✍ Mit der Wärmebildkamera durch die Stadt: So heizt sich Wien auf >> Nachruf auf Wiens prominentesten koscheren Restaurant-Besitzer >> Presserat sieht keinen Verstoß bei FALTER-Cover >> Fassadenleser über Wohnhaus im französischen StilWetterkritik: Bis zu 33 Grad werden es heute. Jaja, vor zwei Tagen wollten wir den Sommer noch zurück. Aber können wir uns auf eine Temperaturgrenze von 30 Grad einigen?...
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Mit der Wärmebildkamera durch die Stadt: So heizt sich Wien auf >> Nachruf auf Wiens prominentesten koscheren Restaurant-Besitzer >> Presserat sieht keinen Verstoß bei FALTER-Cover >> Fassadenleser über Wohnhaus im französischen Stil

Wetterkritik: Bis zu 33 Grad werden es heute. Jaja, vor zwei Tagen wollten wir den Sommer noch zurück. Aber können wir uns auf eine Temperaturgrenze von 30 Grad einigen?


Guten Morgen!

Keine Sorge, wir haben keine exklusiven Nacktfotos von irgendwelchen Promis (und wenn, würden wir sie natürlich nicht zeigen). Sie finden im heutigen Newsletter auch nicht das, was bei Google aufscheint, wenn Sie unseren Titel in die Suchleiste eintippen. Wir meinen „heiß” vielmehr im wörtlichen Sinne.

Diese Woche kratzt das Thermometer wieder an den 30 Grad (heute werden’s sogar noch mehr, siehe Wetterkritik). Laut Zahlen vom Verkehrsclub Österreich leidet jeder vierte Wiener bei Hitze an körperlichen Symptomen, wie Schwindel und Kopfschmerzen.

Mein Kollege Paul Sonnberger war deshalb gestern in der Mittags- und Nachmittagshitze in der Stadt unterwegs und hat mit einer Wärmebildkamera festgehalten, welche Orte sich besonders aufheizen, was „Nebelduschen” bringen und wie im Vergleich dazu eine Gasse mit vielen Pflanzen und Bäumen abschneidet. Von den Ergebnissen können Sie sich gleich selbst ein Bild machen.

Außerdem: Eva Konzett erinnert an Shalom Bernholtz, Betreiber des Restaurants Alef Alef und zentrale Figur in der israelitischen Kultusgemeinde, der am Montag verstorben ist. Dann berichten wir noch von einer Entscheidung des Presserats zu einem Kurz-Cover im Falter und einem Artikel in der Satire-Beilage BoB. (Spoiler: Das Kontrollorgan sieht in beiden Fällen keinen Ethik-Verstoß). Fassadenleser Klaus-Jürgen Bauer erzählt Ihnen heute von einem großen Erfinder des 19. Jahrhunderts und seinem Wohnhaus in der Münzwardeingasse in Mariahilf.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Soraya Pechtl

PS: Eine Klarstellung zu unseren gestrigen Sommer-Event-Tipps: Das Belvedere-Sommerfest findet im Belvedere 21 im Schweizergarten statt.

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Wir freuen uns über viele FALTER.morgen Leser*innen, schließlich machen wir das nicht jede Woche ;)

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Rotes Wien

Die Bilder einer Wärmebildkamera zeigen, welche Plätze sich besonders aufheizen, was Nebelduschen bringen und wo sie tatsächlich Abkühlung finden.

VON SORAYA PECHTL & PAUL SONNBERGER

Erste Station: Neuer Markt

Der Neue Markt wurde diesen Sommer umgestaltet - angekündigt waren stämmige, vollblättrige Platanen, eine Tiefgarage, die die Autos von der Oberfläche verbannt und Nebelduschen. Aber die Wärmebild-Kamera zeigt den Platz tiefrot mit einer Oberflächen-Temperatur von 46 Grad. Auch auf der interaktiven Hitzekarte des Verkehrsclub Österreich meldeten viele Anrainer den Platz als Hitze-Hotspot.

Na ja, der Neue Markt ist ja auch noch immer ziemlich zubetoniert. Die Grünflächen sind noch immer spärlich. Auch wenn die Autos mittlerweile unterirdisch parken.

© FALTER/Sonnberger

Die großen Platanen zu pflanzen sei wegen der darunter liegenden Tiefgarage nicht so einfach, argumentiert Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) im Interview mit Radio Wien.

Zweite Station: Naschmarkt-Parkplatz

Der Platz zwischen Mariahilf und Margareten ist spätestens seit den Protesten gegen die Naschmarkt-Halle im Vorjahr als Hitzeinsel verschrien. Kein Wunder: Ohne jegliche Begrünung heizt sich der Platz auf 52 Grad auf.

Viel Beton und viele Autos am Naschmarkt-Parkplatz © FALTER/Sonnberger

Mittlerweile hat Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) die Pläne für die Halle fallen gelassen. Der Platz wird nach einem Bürgerbeteiligungsverfahren umgestaltet. Vorschläge von Anrainern, Architekten und Künstlern gibt es genug, beispielsweise könnte man das Erdreich für Bäume aufschütten, damit diese auch auf dem Beton-Untergrund gepflanzt werden können (vielleicht auch eine Idee für den Neuen Markt?). Im nächsten Jahr sollen die Pläne vorliegen.

Dritte Station: Nebeldusche Mariahilfer Straße

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, ob die Sprühnebelanlagen eigentlich etwas bringen, außer dass die Dinger mit dem klingenden Namen Sommerspritzer einen in den nächsten Schanigarten verleiten?

Gut. Ganz so schlimm ist es dann nicht. Direkt unter der Nebeldusche ist die Oberflächentemperatur knapp 5 Grad kühler - allerdings nur im Umkreis von rund zwei Metern. In unserem Beispiel bläst der Wind den kühlen Nebel aber eher gen Himmel als in Richtung der Passanten. Wie viel Abkühlung dagegen Begrünung bringt, zeigt das nächste Beispiel.

Nebeldusche auf der Mariahilferstraße © FALTER/Sonnberger

4. Station: Berggasse

Der Asphaltboden in der Berggasse im 9. Bezirk misst nur knapp 32 Grad. Im Vergleich zu den anderen Hitzeplätzen ist es hier angenehm kühl. Das liegt unter anderem an den großen Bäumen, die viel Schatten spenden. Die alleine reichten dem Anrainer Massi Baumgartner aber nicht, weshalb er vor seinem Möbelgeschäft zusätzliche Bäume und Sträucher aufstellte und andere Anrainer motivierte, ihre Pflanzen auf die Straße zu stellen.

Berggasse im Alsergrund © FALTER/Sonnberger

Wie viel Begrünung bringt, zeigt eine Analyse der Umweltberatung: Die Oberflächentemperatur hinter einer Pflanzenschicht ist demnach bis zu 15 Grad geringer als ohne Bäume. Die Organisation fördert Fassadenbegrünung und -kühlung.

Wo Sie schnell Abkühlung finden:

Wenn Sie die Möglichkeit haben, flüchten Sie an heißen Tagen am besten ins Schwimmbad, an Wildbadeplätze oder in schattige Parks. Auch in dicht bebauten Bezirken gibt es meist kleine begrünte Grätzeloasen, in denen Sie ohne Konsumzwang verweilen können (hier finden Sie eine Karte mit allen Standorten). Im Esterhazy Park befindet sich eine Cooling-Zone, in der die gefühlte Temperatur von 29 Grad nie überschritten werden soll.

Zum Lernen oder Arbeiten empfehlen sich kühle Bibliotheken (Lesesaal 1 der Fachbereichsbibliothek Geographie und Regionalforschung, Stadtbücherei, Nationalbibliothek) oder Cafés. Auch die meisten Museen und Shopping-Zentren sind angenehm temperiert.

Die Stadt hat auch eine Karte mit kühlen Plätzen zusammengestellt (mit dem Filter können Sie die Nebelduschen aussortieren).

Nachruf
Bild von Eva Konzett
VON EVA KONZETT

Er hatte den Schlüssel zu seiner eigenen Küche nicht

Am Montag starb mit Shalom Bernholtz der Wirt des prominentesten koscheren Restaurants in Wien

Shalom Bernholtz lernte ich bei einer Recherche vor drei Jahren kennen. Ich hatte ihn angerufen, er lud mich sofort in sein Restaurant ein. Ich habe damals nach Spuren der koscheren Küche in Wien gesucht. Welche Rezepte haben sich in der Mehrheitsgesellschaft erhalten? Wo haben sich Erinnerungen in die Stadt eingeschrieben, vom Wirtshaus Neugröschl in der Lilienbrunngasse etwa, dessen Wirt Friedrich Torberg als „vierschrötig und grob” beschrieb, und der einen Fressanimator in der Auslage beschäftigte?  Welche Geschichten sind geblieben, von den koscheren Gänsen vom Risner, den Selchwaren vom Ehrlich, dem koscheren Wein vom Knöpper. Der Text ist damals im Magazin Datum erschienen. Wir dürfen diese Passage hier veröffentlichten:

„Besuch bei Shalom Bernholtz, der das Restaurant Alef Alef führt. Der kleine Mann mit Kugelbauch sitzt auf einem Barhocker und trinkt Ingwertee. Auf dem Handy leuchten abwechselnd neue Nachrichten und Push-Mitteilungen aus Israel auf. Aus dem Bundeskanzleramt wünscht man sich Gefilte Fisch für ein Galadinner mit Holocaustüberlebenden und deren Nachkommen, damit diese die alte Heimat auch schmecken können. Ein Schtetlessen für den Festabend? Bernholtz lacht. Er wird dem Gefilte Fisch ein paar Portionen Lachs mit Teriyaki zur Seite stellen. Einen Schlüssel zu seiner Küche hat Bernholtz nicht, den hat nur der Rabbi, der den Hechscher - den koscheren Stempel - vergibt. Seit fast 20 Jahren geht das so, seither wird Bernholtz vom Rabbinat kontrolliert, kocht für die jüdische Gemeinde nach dem Schabbat-Gottesdienst, catert bei allen anderen Anlässen, einer Bar Mitzwa beispielsweise, und organisiert koschere Menüs für die Austrian Airlines - rund 4.000 im Monat. Die koschere Variante im Flugzeug kreuzen vor allem Muslime an. Von den koscheren Wirtshäusern seien nur die Rezepte und die Erinnerung geblieben, sagt er.” 

Am Montag ist Shalom Bernholtz, dessen Nachname in der jüdischen Gemeinde niemand kannte, weil er einfach nur der „Shalom” war, gestorben.

In eigener Sache

Der Senat 3 des Presserats sieht beim FALTER-Cover von Sebastian Kurz und der Fellner-Karikatur keinen medienethischen Verstoß.

Sebastian Kurz in Handschellen, in seinen Händen hält er einen kleinen Schlüssel und Wolfgang Fellner als Autor eines Buches mit dem Titel Nein heißt Nein. Das kommt Ihnen bekannt vor? Dann denken Sie bei Ersterem wahrscheinlich an das FALTER-Cover vom 13. Oktober und bei Zweiterem an die Buchtipps in der Satire-Beilage Best-of-Böse. 

Leser haben sich in beiden Fällen an den Presserat gewandt. Bei Kurz glaubte ein Leser, die Unschuldsvermutung könnte verletzt sein. Das Fellner-Cover sei „Bodyshaming“, weil der Kopf des Medienmachers auf einen übergewichtigen Körper montiert wurde.

In beiden Fällen hat das Kontrollorgan nun die Entscheidung getroffen, kein Verfahren einzuleiten.

©

Mit der Begründung: „Der Senat hält fest, dass sich Satire und Karikatur typischerweise gegen Missstände und Fehlverhalten in Politik und Gesellschaft richten. (...) Die Presse- und Meinungsfreiheit ist hier besonders weit auszulegen, hinzu tritt auch noch die Kunstfreiheit.”

Außerdem liege in beiden Fällen der Bezug zu einem konkreten Ereignis vor.

Die Cover-Story (hier zum Nachlesen) entstand, nachdem Sebastian Kurz zurückgetreten war, weil die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen Untreue und Bestechlichkeit in der „Inseraten-Affäre“ gegen ihn ermittelt und ihn als „mutmaßlichen Bestimmungstäter" führt. „In der Karikatur wird somit ein Thema aufgegriffen, das für den politischen Diskurs von Relevanz ist; auch dieser Aspekt spricht für eine weite Auslegung der Meinungsfreiheit", schreibt der Presserat.

Auch die überhöhte Darstellung von Wolfgang Fellner bewertet der Senat nicht als „Bodyshaming“die Nacktdarstellung erfolgte im Hinblick auf die Vorwürfe der sexuellen Belästigung und nicht deshalb, um übergewichtige Personen als solche zu diskriminieren".

Außerdem sind sowohl Fellner als auch Kurz öffentliche Personen und genießen daher „weniger Persönlichkeitsschutz als Privatpersonen".

Lokaltipp

Goldstück

Christina Honegger und Alexandra Hilweg lernten sich bei einem Job in einer nachhaltigen Restaurantkette in Klosterneuburg kennen, bemerkten, dass jede von ihnen ein Konzept für ein eigenes, modernes, kleines, nachhaltiges, individuelles Lokal im Kopf hatte, und taten sich zusammen. Weil Christinas Vater gerade ein Ecklokal in der Marxergasse frei hatte, in dem früher sogar einmal ein Kaffeehaus, das Zur Goldenen Kugel hieß, war, starteten sie ihr Projekt Goldstück.

Vorerst als kleines Pop-up, das „große“ Lokal daneben soll im Herbst fertig werden und dann eventuell auch eine Weinbar enthalten. Die Linie ist aber schon jetzt klar: vegetarische und vegane Küche, die erstens gut aussieht und zweitens gut schmeckt.

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier.

Falter Radio

Warum Vertrauen bröckelt, Politik und Rechtsstaat taumeln

© LBI-GMR

Über „Vertrauen und Rechtsstaat" sprechen in der aktuellen Ausgabe Ex-Justizminister Clemens Jabloner, der ehemalige Wiener Bürgermeister und Volkshilfepräsident Michael Häupl, Hermann Dikowitsch, Leiter der Abteilung Kunst & Kultur beim Amt der Niederösterreichischen Landesregierung und Friedrich Forsthuber, Präsident des Landesgerichtes für Strafsachen Wien. Ein Panel vom Boltzmann Institut für Menschenrechte, Verein Justizgeschichte und Institut für Staatsrecht.

Wir schicken dich da raus

Wir schicken Sie in den kommenden Wochen mit dem Zug raus zu sommerlichen Ausflugszielen in Österreich. Alle 33 Bahnreisen finden Sie im wunderbaren Buch Auf Schiene, das soeben im Falter Verlag erschienen ist.

Hinein in den Attersee

© Othmar Pruckner

Endlich am See! Will man vom Bahnhof zum Seeufer, und wer will das nicht, dann muss man nur die Straße überqueren. Der Ort Attersee hat zwei attraktive Seezugänge. Der Fußmarsch vom Bahnhof zu den Bädern dauert zehn Minuten. Erste Adresse ist das familientaugliche Freibad der Gemeinde mit Riesenrutsche. Ein paar Schritte weiter Richtung Südwesten gibt es noch ein zweites Bad, ein öffentlich zugängliches, großes, ruhiges Seegrundstück des Landes Oberösterreich. Der alte Baumbestand spendet jederzeit viel Schatten. Der Platz ist eine Oase ohne Straßenlärm, dafür mit prächtigem Blick aufs Höllengebirge und dessen steile Wände. Hier angekommen, ist die Welt sehr in Ordnung.

Im Übrigen darf man sich den Attersee nicht als mondänen Badeort vorstellen. Es gibt keinen als solchen erkennbaren alten Ortskern, das Ortsbild ist ein buntes Konglomerat. Wenn man den kurzen Weg zur katholischen Kirche hinaufgeht, kommt man an ein oder zwei alten Häusern vorbei, der Rest ist mehr oder weniger rezenten Ursprungs. Der Blick vom Platz neben der Kirche auf den See ist jedenfalls prächtig. 

Der Attersee hat eine Besonderheit: die Seepromenade. Sie ist wohl die kürzeste ihrer Art in ganz Mitteleuropa. Sie führt von der Schiffsanlegestelle bis zum Restaurant „Das Attersee“ und ist geschätzte hundert Meter lang. Was kann man in Attersee am Attersee tun, außer baden gehen? Sich an der Bootsanlegestelle ein Tretboot oder Elektroboot mieten oder empfohlen, eine Atterseerundfahrt mit dem Linienschiff absolvieren.

Anreise: Vom Hauptbahnhof mit dem Railjet oder vom Westbahnhof mit der Westbahn nach Vöcklabruck, weiter mit dem Regionalzug nach Kammer-Schörfling Bahnhof und von dort mit dem Bus (Linie 561) zum Bahnhof Attersee. (Fahrtdauer: circa 3 Stunden)

Frage des Tages

Was bedeutet das Wiener Wort WÖK?

1. Die österreichische Bezeichnung für „woke" - also jemand der politisch „wach" ist und Missstände bemerkt

2. Es handelt sich um eine Abkürzung, die synonym für ein billiges Restaurant verwendet wird

3. Die Bezeichnung eines Wirtschaftsverbundes zwischen Österreich und Kroatien

Auflösung von gestern: Die österreichische Skifahrerin Marlies Raich und der deutsche Rennfahrer Sebastian Vettel wurden neben über 160 weiteren Sportlerinnen und Sportlern auf der Straße der Sieger verewigt. Fußballerin Viktoria Schnaderbeck dagegen nicht. Nach der Umgestaltung der Mariahilfer Straße wurden die Gedenkplatten entfernt, in Zukunft sollen sie an frequentierten Plätzen in Österreich ausgestellt werden.

Event des Tages
Bild von Lisa Kiss
AUSGEWÄHLT VON LISA KISS

Literatur

Mit ihrem Debütroman „Alles was glänzt“ sorgte Marie Gamillscheg 2018 für Furore. Nun veröffentlicht die in Berlin lebende Grazerin ihren zweiten Roman, „Aufruhr der Meerestiere“. Eine Meeresbiologin kehrt für ein Projekt zurück in ihre Heimatstadt, wo ihr Vater lebt. Beim Literatur-Festival O-Töne im Museumsquartier liest Gamillscheg aus dem Buch. Davor stellt Constantin Schwab sein Debüt „Das Journal der Valerie Vogler“ vor. Eine gehypte Künstlergruppe lädt die Titelfigur darin nach Spitzbergen ein. Dort wird es dann undurchsichtig. (Sebastian Fasthuber)

Museumsquartier, Haupthof, 20.00

Buchtipp

Bruno Jasiénski: Ein Mensch wechselt seine Haut

Drei amerikanische Ingenieure reisen Anfang der 1930er-Jahre über Moskau ins 5000 Kilometer östlicher gelegene Tadschikistan, um als ausländische Spezialisten am Bau eines Bewässerungskanals mitzuarbeiten. Der Pole Bruno Jasieński vermanscht in seiner monumentalen Soap-Opera genialisch seine zeitlebens durchgespielten literarischen Techniken: Futurismus in der Personenzeichnung, Agitprop und Sozialrealismus bei der Beschreibung von Baustellen, multinationalen Stoßarbeiterbrigaden, Komsomolzen und Diversanten, die das babylonische Projekt terroristisch hintertreiben. Neben Diskussionen über den Koran stehen fantastische Landschaftsschilderungen mit Sätzen wie: „Die Tropensonne drückte wie ein Gluthelm auf den Kopf." Jasieński wurde als Volksfeind im Alter von 37 Jahren erschossen. (Erich Klein)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Der Fassadenleser
VON KLAUS-JÜRGEN BAUER

Der Entdecker der Buche

Bernhard Ludwig stammte aus Sachsen, wo er bei seinem Vater das Tischlerhandwerk erlernte. Mit 28 Jahren wanderte der unternehmungslustige Tischler in das gründerzeitlich boomende Wien aus, wo gerade auf Teufel-komm-raus gebaut wurde. Ludwig hatte Ideen. Er gründete nicht nur sein eigenes Unternehmen, sondern auch eine gewerbliche Zeichenschule für Tischler, Tapezierer und Bildhauer. Ludwig formte damit die Wiener, Budapester und Prager Tischler jener Zeit maßgeblich. Seine Entwürfe wurden bei Weltausstellungen gezeigt und er wurde k.k. Hofkunsttischler.

Ludwig war auch einer der großen Erfinder-Persönlichkeiten jener Epoche. Es gelang ihm nämlich, das bis dahin nur als Brennmaterial verwendete Buchenholz nicht nur für hochwertige Möbel verwendbar zu machen, sondern er erfand auch einen elektrischen Brandstift, mit dem er wertloses Brennholz in ornamentiertes Gold verwandeln konnte. 

Wohnhaus im französischen Stil in der Münzwardeingasse © Klaus-Jürgen Bauer

Im Jahr 1889 ließ er sich – bereits sehr wohlhabend geworden – in der Münzwardeingasse vom nordmährischen Architekten Carl Langhammer sein Wohnhaus im französischen Stil bauen. Jedes Geschoß war Wohnung und zugleich show-room, wo betuchte Kunden die Möbelkreationen des Meisters in einem realen Wohnumfeld betrachten konnten. Direkt an das Haus anschließend war die Fabrik: wie praktisch.


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