Der Schichtbetrieb an den Schulen macht Eltern schwer zu schaffen >> Korruptionsvorwürfe gegen SPÖ-Bezirksvorsteher >> Öko-Unternehmer ärgern sich über die WKO >> Wieviel Schweiß Wiener Radlerinnen und Radler im Corona-Jahr zusätzlich produziert haben

Wetterkritik: Unentschlossen wolkig, grau und windig bei bis zu 5 Grad. Ab Mitte der Woche allerdings noch einmal Aussicht auf echte Februar-Verhältnisse mit Kälte und Schneefall.


Guten Morgen,

wenn Sie diesen Newsletter entspannt beim Frühstück lesen, dann haben sie wahrscheinlich keine Kinder im schulpflichtigen Alter – sonst wären Sie heute früh vermutlich damit beschäftigt, den mutmaßlich holprigsten Schulbeginn seit der Erfindung der Semesterferien im Jahr 1974 zu bewältigen (die hießen damals übrigens Energieferien und wurden im Zusammenhang mit der so genannten Ölpreiskrise eingeführt, um in den Schulen Heizkosten zu sparen).

Für insgesamt rund 240.000 Kinder und Jugendliche in Wien heißt es heute: Zurück in die Schule. Wobei, nicht ganz: Nur die Volksschulen haben wieder normalen Unterricht, die anderen Schulen verbleiben vorerst im „Schichtbetrieb”. Das bedeutet: die Hälfte der Klasse wird an der Schule unterrichtet, die andere hat Unterricht zu Hause, wenige verfolgen ihn über Laptop und Tablet. Am Mittwoch wird gewechselt. Diejenigen, die Montag und Dienstag in der Klasse gesessen sind, haben große Präsenz-Pause. Sie kehren erst sieben Tage später, am darauffolgenden Mittwoch, an die Schulen zurück, haben anschließend zwei Tage Unterricht in der Klasse, sitzen danach drei Tage zu Hause, haben zwei Tage frei und dann wieder zwei Tage Schule. Und so weiter – ein System, das vermutlich aus der Habilitationsschrift eines Komplexitätsforschers geklaut wurde.

Die Idee dahinter ist zwar klar: Bevor die Schülerinnen und Schüler in die Klasse dürfen, werden sie getestet; sind sie zu diesem Zeitpunkt virenfrei, geht in den folgenden zwei Tage höchstwahrscheinlich keine Ansteckungsgefahr von ihnen aus.

Volksschulkinder in Wien-Favoriten nach dem Ende des zweiten Lockdowns © APA/Hans Punz

Was nichts daran ändert, dass vor allem Eltern mit Kindern in der Unterstufe jetzt einmal mehr vor der Herausforderung stehen, Betreuungspflicht und Homeoffice unter einen Hut zu bringen. Lehrkräfte befürchten wiederum, jene Schülerinnen und Schüler, die nicht in der Klasse sind, schwer erreichen zu können.

Wie sinnvoll ist dieses Konzept also? „Es ist gut, dass es überhaupt wieder Präsenzunterricht gibt”, sagt Bildungspsychologin Christiane Spiel: „Die Schulen müssen unter Abwägung der Sicherheit geöffnet werden. Mit dem Schichtbetrieb passiert das.” Dafür müssen die Kinder und Jugendlichen vor dem Glockenläuten einen „Nasenbohrertest” machen – nur mit negativem Ergebnis und Maske können sie am Unterricht teilnehmen. Das allein könnte aus Sicht der Bildungsexpertin aber zu wenig sein. „Mit Blick auf die Mutation sollte man auch über Luftreiniger nachdenken. Das passiert derzeit noch nicht”, sagt Spiel. 

Wie andere Länder die Schulöffnungen handhaben, lesen Sie gleich anschließend bei Kollegin Nina Horaczek. Ich wünsche Ihnen derweil einen – soweit wie möglich – entspannten Start in diese neue Woche!

Soraya Pechtl

PS: In der ersten FALTER.morgen-Woche haben wir uns ein paar Schnitzer geleistet, für die wir uns am Beginn der zweiten höflichst entschuldigen möchten. Die Lubgrundstrasse aus dem Ausflugstipp zum äußersten Eck der Stadt (Montag-Ausgabe) heißt in Wirklichkeit Lobgrundstrasse. Zum Parkplatz Cobenzl, dem Ausgangspunkt der Wanderung auf den Hermannskogel a.k.a. Nanga Parbat von Döbling (Dienstag) fährt man am besten mit der Buslinie 38A (der 43A kommt am Wochenende nämlich nur alle unheiligen Zeiten). Das Ambrosi-Areal im Augarten, dessen Schließung wir am Freitag beklagt haben, ist nur in den Wintermonaten nicht öffentlich zugänglich. Wir geloben Besserung. 

aus-aller-welt
von-nina-horaczek

Nicht nur in Österreich sperren die Schulen heute nach Wochen wieder auf. Auch in unserem Nachbarland Slowakei beginnt heute die Schule – allerdings nur für die Kleinen von der 1. bis zur 5. Klasse sowie die Abschlussklassen. Alle anderen bleiben im Online-Unterricht. In den Volksschulen werden nicht nur die Schülerinnen und Schüler zu Schulbeginn auf Corona getestet, sondern auch ein Elternteil.

Auch in Portugal, das derzeit besonders unter der Pandemie leidet, geht heute der Unterricht wieder los – allerdings nur in Form von Distance Learning.

In den Niederlanden sperren am 10. Februar Kindergärten und Grundschulen wieder auf. Die Oberstufenschüler sollen bis mindestens 1. März zu Hause bleiben.

Am häufigsten trafen Kinder und Jugendliche in Frankreich und Spanien in diesem Schuljahr ihre Lehrerinnen und Lehrer. Trotz extrem hoher Infektionszahlen entschieden sich beide Länder, ihre Kindergärten und Schulen durchgehend offen zu halten. Dafür mussten auch die Kleinsten ab sechs Jahren seit September im Unterricht Masken tragen.

In der Tschechischen Republik sitzen die Taferlklassler und die Kinder der 2. Klassen seit November mit Masken in der Schule. Alle anderen haben nur Online-Unterricht. Seit dem Wochenende wird in Prager Regierungskreisen auch über Schulöffnungen diskutiert.

Ähnlich sieht es in Polen ;aus. Dort wurden die Kinder und Jugendlichen Mitte November nach Hause geschickt. Nur die Schulkinder der ersten drei Schulstufen dürfen seitdem in die Schulen kommen. Für die übrigen Schülerinnen und Schüler spielt sich der Unterricht auf dem Bildschirm ab.

In Ungarn müssen seit vergangenem November nur alle bis 14 Jahre in der Früh in die Schule gehen. Für den Rest heißt es noch bis zumindest 1. März bitte zu Hause bleiben.

Noch länger dauert das Stubenhocken für Schülerinnen und Schüler in Großbritannien. In Schottland und Wales wird die Schulglocke frühestens am 22. Februar wieder läuten, in England und Nordirland erst am 8. März – und das auch nur, wenn die extrem hohen Infektionszahlen bis dahin sinken. Sonst wird der Schul-Lockdown bis nach Ostern verlängert.

Was den Föderalismus betrifft, könnte Österreich von Deutschland noch einiges lernen. Dort entscheidet nämlich jedes Bundesland selbst, wann und unter welchen Bedingungen die Schulen öffnen.

Nur die Schweiz ist komplizierter: Bei insgesamt 8.5 Millionen Einwohnern entscheidet jeder der insgesamt 26 Kantone selbst, wie der Unterricht in Pandemiezeiten gestaltet wird. Nur in einem ist man sich einig: Ab 12 Jahren müssen alle Schülerinnen und Schüler quer durch das Land Masken tragen.

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stadtnachrichten

Pflanzerei

Wie eine 80-jährige Platane in der Josefstadt fast der Säge zum Opfer gefallen wäre – und jetzt stattdessen in den Park vor dem Justizpalast übersiedelt.

Dass man einen alten Baum nicht verpflanzt, ist eine Binsenweisheit. Stehenlassen oder umschneiden – dazwischen gab es bislang eigentlich nichts, und das hätte für die mächtige Platane, die in der Josefstädterstraße vis-à-vis vom Café Eiles steht, nichts Gutes bedeutet. 

Nach 80 Jahren war sie plötzlich einem Großprojekt im Weg: Dem Ausbau der neuen U-Bahn-Linie U2xU5. Genau unter ihren Wurzeln sollte ein U-Bahn-Notausgang gegraben werden – alternativlos. Alle Möglichkeiten - bis hin zur Verlegung der U-Bahn-Station - seien geprüft worden, sagt die frühere Bezirksvorsteherin Veronika Mickel (ÖVP) gegenüber FALTER.morgen. Aber: „Die Wiener Linien haben solche Varianten aus technischen Gründen stets ausgeschlossen.” 

Nach 80 Jahren einem U-Bahn-Notausgang im Weg: Die Platane beim Café Eiles © FALTER/Pechtl

Der Notausgang hätte auch an anderer Stelle gebaut werden können – nur sei niemand auf diese Idee gekommen, widerspricht Mickels Nachfolger Martin Fabisch (Grüne), neu gewählter Bezirksvorsteher der Josefstadt: „Aus keinem einzigen Protokoll der vergangenen Jahre geht hervor, dass man sich für den Erhalt der Platane ernsthaft eingesetzt hat.“ 

Erst hieß es jedenfalls, die Platane müsse gefällt werden, weil das Umsetzen zu teuer sei. Dagegen wehrten sich aber die Josefstädter. Den einzigen Baum in der Straße abzusägen kam für Umweltschützer und Anwohner nicht in Frage. 

Jetzt hat sich doch eine Lösung gefunden. Der Baumchirurg Manfred Saller wird die Platane kostenlos ausgraben und im nahegelegenen Park vor dem Justizpalast neu einsetzen. Ein riskanter Eingriff. Es bleibt abzuwarten bleibt, ob der Baum überleben wird. 


Mit Korruptionsvorwürfen sieht sich der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) konfrontiert. Einem Bericht der APA zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit einem Grundstücksgeschäft im Jahr 2017 wegen Verdachts auf Verletzung des Amtsgeheimnisses, der Bestechlichkeit, des Beitrags zur Untreue und der Vorteilsannahme zur Beeinflussung gegen ihn. Unter anderem soll Nevrivy Insiderinformationen über ein Bauprojekt der Wiener Linien an den Chef der 2018 pleitegegangenen Immobiliengesellschaft Wienwert AG weitergegeben haben. Verdächtig scheint der Staatsanwaltschaft, dass er zeitgleich von der Wienwert AG Sponsoringgelder in Höhe von 30.000 Euro für eine in seinem Bezirk beheimatete Band angenommen habe.

Volkert Sackmann, der Anwalt des Politikers, weist alle Vorwürfe kategorisch zurück: Das geplante Projekt der Wiener Linien sei schon in den Jahren davor ein offenes Geheimnis gewesen: „Mein Mandant konnte daher bereits rein faktisch kein Amtsgeheimnis verraten.“


Die umfangreichen Bauarbeiten an den unterirdischen Straßenbahnstationen im Bereich Matzleinsdorfer Platz sind abgeschlossen, ab heute können Sie wieder alle nutzen. Alle Bims sowie die Badner Bahn fahren wieder im Vollbetrieb. 

Währenddessen haben Anwohner ein ganz generelles Problem mit dem Verkehrsknotenpunkt: „Der Platz ist ein ästhetischer Supergau“, sagt der Künstler und Stadtforscher Tomash Schoiswohl, der dort am gestrigen Sonntag eine Kundgebung organisiert hat. „Die aktuellen Bauarbeiten zur U2xU5 bieten eine Chance, ihn neu zu denken.“ Ideen dafür hat der Künstler genug. Er schlägt vor, südlich der U-Bahn-Station einen großen Park zu schaffen, ein Museum für die Geschichte des Platzes zu errichten und mehr Wege für Fußgänger und Radler anzulegen. Die Chancen für eine Umsetzung dieses Konzeptes dürften aber nicht allzu groß sein. Die Stadtentwicklungskommission hat bereits im April 2020 die städtebaulichen Leitlinien zur Gestaltung des Areals präsentiert – vorab gab es die Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung.


Demo 1: Gegen Verkehrsstadträtin Ulli Sima regt sich Widerstand. „Nach 70 Tagen im Amt kapituliert die SPÖ vor dem Auto und den Bezirkskaiser*innen und kehrt zur Verkehrspolitik der 1970-er Jahre zurück“, sagt Ulrich Leth, Sprecher der Initiative „Platz für Wien“. Die SPÖ-Politikerin sei auf „Klima-Crash-Kurs“ und stehe bei wichtigen Projekten wie der autofreien Innenstadt und dem Ausbau von Radwegen auf der Bremse. Gemeinsam mit „Fridays for Future“ hat die Gruppe deshalb am Freitag für eine klimagerechtere Verkehrspolitik demonstriert. Unterstützung erhält die Initiative von den Wiener Grünen.

© Platz Für Wien / Peter Provaznik


Demo 2: Mehrere hundert Schülerinnen, Schüler und Aktivisten haben am Samstag auf dem Ring dagegen protestiert, dass Minderjährige ohne Asylanspruch mit Zwangsmaßnahmen außer Landes gebracht werden: „Liebe Regierung, Abschiebungen von Kindern sind NIE okay!“ war auf Transparenten zu lesen.

recherche

Harry Mahrer und die Kammer des Schreckens

Umweltunternehmen fühlen sich von der WKO geschädigt statt vertreten

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Das ist die Geschichte eines Firmenchefs, der sich als Opfer seiner eigenen Interessenvertretung fühlt – und das mit gutem Grund. Christian Rakos hat in den vergangenen Jahren versucht, ein spannendes Unternehmen hochzuziehen: Save Energy Austria macht sein Geschäft damit, Energie zu sparen. Die Geschäftsidee entstand aufgrund der Energieeffizienzrichtlinie der EU, durch die in Österreich ein Markt für Energiespar-Maßnahmen entstehen hätte sollen. 

Das war offenbar nicht im Sinne der Wirtschaftskammer, oder genauer gesagt: einiger ihrer mächtigen Mitglieder. „In der WKO lobbyieren einige aus der fossilen Industrie kommende Unternehmen besonders stark“, sagt Sabine Jungwirth, Chefin der Grünen Wirtschaft und Gründerin von „Entrepreneurs for Future", eine 550 Unternehmen starke Initiative, die „Fridays for Future" unterstützt.

Das WKO-Lobbying führte jedenfalls dazu, dass Österreichs Gesetz wirkungslos wurde – zur Freude der Öl-Händler und zum Schaden von Energie-Sparer Rakos. „Wir haben alle Mitarbeiter wieder entlassen müssen“, sagt der Unternehmer: „Die WKO hat die Interessen einzelner Teilorganisationen vertreten, die kein Interesse an Energieeffizienz hatten. Die Mehrzahl der Mitglieder hat durch diese Politik verloren.” Denn die Wirtschaft würde ja insgesamt von Energieeinsparungen profitieren. Gerade gehen die Verhandlungen um ein neues Energieeffizienzgesetz in die heiße Phase, wieder lobbyiert die WKO – und deren Pflichtmitglied Rakos fürchtet erneut um sein Geschäftsmodell.

Dass sich die Kammer für viele ihrer eigenen Mitglieder als Klotz am Bein erweist, haben wir im aktuellen Falter anhand des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes recherchiert. Roger Hackstock vom Verband Austria Solar, der mehr als 100 Solar-Unternehmen vertritt, sagt: „Die WKO hält eisern an der Vergangenheit fest und weigert sich standhaft, Klimaschutz als Chance für Unternehmen anzusehen. Damit wird sie zunehmend zu einem Problem für den Wirtschaftsstandort Österreich.”

Politikwissenschafter Reinhard Steurer von der Universität für Bodenkultur Wien hat die heimische Klimapolitik wissenschaftlich aufgearbeitet und stellt fest: „Die Wirtschaftskammer ist mit dem Wirtschaftsbund der ÖVP jener politische Akteur in Österreich, der Klimaschutz seit Jahrzehnten am stärksten und wirksamsten ausbremst.“

Im Klimaschutz zählt Österreich zu Europas Schlusslichtern. Seit mehr als drei Jahrzehnten sind die Emissionen nicht gesunken. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist die ÖVP an der Regierung. Und seit jeher dominiert der ÖVP-Wirtschaftsbund die Wirtschaftskammer. Der Präsident der WKO ist der ehemalige ÖVP-Minister Harald Mahrer, ihr Generalsekretär der ehemalige ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf.

Die Blockadepolitik schlägt sich auch in der jüngsten Treibhausgas-Bilanz nieder, die das Umweltbundesamt Mitte Jänner veröffentlicht hat. Laut aktuellen Zahlen (Stand: 2019) ist die Menge an klimaschädlichen Gasen im Vergleich zum Jahr davor um 1,5 Prozent gestiegen.

Sein Vorname ist alles, was man von ihm kennt. Und natürlich die Werke, die er signierte: Meister Mathias hat einige der schönsten Wiener Bucheinbände zwischen 1450 und 1475 geschaffen. Die Konkurrenz hat ihn oft kopiert – und nie erreicht. Seine Prunkstücke waren für Universität und Klöster bestimmt, doch Sie müssen weder Professor noch Mönch sein, um einen „Mathias“ zu besitzen. Solche Angebote finden Sie im Antiquariat Inlibris.

coronavirus-in-wien

Folge 6 unserer etwas anderen Corona-Bilanz für Wien – heute mit Zahlen, die ebenso eklig wie erfreulich sind: 2020 radelten die Wienerinnen und Wiener so ausgiebig wie nie zuvor. 9,2 Millionen Fahrten hätten die Wiener laut der Mobilitätsagentur Wien unternommen, also 980.000 mehr als im Jahr davor. Dabei haben die Radler ordentlich geschwitzt.

© Oliver Hofmann/Beton

Die beliebtesten Strecken sind der Donaukanal, die Wienzeile und das Liesingbachufer – die dortigen Zählstellen maßen bis zu 50 Prozent mehr Verkehr. Der Trend zum Sattel betrifft vor allem die Freizeit, dagegen stehen durch Homeoffice und Distance-Learning entfallene Fahrten. An klassischen Arbeits- und Ausbildungswegen wie dem Opernring waren nur um 1,8 Prozent mehr Fahrräder unterwegs. 

Dafür waren die Wiener Autobahnen und Schnellstraßen (für den Stadtverkehr liegen noch keine Zahlen vor) deutlich leerer: Auf der Praterbrücke zählte die ASFINAG in den ersten elf Monaten des Jahres 2020 nach Angaben des Verkehrsclub Österreich 49,5 Millionen Pkw – 8,4 Millionen weniger als im selben Zeitraum im Jahr davor. Der Frachtverkehr ließ sich aber nicht bremsen: “Auf manchen Streckenabschnitten waren während der Pandemie und den Lockdowns sogar mehr LKW unterwegs als zuvor”, sagt Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

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Peter Lindenberg, Unternehmer (Vintagerie, Schickeria)

© privat

Hier bin ich geboren: In Ottakring

Hier fühle ich mich daheim: Meine Geschäfte sind von meiner Wohnung aus in 30 Minuten zu Fuß zu erreichen. Die Gegend zwischen 1060 und 1160 empfinde ich als meine Hood.

Hier verbringe ich den Großteil meiner Zeit: Derzeit in unserer Wohnung in Neulerchenfeld. Auch Designhändler haben Homeoffice. Im Haus befindet sich auch ein Teil des Möbellagers, da habe ich gerade das Ziel, Ordnung und System zu schaffen.

Das sehe ich, wenn ich aus dem Fenster schaue: Ein saniertes und ein unsaniertes Haus. Das symbolisiert das aktuelle Ottakring recht gut. Die Gentrifizierung findet statt, aber in wienerischem Tempo.

Hier habe ich meine ersten Euro verdient: Ich bin in der dritten Generation im Altwaren- und Antiquitätenhandel. Konsequenterweise habe ich mein erstes Geld am Flohmarkt Naschmarkt verdient. Da war ich sechs oder sieben Jahre alt.

So gebe ich das meiste Geld aus: Mein Hobby ist mein Beruf, oder umgekehrt. Ich kaufe Design und Kunst.

Hier bin ich glücklich: In unserer Wohnung und in der Vintagerie.

Hier finde ich Wien am schönsten: In der Allee in der Hasnerstraße, wenn im Frühling die Bäume zu blühen beginnen. Hier fehlen allerdings noch Lokale.

So riecht Wien für mich: Ottakring riecht nach Hefe (die Brauerei), Schokolade (der Manner in Hernals) und Grillfleisch (das serbische Lokal an der Ecke). Leider nicht mehr nach geröstetem Kaffee, seit Santora Kaffee den Bezirk verlassen hat.

wir-schicken-dich-da-raus

Quarantäne-Koller – aber keine Energie, etwas dagegen zu tun? Hier gibt’s Tipps, die ein Anreiz sein könnten, die Lethargie zu überwinden.

Diese Woche: Outdoor-Training

Heute: Calisthenics Parks

Was wie eine exotische Zitrusfrucht klingt, ist in Wahrheit ein Outdoor-Trainingspark mit Geräten zum Eigengewichtstraining. In Wien gibt es davon in jedem Bezirk zumindest einen. Atmosphärisch einer der schönsten ist der Park an der Roßauer Lände am Donaukanal.

© OpenStreetMap

Route: Mit der U4 zur Station Roßauer Lände

Morgen: Gerätetraining 

 
streaming-tipp-von-michael-omasta

Little Big Woman

Box-office-Hit aus Taiwan: Großmutter Shoying erfährt an ihrem 70. Geburtstag, dass ihr lang vermisster Ehemann Bochang gestorben ist und über all die Jahre eine Affäre hatte. Bei seinem Begräbnis trifft Shoying zum ersten Mal auf diese andere Frau, die in den letzten Stunden am Bett ihres Ehemanns war. Regisseur Hsu erzählt in seinem Debütfilm wie sich eine ganze Generation von Frauen von den Einschränkungen durch traditionelle Familienwerte befreit und Wege der Versöhnung sucht. Regie: Joseph Chen-Chieh Hsu, Taiwan 2020 [Netflix, ab 5.2.]

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Die Fortsetzung von „Der Kreisky-Test", der Online-Performance von Nesterval während des Lockdown, nennt sich „Goodbye Kreisky: Willkommen im Untergrund”. Der Plot: Unglaubliches wird durch Bauarbeiten mitten in Wien im Jahr 2020 zufällig zu Tage gefördert: eine tief unter dem Karlsplatz verborgene und in Vergessenheit geratene Anlage der Ära Kreisky/Nesterval. Die seit über fünfzig Jahren isoliert lebenden Bewohnerinnen und Bewohner der sozialdemokratischen Kommune „Goodbye Kreisky" werden an einen geheimen Ort gebracht, und nur wenige Auserwählte dürfen die Überlebenden treffen. Online findet eine Mischung aus Film und digitalem Live-Erlebnis für Gruppen zu je zwölf Personen statt. (Martin Pesl) - hamakom.at, 19 Uhr

buch

Geert Mak: Große Erwartungen. Auf den Spuren des europäischen Traums (1999-2019)

Geert Mak ist Historiker, Reporter und vor allem Reisender. Vor 15 Jahren veröffentlichte er mit „In Europa“ die Psychologie eines Kontinents im ausgehenden 20. Jahrhundert. Nun legt er mit seinem neuen Buch nach. Auf 640 Seiten untersucht der Niederländer in „Auf den Spuren des europäischen Traums“, was aus dem hoffnungsvollen Europa von damals geworden ist, wie die EU-Erweiterung, die Finanzkrise, der Ukraine-Konflikt, der Brexit und der Klimawandel die EU verändert haben. Den europäischen Traum sieht er nicht nur durch die Covid-19-Pandemie bedroht. (Werner A. Perger)

Die gesamte Rezension finden sie unter faltershop.at


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