Seit Montag streikt die Justiz im ganzen Land, gestern versammelten sich im Grauen Haus 500 Richterinnen und Staatsanwälte zum Protest >> Was im Café Engländer passiert ist >> Lokalkritik: Cucina Commare >> Architekturkritik: Wasserturm NordbahnhofWetterkritik: Da ist sie wieder, die Sonne. Ganz ungetrübt scheint sie zwar nicht, aber die Wolken bleiben bloß meteorologische Rohrschachtests.
Guten Morgen! Gestern war ich Geschworene. Also, nicht ganz: Ich saß zumindest da, wo im Großen Schwurgerichtssaal sonst die Geschworenen sitzen. Im ganzen Land streikt die Justiz, Richterinnen und Staatsanwälte haben von 12. bis 16. Oktober die „Aktionswoche für den Rechtsstaat“ ausgerufen, um auf den Personalmangel an den Gerichten aufmerksam zu machen. Gestern versammelten sie sich am Landesgericht für Strafsachen in Wien. Außerdem startet heute der neue Newsletter unserer Best-of-Vienna-Redaktion – wir haben uns zur Feier des Tages ein paar Wien-Tipps ausgeborgt. Florian Holzer hat sich den Streit ums Café Engländer genauer angesehen und Maik Novotny den umfunktionierten Wasserturm im Nordbahnviertel. Einen schönen Tag wünscht Viktoria Klimpfinger
Geschäftemacherei mit „Hass im Netz“: Wieso wir das Verfassungsgericht anrufen Eine Rechtslücke im Mediengesetz macht Diskussionsforen zu einem enormen finanziellen Risiko. Das bedroht unser aller Meinungsfreiheit. Der Falter trägt dieses Problem jetzt an das Höchstgericht heran, Florian Klenk erklärt, warum. Stocker spielt stabil: Der Kanzler ringt um die Koalition. Die Krise der SPÖ-Krise lässt die gesamte Regierung wanken. Nun geht es auch um die Zukunft der ÖVP – und von ihrem Chef Christian Stocker. Jürgen Klatzer analysiert die Lage. Zur neuen Doku im Kino: Christine Nöstlinger von A bis Z. „Nöstlinger – Sowieso und überhaupt“ beleuchtet Leben und Werk der 2018 verstorbenen Wiener Schriftstellerin. Barbara Fuchs, Stefanie Panzenböck und Gerhard Stöger nähern sich ihrem Kosmos in 26 Schlagworten.
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Still sterben ist keine Option Richter und Staatsanwältinnen schlagen Alarm: mehr Fälle, komplexere Verfahren und gleichzeitig zu wenig Personal. Ein Aufstand vor Gericht. Vor den Sicherheitsschleusen des Wiener Straflandesgerichts ist es still. Üblicherweise staut sich hier der Parteienverkehr. Aber von 12. bis 16. Oktober hat die Justiz im ganzen Land die Arbeit niedergelegt, mit Ausnahme dringender Angelegenheiten. Aus Protest. Der Große Schwurgerichtssaal ist gestern aber berstend voll. Unter der beeindruckenden Kassettendecke drücken sich die Talare aneinander, alle Sitzplätze sind längst gefüllt, die Galerie darüber ist auch schon voll. Und die Medienvertreter sitzen dort, wo sonst die Geschworenen ihren Dienst ableisten. |
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| © APA / TOBIAS STEINMAURER |
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Die Lage ist ernst. Das merkt man allein schon daran, dass Richterinnen und Staatsanwälte überhaupt zum Protest aufrufen. „Aktionismus entspricht nicht unserem Selbstverständnis“, sagt Jürgen Exner, Vorstandsmitglied der Richtervereinigung und Vorsteher des Bezirksgerichts Liesing. Die Kräfte der dritten Gewalt seien üblicherweise „zurückhaltend und neutral“. Aber die Situation erfordere es. Oder in seinen Worten: „Wir sind hier, weil die Zitrone ausgepresst ist.“ Hinter ihm stapeln sich Kisten mit Akten, die meisten davon aus der Causa Wienwert (wir haben hier berichtet), um zu verdeutlichen, dass die Fälle immer komplexer werden. Österreichische Gerichte seien im Durchschnitt zu 120 Prozent ausgelastet, das Bezirksgericht Liesing laut Exner sogar zu 135 Prozent. „Ich bin Rapidler, seit 2008 bin ich Frust gewohnt“, scherzt ein Richter vom Bezirksgericht Favoriten. Aber das Lachen bleibt verhalten. Staatsanwälte und Richterinnen unterschiedlicher Gerichte zeichnen deckungsgleiche Bilder: Arbeiten trotz Urlaub, Aktenwälzen im Krankenstand, Dienstzeiten, die auf eine 60-Stunden-Woche zusteuern. Gleichzeitig bekommen Richter und Staatsanwältinnen keine Überstunden bezahlt, sie hätten „quasi einen All-in-Vertrag“, sagt Exner. Im Richter- und Staatsanwaltschaftsdienstgesetz heißt es: „4,15% des Monatsbezugs gelten als Abgeltung für zeitliche Mehrleistungen“. Abdecken dürfte dieser Anteil den Aufwand längst nicht mehr. „Insgesamt stiegen die im staatsanwaltschaftlichen Bereich zu behandelnden Verfahren in den letzten fünf Jahren um + 30 %“, vermelden die Presseunterlagen. Die Bevölkerung wächst, speziell die Cyberkriminalität findet immer neue Wege. Laut Experten dürfte außerdem die Anzeigebereitschaft zugenommen haben. „Die Menschen streiten öfter, sind öfter rechtsschutzversichert, wir brauchen öfter Dolmetscher“, sagt Exner. Und dann ist da noch die Sache mit der künstlichen Intelligenz: Bei den Gerichten trudeln Schriftsätze und Anzeigen ein, die dank KI ins Romanhafte ausufern, manche hätten laut Staatsanwältin Susanne Schneider bis zu 900 Seiten. Gleichzeitig errechnet Richterin Nicole Baczak am Wiener Straflandesgericht die Gebühren für Sachverständige mit ihrem Taschenrechner aus der Schulzeit: „Wir haben keine EDV-Programme, kein einziges Bezahlprogramm in unserer Software.“ Das Justizministerium hat die Microsoft-Office-Programme im Vorjahr abgedreht – für die Datensouveränität, hieß es. Und als Sparmaßnahme. Während Gesetze – etwa im Bereich Spionage oder Sexualstrafrecht – verschärft werden sollen, mangelt es aber vorrangig an Personal, das diese Gesetze anwendet. Die Folgen: lange Wartezeiten, in denen potenzielle Täter auf freiem Fuß sind, Erbschaften nicht angetreten werden, Sorgerechtsstreits nicht geklärt werden können. Allein in Wien sollen 52 Richterinnen und Richter fehlen. Die Forderung ans Justizministerium ist gestern klar: Bundesweit bräuchte es 250 weitere Planstellen für Richter und 70 für die Staatsanwaltschaft. Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) hat Verständnis bekundet, aber wenig Hoffnung gemacht. Die Mittel seien begrenzt: „Wir müssen zuerst die Staatsfinanzen in Ordnung bringen.“ Gleichzeitig arbeite das Ministerium etwa an der Entwicklung eigener KI-Tools für die Justiz. Die Zuversicht der Protestteilnehmer hielt sich gestern folgerichtig in Grenzen, Justitias Bedienstete fühlen sich im Stich gelassen. Man erinnerte an 2018/2019. Auch damals gab es Protestveranstaltungen wegen fehlender Planstellen – 2019 ging es um 84, und schon zu diesem Zeitpunkt warnte Clemens Jabloner, Justizminister der damaligen Expertenregierung, vor dem „stillen Tod der Justiz“. Auch das zog sich gestern durch die Redebeiträge, mit einem Unterschied: „Dieses Mal ist es jedenfalls kein stiller Tod, dafür werden wir sorgen“, kündigte Andreas Isep von der Staatsanwaltschaft Wien an. Seine 485 Mitstreiter antworteten mit tosendem Beifall. Warum die Situation am Wiener Straflandesgericht noch brenzlig ist, lesen Sie morgen. |
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Falter-Radio | Wofür Frankreichs Jugend auf die Straßen geht – #1725 | | Trotz brennender Mülltonnen und Polizeigewalt geht die Protestwelle an den französischen Schulen weiter. Die Politik scheint unter Schock zu stehen, die Regierung weiß nicht, wie sie reagieren soll. In dieser Folge: Frankreich-Korrespondent Danny Leder über den brutalen Umgang der Sicherheitskräfte mit den jungen Leuten und wer aus dem Aufruhr politisches Kapital schlagen kann. |
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BEST OF VIENNA: Der Newsletter | Schluss mit FOMO: Ab heute sammelt unser euer Newsletter BEST OF VIENNA die besten Tipps für die Woche. Jeden Donnerstag lesen Sie, wo Wien gerade am spannendsten ist – von angesagten Lokalen und stylischen Shops bis hin zu Kultur-Highlights und neuen Lieblingsorten. Und das kostenfrei (hier gehts zum Newsletter-Abo). In jeder Ausgabe erzählen Wienerinnen, Wiener und Wien-Liebhaber von ihrem besten Tag in der Stadt. So wird uns beispielsweise Winzerin Jutta Ambrositsch ihr liebstes Thai-Restaurant verraten, Taschen-Designerin Ina Kent kennt das stylischste Pilates-Studio und Phil Rirsch, Mitbegründer des DJ-Kollektivs Radio-Rudina, wird uns erzählen, in welchem Café die schönste Vormittagssonne scheint. Diesmal lesen Sie Wien-Tipps von Radio Energy Moderatorin Alina Rauch. | | Alina Rauch (© Chiara Hammerer) | Alina Rauch kann beides: Wien frühmorgens mit der Energy-Morningshow aufwecken und abends Events moderieren. Wer wissen will, was hinter dem Mikro passiert, wird auf ihrem Instagram-Account fündig. Wo man ihre selbst getöpferten Tassen findet und warum für sie die Praterstraße eine der schönsten Straßen Wiens ist, erzählt sie uns hier: 08:00 Uhr House of Ikki, 1020 Kurze Entwarnung gleich zu Beginn: Der Tag beginnt zwar mit Sport, aber ab dann dreht sich eigentlich alles um die schönste Sache der Welt: Essen. Es gibt zwei Optionen: entweder eine Runde Laufen um den Ring, oder in den 2. Bezirk in das Pilates-Studio House of Ikki und danach: stolz und munter fühlen. Und hungrig. 10:00 THO - Wiener Brot, 1020 | | Glück ist … wenn die liebste Bäckerei gleich um die Ecke liegt. (© Alina Rauch) | Das House of Ikki mag ich auch deshalb so, weil es in der für mich schönsten Straße Wiens liegt: der Praterstraße. Ja und ganz zufällig ist meine liebste Bäckerei THO direkt ums Eck. Dort geht es als Nächstes hin. Falls der Sport nicht munter genug gemacht hat, gibt es hier einen Kaffee und dazu als spätes Frühstück einen Mohnwirbel oder ein gefülltes Brot mit Butter und Käse (trust me – simpel aber soo gut)! 14:00 Uhr Maison Le Ciel, 1040 Ich freue mich immer sehr zu sehen, wenn jemand im THO Kaffee trinkt, weil ich die Tassen für die Bäckerei selbst getöpfert habe. Neben Malen ist Töpfern seit Jahren mein liebstes Hobby. Das führt mich auch schon zu meinem nächsten Programmpunkt an meinem perfekten Tag: Etwas Kreatives machen. Dafür kann ich euch das Keramikstudio Maison Le Ciel in 1040 empfehlen, oder ihr bucht einen Malkurs bei The Action Painters im 6. Bezirk. Wie Alina ihren besten Tag weiter verbringt, lesen Sie hier – und eine neue Folge im kostenlosen Newsletter-Abo am kommenden Donnerstag. |
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Stadtgeschichten | | Warum die gesamte Belegschaft vom Café Engländer gekündigt hatDas Gastro-Duo Mario Plachutta und Peter Friese hat kürzlich das Café Engländer übernommen. Dann gab es Streit und nun stehen sie ohne Belegschaft da. | | © FALTER/ Christopher Mavrić | Anfang Juli wurde Christian Wukonigg tot in seinem Café Engländer aufgefunden. Im August wurde bekannt, dass das Lokal insolvent ist, bei einem Bieterverfahren setzten sich Mario Plachutta und Peter Friese durch. Sie übernahmen zuvor auch schon das Café Bräunerhof. Das Engländer solle genau so bleiben, wie es ist, hieß es. Bei einer ersten Besichtigung durch Plachutta soll es jedoch zu lauten Worten und Entlassungsdrohungen gekommen sein. Das Personal legte geschlossen die Arbeit nieder. Seither herrscht große Aufregung in sozialen Medien. Es rollt eine Solidarisierungswelle mit der Belegschaft, jeder und jede war plötzlich Stammgast, dem Dementi von Plachuttas Anwalt wird nicht geglaubt, man ruft zum Boykott von Plachuttas Restaurants auf. Plachutta hat als Arbeitgeber definitiv keinen guten Ruf, die Sympathien sind also klar verteilt. Dabei gewesen ist beim Eklat freilich niemand. Dass das Personal eines Cafés geschlossen den Hut nimmt, kommt jedenfalls selten vor, interessanterweise das letzte Mal just, als die Belegschaft des Bräunerhofs von Plachutta und Friese mit neuen Dienstverträgen konfrontiert wurde. Wird das Café Engländer mit neuem Personal nun wieder gut besucht sein, so wie der Bräunerhof? Schwer zu sagen, ein „echtes“ Kaffeehaus funktioniert nur als Zusammenspiel zwischen Personal und Publikum, und im Café Engländer vielleicht noch ein bisschen mehr als überall sonst. |
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Lokalkritik | | Cucina Commare (1050, Kettenbrückengasse 3) | | © Heribert Corn | Lorenz Commare merkt man seine sizilianischen Wurzeln nicht an. Der große, junge Mann mit den dunkelblonden Locken klingt auch nicht sehr sizilianisch. Kein Wunder, er wuchs in München auf und lebt seit elf Jahren in Wien. Er kommt eigentlich aus dem IT-Bereich, hat die Programmierung von Computerspielen gelernt – aber auch immer gerne gekocht. Es half, dass sein Onkel Profikoch und die Großmutter eine kulinarische Koryphäe ist. Richtig als Koch im Einsatz war Commare erstmals im Canisibus, dem Suppen-Bus der Caritas, bei dem Freiwillige für Obdachlose und Bedürftige kochen. Er sei zwar nur vier Monate dort gewesen, allerdings habe man ihm gesagt, dass die Suppe bis dahin noch nie so gut gewesen sei, lacht Lorenz Commare. „Man muss halt wissen, wie man aus den Zutaten den maximalen Geschmack herausholt.“ Commare arbeitet im kleinen Rahmen: Das sizilianische Mehl verknetet er händisch zu Pastateig und zieht es durch eine Haushaltsnudelmaschine, wie wir sie auch alle irgendwo zuhause stehen haben. Die Saucen und Sugos für seine Tagliatelle macht er etwa jeden zweiten Tag selbst und richtet sich nach dem aktuellen Angebot. Auch die Füllungen für die Ravioli wechseln alle zwei Tage. Außer sie sind schon nach einem Tag aufgegessen, dann schneller. Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer finden Sie hier. |
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Anzeige | | PIONIERINNEN Filmreihe im Admiral Kino Zwischen Oktober und Dezember stellen wir außergewöhnliche Frauen ins Rampenlicht. Politikerinnen, Denkerinnen und Schauspielerinnen, die mit Mut und Vision neue Wege beschritten haben. Gemeinsam besprechen wir nach den Filmen, was erreicht wurde und welche Kämpfe noch ausstehen. Am 21. Oktober steht der Dokumentarfilm CUTTING THROUGH ROCKS am Programm mit Gespräch nach dem Film! Weitere PIONIERINNEN Termine am 4.11., 18.11. und 16.12. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Admiral Kino | Burggasse 119 | 1070 Wien |
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Frage des Tages | Was zeigt unser Satellitenbild? | | © Geoland | Auflösung von gestern: Im Augarten befindet sich kein Teich (dafür ein Kindergarten und ein Freibad). |
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Events des Tages | | AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER |
| TheaterDieser Theaterabend ist eine echte Entdeckung: Das Stück „Puls!“ des jungen Wiener Autors Arad Dabiri gibt Einblicke ins Leben dreier Burschen und ihrer Väter, auch die migrantische Großvätergeneration spielt eine Rolle. Denn, das vermittelt Arad Dabiri, ohne didaktisch zu werden: Es ist schwer, den Ballast der Ahnen loszuwerden. Und will man das überhaupt? In der rasanten Inszenierung von Saliha Shagasi gehen zwar Charakternuancen im Sprechtempo unter, dafür gelingt es der Regisseurin, die konsequente Atemlosigkeit des Textes zu betonen. (Martin Pesl) Burgtheater-Kasino, 19.30 (nächster Termin: 20.10.)
KunstEs ist beeindruckend, was für eine große Rolle die Themen Krankheit und Care-Arbeit derzeit im Kunstbetrieb spielen. Vielfach bilden eigene Erfahrungen den Ausgangspunkt, so auch bei Chen Cohen. Ihre Fotoarbeiten führt die Kuratorin Tamar Margalit vom Center for Contemporary Art in Tel Aviv in der gelungenen Schau „Manuals for Getting By“ mit Melanie Enders ebenso sensiblen wie gewieften Skulpturen zusammen. Die Plastiken der 1984 geborenen Wiener Künstlerin muten oft wie analoge Denkfiguren zu Cohens Fotoserien an, in denen sie nackt performt: Welche Positionen sind möglich, wie biegsam ist das Material und was gibt Halt? (Nicole Scheyerer) Charim Dorotheergasse, 12.00 bis 18.00 (bis 17.10.) |
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Buchtipp | Anton und Alma Alma freut sich eigentlich über alles, das Anton ihr gibt. Wenn er sich umentscheidet und sie doch nochmal trifft. Wenn er ihr einen kleinen Blumenstrauß schenkt, zur Entschuldigung, weil er sich nicht gemeldet hat. Wenn er sie seinen „coolen“ Freunden vorstellt. Doch als er ihr eine Playlist erstellt, die zeitgenössische Form des Mixtapes, hört sie monatelang nicht hinein. Anton mag traurige Musik, Alma eher schnelle Beats. Weil er nur ein bisschen traurig sein könne, denkt sie, richtige Probleme kenne er nicht. Er bekomme keine Heulkrämpfe bei Nick Cave, nicht so wie sie.
Diese Beziehung ist von Beginn an eine asymmetrische. Alma will, Anton nicht so ganz, schwankt, wendet sich dann doch zu. Über mehr als 500 Seiten verschiebt sich diese Konstellation geringfügig, ändern wird sie sich nicht.
„Anton und Alma“ lautet der schlichte Titel dieser Liebesgeschichte, die leichtfüßiger klingt, als sie ist. Noch vor Erscheinen landete der Roman von Dana Vowinckel auf der Long- und später auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Die Autorin, Jahrgang 1996, zählt zu den aktuell gehyptesten Autorinnen Deutschlands. (Lina Paulitsch) Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at |
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Anzeige | | © Leopold Museum, Wien | Foto: Jonas Thiller | Boeckl und Josephsohn: Archetypen des Figuralen im Leopold Museum
Ein Maler und ein Bildhauer, die einander nie begegnet sind: In ihren Werken erkunden Herbert Boeckl und Hans Josephsohn die menschliche Figur jenseits des bloßen Abbilds.
Die Gegenüberstellung in der Ausstellung zeigt überraschende Parallelen in Materialität, Formfindung und der Suche nach einer universellen Form des Menschlichen.
Bis 10. Jänner 2027 im Leopold Museum. |
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Architekturkritik #48 | | Wasserturm NordbahnhofDie Blöcke und Hochhäuser des Nordbahnviertels sind inzwischen alle bezogen. Nicht alle sind architektonische Glanzstücke, und auch das Management der Handelsflächen im Erdgeschoss, immer eine der schwierigsten Aufgaben in einem brandneuen Stadtquartier, funktionierte eher so mittel. Doch inzwischen ist auf der Bruno-Marek-Allee so etwas wie alltägliches Straßenleben eingekehrt, und von Beginn an bestens funktionierte die „Freie Mitte“, der bewusst wild belassene Park auf den ehemaligen Gleisflächen, den die Stadtplanung und die Architekten StudioVlayStreeruwitz gegen alle Verwertungs-Begehrlichkeiten durchsetzen konnten. | | © APA-Images / viennaslide | Am Eck dieses Parks wurde jetzt auch der letzte Baustein des Quartiers vollendet, der im Grunde der älteste ist. Denn der nun sanierte Wasserturm aus dem Jahr 1890 ist, neben ein paar überwucherten Gleisresten, das einzige Relikt des eigentlichen Nordbahnhofs. Gut, dass seine dunkle Ziegelfassade nicht kosmetisch wegrenoviert wurde, sondern noch etwas Kesselwagen-Atmo und Erinnerung an die Ära von Dampf und Ruß in die ordentliche Neubau-Welt bringt. Die französische Bäckerei-Kette Paul’s wird im Dezember neue Turmbewohnerin. Der Schanigarten dürfte in dieser Lage bestens florieren, das Interieur (noch ohne Möbel) schaut zwar etwas nach Bahnhofscafé von der Stange aus, aber letztendlich passt das ja auch zur Geschichte des Ortes. |
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