✍Man muss nicht jeden Schmäh-Partikel von Herrn Kickl wörtlich nehmen und sich darüber erregen. Man kann es auch sein lassen. Seine Ablehnung des Kompromisses, jüngst wieder vorgetragen bei einer Art Rede in Klagenfurt, die unter dem Motto „Kickl go home“ oder so ähnlich stattfand, braucht niemanden zu interessieren, denn niemand will einen Kompromiss mit Herbert Kickl. Sonst wäre er längst Bundeskanzler. Man weiß se…
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Zu sehen: Ein Partikel eines wetternden Herrn Kickl (Foto © APA)

Man muss nicht jeden Schmäh-Partikel von Herrn Kickl wörtlich nehmen und sich darüber erregen. Man kann es auch sein lassen. Seine Ablehnung des Kompromisses, jüngst wieder vorgetragen bei einer Art Rede in Klagenfurt, die unter dem Motto „Kickl go home“ oder so ähnlich stattfand, braucht niemanden zu interessieren, denn niemand will einen Kompromiss mit Herbert Kickl. Sonst wäre er längst Bundeskanzler.

Man weiß selbstverständlich, was er meint, der Kickl. Er will die Gegenfigur zu Alexander Van der Bellen abgeben, dem Bundespräsidenten, der den Kompromiss lobt, weil er in allem das Gegenstück zu Kickl ist. Er als Person und der Kompromiss als Gestalt. Als Person: Er hat was gelernt, hat einen Beruf, der nicht Politik ist, kennt sich aus als Ökonom und spricht ganz offenbar mit Rücksicht auf die Mehrzahl der Menschen. Kickl dagegen: Studienabbrecher, philosophischer Dilettant (soweit bekannt), versteht von nichts etwas außer vom offensiven Nichtverstehen (=Desinformation), und pfeift ganz offensichtlich die Interessen der Mehrheit der Menschen.

Die Mehrheit der Menschen will in Frieden und Wohlstand leben, und das, worauf es Kickl anlegt, ist der Anti-Kompromiss, Zündeln, Krieg. Man kann sich fragen, worin der Gehalt des Kickl besteht, was er uns denn verspricht in Zeiten des wiederbelebten Imperialismus. Festung Österreich? Ein Partikel. Ein läppisches Redeteilchen, das niemandem imponiert.

Auch die Kronenzeitung stilisiert sich zur Anti-Kompromiss-Figur. Sie macht die Kompromiss-Regierung schlecht, wie und wo sie nur kann. Dabei stößt sie an ihre eigenen Grenzen. Stilistisch, weil erfundene Intrigen nicht dauerhaft tragen, und moralisch, weil alle inzwischen ihr Spiel durchschauen. Dem Staatsganzen schaden, weil für den Chefredakteur (und gleichzeitig Geschäftsführer) die Interessen seiner Eigentümer vorgehen, also einer extremen Minderheit der Österreicherinnen und Österreicher, das ist läppischer Partikularismus.

Die Krone stößt aber an ihre Grenzen, weil die Bevölkerung längst von anderen Kräften beeinflusst wird als von ihr. Wenngleich davor gewarnt werden soll, ihre Macht zu unterschätzen. Diese Macht besteht wie eh und je darin, dass man an sie glaubt. Vor allem die Funktionäre der von ihr angegriffenen Parteivorsitzenden sind das Ziel. Solange sie nichts auf das Geschrei der Krone geben, bewirkt dieses Geschrei auch nichts.

Genau gleich ist es mit Herbert Kickl. Er zetert gegen die Grundlage zivilisierten Handeln, gegen den „faulen“ Kompromiss. Aber was stellt er dagegen? Den „fairen“ Kompromiss? Kennt er nicht. Will er mehr agonales Handeln, also Faustrecht, Recht des Stärkeren? Das bleibt lächerlich, solange man so offensichtlich der Schwächere ist.

Kickl rief das Jahr 2026 zum Jahr der Entscheidung aus. Da sieht man’s wieder: entschieden wird in diesem Jahr nichts, keine Wahl steht in Österreich an. Die Regierung und wir müssen vor allem eins tun: Nerven behalten. Dann verfliegen die Krone- und Kickl-Partikel wie Funken im Regen.

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Bild von Armin Thurnher
Ihr Armin Thurnher

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