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Die abgeschobene Tina bekommt ein Schülervisum: Wie es dazu kam >> Austrofaschismus-Doppeladler am Justizpalast: Grün gegen Grün >> Fassadenleser: Das Ritterhaus

Wetterkritik: Das Wetter scheint sich zu beruhigen. Heute gibt's lebhaften Wind (das klingt nach den stürmischen Tagen richtig angenehm) und viel Sonne. Aber lassen Sie sich von den kühlen Morgenstunden nicht täuschen. Am Nachmittag hat's wieder viel zu warme 14 Grad. 


Guten Morgen,

ehrlich: ich wünschte, ich könnte Ihnen an dieser Stelle öfter Positives berichten. Aber Sie wissen ja selbst, wie die Nachrichtenlage ist: Wir betrauern dieser Tage zwei Jahre Pandemie (angesichts der schrecklichen Folgen wäre feiern wohl das falsche Wort). In der Ukraine droht ein offener Krieg. Und von Österreichs Innenpolitik fang ich jetzt gar nicht erst an. 

Aber, weil die Welt - zum Glück - nicht nur aus Krankheiten, Krieg und Korruption besteht, habe ich heute mal eine positive Geschichte für Sie. Erinnern Sie sich noch an die 12-jährige Tina, die vor rund einem Jahr nach Georgien abgeschoben wurde? Seit zwei Monaten ist sie wieder in Österreich und seit gestern ist klar: Sie darf bleiben. Wie das gekommen ist, erzähle ich Ihnen gleich. 

Was Sie heute sonst noch lesen: Martin Staudinger berichtet über grüne Widersprüche rund um den austrofaschistischen Doppeladler am Justizpalast. Und Fassadenleser Klaus-Jürgen Bauer erzählt Ihnen, was es mit zwei Rittern auf der Fassade eines Hauses in der Burggasse auf sich hat.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Soraya Pechtl

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Tina darf bleiben

Die 13-jährige Tina, die vor einem Jahr nach Georgien abgeschoben wurde, darf nun doch in Österreich bleiben: Wie es dazu kam und was das bedeutet.

Am Ende ging dann doch alles schneller als gedacht. Seit zwei Monaten ist die 13-jährige Tina zurück in Österreich und bereits am Freitag wird sie ihr Schülervisum bei der MA 35 in der Dresdner Straße abholen. Vor einem Jahr hätte sie damit wohl kaum gerechnet. 

Vor 13 Monaten, in der Nacht auf den 27. Jänner 2021, holten Wega-Beamte die damals 12-Jährige aus dem Familien-Schubhaftzentrum in der Zinnergasse ab und brachten sie zum Flughafen Schwechat, von wo sie nach Georgien abgeschoben wurde (Florian Klenk schilderte den Fall im FALTER eindrücklich). Ihre Mutter sei illegal nach Österreich gekommen und hätte sich mehrmals der Abschiebung entzogen, begründete der damalige Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) damals die Entscheidung. 

Die 13-jährige Tina am Flughafen Wien © Twitter/Embacher

Der Fall löste eine Welle der Empörung aus. „Ich kann und will nicht glauben, dass wir in einem Land leben, wo dies in dieser Form wirklich notwendig ist”, sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Die Medien berichteten ausführlich. Und auch die Regierung wurde durch Tinas Abschiebung vor eine Zerreißprobe gestellt. Dass „gut integrierte Mädchen abgeschoben wurden, ist unmenschlich und unverantwortlich”, sagt der grüne Vizekanzler Werner Kogler und setzte eine Kommission ein, die sich mit dem Stellenwert des Kindeswohls bei Abschiebungen befassen sollte.

Geändert hat sich seither aber wenig.

Erst vorige Woche wurde der 13-jährige Husein aus Salzburg nach Aserbaidschan abgeschoben. Neos-Menschenrechtsexpertin Stephanie Krisper stellte dazu eine parlamentarische Anfrage mit 80 Fragen an ÖVP-Innenminister Gerhard Karner. Kritik kam auch von der ehemaligen Höchstrichterin Irmgard Griss, die Koglers Kindeswohl-Kommission geleitet hat. „Ich kann mir keine Gründe vorstellen, die es in einem solchen Fall notwendig machen, ein Kind abzuschieben”, sagt sie im Standard. „Er hatte keine Möglichkeit, sich von seinen Freunden zu verabschieden. Das ist unmenschlich.” Laut Griss braucht es endlich eine eigene Einrichtung, die sich bei Abschiebungen um das Kindeswohl kümmert. Eine solche hatte die Kommission bereits im Vorjahr gefordert.

Aber Tinas Fall dürfte auch Hoffnung wecken. Ende Dezember flog das Mädchen mit ihrem Anwalt Wilfried Embacher von Tiflis zurück nach Wien. Legal. Mit einem 3-Monate-Touristenvisum. Seither lebt sie bei der Familie einer Schulfreundin, bei der sie auch weiterhin wohnen kann. Ende Jänner hat Embacher dann ein Schülervisum für das Mädchen beantragt. Bis März hätte die zuständige MA 35 Zeit gehabt, den Antrag zu bearbeiten. Dann wäre Tinas Touristenvisum abgelaufen.

Und obwohl die Einwanderungsbehörde nicht gerade für ihre schnelle Arbeit bekannt ist, kann Tina bereits diesen Freitag ihren Aufenthaltstitel abholen. „First Exit Vienna: 13 Monate nach ihrer Abschiebung und 2 Monate nach ihrer Wiedereinreise kann Tina endlich aufatmen: sie wird am Freitag ihren Aufenthaltstitel abholen und bedankt sich vorab bei allen, die dabei mitgeholfen haben. Es zahlt sich aus, nicht aufzugeben”, schrieb Embacher gestern auf Twitter. Voraussichtlich für zwölf Monate darf sie dann in Österreich bleiben.

Ein Schülervisum könnte auch für den 13-jährige Hussein eine Möglichkeit sein. Landesräte in Salzburg prüfen gerade entsprechende Möglichkeiten.

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SCHWARZES MEER von Irina Kastrinidis

Inszenierung Frank Castorf

„Ein ganz großer Abend“, resümierte der Kurier, "Zweieinhalb göttliche Theaterstunden" meinte Der Standard und die Salzburger Nachrichten schrieben: „Kreusch schauspielert sich die Seele aus dem Leib. Eindringlich, kompromisslos, textsicher.“

Die nächsten Vorstellungen von „Schwarzes Meer“ von Irina Kastrinidis in der Inszenierung vom Frank Castorf am Landestheater Niederösterreich sind: Fr 25.02., Do 10.03 und Mi 16.03.22

Karten: Schwarzes Meer — Landestheater Niederösterreich

weitere Informationen: www.landestheater.net

Stadtnachrichten
Bild von Florian Kappelsberger
VON FLORIAN KAPPELSBERGER

War der fehlende Radweg Schuld, dass am Dienstagmorgen ein Radfahrer bei einem Verkehrsunfall in Meidling sterben musste? Ja, zumindest wenn es nach der Initiative Platz für Wien geht.

Aber was ist am Dienstag in Meidling passiert?

Laut einem Augenzeugen fuhr der Radler auf der Breitenfurter Straße stadtauswärts, dort führt ein schmaler Radweg neben der Fahrspur entlang. An der Kreuzung zur Hetzensdorfer Straße kam er neben einem Betonmischer zum Stehen. An dieser Stelle endet der Radweg. Nachdem die Ampel auf grün schaltete, sei der Fahrradfahrer unmittelbar vor dem LKW losgefahren. Der LKW-Fahrer, der zeitversetzt beschleunigte, erfasste den Fahrradfahrer von hinten. Der noch nicht identifizierte Radler starb an den Verletzungen.

Die Polizei geht derzeit davon aus, dass der Fahrer des Betonmischers den Radler, der direkt vor dem LKW fuhr, aufgrund des Höhenunterschieds übersehen hat.


Roden statt reden? Nein danke!”: Rund zwanzig Menschen versammelten sich am Mittwoch mit Plakaten vor dem Bahnübergang am Hildegard-Teuschl-Weg in Hietzing. Sie protestierten gegen die geplante Fällung von 925 Bäumen, die dem Ausbau der Verbindungsbahn S80 weichen sollen. 

© FALTER/Kappelsberger

Laut ÖBB sind die Fällungen nötig, um die Sicherheit der Gleise zu gewährleisten. „Die vorliegenden Planungen stellen den optimalen Kompromiss zwischen Erhaltung bzw. Ersatz von Grünraum und den zur Zielerreichung notwendigen Maßnahmen dar”, sagt ein Sprecher. 

Die Demonstranten, angeführt von der Bürgerinitiative Verbindungsbahn-besser, finden hingegen, dass die ÖBB umweltschonende Alternativen bei der Planung nicht berücksichtigt hätten. Nur wenige der Bäume seien tatsächlich eine Gefahr für den Schienenverkehr. Alle anderen könnten gepflegt werden. Aber weder die ÖBB noch die Stadt Wien oder das Klimaministerium seien auf ihre Einwände eingegangen. Bezirksvorsteherin Silke Kobald (ÖVP) schließt sich der Kritik an: „Es ist einfach ein Projekt, das in keiner Weise mehr zeitgemäß ist.”

Die ÖBB wollen entlang der Bahnstrecke aber 430 Bäume und rund 1.000 Sträucher und zusätzliche 500 Bäume auf anderen Flächen in Hietzing neu pflanzen. „Die etwa 930 Bäume, die im Zuge des Ausbaus der Verbindungsbahn gefällt werden müssen, werden also im 13. Bezirk nachgepflanzt”, sagt ein Sprecher der Bundesbahnen.


Die Rahmenstrategie Wiens für die nächsten Jahrzehnte wurde gestern im Gemeinderat als Smart Klima City neugefasst. Damit soll die Stadt bis 2040 CO2-neutral werden. SPÖ und NEOS legen den Schwerpunkt vor allem auf nachhaltige Mobilität, alternative Energien und klimasensible Stadtplanung. So beschließt Wien als erste Stadt Österreichs ein „Treibhausbudget”.

Gemeinderat Kilian Stark (Grüne) begrüßte den Vorstoß, kritisierte aber die Ambitionslosigkeit im Bereich der Mobilität und warf der SPÖ „Betonpolitik“ vor. Die ÖVP trug den Antrag mit, Gemeinderat Josef Mantl unterstrich aber, dass der richtige Weg „nicht über Verbote, sondern über Innovationen“ führe. Kritik hagelte es der FPÖ: Die NEOS seien „vom roten Moloch aufgesaugt“ worden, so Udo Guggenbichler, es fehle an konkreten Finanzierungsvorschlägen.

Loge 17

„Es steht ja nicht nur der Ukraine-Konflikt 5 vor 12. Die Klimakatastrophe, der an der Pandemie sichtbar gewordene Verfall der Gesellschaft, die immer wieder nach hinten durchgereichte Flüchtlingsproblematik, die Übernahme der Autokraten ...“

Harry Bergmann zweifelt in seiner aktuellen Kolumne daran, dass man in den letzten fünf Minuten vor zwölf noch die Welt verändern kann.

Falter Radio

Zwei Jahre Coronavirus

© Screenshot Löw

Über die neue Nachdenklichkeit der Wissenschaftler in der Pandemie diskutieren in der aktuellen Podcast-Folge die Virologin Dorothee von Laer, der Wissenschaftsjournalist Kurt Langbein, der Epidemiologe Gerald Gartlehner und FALTER-Chefreporterin Nina Horaczek.

Stadtgeschichten
Bild von Martin Staudinger
VON MARTIN STAUDINGER

Eine neue Vogelperspektive

Justiz- und Kulturministerium widersprechen sich in der Frage, warum der Doppeladler des Austrofaschismus noch immer über dem Eingang zum Justizpalast zu sehen ist.

Ausgerechnet um die Frage, warum an der Fassade des wichtigsten Gerichtsgebäude Österreichs immer noch ein Symbol des Austrofaschismus prangt, verwickeln sich nunmehr zwei grüne Ministerien in Widersprüche – das Justizministerium und das Kulturministerium.

Der diktatorischen Doppeladler über dem Eingang zum Justizpalast © Thomas Höhne

Über die Vorgeschichte haben wir im FALTER.morgen bereits mehrfach berichtet: Im Juni hat der Wiener Rechtsanwalt Thomas Höhne darauf hingewiesen, dass über dem Eingang des Justizpalasts immer noch der Doppeladler des austrofaschistischen Ständestaats angebracht ist (hier geht es zu seinem damaligen Text). Das sei untragbar, argumentierte Höhne.

Daraufhin richteten die Neos eine parlamentarischen Anfrage an Justizministerin Alma Zadić, um herauszufinden, ob es bereits Bemühungen gebe, das faschistische Symbol durch den Bundesadler zu ersetzen.

Antwort aus dem Justizministerium (hier geht’s zur gesamten Begründung): Das Bundesdenkmalamt habe bei einer Prüfung 2007 festgestellt, der Doppeladler sei „als Zeitdokument zu erhalten“. Damit seien dem Justizministerium die Hände gebunden. „Weitere Maßnahmen können … nicht gesetzt werden“, so Zadić.

Sollte wohl heißen: Das Denkmalamt ist schuld, dass der Doppeladler immer noch an der Justizpalast-Fassade hockt, als habe es den Austrofaschismus nie gegeben.

Dem widerspricht nun Werner Kogler in seiner Funktion als Minister für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport. In der Beantwortung einer weiteren parlamentarischen Anfrage des Neos-Abgeordneten Johannes Margreiter heißt es, das Denkmalamt habe bereits 2005 erklärt, dass „eine Überdeckung aus denkmalfachlicher Sicht möglich sei“.

Fazit von Kogler: „In diesem Sinne war und ist es dem Bundesministerium für Justiz im Rahmen der Generalsanierung des Justizpalastes freigestellt, in welchen Bereichen eine Überdeckung von austrofaschistischen Herrschaftszeichen erfolgen soll.“

Lokaltipp

Tisch

Die Köchin Rheta lebt seit 12 Jahren vegan und zeigt ihre Erfahrung nun in ihrem ersten eigenen Lokal, dem „Tisch“. Die Chefin selbst definiert den Stil ihres Lokals als „saisonal und nicht langweilig“, andere würden ihn vielleicht als vegan umgesetzte Hausmannskost mit einem kleinen bisschen Studentenlokal-Anmutung bezeichnen. Es gibt ein paar gute Biere, der Service ist flott und fröhlich. Wird sicher funktionieren, und zwar nicht, weil der „Tisch“ irgendwie besonders wäre, sondern im Gegenteil, weil das Lokal völlig normal ist.

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier.

Wir schicken dich da raus

Am Dienstag traf der erste Direktzug von Brünn am Flughafen Wien ein. Vorerst nur, um eine tschechische Delegation nach Wien zu bringen, aber die Verbindung soll es bald regelmäßig geben. Auch heute schon erreicht man die tschechische Stadt mit dem Zug von Wien in rund zwei Stunden. Wir schicken Sie deshalb diese Woche mit Hilfe von Irene Hanappis Buch „Brünn" durch die Hauptstadt Mährens (erhältlich im faltershop.at).

1. Klassischer Stadtbummel

Die Tour beginnt am imaginären Tor zur Stadt, dem Bahnhof, und lässt 700 Jahre Geschichte Revue passieren – von der hoch über den Dächern thronenden Burg bis zu den kühnen Bauten des Funktionalismus. Anno 1839 keuchte die erste Dampflock der K.-u.-k.- Monarchie von Wien nach Brünn, und ein paar Jahre später war der repräsentative Bahnhof fertiggestellt. Das geflügelte Rad am Dach des Gebäudes versinnbildlicht das Tempo der neuen Zeit. Das Kommen und Gehen der vielen Menschen und das Klingeln der Straßenbahnen, die in die Station einfahren, weisen bis heute dem Platz seine Rolle zu: Er steht für Dynamik, ist Präambel zur Stadt, Ausgangs und Endpunkt zugleich.

© SHOCart, s.r.o.

Route: Etappe 1: Nádražní – Masarykova – Radnická (Altes Rathaus). Etappe 2: Zelný trh – Kapucínské náměstí. Etappe 3: Muzejní – Zelný trh. Etappe 4: Petrská – Petrov – Denisovy sady – Biskupská – Šilingrovo náměstí – Husova – Pellicova – Spielberg – Husova – Panenská. Etappe 5: Dominikánské náměstí – Zámečnická – náměstí Svobody. Etappe 6: Česká – Veselá – Solniční – Moravské náměstí

2. Musil & Mohnparfait

Wer Kaffeehaus sagt, denkt ans Lesen, ans Reden und Diskutieren, und wer Literatur sagt, denkt unwillkürlich ans Kaffeehaus. Das ist in Brünn nicht anders als in Wien. Dass hier Verlage sich etablierten konnten, literarische Revuen erscheinen, Autorenlesungen stattfinden, passt scheinbar gut zusammen mit dem CoffeeBoom, den die Stadt erlebt. Die Tour, die wir hier vorschlagen, führt unter anderem zu Cafés, die ihre Gäste gleich auch mit Literatur eindecken, zu Schauplätzen literarischen Lebens und zu Orten, die einladen, sich kurz zurückzulehnen, um zu lesen und/oder das Kaffeetrinken zu zelebrieren. Die Strecke schließt an „Stadtbummel klassisch“ an und deckt den nordöstlichen Teil der Innenstadt mit ihren barocken Kirchen, den Theatern, Museen und: Kaffeehäusern ab.

© SHOCart, s.r.o.

Route: Etappe 1: Moravské náměstí. Etappe 2: Moravské náměstí. Etappe 3: Běhounská – Jakubské náměstí – Jezuitská – Beethovenova – Mozartova – Dvořákova – Kozí. Etappe 4: Roosveltova – Malinovského náměstí – Sukova – Malinovského náměstí – Divadelní – Benešová. Etappe 5: Divadelní – Jánská – Měnínská – Orlí – Měnínská – Jánská – Minoritská – Poštovská. Etappe 6: Poštovská – Minoritská – Josefská – Františkánská

Frage des Tages

In welchem Bezirk ist der Gender-Pay-Gap (Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern) am höchsten?

1. Döbling

2. Innere Stadt

3. Brigittenau

Auflösung von gestern: Der Karl-Marx-Hof in Döbling hatte 1.382 Wohnungen. (nicht 951 oder 1.765)

Event des Tages
Bild von Lisa Kiss
AUSGEWÄHLT VON LISA KISS

Literatur

Eitle Musikerbücher gibt es wie Sand am Meer. „Musik und andere Geräusche“ von Franz Reisecker ist anders. Der Wiener Gitarrist und Komponist, der sich zwischen Underground und Filmmusik bewegt, legt eine reizvolle Mischung aus Autobiografie und Literatur vor. Er erzählt von einer Kindheit im Innviertel, der Wiener Szene der 1990er, Beziehungs-Troubles und unerwarteter Vaterschaft. Bei der Buchpräsentation lesen Reisecker und als Gast der Kreisky-Sänger Franz Wenzl. (Sebastian Fasthuber)

Erdgeschoss, Do 19.00

Buchtipp

Alexander Peer: Gin zu Ende – achtzehn Uhr

„Mit vierzehn ahnte ich beim Lesen / den Hölderlin in mir." Diese Verse entstammen dem neuen Gedichtband von Alexander Peer, der in gewohnt schmucker Ausstattung bei Limbus erschienen ist. Obgleich Peer noch um einiges davon entfernt scheint, dem Dichter von „Brod und Wein" auf dem erlauchten Parnass der höchsten Versschmiedekunst mit Feder und Amboss zur Hand zu gehen, umkreist er in seinen oft zum Schmunzeln anregenden Sprachsplitterdenkkunstwerken doch wie dieser die Frage „Wozu Dichter in dürftiger Zeit?".

Antworten findet er im Abendrot des Rioja („Vinophil"), im Glücksversprechen einer pulsierenden Hand („Handlich"), in der Erinnerung an die Uhr des Großvaters („Erste ontologische Wut") oder auf Reisen, bei der Betrachtung des eigenen Inneren im Spiegel des fremden Äußeren. „Irgendwo stirbt immer / ein Dichter." Das stimmt traurig und heiter zugleich. (Albert Eibl)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Der Fassadenleser
VON KLAUS-JÜRGEN BAUER

Das Ritterhaus

Jeden Donnerstag beschreibt der Architekt, Ausstellungskurator und Autor Klaus-Jürgen Bauer hier interessante Fassaden in Wien.

Was machen die Ritter auf der Fassade? Früher konnten viele weder lesen noch schreiben, sondern orientierten sich mithilfe von Bildzeichen. Einer der wichtigsten Texte über Architektur, nämlich Victor Hugos Vorwort zum Glöckner von Notre Dame, beschreibt den Verlust dieser bildhaften Sprachlichkeit. Die beiden kämpfenden Ritter verweisen jedenfalls auf die hier in der Burggasse ansässige Firma Petzolt, die seit dem Jahr 1825 mit Metall handelt.

Ritter auf der Fassade: Früher orientierte man sich mithilfe von Bildzeichen © Klaus-Jürgen Bauer

Das Haus jedoch entstand viel später, nämlich im Jahr 1883. Es ist ein Entwurf des jüdischen Architekten Max Fleischer. Zehn Jahre zuvor fand der Wiener Börsenkrach statt, der das schlagartige Ende der Gründerzeit mit sich brachte. Fleischer schuf hier eine Fassade zwischen den Zeiten, die in ihrer schlichten Flächigkeit immer noch stark gründerzeitlich gestimmt ist. Renaissance-Elemente wie die plastischen Fensterüberdachungen und die subtile Andeutung eines Eckturmes bringen das Volumen jedoch bereits leicht in Bewegung. Kurze Zeit später, im Historismus, dominiert eine übertriebene Plastizität von Erkern, Risaliten, Türmchen etc. das Bauen. Vielleicht streiten ja die beiden Ritter über die richtige Haltung: Gründerzeitliche Zurückhaltung gegen ausladenden Historismus: Wer weiß?


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