✍Die amerikanische Wahlnacht war vor dem Morgengrauen zu Ende. Als die Swing States Georgia, Pennsylvania und der vormals demokratische Bundesstaat Wisconsin kippten, war klar, dass Donald Trump gewonnen hat. Das Resultat ist für viele Amerikanerinnen und Amerikaner ein Schock. Ich saß die Nacht mit Freunden in Washington vor dem Fernseher und wechselte zwischen dem linken Sender MSNBC, den großen TV-Networks ABC und...
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Donald Trump hat die Wahlen klar gewonnen, die USA rücken deutlich nach rechts. (Foto © Evan Vucci / AP / picturedesk)

Die amerikanische Wahlnacht war vor dem Morgengrauen zu Ende. Als die Swing States Georgia, Pennsylvania und der vormals demokratische Bundesstaat Wisconsin kippten, war klar, dass Donald Trump gewonnen hat.

Das Resultat ist für viele Amerikanerinnen und Amerikaner ein Schock. Ich saß die Nacht mit Freunden in Washington vor dem Fernseher und wechselte zwischen dem linken Sender MSNBC, den großen TV-Networks ABC und CBS und dem rechtsrechten Sender Fox News. Meine Gastgeber schickten mich ins Nebenzimmer, damit ich mit Fox News niemandem auf den Nerven gehe – dort wurde die Stimmung im Laufe der Nacht immer ausgelassener, schließlich feierte Trump seinen Triumph.

Donald Trump ist ein bemerkenswertes Comeback gelungen. Kein Präsident ist in den USA nach zwei Amtsenthebungsverfahren abgewählt worden, um dann vier Jahre später trotz Gerichtsverfahren und Verurteilungen wiederzukommen. Auch wenn Trump ein ganz normaler Konservativer wäre, wäre das eine ziemliche Sensation. Aber der Ex-Präsident hat 2020 zudem versucht, durch einen gewaltsamen Putsch seine Abwahl zu verhindern. Den gescheiterten Sturm auf das Kapitol pries Trump im Wahlkampf als patriotische Party.

Der Ex-Präsident hat sich politisch radikalisiert. Seine faschistoiden Ansagen zur geplanten Deportation von Millionen Migranten und der Inhaftierung von Gegnern haben ihm nicht geschadet. Seinen Wählern sind die aggressiven Ankündigungen egal oder sie unterstützen sie sogar. Die republikanische Partei hat Trump anders als vor acht Jahren vollständig unter Kontrolle. Von Popstars bis zu Generälen und ehemaligen Geheimdienstleuten hat sich das liberale amerikanische Establishment mit aller Kraft gegen Trump gestemmt. Vergeblich. Ein rechtsrechter Rebell Trump ist auf dem Weg zurück ins Weiße Haus.

Wie Trump 2.0 aussehen wird, ist die große Frage, die an diesem Tag in den US-Medien diskutiert wird. Der Republikaner wird über viel mehr Macht verfügen als in seiner ersten Amtszeit. Er hat den Senat auf seiner Seite und er wird von einer ultrakonservativen Mehrheit im Supreme Court geschützt. Möglicherweise bleibt das Repräsentantenhaus republikanisch.

Zum Widerstand gegen fragwürdige zukünftige Entscheidungen der Trump-Administration werden die Demokraten nicht die Kraft haben. Es wird davon abhängen, ob es ihnen gelingt Bündnispartner unter den Republikanern zu finden, was nicht leicht sein wird.

Mit einer neuen Trump-Administration wird ein Rechtsruck durch Amerika gehen. Der Ex-Präsident sinnt auf Rache. Er hat alle Instrumente in der Hand, dem Staatsapparat von potentiellen Gegnern zu säubern und politische Widersacher zu isolieren. In Millionen Haushalten von undokumentierten Migranten, die Gemüse und Obst pflücken, Gärten pflegen und Häuser bauen, sitzt ab heute die Angst vor der Deportation am Frühstückstisch.

Im linksliberalen Amerika macht sich depressive Stimmung breit. Gleichzeitig setzt eine Diskussion darüber ein, was alles falsch gelaufen ist bei diesem Abwehrkampf. Kamala Harris hatte durch den viel zu späten Rückzug ihres Vorgängers Joe Biden von Anfang an ein Handicap. Aber dafür hatte sie um vieles mehr Finanzmittel zur Verfügung als ihr Konkurrent.

Wichtiger ist die Verschiebung nach rechts bei männlichen Wählern, die auch durch den Zuwachs an Stimmen für Harris bei weiblichen Wählerinnen nicht wettgemacht werden konnte. Den Trend gibt es nicht nur bei Weißen, sondern auch bei Latinos und in kleinerem Ausmaß bei Afroamerikanern. Der gesellschaftspolitische "Gender Gap" ist zum Erklärungsmodell für den anschwellenden Trumpismus geworden.

Die Abwehr des rechtsrechten Ansturms weltweit ist schwieriger geworden, fürchtet in Washington DC

Bild von Raimund Löw
Ihr Raimund Löw

Podcast 1

Was bedeutet Trumps Wahlsieg für die Ukraine? Wie ist die Anbiederung europäischer Rechtspolitiker von Sebastian Kurz bis Viktor Orbán zu interpretieren? Zu diesen Themen und mehr hat mich meine Kollegin Barbara Tóth heute für den FALTER-Podcast befragt. Hier können Sie die ganze Episode anhören.


Podcast 2

Auch immer hörenswert: The Daily, der tägliche Politik-Podcast der New York Times. In der aktuellen Folge diskutiert ein Teil der Politikredaktion mögliche Konsequenzen einer zweiten Amtszeit Trumps.


Ganz was Anderes

Sie brauchen eine kleine Auszeit von den Nachrichten aus der weiten Welt? Im FALTER lesen Sie diese Woche unter anderem auch: Ein Interview mit dem neuen Direktor des Burgtheaters, Stefan Bachmann. Unser Autor Felix Schmidtner hat recherchiert, wie Tiergifte zur Schmerzlinderung eingesetzt werden könnten. Und Nina Kaltenbrunner kocht wohlige Pasta mit Schwarzkohlpesto.

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