✍In Breitensee leben Fahrradkuriere in schimmeligen Räumen, auf Matratzenlagern und teilweise ohne Heizung: Wer steckt dahinter? >> Dieter Reinisch ist Vorstandsmitglied des ÖJC und berichtet für einen iranischen Sender – nun könnte das Konsequenzen haben >> Hundstage beim Crossfit >> Film-Tipps von Michael Omasta Wetterkritik: Es wird noch ein bisschen wärmer (bis zu 10 Grad) und bleibt grau. Wir wollen nichts versc…
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FALTER.morgen – Der Wien-Newsletter / In einem Horrorhaus / 11.02.2026 / Sie starten in den Tag mit Matthias Winterer }}

In Breitensee leben Fahrradkuriere in schimmeligen Räumen, auf Matratzenlagern und teilweise ohne Heizung: Wer steckt dahinter? >> Dieter Reinisch ist Vorstandsmitglied des ÖJC und berichtet für einen iranischen Sender – nun könnte das Konsequenzen haben >> Hundstage beim Crossfit >> Film-Tipps von Michael Omasta

Wetterkritik: Es wird noch ein bisschen wärmer (bis zu 10 Grad) und bleibt grau. Wir wollen nichts verschreien, aber am Donnerstag könnten wir ein bisschen Sonne abkriegen.


Guten Morgen!

In den vergangenen Wochen war ich mehrmals in Breitensee im 14. Bezirk. Hier bröckelt die Stadt. Das gemütliche Grätzel mit Weinschenken, kleinen Kaufleuten, Gaststuben ist längst verschwunden. Stattdessen herrscht Leerstand. Ich war aber nicht dort, um das Sterben der Stadt zu beobachten, ich wollte die Lebensbedingungen der Essenskuriere kennenlernen.

Sie wohnen dort in einem schimmeligen Massenquartier. Mehr darüber lesen Sie im aktuellen Falter. Wer ihnen die Zimmer dort vermietet, erfahren Sie gleich.

Außerdem: Lina Paulitsch berichtet über Dieter Reinisch, Vorstandsmitglied des Österreichischen Journalisten Clubs, der als Korrespondent für das iranische Fernsehen arbeitet. Und Michael Omasta hat wie immer die drei besten Filme der Woche für Sie.

Einen schönen Tag wünscht

Matthias Winterer


Heute für Sie auf falter.at:

  1. Der Fall Hirtenberg und kein Ende: Vor mittlerweile zwei Wochen hat der Falter aufgedeckt, wie ein Häftling bei einem Justizwache-Einsatz so schwer verletzt wurde, dass er am Weg ins Spital starb. Die zuständige Ministerin Anna Sporrer (SPÖ) gibt seither kein besonders glückliches Bild ab, schreibt Florian Klenk. Erst wurde sie vom eigenen Haus nicht informiert, nun setzt sie auf Schuldzuweisungen nach unten und schiebt die Schuld auf die Beamten.

  2. Seit sechs Jahren berichtet die Journalistin Daniela Prugger aus der Ukraine. Ob an der Front oder in Kiew – oft unter Lebensgefahr, immer unter schwierigsten Bedingungen. Dennoch denkt sie nicht daran, ihren Posten aufzugeben. Warum, das erzählt sie im Gespräch mit Tessa Szyszkowitz.

  3. Schauen Sie gerade Olympia? Matthias Dusini tut es, und dabei ist ihm aufgefallen, dass wir Sportlern, die im echten Leben auf die schiefe Bahn geraten (und da gibt es gar nicht wenige), erstaunlich schnell verzeihen. Der Weg vom Strafgericht zurück aufs Siegerpodest ist kurz – aber warum eigentlich?

… und wenn Sie ab und zu das Bedürfnis haben, den Tag zur Nacht zu machen, dann hat Falters Best of Vienna ein paar Tipps für Sie: Hier finden Sie die besten Afterhour-Spots in Wien.

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DIE LINIE – nur noch bis 8. März!

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Die neuen Wiener Bettgeher und der Investor

 In einem Haus in Breitensee schlafen Essens-Zusteller Matratze an Matratze: Ohne Heizung, ohne Anstellung, ohne Perspektive. Wer profitiert vom Pizza-Prekariat?

Hans Jörg Ulreich hat eine Sonderstellung unter den Wiener Immobilien-Spekulanten, einer Berufsgruppe, so angesehen wie Gebrauchtwagenhändler. Doch Ulreich ist kein windiger Investor mit Rolex am Handgelenk und Porsche in der Garage. Der Sohn eines Bauern hat ein soziales Gewissen.

Im Jahr 2010, in der Immobilienbranche war die Goldgräberstimmung ausgebrochen, stellte er eines seiner Zinshäuser am Meidlinger Markt dem Verein Purple Sheep kostenlos zur Verfügung. Purple Sheep setzt sich für die Rechte von Asylbewerbern ein und brachte in Ulreichs Haus – dem „Freunde Schützen Haus” – Familien, kurz vor der Abschiebung, unter. Ulreich, Gründer und Eigentümer der Ulreich Bauträger GmbH, erzählte den Medien, wie es zu seinem Engagement kam.

Der Fußballfreund seines Sohnes wurde von heute auf morgen abgeschoben. Ulreich war schockiert, die Familie sei bestens integriert gewesen – und beschloss, aktiv zu werden. Auf einer Pressekonferenz griff er den damaligen ÖVP-Vizekanzler Josef Pröll, Befürworter eines restriktiven Bleiberechts, scharf an. „Schauen Sie den Kindern in die Augen und dann sagen wir: Lassen wir es bleiben”, sagte Ulreich in die Kameras. Bis heute steht das „Freunde Schützen Haus” in der Meidlinger Arndtstraße. Zweifellos eine gute Sache.

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Blick durch ein verschmutztes Fenster auf einen feuchten Innenhof mit abgenutzten Möbeln; im Vordergrund ein schmutziger Fenstersims und ein Kühlschrank.
© Christopher Mavrič

Umso mehr verwundert eine neue Falter-Recherche. Auch in Breitensee im Bezirk Penzing steht ein Haus von Ulreich. Auch hier leben Geflüchtete. Doch diesmal unter widrigsten Bedingungen. Das alte Vorstadthaus ist verfallen, im Souterrain liegt Schutt, am Boden nackte Erde. Im ersten Stock gibt es zwei Wohnungen. In einer fand der Falter keine Heizung, Schimmel blüht, es hatte wenige Grad über dem Gefrierpunkt, von den feuchten Wänden fiel der Putz ab.

Die Bewohner, syrische Flüchtlinge, schlafen Matratze an Matratze. Sie sind allesamt Essens-Zusteller, für die drei großen Platzhirsche: Foodora, Lieferando und Wolt. Sie sitzen 365 Tage im Jahr am Moped, oft bis zu zehn Stunden am Tag. Und verdienen trotzdem viel zu wenig. Sie haben keine Lobby, keine Perspektive und keine Anstellung. Als freie Dienstnehmer sind sie von Lieferaufträgen abhängig, die ihnen die Plattformen aufs Handy spielen. Die Gig-Economy hat ein neues Prekariat geschaffen. Es lebt am äußersten Rand der Gesellschaft. Im Haus von Hans Jörg Ulreich.

Der nimmt Geld für die beiden Absteigen. Für knapp 12 Euro vermietet er die Quartiere an die Syrer. Rechtlich darf Ulreich das. Das Gebäude ist als Zweifamilienhaus vom Mietrechtsgesetz ausgenommen. Und von den Missständen hätte Ulreich nichts gewusst, wie er dem Falter versichert.

Vor der Vermietung vor eineinhalb Jahren habe er noch Geld in die Sanierung gesteckt, bei der Übergabe seien Küche, Bad, Boiler und Heizung in einwandfreiem Zustand gewesen. Fotos oder Abrechnungen wollte seine Firma aus Gründen der Vertraulichkeit jedoch nicht herausgeben. Außerdem habe er nicht gewusst, dass die Räume als Massenquartier genutzt würden. Tatsächlich sind die beiden befristeten Mietverträge, die dem Falter vorliegen, auf jeweils nur eine Person ausgestellt.

Auf lange Sicht will Ulreich das Haus sanieren und aufstocken. Neben dem Bleiberecht kritisiert der Bauträger auch gerne die Wiener Wohnpolitik: Durch die gedeckelten Altbaumieten sei eine Sanierung für Eigentümer nicht rentabel. Das gefährde die Wiener Gründerzeit-Struktur. Für Investoren bleibt oft nur eins: Die Häuser parifizieren, also in einzelne Eigentumswohnungen zu filetieren und auf den Markt zu werfen.

Doch der Eigenheimmarkt ist derzeit schwach. Viele potenzielle Kunden können aufgrund der strenger gewordenen Kreditregeln keine Wohnungen mehr kaufen. Die Eigentümer warten ab, bevor sie ihre, großteils ebenfalls kreditfinanzierten, Häuser renovieren. Sie sitzen auf Ruinen. Und manche vermieten sie auch, oft an sehr arme Leute.

Ulreich sagt, er habe die Wohnungen aus Mitgefühl an die beiden Syrer vermietet: „Sie haben mir leid getan.” Doch die Sache kratzt an seinem Image als Investor mit Gewissen. 

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K-Pop x Wiener Symphoniker

Die traditionsreiche Klangkultur der Wiener Symphoniker trifft auf die schillernde Welt des K-Pop. Die musikalische Reise nach Südkorea bietet orchestrale Versionen der bekanntesten Songs des Genres, die erstmals in Wien zu hören sein werden. Mit dabei: K-Pop Idol RYEOWOOK der Boygroup Super Junior.

Wiener Symphoniker x K-Pop

16. Februar 2026, 19.30, Wiener Konzerthaus, Großer Saal


Stadtnachrichten

Vorige Woche haben wir berichtet, dass der Wiener Mittelschul-Direktor und ÖVP-Personalvertreter Christian Klar dem russischen Fernsehen Rossija 1 zwei Interviews gab.
Die Wiener Bildungsdirektion prüft noch mögliche Konsequenzen, in der Volkspartei wurden bereits welche gezogen.

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Zwei Männer sitzen sich in einem Klassenzimmer gegenüber, einer hält ein Mikrofon mit der Aufschrift „Россия“, im Hintergrund eine Tafel und Kinderzeichnungen.
Christian Klar im Interview mit dem russischen Fernsehen. (© Screenshot Rossija1)

„Aufgrund der inakzeptablen Vorkommnisse war ein Rücktritt unausweichlich, diesen hat Christian Klar kommuniziert. Wir nehmen den Rücktritt von allen Parteifunktionen zur Kenntnis“, heißt es von der Wiener ÖVP.

Mehr über den Beitrag im russischen Fernsehen lesen Sie hier.


Vielleicht haben Sie am Montag die Nachricht gelesen, dass in Liesing radioaktives Material gefunden wurde. Seit gestern ist klar, worum es sich handelte. Auf dem Gelände eines Entsorgungsunternehmens hatten Messanlagen Alarm geschlagen. Gestern wurde ein drei Meter langes Rohr gefunden, auf dem Thorium 232 mit schwacher Strahlung gemessen wurde.

Die Polizei vermutet, dass das Rohr von einer Baustelle stammen könnte. Es wurde zu weiteren Untersuchungen ins Forschungszentrum Seibersdorf gebracht. Die Beamten des Landeskriminalamts ermitteln wegen des Verdachts der fahrlässigen Gefährdung durch Kernenergie oder ionisierende Strahlen sowie wegen Umweltdelikten.


In den vergangenen Wochen gab es einige Kritik an Walter Ruck, Chef der Wirtschaftskammer Wien. Er soll Familienmitglieder in Posten bei Sozialversicherungsträgern gehievt haben. Einigen Funktionären sollen vorgefertigte Rücktrittserklärungen vorgelegt worden sein, berichteten profil und der Standard vor wenigen Tagen. Die Erklärungen hätten Ruck als Druckmittel gedient. Er bestreitet das. 

Zurücktreten will der Wirtschaftskammer-Chef jedenfalls nicht. „Ich bin für die Periode bis 2030 gewählt“ und werde diese „genauso zu Ende führen“, sagte er im Ö1-Mittagsjournal.


Falter Radio

Was bringt eine Volksbefragung zum Wehrdienst? – #1572

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Ein Mann im Anzug spricht am Rednerpult mit der Aufschrift „Bundeskanzler Christian Stocker“, links eine österreichische Flagge.

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) möchte das Volk über die Verlängerung des Wehrdienstes befragen. Die SPÖ hätte lieber eine Volksbefragung über eine Erbschaftssteuer für Millionäre. Die Neos, der dritte Koalitionspartner, wollen nichts von beidem. Warum die von der ÖVP geplante Volksbefragung daneben ist, aber wichtige Fragen zur Rolle Österreichs bei der Verteidigung Europas aufwerfen könnte, argumentiert in dieser Folge der stellvertretende Chefredakteur des Falter, Martin Staudinger.


Recherche

Bild von Lina Paulitsch
VON LINA PAULITSCH

Irans Außenstelle in Wien

Dieter Reinisch, Vorstandsmitglied beim Österreichischen Journalistenclub, arbeitet fürs iranische Staatsfernsehen. Nun gibt es Konsequenzen.

Es rumort im Österreichischen Journalistenclub (ÖJC). Am Freitag, 13. Februar, entscheidet der Verein über einen heiklen Fall. Dieter Reinisch, Mitglied des Vorstands, soll per Abstimmung abgesetzt werden.

Reinisch, Jahrgang 1986, ist kein Unbekannter. Seit Mai 2025 ist er beim ÖJC „stellvertretender Chefredakteur”, wie er auf LinkedIn schreibt. Er ist auch Korrespondent beim iranischen Staatsfernsehen. Aus Europa berichtet er für das englischsprachige Press TV, das direkt dem Mullah Regime untersteht. Und er lässt sich gerne von russischen Staatsmedien als Experte interviewen. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Reporter steht mit PressTV-Mikrofon vor einem Gebäude; eingeblendeter Text: „Vienna Jewish Anti-Zionist Declaration – Plans for Anti-Zionist Congress Announced“.
Dieter Reinisch berichtet für das iranische Press TV. (© Screenshot Press TV)

Seit letztem Sommer ist das dem ÖJC bekannt. Damals hatte der Falter über einen fragwürdigen Lehrgang zum „Friedensjournalismus” berichtet. Neben Reinisch waren prorussische Denker und ein Assad-Anhänger als Dozenten geplant. 

Vereinspräsident Christian Stöger hatte sich damals dezidiert hinter Reinisch gestellt und den Falter attackiert. „Wir haben ihn anfangs verteidigt”, sagt Stöger heute, „wir haben uns die TV-Beiträge damals angesehen: die waren inhaltlich okay, aber nicht ausgewogen.” Im Iran werde nun einmal zensiert, da könne man als Journalist nicht alles steuern. 

Eine einfache Google-Suche reicht, um etliche von Reinischs Beiträgen zu finden. Er berichtete von propalästinensischen und prorussischen Demos, und erklärt, dass in Europa die öffentliche Meinung unterdrückt sei. Erst vor einem Monat, als das iranische Regime tausende Demonstranten ermorden ließ, berichtete Reinisch vom geplanten Kopftuchverbot für Press TV. 

Reinisch war auch in einem kürzlich vom Falter aufgedeckten Fernsehbeitrag präsent. Der russische Sender Rossija 1 besuchte Schuldirektor Christian Klar, der für den prorussischen Exxpress schreibt, im Klassenzimmer. In dem Beitrag, der hier zu sehen ist, kommt danach eine Lehrerin zu Wort – und Dieter Reinisch. Er erzählt von „abgeschotteten Welten” in Wien, in denen die Kinder weder Schiller noch Goethe mehr lesen und die heimische Kultur nicht verstehen. Im Beitrag ist zu hören, dass muslimische Kinder „nicht mit Besteck essen können”. Wie das wohl Reinischs muslimischer Auftraggeber Press TV findet?

Dem ÖJC war das Interview nicht bekannt, sagt Präsident Stöger. Ohnehin habe sich die Stimmung im Verein geändert. Reinisch bereite dem ÖJC ein Imageproblem, von dem man sich nun doch befreien wolle. Am Freitag stimmt die Generalversammlung darüber ab.


Hundstage #55

Bild von Viktoria Klimpfinger
VON VIKTORIA KLIMPFINGER

Fini im Fitnessstudio

Bei Crossfit Jacked am Gürtel darf man den Hund zum Training mitbringen. Und Fini wollte mich offenbar leiden sehen. 

Es ist 2016 und ich hänge von der Klimmzugstange wie ein nasser Sandsack, umringt von einer Horde durchtrainierter Männer mit Nierengurt. Zehn Klimmzüge (hüpfend von einer 50 cm hohen Holzbox aus) hätte ich schaffen sollen. Die Männer wollen mir helfen, mich mit ihrer moralischen Unterstützung über die Ziellinie zu tragen. Sie grölen mit: „Zwei!” „Drei!” Stille. „Geht schon, zieh durch!” Stille. „Einer noch!” Nein. 

Wer es nicht kennt: Crossfit ist wie Zirkeltraining auf Steroiden. Man ist dabei auch noch eine „Community”. Aber als Mensch, der ohnehin zu Schrulligkeiten in der sozialen Interaktion neigt und Pusteln bekommt, wenn er sich anstrengt, ist es für die angewandte Coolness nicht unbedingt förderlich, wenn man den Faktor „Sport” dazuaddiert. In meinen wilden 20ern, als mir der Rücken noch nicht vom bloßen Herumliegen weh getan hat, habe ich es also mit Crossfit probiert – und bin an der „Gruppendynamik” gescheitert. (Und an den Klimmzügen.) 

Fini im Fitnessstudio
Fini neben Hanteln, unbeeindruckt (© Falter/Klimpfinger)

Mittlerweile gibt es aber ein Crossfit-Studio in Wien, in dem Hunde willkommen sind. Perfekt, dachte ich. Sollte mein schwaches Fleisch den einigermaßen willigen Geist aufgeben, kann ich mich immer noch auf den armen Hund rausreden, um den ich mich jetzt leider ganz dringend kümmern muss. Gesagt, getan. 

Als die Tür der Erdgeschoss-Halle am Gürtel auffliegt, stürmt Fini fröhlich hinein. Der Coach nimmt sie sofort in Empfang, mit intensivem Streicheln, wie es sich gehört. Sie darf sich prinzipiell frei bewegen, soll es sich am besten auf den Hundedecken gemütlich machen. Ich deute ihr halbherzig, sie folgt anstandslos. Eigenartig. Mit so viel Demut hätte ich nicht gerechnet. Leider haben wir uns kein Safeword ausgemacht, mit dem sie mich hätte vorzeitig erlösen können. Zweimal Zwinkern für: Zerleg die Bude. Oder so. 

Während ich also zehn Jahre später wieder von einer Klimmzugstange baumle, liegt Fini nur da und beobachtet mich skeptisch. Es gibt Momente, in denen würde ich wirklich gerne wissen, was sie denkt. Dieser ist keiner davon. Plötzlich sitzt sie neben dem Coach und lässt sich demonstrativ von ihm das Bäuchlein kraulen. Jetzt käme ein Freaky-Friday-Körpertausch gerade recht, denke ich, während ich mit den Ringen hantiere wie eine Weltmeisterin – im Schach. 

Erst bei der letzten Übung verliert der Hund endlich die Contenance. Jeder soll sich zwei Kettlebells holen, wir stellen uns im Kreis auf. Die Gewichte sehen mit ihrer Kugelform etwas zu sehr nach Bällen aus, und dann sind sie auch noch bunt bemalt. Zu viel für den kleinen Balljunkie. Fini büchst aus und scharwenzelt aufgeregt in die Mitte des Kreises, der Schweif wedelt so heftig, dass ihr ganzer Hintern mitwedelt, und die Lefzen ziehen sich (ja, das kann sie) zu einem Grinsen. 

Doch noch bevor ich dramatisch in die Runde rufen kann: „Ich muss gehen, der Hund rastet aus!”, sieht sie ein, dass ihr Kiefer den vermeintlichen Bällen nicht gewachsen wäre, und trottet davon. Kein Rambazamba, keine willkommene Ausrede. Dafür ein ausgewachsener Muskelkater. Danke für nichts, Fini.


Frage des Tages

In Wien gibt es mittlerweile 14 Stadtwanderwege. Wie lang sind sie im Durchschnitt?

1. 5 km

2. 11 km

3. 18 km

Auflösung von gestern: Die „Berndl-Kolonie“, oder auch „Kolonie Neu-Brasilien", war eine Kolonie begeisterter Sonnenanbeter an der Alten Donau, benannt nach dem Naturheilkundler Florian Berndl (also kein Gartenbaubetrieb mit exotischen Früchten oder eine Papageienzucht).


Events des Tages

Bild von Gerhard Stöger
AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER

Buchpräsentation

Hetze im Netz und die Verbreitung von Fake News sind zentrale Themen in der Arbeit der Politik- und Technologie-Expertin Ingrid Brodnig. Im Wien Museum präsentiert die einstige FALTER-Redakteurin heute ihr neues Buch „Feindbild Frau. Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und geschmäht werden –  und was wir alle dagegen tun können“. Broding beschreibt darin, wie systematische Einschüchterung Frauen aus der politischen Öffentlichkeit drängen soll und was das für unsere Demokratie bedeutet. Sie dokumentiert konkrete Angriffe; analysiert, wie digitale Gewalt funktioniert – und liefert das Rüstzeug für politisch erhitzte Zeiten. Im konkreten Fall der Neuerscheinung: Schutzstrategien, die Frauen stärken und zum Handeln bringen sollen. (Sebastian Fasthuber)

Wien Museum, 18.30 (Eintritt frei, Anmeldung)


Kunst

„An the winner is …“: Nadim Vardag hat den Msgr. Otto Mauer Preis 2025 erhalten. Der Wiener Konzeptkünstler, Jahrgang 1980, befasst sich in Zeichnungen, Filmloops und Installationen damit, wie mediale Bilder entstehen. Zu der mit 15.000 Euro dotierten Auszeichnung gehört auch eine Ausstellung, die heute eröffnet. (Nicole Scheyerer)

Jesuitenfoyer, 18.00 (bis 20.3.)


Buchtipp

Jana Puglierin: Wer verteidigt Europa?

Bücher, die in der Zukunft spielen, sind en vogue. Nach Florence Gaubs „Szenario", das 2031 spielt, wagt auch Jana Puglierin einen Blick in die nahe Zukunft. Die deutsche Außenpolitikexpertin leitet das Berlin-Büro des Thinktanks European Council on Foreign Relations. Ihr „Wer verteidigt Europa?" beginnt 2029: In Frankreich herrscht Marine Le Pens Nachfolger Jordan Bardella, in Deutschland hat die AfD bereits die Wahlen gewonnen – die Regierungsbildung steht noch aus. Inzwischen ziehen die Russen wieder ihre Truppen zusammen. So wie im Winter 2021, bevor sie die Ukraine überfielen.

Ein „Worst-Case-Szenario“ nennt das die Autorin. Ein russischer Angriff auf das Baltikum könnte wie 2014 in der Ukraine mit Provokationen beginnen. Vor allem in der exponierten estnischen Stadt Narwa, in der 95 Prozent Russisch sprechen. Die Nato wird – mit oder ohne amerikanische Unterstützung – Estland verteidigen müssen, sollte Russland angreifen. (Tessa Szyszkowitz)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at


Film-Tipps

Bild von Michael Omasta
VON MICHAEL OMASTA
(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Mann im Anzug hebt einen großen Blumentopf über den Kopf, im Hintergrund Wohngebäude und Himmel mit Wolken.

Man-su, ein Spezialist in der Papierherstellung mit 25 Jahren Erfahrung, führt ein zufriedenes Leben mit seiner Frau, den Kindern und Hunden in einem schönen Haus. Da wird er eines Tages entlassen: „Es tut uns leid. Wir haben keine andere Wahl“, teilt ihm die Firma mit. Monatelang sucht Man-su verzweifelt eine neue Stelle, findet nur einen schlecht bezahlten Job. So gelangt er zu einem Entschluss: Wenn es keine passende freie Stelle für mich gibt, muss ich eben eine freie Stelle schaffen. Park Chan-wook mischt ein wildes Sozialdrama mit tiefschwarzer Satire, Gewalteruptionen und groteskem Horror, um von der Unmenschlichkeit des Kapitalismus zu erzählen.

Regie: Park Chan-wook, KOR  2025


Ein Kuchen für den Präsidenten

Im Irak des Jahres 1991 erhält das Mädchen Lamia die Aufgabe, einen Geburtstagskuchen für den Präsidenten Saddam Hussein zu backen. Es bleiben nur zwei Tage, um in die Stadt zu fahren und die dafür benötigten Zutaten zusammenzubekommen. "Über weite Teile ist der Film aus der Perspektive seiner kleinen Heldin (toll: Baneen Ahmad Nayyef) erzählt, doch am Rand bleiben auch die Fährnisse des Alltags in einer Diktatur und die Folgen des Irakkriegs für die Bevölkerung präsent" (M. Omasta).

Regie: Hasan Hadi, IQ/USA  2025


Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Verfilmung von Joachim Meyerhoffs gleichnamigem Roman: Mit 20 wird Joachim (Bruno Alexander) unerwartet an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule angenommen und zieht zu seinen Großeltern nach München. Zwischen den skurrilen Herausforderungen des Schauspielstudiums und den etwas exzentrischen Ritualen von Inge (Senta Beger) und Hermann (Michael Wittenborn) sucht er seinen Platz in der Welt zu finden. Perfekt besetzt und gespielt, ein großer Ensemblefilm, der beides zugleich ist: Tragödie zum Lachen, Komödie zum Weinen. Empfehlung! (Michael Omasta)

Regie: Simon Verhoeven, D  2026


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