✍Aktivistinnen schmähen, Wissenschaftler herabwürdigen - beim Fortschrittsthema Klimaschutz gibt die Wiener SPÖ ein deplorables Bild ab >> Sexismus-Debatte um Yung Hurn: Der Wiener HipHop-Autor Mahdi Rahimi verteidigt Rap als Kunst der migrantischen Unterschicht >> Neuer Bezirksvorsteher im 15. >> Film-Tipps von Michael OmastaWetterkritik: In der Früh: Restwolken von nächtlichen Schauern. Zu Mittag:...
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Heiß, heisser, Heisln

Aktivistinnen schmähen, Wissenschaftler herabwürdigen - beim Fortschrittsthema Klimaschutz gibt die Wiener SPÖ ein deplorables Bild ab >> Sexismus-Debatte um Yung Hurn: Der Wiener HipHop-Autor Mahdi Rahimi verteidigt Rap als Kunst der migrantischen Unterschicht >> Neuer Bezirksvorsteher im 15. >> Film-Tipps von Michael Omasta

Wetterkritik: In der Früh: Restwolken von nächtlichen Schauern. Zu Mittag: Bissl Sonne. Gegen Abend: Wieder Regen. Dabei ist heute meteorologischer Sommerbeginn – da hätten wir uns eigentlich ein bisschen mehr erwartet.


Guten Morgen!

Normalerweise verbringe ich meine Samstagnachmittage ja weder vor dem Bildschirm, noch auf Parteiveranstaltungen – vergangenes Wochenende habe ich aber beides gleichzeitig getan: Ich wollte eigentlich nur kurz in den Livestream vom SPÖ-Parteitag aus der Wiener Messe reinschauen und bin dann dort hängengeblieben.

Dass ich mich nicht von der Übertragung losreißen konnte, hatte damit zu tun, dass dort anfangs durchaus konstruktiv über das polarisierende Thema Stadtstraße debattiert wurde – allerdings, wie gesagt, nur anfangs: Da setzten sich junge Parteifunktionäre in kenntnisreichen, differenzierten Redebeiträgen mit dem Projekt auseinander.

Am Ende blieb davon aber nicht viel in Erinnerung: Der Donaustädter Bezirkskaiser Ernst Nevrivy machte alle Bemühungen um die Versöhnung zwischen notwendigen Infrastrukturvorhaben und nachhaltigem Klimaschutz mit einer verbalen Betonwatschen („Heisln“) und einem Angriff auf den Verkehrsexperten Hermann Knoflacher und dessen Kolleginnen und Kollegen zunichte. Das Gejohle im Saal und das zustimmende Gelächter von Bürgermeister Michael Ludwig war gleichzeitig auch alles, was in der öffentlichen Wahrnehmung vom SPÖ-Parteitag übrigblieb. Warum das auf viele Ebenen enttäuschend ist, beschreibe ich gleich unten.

Außerdem: Die Debatte um den Sexismus von Yung Hurn, nächster Teil – der Wiener HipHop-Autor Mahdi Rahimi über Rap als Kunst der migrantischen Unterschicht. Und wie jeden Mittwoch die besten Kinotipps von Michael Omasta.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Florian Klenk

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Der Bürgermeister, der Bezirkskaiser und das Diskursdesaster

Die Wiener SPÖ verbaut sich gerade die Gesprächsbasis mit Kräften, die eine fortschrittliche Partei dringend bräuchte: jungen, kritischen Geistern und renommierten Wissenschaftlern.

Die Wiener SPÖ, allen voran ihr Chef Michael Ludwig, begeht gerade einen schweren Fehler. Nicht deshalb, weil sie die paar Kilometer Stadtstraße in Transdanubien hin zu günstigen Wohnungen baut und Wien jenseits der Donau verdichtet, das ist argumentierbar. Sondern weil die Partei gerade die Kommunikation mit jungen, kritischen Geistern und renommierten Wissenschaftlern verbaut. Kräfte, die eine Partei braucht, wenn sie sich dem Fortschritt verpflichtet fühlt.

Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten, im SPÖ-Jargon auch „Heisln“ genannt … © APA/GERALD MACKINGER

Nichts illustriert das besser als der Auftritt des Donaustädter Bezirkskaisers Ernst Nevrivy beim Landesparteitag der SPÖ. Konfrontiert mit einem Antrag von Alsergrunder Jungsozis, die den Autoverkehr massiver zurückgedrängt und die Stadtstraße redimensioniert sehen wollen, beleidigte er nicht nur die Demonstranten als „Heisln“, sondern gleich auch ein paar Dutzend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihren Mentor Hermann Knoflacher, den ehemaligen Professor an der TU Wien.

Um den erfahrenen und dissidenten Verkehrsplaner lächerlich zu machen, wird er vom gelernten Bezirkspolitiker Nevrivy als „Schwurbler“ beschimpft, weil Knoflacher, mittlerweile 82-jährig, eine Petition von Corona-Maßnahmen-Kritikern unterschrieben hatte.

Eine modern denkende Sozialdemokratie würde nicht nur die junge und lästige Klimaschutzbewegung eingemeinden (anstatt sie, so wie bei Hainburg, wieder den Grünen zuzutreiben), sondern auch einem wie Knoflacher einen Orden verleihen.

… und ein Bürgermeister, der diese Verunglimpfung lustig findet © Livestream SPÖ

Er ist einer der geistigen Ziehväter jener autofreien Innenstadt, mit der sich die Rathausroten heute so gerne international präsentieren. Wie kaum ein anderer verwies Knoflacher schon in den 1970-ern auf die raumfressenden und asozialen Eigenschaften des motorisierten Individualverkehrs.

Er erkannte, dass mehr Straßen mehr Autos anziehen, vor allem auch im Speckgürtel. Gäbe es ihn und die Erkenntnisse seiner Schüler nicht, würde Wien heute keine so lebenswerte Stadt sein.

Nevrivy muss Knoflachers Forschungsarbeiten nicht im Detail kennen. Aber mit der Herabwürdigung von Wissenschaftlern mit einem derben „Heisl-Schmäh“ wirkt er eher wie ein Provinzpolitiker aus der TV-Serie „Kaisermühlen Blues“ denn wie ein Repräsentant einer modernen Stadtpartei.

Dass dann noch der Bürgermeister dazu grinst und der Saal tobt ist deplorabel. Die SPÖ muss die Generation Fridays for Future verstehen und mit ihr kommunizieren, durchaus offensiv – so wie das etwa Stadträtin Ulli Sima schafft –, aber ohne Spott. Sonst werden sich einzelne Sektierer in der Ökoszene weiter radikalisieren und sich mit Blockaden von Straßen oder Baustellen weiter vom aufgeschlossenen Mainstream entfernen.

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Stadtgeschichten
Bild von Soraya Pechtl
VON SORAYA PECHTL

Einer weniger

Mit Gerhard Zatlokal tritt Ende des Jahres ein klimabewusster SPÖ-Bezirksvorsteher zurück. Wer folgt ihm nach? Und was halten die anderen Fraktionen vom Neuen in Rudolfsheim-Fünfhaus?

Der Mann, den man als Gegenentwurf zu Ernst Nevrivy bezeichnen könnte, regiert rund acht Kilometer westlich der Donaustadt: Gerhard Zatlokal, Bezirksvorsteher von Rudolfsheim-Fünfhaus. In seinem Bezirk setzte er in seiner 14-jährigen Amtszeit vor allem auf Verkehrsberuhigung und Begrünung – oftmals gegen den Widerstand des Rathauses oder von Unternehmern. Seine polarisierendsten Projekte: Der Gürtel-Pool und die geplante Verkehrsberuhigung rund um den City-Ikea. Autolos einzukaufen sei sicherlich ein Projekt, das in Zukunft immer öfter gemacht werden muss, um die Klimaziele zu erreichen”, sagte Zatlokal im Vorjahr zu PULS 24. 

Mit Projekten wie diesen zählt der gelernte Elektroinstallateur und ehemalige Obmann des Mietervereins zum klimabewussten Flügel der Sozialdemokraten. Aber Zatlokal wird seinen Posten mit Ende des Jahres zurücklegen. Aus gesundheitlichen Gründen, wie es heißt. Nachfolgen wird ihm Dietmar Baurecht, derzeit stellvertretender Klubvorsitzender der SPÖ und Vorsitzender der Verkehrskommission im 15. Bezirk.

Dietmar Baurecht wird Gerhard Zatlokal als Bezirksvorsteher im 15. nachfolgen © SPÖ Rudolfsheim-Fünfhaus

Baurecht wurde von Gerhard Zatlokal vorgeschlagen und von den SPÖ-Bezirksgremien einstimmig nominiert. Aber wie wird der Neue sein Amt anlegen? Wird Baurecht die Begrünung und Verkehrsberuhigung fortsetzen? Und was sagen die anderen Fraktionen zum neuen Bezirksvorsteher?

Über konkrete Pläne will Baurecht noch nichts verraten. Wir haben einen engagierten Bezirksvorsteher, der sich derzeit noch im Amt befindet und einige Projekte umsetzt. Gerhard Zatlokal und ich arbeiten sehr eng zusammen und sind an einigen Projekten dran", sagt er zum FALTER.morgen. Dass wir als Sozialdemokratie einen umwelt- und klimafreundlichen Weg einschlagen, wird sich nicht verändern."

Das glauben aber längst nicht alle im Bezirk. Die Reaktionen aus den Parteien: 

Die Freiheitlichen sagen, sie hätten bereits bisher gut mit Baurecht zusammengearbeitet und hoffen, dass das so bleibt. Dietmar Baurecht strahlt Juvenilität aus und wird sicher frischen Wind bringen”, sagt Martin Hobek von der FPÖ. 

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist er der Linie der Stadt-SP 100 Prozent treu und kann von dem, was er den Menschen im Bezirk verspricht, wenig umsetzen. Der Umfaller auf der Märzstraße ist ein gutes Beispiel für den neuen Kurs”, sagt Haroun Moalla, stellvertretender Bezirksvorsteher der Grünen.

Dietmar Baurecht ist ein logischer Nachfolger. Er war immer sehr sachlich in der Verkehrskommission. Wir hoffen sehr, dass es mit der Verkehrsberuhigung und der Begrünung in einer ähnlichen Richtung weitergeht. Es gibt einige Baustellen - zum Beispiel einen sicherer Radweg auf der Schweglerbrücke - die Baurecht anzugehen hat”, so Andreas Leszkovsky von den NEOS.

Die ÖVP hat auf unsere Anfrage nicht geantwortet.

Feuilleton
Bild von Matthias Dusini
VON MATTHIAS DUSINI

Das Patriarchat ist nur Stress, Bruda 

Der Wiener HipHop-Autor Mahdi Rahimi verteidigt Rap als Kunst der migrantischen Unterschicht: „Ich glaube nicht, dass Rap-Fans sexistischer sind als Nirvana-Fans.

Im gestrigen FALTER-morgen ging die Journalistin Ana Ryue mit dem Rapper Yung Hurn hart ins Gericht. Sie warf ihm vor, ein sexistisches Frauenbild zu vermitteln. Heute lernen Sie eine andere Sichtweise kennen. Der Wiener HipHop-Autor Mahdi Rahimi verteidigt Rap als Kunst der migrantischen Unterschicht: „Man muss dem Zuhörer schon zutrauen, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.“

„Man muss dem Zuhörer schon zutrauen, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden“: HipHop-Autor Mahdi Rahimi © privat

Der Frust von Mahdi Rahimi ist spürbar, obwohl er fern von Wien in einem Pariser Kaffeehaus sitzt. Eher langweilig sei die Diskussion über den Cloud-Rapper Yung Hurn. „Das ist ein Thema, das alle 10 Jahre wieder auftaucht“, sagt Mahdi Rahimi. Natürlich müsse man darüber diskutieren, wie sexistisch die Gesellschaft sei, aber dafür an Yung Hurn oder anderen Rappern ein Exempel zu statuieren, sei verfehlt. „Er ist eine Kunstfigur, und kann als solche fast alles machen, was er will.“

Die österreichische Popgeschichte kennt ältere Beispiele für Popsongs mit skandalösen Inhalten. In Falcos „Jeanny“ (1985) etwa nimmt der Sänger die Perspektive eines Vergewaltigers ein. Dieser Hit löste Proteste aus, die sich allerdings gegen den Gewalt verharmlosenden Inhalt und nicht gegen den Künstler richteten. Niemand kam aber auf die Idee, Falco für einen Vergewaltiger zu halten. „Man muss dem Zuhörer schon zutrauen, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden“, sagt Rahimi.

Rahimi, Jg. 1982, hat Mathematik fertig studiert, obwohl er mit Gangsta Rap aufwuchs. Er schreibt über Popkultur, Rap und Rassismus. Für ihn ist Yung Hurn eher ein Popstar, dem nicht die Underdogs von Fünfhaus, sondern die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus Döbling zujubeln. Die Wiener Festwochen bezeichnet er als bürgerliche Prestigeveranstaltung, und in der Ablehnung von Yung Hurn schwinge eine Verachtung mit. Die treffe deutschsprachigen Rap insgesamt – die Kunst von Chabo, Babo und Brudi, der vor allem migrantischen Unterschicht.

Als Yung Hurns berühmter Kollege RAF Camora 2019 in die Wiener Stadthalle kam, kritisierte der Standard einen „Sexismus im Neandertal“ und die „harte Sprache der stadtauswärts der Stadthalle gelegenen Döner- und Balkanbuden“, ganz so, als würde dort eine exotische Rape-Kultur vorherrschen. Bei Yung Hurn, dem jungen Autochthonen aus Hirschstetten, lässt sich dieser Code nicht zünden. Daher würden, merkt Rahimi sarkastisch an, Yung-Hurns-Fans auch nicht unter Generalverdacht gestellt, Sexualverbrecher zu sein. 

Um Rap zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Ursprünge in den afroamerikanischen Ghettos. HipHop entwickelte sich zur Ausdrucksform einer gesellschaftlichen Schicht, der man sonst kaum einen Raum gab. „Selbst dann, wenn Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner einen Song machen, in dem sie mit ihrem Reichtum protzend über italienische Luxusartikel rappen, hat Rap eine politische Dimension“, schreibt Rahimi: „Das 400 Jahre alte Konzept der Sklaverei hatte für diese Menschen schließlich keinen Luxus vorgesehen.“ 

In den 1980er und 1990er-Jahren, als Rapmusik allmählich auch die weißen Vorstädte erreichte, war HipHop teilweise mit den Anliegen der Bürgerrechtsbewegung verknüpft: dem Kampf gegen Armut, Polizeigewalt und rassistische Übergriffe. Und hier liegen auch die Wurzeln eines bis heute nachwirkenden Widerspruchs. Aktivistinnen und Aktivisten klopfen die Sprache auf verletzende Wörter hin ab und erklären die Verwendung etwa des N-Worts zum Tabu. Wie soll sich das mit einer Kunstform vertragen, die Schwulen- und Frauenhass teilweise zu rhythmisch wertvollem Reimmaterial erklärt? Die Rebellen bedienten und bedienen sich einer Sprache, die die Verachtung von Opfern nicht nur abbildet, sondern möglicherweise verstärkt.

Im Jahr 1991 traf Angela Davis, eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung, auf Ice Cube, der gerade sein zweites Album „AmeriKKKa's Most Wanted“ herausbrachte. Davis wollte wissen, warum den Rap-Stars die Herzen der Jugend zuflogen und machte den Künstler auf den problematischen Umgang mit Wörtern wie bitch oder negro aufmerksam. Für sie war „negro“ gleichbedeutend mit Sklave, warum also käme das N-Wort so häufig vor?

„Wir greifen die Sprache der Straße auf“, sagt Ice Cube, „und zeigen den Kids die Situation, in der sie stecken, das was wirklich abgeht. Wir öffnen ihnen die Augen.“ Der Rapper Chuck D von Public Enemy bezeichnete Rap damals als „Black America‘s CNN“. Auch wenn Yung Hurn mit Ice Cube und Chuck D wenig zu tun hat, so treffen seine Sprache, sein Schmäh und seine Musik viele Jugendliche, die diese Musik als reine Unterhaltung verstehen.

Mit Yung Hurn werde eine alte Diskussion aufgerollt, sagt Rahimi. Nur sei sie an den österreichischen Feuilletons vorbeigegangen, die sich lieber mit Tocotronic und Bilderbuch als mit RAF Camora beschäftigen. „Ich glaube nicht, dass Rap-Fans sexistischer sind als Nirvana-Fans.“

Eine ähnliche Aufregung zum Thema Homophobie im Rap habe es vor 20 Jahren gegeben, als der Rapper Kool Savas in Wien einen Auftritt haben sollte, erinnert sich Rahimi. „Die Beteiligten sprachen damals aneinander vorbei, und es gab keine Diskussion, sondern nur Skandal und Entsetzen. Kool Savas rappt noch immer, aber mit knapp 50 nicht mehr über ,schwule Rapper’ und wahrscheinlich sind ihm die Texte von damals auch etwas peinlich.“

Popmusik lebt von Wiederholungen. Protest und Anpassung, Kommerz und Underground sind Themen, die immer wieder neu bearbeitet werden. Frauenfeindlichkeit ist ebenfalls ein Evergreen, der viel zu oft gesungen wird. „Man sollte dieses Problem nicht trivialisieren“, ist Rahimi überzeugt. Das Patriarchat ist nur Stress, Bruda. 

Stadtnachrichten

Wenn Sie gleich ein Déjà-vu haben, dann liegt das nicht an uns. Die Reinprechtsdorfer Straße in Margareten wird endlich neu gestaltet. Bisher gab es diesbezüglich ja immer nur Absichtserklärungen (Sie haben im FALTER.morgen davon gelesen). Gestern hat die Bezirksvorstehung im Fünften dann die neuen („zu 90 Prozent fertigen") Pläne im Amtshaus präsentiert.

Die vielbefahrene Einkaufsmeile wird zur dauerhaften Einbahnstraße, die Gehsteige werden von 3,5 auf bis zu 6 Meter vorgezogen. Zudem sollen 32 neue Bäume, zwei Wasserspiele, Nebelstellen, 50 Sitzgelegenheiten und Radabstellanlagen entstehen. Der Umbau beginnt im nächsten Frühjahr. Komplett fertiggestellt wird die Straße erst nach dem Abschluss der U-Bahn-Bauarbeiten im Jahr 2028.

Was fehlt, ist ein baulich getrennter, durchgängiger Radweg. © Screenshot Twitter

Ein überfälliger Schritt. Was fehlt, ist ein baulich getrennter, durchgängiger Radweg. Es bleibt der Radstreifen gegen die Einbahn. Vielleicht ist dafür zu wenig Platz? Das vermutet zumindest der Satire-Kanal SPÖ Diesel auf Twitter.

Immerhin: Die parallel liegende Kohlgasse wird zur fahrradfreundlichen Straße.


Mit dem Konzept „Gemeindebau neu“ versucht die Stadt Wien die Quadratur des Kreises zwischen Wohnraumbedarf, Vermeidung von Bodenversiegelung, leistbaren Mieten und ökologischer Nachhaltigkeit zu schaffen: Gebaut wird nur dort, wo kein Grünraum vernichtet wird, weil der Standort ohnehin bereits zubetoniert ist; die Gebäude sind als Niedrigenergiehäuser konzipiert, mit außenliegendem Sonnenschutz gegen Hitze isoliert und mit Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach ausgestattet. Alle Wohnungen besitzen Loggien und/oder Balkone. Zusätzlich stehen Rankgerüste auf den Balkonen zur individuellen Begrünung zur Verfügung. Beschattete Spielplätze im Hof sollen auch für Kinder aus der Nachbarschaft offenstehen.

Ein derartiges Projekt mit 118 Wohnungen (ein bis vier Zimmer bzw. 37,6 bis 96,5 Quadratmeter) entsteht gerade in der Engerthstraße 257 A / Dr. Natterer-Gasse 2 A und soll 2024 bezugsfertig sein. Wie und unter welchen Voraussetzungen man sich dafür vormerken lassen kann ist hier zu lesen.

Frage des Tages

Wieviele Stockwerke hat das älteste Hochhaus Wiens?

1) 10

2) 16

3) 24

Auflösung von gestern: Der Ausdruck „Heh“ für Polizei kommt vom mythischen Geist Hehmann, der die Wälder bewacht und Holzdiebe bestraft – nicht von den „Heh!“-Rufen bei der Verfolgung von Verdächtigen oder der Verballhornung des Wortes „Höhe“ für die Obrigkeit.

Event des Tages
Bild von Lisa Kiss
AUSGEWÄHLT VON LISA KISS

Kindertheater

Pezi will seinen allerallerbesten Freund Kasperl mit einem ganz besonderen Abenteuer überraschen und holt sich als Unterstützung die Wissenschaftskabarettisten Science Busters auf die Bühne. In „Pezi und die Science Busters“ wird also getüftelt und experimentiert, was das Zeug hält, vielleicht klappt ja ein kleiner Raketenstart mit ein bisserl Knall, Rauch und Bumm? Was genau das Publikum erwartet, bleibt ein Geheimnis, nur so viel sei verraten, auch die Kinder dürfen sich an dem einen oder anderen Experiment beteiligen. Ab sechs Jahren. (Barbara Fuchs)

Urania, Mittlerer Saal, 17.00

Buchtipp

Gitta Tonka: Favoriten

Die Geschichte des Böhmischen Praters, die Arbeiterkultur im „zehnten Hieb", der Straßengangs und Volksbildner -das und vieles mehr kann man in Gitta Tonkas Buch „Favoriten -Auf den Spuren eines Wiener Arbeiterbezirkes" nachlesen. Wenn sie erzählt, dann blickt sie auf eine unglaubliche, 170-jährige Familiengeschichte zurück. 

Tonkas Urgroßvater Jakob Sokopp kam in den 1870er-Jahren nach Wien. Er lernte Metalldrucker und war schon in der allerersten Generation der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften aktiv. Jakob Reumann, später der erste Bürgermeister des Roten Wien, war einer seiner engsten Freunde. Die Familie lebte in Elendsquartieren, bis sie in einer kleinen Wohnung mit Werkstatt in der Buchengasse 100 unterkam. (Robert Misik)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Film-Tipps
Bild von Michael Omasta
VON MICHAEL OMASTA

Maixabel - Eine Geschichte von Liebe, Zorn und Hoffnung

Im Sommer 2000 erschütterte der Mord an dem sozialistischen Lokalpolitiker Juan Marí Jáuregui das Baskenland. Elf Jahre nach dem Attentat der ETA meldet sich einer der Mörder bei dessen Witwe Maixabel Lasa und bittet um ein Gespräch, weil er seine Taten bereue und mit der Terrororganisation gebrochen habe. Starkes, auf realen Ereignissen basierendes Drama.

Regie: Icíar Bollaín, E 2021


Sechs Tage unter Strom - Unterwegs in Barcelona

© Verleih

Was geschieht, wenn ein junger Marokkaner und ein alter, konservativer Sturkopf aufeinanderprallen? Moha, Valero und Pep, drei Installateure unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft werden in Barcelona zu Arbeiten in Anwesen und Wohnungen gerufen, in denen sie meist deplatziert wirken. Einer von ihnen steht kurz vor der Pensionierung, der andere hat noch Probezeit, und der dritte möchte, das alles bleibt, wie es ist. Bei der Arbeit geraten sie öfters aneinander, aber lernen auch miteinander auszukommen. Wohlfühlkomödie, die ganz nebenbei ein Porträt der katalanischen Hauptstadt zeichnet.

Regie: Neus Ballús, E 2021


Top Gun: Maverick

Pete „Maverick" Mitchell (Tom Cruise), seit 35 Jahren als furchtloser Testflieger der Navy im Einsatz, soll eine Gruppe von Top-Gun-Azubis auf ein Himmelfahrtskommando vorbereiten soll. Unter ihnen auch Bradley Bradshaw (Miles Teller), der Sohn seines weiland umgekommenen Copiloten, was seine Mission noch erschwert. Bubenkino wie damals - mit beeindruckenden Flugszenen, gestählten Körpern und nostalgischer Jukebox-Playlist.

Regie: Joseph Kosinski, USA/CHN 2022


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