✍Ich kann nicht der Einzige sein, der sich ehrlich auf heuer gefreut hat. 2026, das Jahr, in dem wir der Volkswirtschaft Beine und die Inflation vergessen machen. Das Jahr, in dem sich Kriege erschöpfen und Demokratien erwachen. In dem wir die Digitalmogule zähmen und uns die KI zunutze machen. Dieses 2026 hat genau eine Woche gebraucht, um mein kindliches Vertrauen kurz und klein zu schlagen. Irgendwer muss das Upda…
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Guten Abend Birgit Kraus!
Das Meme basiert auf einem Tim-und-Struppi-Comic und einem Dialog der US-Sitcom "30 Rock". Und passt leider ziemlich oft (Bild: Gemini)

Ich kann nicht der Einzige sein, der sich ehrlich auf heuer gefreut hat. 2026, das Jahr, in dem wir der Volkswirtschaft Beine und die Inflation vergessen machen. Das Jahr, in dem sich Kriege erschöpfen und Demokratien erwachen. In dem wir die Digitalmogule zähmen und uns die KI zunutze machen.

Dieses 2026 hat genau eine Woche gebraucht, um mein kindliches Vertrauen kurz und klein zu schlagen. Irgendwer muss das Update falsch eingespielt haben, dieses Jahr spinnt, vielleicht kann man es noch umtauschen gegen das gebrauchte 2025. Ich würde auch ein 2019 im Scheunenfund-Zustand nehmen, das Video aus Ibiza war lustig. Sollten Sie heute frisch aus dem Skiurlaub oder von einer Karibikreise heimgekommen sein (ausgenommen Venezuela) – das Jahr 2026 hat sich wie folgt vorgestellt:

Donald Trump ließ den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro entführen und gibt unumwunden zu, dass ihn die opulenten südamerikanischen Erdölreserven zu dem Entschluss brachten.

Sturmtief Elli zieht über Europa.

Als Nächstes, sagt Trump, will er seinen Appetit auf Grönland stillen, die militärische Flugbahn zwischen Russland, Europa und Amerika findet er unter seiner Kontrolle am besten aufgehoben.

Engpass bei Bioeiern durch Vogelgrippe und Feiertage.

Chinas Präsident Xi Jinping spielt bei der Partie Risiko mit, er probte schon die totale Blockade der Insel Taiwan und fand in seiner Neujahrsansprache Platz für den Satz: „Die historische Strömung zur Wiedervereinigung des Landes ist unaufhaltsam.“

Gefahr: Vorarlberger Eiszapfennaturspektakel gesperrt.

Ein Beamter des US-Einwanderungsamts erschoss im Süden von Minneapolis eine Frau, die in ihrem Honda Pilot einen Einsatz der ICE-Behörde blockieren wollte.

Eingeschränkter Betrieb der S80.

Die Bildmanipulations-Befehle in Elon Musks KI-Service Grok haben derzeit vor allem einen Zweck zu erfüllen: abertausende Frauen und Minderjährige digital zu entkleiden und entwürdigen.

Symphoniker starten im Konzerthaus formschwach ins neue Jahr.

Im syrischen Aleppo feuern Truppen der islamistischen Übergangsregierung mit Artillerie durch die kurdischen Stadtviertel.

Skeleton: Flock verliert Führung im Gesamtweltcup.

Der iranische Staat schießt wieder in den Straßen auf sein Volk, weil es sich herausnimmt, nach Freiheit zu rufen. Bis heute, Sonntag, starben mehr als 100 Demonstranten, über 2000 wurden ins Gefängnis oder sonstwo hin verbracht.

Ich kann nicht der Einzige sein, der sich dieses Wochenende vorsätzlich von Zeitungen und Nachrichtenseiten ferngehalten hat. So, liebe Weltenlenker, war das nicht vereinbart. Mit eurem schlechten Benehmen habt ihr mich zur Flucht in einen frisch gelegten Premium-Zugang der Qualitätsfernsehen-Institution RTL gezwungen.

Zwischen Tüll und Tränen ist die Welt noch in Ordnung und so ein probiertes Brautkleid lässt sich bei Nichtgefallen schnell wieder auf den Haken hängen. Mein Streaming-Abo bei RTL läuft ein halbes Jahr lang – danach bekommt 2026 eine zweite Chance.

Bild von Lukas Matzinger
Ihr Lukas Matzinger

Heute für Sie auf falter.at:

Im Iran können sich die Mullahs und ihr Militärapparat seit Jahren nur noch mit brutaler Gewalt an der Macht halten. Die Bevölkerung des Landes hat längst die Nase voll von der Religionsdiktatur. Im Großen zeigen das die Proteste, die aktuell wieder im ganzen Land aufflammen – im Kleinen der Erfolg der Influencerin Samin Aghaeihajiagha. Die gebürtige Iranerin bringt von Wien aus ihren 1,4 Millionen Instagram-Followern in ihrer Heimat bei, wie man die besten Drinks mixt: Sangria statt Scharia, sozusagen.

Ihr zweiter Vorname ist Größenwahn: Elon Musk und einige andere Tech-Milliardäre haben sich in den Kopf gesetzt, den Mars zu besiedeln. Was suchen sie dort nur, um Himmels Willen? Das hat sich Matthias Dusini gefragt – und ein paar interessante Erklärungen gefunden.

Es war einmal eine Runde von Holocaust-Überlebenden aus Österreich und Deutschland, die in New York eine neue Heimat gefunden hatten und dort einen Stammtisch gründeten: Seit 1943 trafen sich die Damen und Herren jede Woche. Vor Kurzem ist der letzte Stammgast heimgegangen: Marion House starb im Alter von 103 Jahren, schreibt Anna Goldenberg in ihrem Nachruf auf eine Institution, die im Big Apple als „langlebigste Soirée der Stadt“ bekannt war.


Haut den stärksten Bullen um

Ängstigt Sie die Gegenwart auch, könnten Sie Trost in 338 Jahre alter Musik finden. Der englische Barock-Komponist Henry Purcell und der Dichter Nahum Tate ließen 1688 in ihrer Oper „Dido and Aeneas“ die mythische Prinzessin Dido in ihrer Schlussarie so sagenhaft schön klagen:

When I am laid, am laid in earth,
May my wrongs create
No trouble, no trouble in thy breast;


In der Nachbarschaft

Pro Schwule, Migranten, liberale Werte, EU: Der Budapester Bürgermeister Gergely Karácsony ist das Gegenteil des autokratischen Regierungschefs Ungarns. Karácsonys Erfolg ärgert Viktor Orbán so sehr, dass er sich gleich an der ganzen Stadt rächen will. Kathrin Cahlweit erklärt, was da derzeit bei unseren ungarischen Nachbarn los ist.


Nachdenken über die Zeit

Im FALTER Radio hören Sie dieses Wochenende eine zweiteilige Sendung über die Philosophie der Zeit – wie sich unser Verständnis von Zeit verändert hat, welche Auswirkungen das auf das kollektive Sicherheitsgefühl hat und was der Kapitalismus mit alledem zu tun hat. Teil 1 finden Sie hier, hier gehts zu Teil 2.


Einladung

Nächsten Donnerstag ist es wieder so weit: Die FALTER Arena bringt Journalismus live auf die Bühne des Wiener Stadtsaals. Thema diesmal „Die Republik der Skandale", was wir aus ihnen lernen und welche Rolle Investigativjournalismus dabei spielt. Mit dabei: Grasser-Anwalt Manfred Ainedter, Florian Klenk, Eva Konzett, Jürgen Klatzer und Matthias Winterer. Mit musikalischer Begleitung von Anna Mabo. Das Programm und Tickets finden Sie hier.

Sie sind nicht in Wien? Am 29. Jänner gibt die FALTER Arena ein Gastspiel im Linzer Schauspielhaus!

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Koffein in Wien

Christopher Wurmdobler präsentiert 100 Cafés, Konditoreien und Coffeeshops, notiert kulinarische Details samt allem, was man für einen Kaffeehausbesuch wissen muss – und trifft mit feinem Gespür den besonderen Ton jedes Hauses.

Das Buch Kaffeehäuser in Wien ist der unverzichtbare Begleiter und das ideale Geschenk für alle, die diese zeitlose Wiener Institution lieben. Vom ehrwürdigen Traditionshaus mit Samtbank und Melange über Coffeeshops für den besten Coffee to Go bis zum stylishen Hipster-Café mit Flat White und Laptop-Publikum.

Mit Fotos von Christopher Mavrič.

faltershop.at


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