, sagt Historikerin Wisinger. Eine Entschuldigung seitens der Volkshilfe gab es, als der Bericht gestern Nachmittag vorgestellt wurde: „Wir haben eine kollektive historische Verantwortung, die wir wahrnehmen müssen“, sagte der ehemalige Wiener SPÖ-Bürgermeister und Volkshilfepräsident Michael Häupl im Vorfeld der Präsentation.

Finanzielle Entschädigung ist von der Volkshilfe aber nicht zu erwarten: „Wir könnten gar nichts zahlen, weil wir ein gemeinnütziger Träger sind, der über keine großen Geldreserven verfügt“, so Wehsely.  Bis vor drei Jahren konnten sich Betroffene an den Opferhilfeverein Weißer Ring wenden, der von der Stadt Wien mit einem Budget von 52 Millionen Euro für einschlägige Fälle ausgestattet worden war. Inzwischen wurden diese Auszahlungen aber beendet. Sollten sich aufgrund des nun vorliegenden Berichts ehemalige Insassen von Volkshilfe-Heimen melden, die das bislang nicht getan haben, haben sie nur die Möglichkeit, Heimopferrente zu beantragen.

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Stadtnachrichten

14.416 Neuinfektionen gab es gestern in Österreich - so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Morgen, Freitag, treffen sich die Landeshauptleute, um über eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen zu diskutieren. Die Wiener Stadtregierung schließt einen generellen Lockdown bereits nicht mehr aus: „Ich will nicht in die Situation kommen wie andere Bundesländer“, sagte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) gestern. 


Der siebte Bezirk hat einen neuen Platz. Der im Vorjahr geschaffene Bereich in der Burggasse wurde gestern offiziell auf den Namen Ruth-Klüger-Platz getauft. Die Schriftstellerin und Holocaust-Überlebende wohnte in einem Gründerzeithaus in der Neubaugasse/Ecke Lindengasse, bis sie im Alter von elf Jahren mit ihrer Familie von den die Nazis in ein Konzentrationslager deportiert wurde. Kurz vor Ende des Krieges konnte das Mädchen fliehen. Klüger starb im Vorjahr im Alter von 88 Jahren.

Der neue Ruth-Klüger-Platz © Bezirksvorstehung Neubau

Von Samstag bis Montag wird ein Hauptträger der Stadionbrücke saniert. Dafür muss im 3. Bezirk die Erdberger Lände ab Hausnummer 44 bis zur Stadionbrücke gesperrt werden. Der Verkehr wird über den Ludwig-Kößler-Platz umgeleitet. 

Coronavirus
Bild von Nina Horaczek
VON NINA HORACZEK

Wer bekommt noch ein Intensivbett?

Die Salzburger Landeskliniken warnen vor einer baldigen Überlastung und bereiten sich auf die Triage vor: Nach welchen Kriterien entscheiden die Mediziner dabei?

Die Salzburger Landeskliniken haben vorgestern ein sechsköpfiges Triagierungsteam nominiert. Weil Gefahr droht, dass aufgrund der stark steigenden Covid-Infektionszahlen nicht ausreichend Intensivbetten verfügbar sind, sollen Ärzte aus den Bereichen Intensiv-, Palliativ- und interne Medizin sowie eine Juristin im allerschlimmsten Fall entscheiden, welche Patienten ein Intensivbett bekommen – und welche eine Sterbebegleitung.

Den Salzburger Landeskliniken droht die völlige Überlastung. © APA/BARBARA GINDL

Aber nach welchen Kriterien wird in Österreich triagiert? Als im Frühjahr 2020 in anderen europäischen Ländern Spitäler wegen viel zu vieler Covid-Intensivpatienten kollabierten, entwickelte die „Arbeitsgemeinschaft Ethik“ der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) unter Leitung der Innsbrucker Intensivmedizinerin Barbara Friesenecker vorbereitend eine Orientierungshilfe sowie eine Checkliste für Ärztinnen und Ärzte. „Weil in Italien und Frankreich nicht rechtzeitig vorgesorgt wurde, um eine völlige Überlastung in den Spitälern zu verhindern, mussten die Ärzte dann in ihrer Not nach dem Alter auswählen, wer noch eine Behandlung erhält“, sagte Friesenecker damals zum FALTER.

In den beiden Ländern wurden die Überlebenschance damals lediglich vom Alter des Patienten abhängig gemacht: Menschen ab 65 Jahren bekamen kein Intensivbett mehr. Für Friesenecker und ihre Kollegen ist das Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip und eine Diskriminierung, die sie für den schlimmsten aller Fälle verhindern möchten.

Die Arge Ethik bietet Intensivmedizinerinnen und -medizinern eine Checkliste, mittels derer sie auch unter großem Stress individuell evaluieren können, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Patient die Intensivstation überlebt. Dabei werden Begleiterkrankungen wie etwa schwere Herz- oder Lungenleiden ebenso erhoben wie Gebrechlichkeit oder die Frage, inwieweit eine Person noch in der Lage ist, selbst zu essen oder zu gehen. Diese Faktoren seien auch im Normalbetrieb zentral, wenn es darum gehe, ob eine Intensivbehandlung Leben retten könne oder bloß das Leiden eines schwerkranken Menschen verlängere, erklärte die Vorsitzende der Arge Ethik dem FALTER.

Trotz Checkliste ist klar: Solche Entscheidungen über Leben und Tod treffen zu müssen, weil es keine freien Intensivbetten gibt, ist für das medizinische Personal eine massive psychische Belastung. In Italien, Frankreich und Spanien habe man zu Beginn der Pandemie gesehen: Ärztinnen und Ärzte, die das tun müssen, ohne die Zeit für eine individuelle Beschäftigung mit den Patienten zu haben, sind einer derartige Belastung ausgesetzt, dass sie posttraumatische Belastungssyndrome wie Soldaten in Kriegen entwickeln können.


Übrigens: Florian Klenk hat im FALTER.maily, unserem Abend-Newsletter, gestern eine allgemeine Impflicht vorgeschlagen – ausgestaltet als Lex imperfecta, also als sanktionsloses Gesetz. Wie das funktionieren könnte, lesen Sie hier. Und gratis abonnieren können Sie das FALTER.maily hier.

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In den Nachrichten
Bild von Soraya Pechtl
VON SORAYA PECHTL

Immunitätsschwäche

Der Nationalrat wird heute der Auslieferung von Altbundeskanzler Sebastian Kurz zustimmen. Aber was bedeutet das eigentlich und wie oft kommt so etwas vor?

Der Immunitätsausschuss hat entschieden und dem Nationalrat empfohlen, die Immunität von Altbundeskanzler Sebastian Kurz aufzuheben. Heute dürfte das Plenum sein finales Okay geben und Kurz ausliefern, damit die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in der Inseratenaffäre weiter gegen ihn ermitteln kann. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema für Sie zusammengefasst.

Gilt die Aufhebung der Immunität nur” für die Causa, in der die WKStA ermittelt?

Ja. Die Staatsanwaltschaft muss ein konkretes Auslieferungsbegehren an den Nationalrat stellen. Für andere Verfahren müsste die zuständige Staatsanwaltschaft erneut einen Antrag stellen.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft Kurz Untreue und Bestechung vor. Er soll daran beteiligt gewesen sein, dass die öffentliche Meinung mit frisierten Studien manipuliert und wohlwollende Berichterstattung in Boulevardmedien gekauft wurde.

Sebastian Kurz im Nationalrat © APA/ROLAND SCHLAGER

Sind die andere Beschuldigten in der Inseratenaffäre auch immun?

Nein. In Österreich genießen nur Nationalrats- und Landtagsabgeordnete sowie der Bundespräsident politische Immunität - Mitglieder der Bundesregierung nicht. Andere bislang bekannte Beschuldigte sind also nicht vor einer Strafverfolgung geschützt.

Die Immunität gilt übrigens nur für Delikte, die im Zusammenhang mit der politischen Tätigkeit von Mandataren und Mandatarinnen stehen - also nicht für Abgeordnete, die etwa betrunken einen Unfall verursachen oder einen Ladendiebstahl begehen.

Wie oft wird die Immunität von Abgeordneten aufgehoben? 

Öfter als man denkt. Während der türkis-blauen Regierung von 2017 bis 2019 wurden acht Anträge im Immunitätsausschuss bearbeitet. In vier Fällen haben die Abgeordneten einer Auslieferung zugestimmt. Darunter war Peter Pilz (Grüne, Liste Jetzt), der wegen Verleumdung angeklagt wurde (das Verfahren wurde mittlerweile eingestellt) und Markus Tschank (FPÖ), der wegen Untreue in Zusammenhang mit Spendengeldern in der Ibiza-Affäre als Beschuldigter geführt wird. Die Auslieferung von Johann Gudenus (FPÖ) wegen Verhetzung (er hatte ein rassistisches Video auf dem Facebook-Kanal der FPÖ verbreitet) wurde hingegen mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ abgelehnt. 

Die Entscheidungen sind teilweise umstritten. Hetzerische Postings weiterzuleiten ist aus meiner Sicht nicht von der politischen Tätigkeit umfasst”, sagt etwa Klaus Uwe Feichtinger, Jurist und ehemaliger Obmann des Immunitätsausschusses (SPÖ). 

In der laufenden Legislaturperiode stimmte der Ausschuss bereits über 12 Auslieferungsbegehren ab. Verfassungsjurist Peter Bußjäger sagt: Es wäre wichtig, zu präzisieren welche Delikte unter den Schutz der Immunität fallen. Dass das Parlament die Letztentscheidung hat, ist aber richtig.”

Braucht es die Immunität überhaupt noch?

Ursprünglich war die Immunität dafür gedacht, Parlamentarier* gegen die monarchische Exekutivgewalt zu schützen: Der Kaiser sollte beispielsweise nicht in der Lage sein, Abgeordnete durch die Bezichtigung eines Vergehens an der Teilnahme bei Abstimmungen zu hindern. Es gibt natürlich auch heute einen Grund: Nämlich, dass Politikerinnen und Politiker nicht mit Klagen eingedeckt werden, um sie zu beschäftigen oder einzuschüchtern”, sagt Politikwissenschaftlerin Kathrin Steiner-Hämmerle.

Fun Fact: In Österreich hat es sich eingebürgert, dass die Generalsekretäre der Parteien immer auch Abgeordnete sind, damit sie unter dem Deckmantel der Immunität kräftig reinfetzen können.

* es waren damals nur Männer

Falter Radio

Politik in Zeiten der Pandemie

Von links nach rechts: Barbara Tóth, Florian Klenk, Raimund Löw, Stephan Löwenstein und Jörg Leichtfried

Welche Auswege könnte es aus Unsicherheiten und Krisen in der heimischen Politik geben? Darüber diskutieren im aktuellen Falter-Radio der SPÖ-Nationalratsabgeordnete Jörg Leichtfried (SPÖ), FAZ-Korrespondent Stephan Löwenstein, FALTER-Journalistin Barbara Tóth und Chefredakteur Florian Klenk.

Hilfe, Geschenke!

Der FALTER veranstaltet auch heuer wieder die Aktion „Hilfe, Geschenke!“ zugunsten des Wiener Integrationshauses. Im FALTER.morgen zeigen wir Ihnen jeden Tag eine Geschenkidee. All die schönen Sachen wurden uns von den Shops und Labels gespendet, damit Sie sie gewinnen können!

Sie müssen dafür nur mindestens ein Los à € 10,- kaufen – je mehr Sie nehmen, desto höher sind Ihre Gewinnchancen bei der großen Geschenkeverlosung am 9. Dezember 2021. Hier geht's zum heute vorgestellten Produkt (siehe unten) und zum Losverkauf.


Zwei Champagnerschalen aus der Serie B von Josef Hoffmann

gespendet von J. & L. LOBMEYR www.lobmeyr.at

Trinkgefäße mit Geschichte sind eine Spezialität der Wiener Glasmanufaktur J. & L. LOBMEYR. Etwa dieses Service namens „Serie B“, das 1912 vom Architekten Josef Hoffmann entworfen und 1914 von Lobmeyr erstmals aus mattiertem Glas mit schwarz eingebranntem Bronzitdekor aufgelegt wurde. Für historischen Trinkgenuss setzen Sie auf die 10 und gewinnen zwei Champagnerschalen (Zusammen: € 350,–) aus der „Serie B“, die Lobmeyr uns geschenkt hat.

Alle Spenden gehen an das Wiener Integrationshaus

Lokaltipp

Shanghai

Die Jasomirgottstraße war ein Laufsteg der gastronomischen Eitelkeiten: Die Cantinetta Antinori ist seit 1995 der eleganteste Edel-Italiener Wiens. Wein & Co machte 2001 hier seinen mehrstöckigen Flagshipstore auf, die Roberto-Bar ihre erste Filiale, zwei rumänische Online-Millionäre eröffneten das Bling-Bling-Restaurant Tuya. Vor all diesen Lokalen gab es hier aber das Restaurant Shanghai, nämlich seit Anfang der 1960er-Jahre. Frau Qiu Liping führte das Lokal nach dem Tod ihres Mannes eine Zeit lang mehr oder weniger allein und beschloss vor zwei Jahren, es an Tim Urban, Junior-Chef des Sichuan Restaurants, abzugeben. Heute ist es ein bisschen so wie beim Chinesen früher, nur viel schöner und viel schmackhafter. Und mit besseren Getränken.

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier.

Frage des Tages

Wann wurde die erste U-Bahn-Linie Wiens eröffnet?

  1. 1958

  2. 1964

  3. 1978

Auflösung von gestern: 84.000 Menschen sind im Vorjahr nach Wien gezogen (nicht 62.000 und auch nicht 132.000)

Event des Tages
Bild von Lisa Kiss
AUSGEWÄHLT VON LISA KISS

Die Wiener Band Euroteuro wurde mit einem Song über den Reiz italienischer Raststätten bekannt. Aber beileibe nicht alles, was das Kollektiv um Peter T. macht, ist lustig gemeint. Euroteuro haben sich eine ganz eigene Nische erarbeitet, die man „verstrahlten Dada-Pop“ nennen könnte. Einflüsse von New Wave und Neuer Deutscher Welle treffen auf Krautrock und Techno. Nun gilt es, das neue Album „Volume II“ vorzustellen. (Sebastian Fasthuber)

Volkstheater, Rote Bar, Do 20.00 


Die Fridays-for-Future-Bewegung hat global wie auch hierzulande binnen eines Jahres eine historische Dimension bekommen und das Klima-Thema zu einer politischen Top-Priorität gemacht. FALTER-Autor Benedikt Narodoslawsky hat mit „Inside Fridays for Future“ (erhältlich im Faltershop) ein Erklärstück und Standardwerk über die Bewegung in Österreich geschrieben. Die heutige Buchpräsentation sollten Sie deshalb auf keinen Fall verpassen.

Café Baharat, Gumpendorfer Straße 65, DO 18:00

Buchtipp

Georg Klein: Bruder aller Bilder

Schon am Anfang, wenn die junge, wortkarg-coole Journalistin MoGo mit der Reporterlegende Addi Schmuck loszieht, um einem Taubenproblem im örtlichen Stadion nachzuforschen, klingen die Sätze in Georg Kleins neuem Roman verlockend vieldeutig

Nein, es geht in „Bruder aller Bilder“ nicht nur um Tauben oder Fledermäuse, die eine Sportstätte heimsuchen. Traumtiere aller Art bevölkern das Geschehen, und ein schräger Vogel in Menschengestalt bringt das Diesseits mit dem Jenseits zusammen: Der sogenannte „Auskenner“, den Addi und MoGo um Rat fragen, lebt in einer alten Werkhalle am Stadtrand und erweist sich als genialer Tüftler, der über Tiere und Pflanze genauso Bescheid weiß wie über historische Geräte und ihre Schaltkreise. Dazu kommt auch noch MoGos tote Mutter, die über einen Röhrenfernseher mit ihrer Tochter Kontakt aufnimmt: Sie sei „muttergespenstallein“, sagt sie, und dass sie mit der Fernbedienung nicht klarkomme … (Jutta Person)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Der Fassadenleser von Klaus Jürgen Bauer

Mitten auf der Kaiserstrassen

Die Kaiserstraße – Adresse des beliebtesten Wiener Auszählreimes – war ursprünglich nur ein Feldweg. Mit dem Linienwall entstanden dort erste Häuser und der Feldweg hieß plötzlich Kaiserweg. Von nun an ging's bergauf. Mitten auf der Kaiserstrassen – das wurde der Ort, um sich küssen zu lassen. Dort steht aber auch ein 218 Jahre altes, heute seltsam asymmetrisches Haus.

Das seltsam asymmetrische Haus auf der Kaiserstraße musste teilweise einer Zufahrt weichen © Klaus-Jürgen Bauer

Es wurde im Jahr 1803 vom Architekten Gottlieb Nigelli errichtet – einem in Wien, Paris und Rom ausgebildeten Spross italienischer Stukkateure, der später als Beamter am Wiener Hofbauamt im ständigen Clinch mit seinem Vorgesetzten Hetzendorf von Hohenberg lag.

Für die Farbe dieses Hauses, das seit dem Jahr 1901 Teil eines Frauenklosters ist, gibt es im Deutschen keinen Begriff. Im Englischen aber nennt man so etwas monkeyshitbrownandgreen. Auf solche Häuser muss man offensichtlich nicht mehr achtgeben.

Für die Baustelle einer Schule wurde eine Zufahrt benötigt, die nun – typisch Wien? – trotz Denkmalschutz und Schutzzone links durch das schöne Haus aus dem Jahr 1803 führt. Alles verlief völlig ordnungsgemäß. Jemand hat sich küssen lassen, mitten auf der Kaiserstrassen, niemand hat's gesehen, Haus darf gehen.


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