Mehr als ein Dutzend Beamte, ein Spürhund, ein Helikopter - und das alles wegen einer Gruppe junger Menschen, die auf einem privaten Grundstück campierten. Die Rede ist vom Peršmanhof in Südkärnten.
Im Sommer 2025 durchsuchten Polizisten mehrere Stunden lang die zentrale NS-Gedenkstätte der Kärntner Slowenen. Zu diesem Zeitpunkt fand dort - wie auch im Jahr davor - ein antifaschistisches Bildungscamp statt, organisiert vom Klub Slowenischer Studierender in Wien (KSŠŠD). Die Behörden vermuteten Verstöße gegen das Kärntner Campingplatzgesetz und das Naturschutzgesetz.
Aber statt einen kundigen Beamten aus der Umgebung die Serpentinen zum Bergbauernhof hochzuschicken, wie es angemessen gewesen wäre, rückte ein Großaufgebot an: Der Staatsschutz, die Fremdenpolizei, die Sondereinheit SIG. Ein Polizeihubschrauber umkreiste das Anwesen.
Der Einsatz löste eine diplomatische Krise aus. Der slowenische Botschafter beschwerte sich bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Die Regierungsspitze versprach Aufklärung.
Denn der Polizeieinsatz am Peršmanhof hat eine alte Wunde aufgerissen. Im April 1945 fand hier das letzte Kriegsverbrechen auf Kärntner Boden statt. SS-Angehörige ermordeten vier Erwachsene und sieben Kinder aus zwei slowenischen Familien. Unter dem Vorwand einer Anzeige wegen Viehdiebstahls rückte die Spezialeinheit des I. Bataillons des SS-Polizeiregiments 13 zum Bergbauernhof aus. Die Zivilisten wurden getötet, weil sie im Widerstand gegen die Nazis die Partisanen unterstützt hatten.
Ausgerechnet an diesem Ort kommt es 80 Jahre später zu einem Polizeieinsatz - mit einer waghalsigen Begründung.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) setzte eine Expertenkommission ein, um die Aktion aufzuarbeiten. Das Fazit: Der Einsatzleiter sei schuld. Er habe den umstrittenen Einsatz geplant und durchgeführt, ohne seine Vorgesetzten darüber zu informieren.
Inzwischen gibt es aber erhebliche Zweifel an der offiziellen Darstellung. In den vergangenen Wochen hat der Falter tausende Aktenseiten gelesen, mit Anwälten und Beamten gesprochen und im Archiv gestöbert. Die Recherchen legen nahe, dass die Spitze der Kärntner Polizei sehr wohl über den Einsatz informiert war.
Was sagen das Innenministerium, die Kärntner Polizei und der Einsatzleiter dazu? Wir haben nachgefragt.
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