Bald fünf Jahre ist es her, seit Sebastian Kurz „zur Seite“ trat und als österreichischer Bundeskanzler abdankte. Immer noch ist er in aller Munde. Seit Jahren brodelt die Gerüchteküche, ob er nicht doch wieder in die Politik zurückkehren will – allen Korruptionsermittlungen zum Trotz. Auf Instagram wies Kurz ein Comeback nun vehement zurück. Er sei in der Privatwirtschaft zufrieden.
Tatsächlich florieren die Geschäfte des Sebastian Kurz. Am 13. Juli etwa stattete der Ex-Kanzler dem rechtspopulistischen Staatschef von Slowenien, Janez Janša, einen Besuch ab. So berichten es slowenische Medien. Wie das Büro des Ministerpräsidenten bestätigte, habe Kurz „technologische Lösungen vorgestellt, mit denen Länder ihre Cybersicherheit stärken können“. Er lobbyierte also für sein eigenes Unternehmen „Dream“.
Seinen Firmensitz hat Dream in Tel Aviv, Israel. Kurz tritt als „Gründer und Präsident“ auf. Nach eigenen Angaben entwickelt das Unternehmen eine KI-gestützte Software zum Schutz vor Hackerangriffen. Kurz’ Geschäftspartner, der Israeli Shalev Hulio, leitete zuvor die NSO Group – jenes Unternehmen, das die Spionagesoftware Pegasus entwickelt hatte. Etliche autoritäre Staaten, etwa Ungarn oder Saudi Arabien, nutzten Pegasus, um ihre Kritiker auszuspähen. Dream will damit nichts zu tun haben. 300 Millionen Dollar Umsatz machte das Unternehmen im Jahr 2025, indem es seine Software an Regierungen in Europa, den Golfstaaten und Asien verkaufte.
An welche Staaten genau, war bis dato nicht bekannt. Das Janša-Kabinett in Slowenien ist die erste Regierung, die Verhandlungsgespräche selbst öffentlich macht.
Janša ist erst seit acht Wochen im Amt. Dreimal war der Rechtspopulist zuvor bereits als Ministerpräsident an- und abgetreten, saß zwischenzeitlich im Gefängnis und feierte nun ein Comeback. Kurz vor seinem Sieg enthüllten Investigativjournalisten, dass Janša die private israelische Spionagefirma Black Cube engagiert hatte, um die Wahlen zu manipulieren. Später bestätigte der slowenische Inlandsgeheimdienst die Präsenz von Black-Cube-Vertretern in Janšas Parteizentrale.
Umstritten ist Sloweniens Staatschef nicht nur, weil er etwa die Identitäre Bewegung in Österreich unterstützt. Auch seine enge Beziehung zu Ungarns Ex-Premier Viktor Orbán sorgte für Kritik. Mit finanzieller Hilfe der Fidesz-Regierung baute Janša in Slowenien sein eigenes Medienimperium auf.
Auch Sebastian Kurz pflegte eine Nähe zu Orbán. Wie ich im aktuellen Falter recherchierte, soll der Ex-Kanzler monatlich Geld aus Ungarn bekommen haben – als „Berater“. Das ungarische Parteimedium Kontroll hatte berichtet, der Ex-Kanzler habe Honorarnoten an die Modul University in Wien gelegt, die dem Mathias Corvinus Collegium (MCC) gehört – einer Fidesz-nahen Denkfabrik, in die Orbán 1,5 Milliarden Euro hineinpumpte. Kurz' Sprecher bestätigte gegenüber dem Falter das ungarische MCC als „Vertragspartner“.
Mit Orbáns Wahlniederlage im April sollen auch die Zahlungen an Kurz gestoppt haben. Warum? Diese Erklärung bleibt er schuldig. In Ungarn haben heute etliche Medien die Recherche aufgegriffen.
Kurz’ KI-Firma „Dream“ könnte ebenfalls in Ungarn Geschäfte gemacht haben, wie ungarische Medien Anfang des Jahres berichteten. Der Ex-Kanzler habe mit der ungarischen IT-Firma 4iG eine „bereits begonnene Partnerschaft“ erörtert. 4iG, in Ungarn übrigens „Viktor Orbáns Lieblingsfirma“ genannt, konnte als privates Unternehmen dank finanziellem Wohlwollen der Fidesz-Regierung zu einem der größten Player Ungarns aufsteigen. Kontakte in die Politik, sie machen sich jedenfalls bezahlt.
Zu den Slowenien- und Ungarn-Geschäften von „Dream“ wollte sich Kurz auf Anfrage nicht äußern.