✍In einem Wohnhaus der städtischen Gesiba ist seit Wochen der Lift kaputt: Zwei Bewohner sind aber auf ihn angewiesen >> Warum die Wiener Polizei das „Entweichen eines Darmwindes" bestraft >> ESC-Kolumne: Welches Land den Sieg holt >> Lokaltipp: Donauhof >> Architekturkritik: Rothneusiedl Wetterkritik: Die Sonne spielt nicht mehr die Hauptrolle. Wolken stellen sie zeitweise in den Schatten, sogar einzelne Regenschaue…
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FALTER.morgen – Der Wien-Newsletter / Aufzug defekt! / 07.05.2026 / Sie starten in den Tag mit Soraya Pechtl }}

In einem Wohnhaus der städtischen Gesiba ist seit Wochen der Lift kaputt: Zwei Bewohner sind aber auf ihn angewiesen >> Warum die Wiener Polizei das „Entweichen eines Darmwindes" bestraft >> ESC-Kolumne: Welches Land den Sieg holt >> Lokaltipp: Donauhof >> Architekturkritik: Rothneusiedl

Wetterkritik: Die Sonne spielt nicht mehr die Hauptrolle. Wolken stellen sie zeitweise in den Schatten, sogar einzelne Regenschauer könnten ein Gastspiel geben. Die Temperaturen ziehen sich auf maximal 23 Grad zurück.


Guten Morgen!

Haben Sie einen Aufzug in Ihrem Wohnhaus? Meine alte Wohnung lag im fünften Stock, Lift gab es keinen. Für mich war das ein gutes Training. Für Joana F. und ihren Partner ist das eine unüberwindbare Hürde. 

F. ist auf Krücken angewiesen, weil sie mit einem Bein auf die Welt kam. Ihr Mann sitzt im Rollstuhl. Die beiden lebten bis vor Kurzem in einer Wohnung im dritten Stock in Penzing. Doch seit Anfang März ist der Aufzug kaputt. Die beiden sind deshalb in ein Hotel übersiedelt. Die Vermieterin, die städtische Wohnbaugenossenschaft Gesiba, will die Kosten dafür aber nicht tragen. Mehr darüber lesen Sie gleich.

Außerdem: Florian Klenk berichtet von einem Furz mit gerichtlichen Folgen. Im vierten Teil von Tex Rubinowitz' ESC-Kolumne erfahren Sie, welches Land heuer den Sieg holen wird. Und Architekturkritiker Maik Novotny hat sich die neuesten Pläne für das Stadtentwicklungsgebiet Rothneusiedl angeschaut.

Einen schönen Tag wünscht

Soraya Pechtl


Heute für Sie auf falter.at:

  1. Wahrscheinlich ist es der härteste Job, den man derzeit in der österreichischen Medienbranche haben kann: Aufräumen im ORF. Da geht es nicht nur um den Fall Roland Weißmann, der das Ansehen der Rundfunkanstalt heftig ramponiert hat – sondern auch um viele andere Missstände im System. Dazu kommt brutaler politischer Druck. All das beschreiben Nina Horaczek und Barbara Tóth in ihrem Porträt über die langgediente Journalistin und bisherige Radiodirektorin Ingrid Thurnher, die all das als interimistische ORF-Generaldirektorin erledigen soll. 

  2. Zwei Jahre ist es her, seit Wien knapp an einer Terror-Katastrophe vorbeischrammte: Geheimdienste und Polizei konnten in letzter Minute einen Anschlag auf das Konzert des Pop-Weltstars Taylor Swift in Wien verhindern. Jetzt steht der Möchtegern-Attentäter vor Gericht. Lukas Matzinger verfolgt den Prozess, in dem der Angeklagte vergangene Woche detailliert schilderte, wie er binnen kurzer Zeit vom Problemkind zum Gotteskrieger wurde.

  3. Das ist nicht nur empörend, sondern auch traurig: Rund um den Songcontest stellen sich Lokale in Wien unter der Bezeichnung Eurofan Cafés als offizielle Treffpunkte für die verschiedenen Teilnehmernationen zur Verfügung. Das einzige Land, das lange Zeit keine Bleibe fanden, war – dreimal dürfen Sie raten! – Israel, berichtet Anna Goldenberg. Bis Lisa Wegenstein, Chefin der „Kantine“ im MQ, auf den Plan trat: Zeit für einen Besuch bei ihr.

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© Alexandra Silocea

Konzertabend Klimt meets Bösendorfer

Nach Wien, London und Bukarest kehrt Klimt meets Bösendorfer zurück in die Heidi Horten Collection. Ein einzigartiges Konzerterlebnis an der Schnittstelle von Kunst, Musik und Literatur, inspiriert von der Symbolik des Frühlings – ein Abend mit der international renommierten Konzertpianistin und Bösendorfer Artist Alexandra Silocea, Mezzosopranistin Alma Neuhaus und Schauspielerin Nicole Beutler.  

JETZT TICKETS SICHERN!

Donnerstag, 21. Mai 2026, 19 Uhr

Heidi Horten Collection
Hanuschgasse 3, 1010 Wien

Barrieren

Joana F. ist auf Krücken angewiesen, ihr Partner sitzt im Rollstuhl. In ihrem Wohnhaus ist seit Wochen der Lift kaputt. Eine Lösung mit der Hausverwaltung, ein Unternehmen im Eigentum der Stadt, konnten sie bislang nicht finden. 

Anfang März war Joana F. noch hoffnungsvoll. Das Liftunternehmen teilte den Bewohnern des Hauses mit, dass die Reparatur nur eine Woche dauern würde. So lange hätten sie und ihr Partner im Home-Office arbeiten, sich Essen liefern lassen können. Aber es kam anders. 

„Nach einer Woche hieß es, es dauert circa sechs Wochen“, sagt F. Denn der Frequenzregler ist kaputt, er musste erst bei einem Anbieter aus Deutschland bestellt werden. 

Aber auch diese Frist konnte man nicht einhalten. Die Reparatur war eigentlich für den 24. April geplant, musste aber verschoben werden. Ein neuer Termin ist nun für morgen, den 8. Mai angesetzt. Die Gesiba, ein Unternehmen im Eigentum der Stadt Wien, teilt uns mit, man habe „mehrere Gespräche mit der Fachfirma sowie intern geführt, um mögliche Alternativlösungen zu prüfen. Auch die Option eines provisorischen Umbaus eines Frequenzreglers aus einer anderen Stiege wurde untersucht, war jedoch aus technischen Gründen nicht umsetzbar.“

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Gelbes Schild an einem Aufzug mit der Aufschrift: „Aufzug außer Betrieb. Störungsdienst wurde bereits verständigt.“
„Außer Betriebt“ steht seit rund zwei Monaten am Aufzug des Wohnhauses in Penzing. (© FALTER/Pechtl)

Und Joana F.? Sobald klar war, dass die Reparaturen deutlich länger dauern, hat sie sich mit der Hausverwaltung in Verbindung gesetzt, damit sie und ihr Partner weiterhin arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. 

Die Gesiba bot den beiden an, dass sie in dringenden Fällen einen Krankentransport rufen könnten. Die Gesiba würde ihnen die Kosten erstatten. Das Problem: Die Krankentransporte sind überlastet, oft warten die darauf angewiesenen Menschen stundenlang, bis sie abgeholt werden (wir haben hier berichtet). „Das wäre irrsinnig umständlich gewesen“, sagt F. „Jeden Tag zur Arbeit zu fahren, ist mit einem Krankentransport nicht möglich.“ Sie und ihr Partner vereinbaren mit ihren Arbeitgebern, dass sie vorübergehend im Home-Office arbeiten. Termine außerhalb ihrer vier Wände können sie aber nicht wahrnehmen, so manche Arbeit bleibt liegen. Kein Dauerzustand. F. schlägt der Gesiba deshalb vor, dass sie und ihr Partner vorübergehend in ein Hotelzimmer ziehen könnten. 

Das Unternehmen lehnt ab, „eine Übernahme der Hotelkosten“ sei nicht vorgesehen, sagte eine Sprecherin zum Falter.morgen. Die Gesiba macht ihnen ein anderes Angebot. Eine „kostenfreie barrierefreie Ersatzwohnung in der Seestadt“. Aber das hätten die beiden „nicht in Anspruch genommen“.

Warum nicht? 

„Die Wohnung war unmöbliert. Wir hätten unsere Möbel, Geschirr und alles andere mitnehmen müssen“, sagt Joana F. Für zwei Menschen mit einer körperlichen Behinderung war das nur schwer machbar. F. beantragt eine Mietzinsminderung. Am 7. April ziehen die beiden in ein Hotel. Auf eigene Rechnung.

Immerhin: Die Gesiba teilte uns mit, „dass eine entsprechende Mietzinsminderung rückwirkend für die Dauer der Nichtnutzbarkeit des Liftes gewährt wird“. Man bedauere die Unannehmlichkeiten. 

Joana F. hofft, dass sie Ende der Woche endlich wieder zurück in ihre Wohnung kann.

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© Universität Wien

Was lehrt uns die Geschichte über Demokratie?

Demokratien sind fragiler als wir denken. Expert*innen der Uni Wien aus Zeitgeschichte, Politik- und Kommunikationswissenschaft zeigen anhand historischer und aktueller Beispiele, woran man erkennt, dass eine Demokratie zu scheitern droht – und was wir dagegen tun können.

Mehr zur Semesterfrage: "Wohin steuert die Demokratie?" im Wissenschaftsmagazin Rudolphina


Falter-Radio

Taiwan als Brennpunkt zwischen den USA und China – #1629

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Zwei Männer im Anzug geben sich vor US-amerikanischen und chinesischen Flaggen die Hand; links oben Falter Radio Logo.

Vor einem Besuch des US-Präsidenten Donald Trump in Peking gibt sich die Volksrepublik verbindlicher als sonst. Aber die Machtübernahme auf der demokratischen Inselrepublik Taiwan ist unverändert das Ziel von Präsident Xi Jinping. Wie ernst ist die aktuelle Entspannung zu nehmen? In dieser Folge hören Sie die Sinologin Nele Noesselt (Uni Duisburg), der Taiwan-Experte Frederic Krumbein und die Journalistin Marlies Eder (Die Presse) im Bruno Kreisky Forum bei Raimund Löw.


Stadtnachrichten

39 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Wiens Pflichtschulen haben ein islamisches Glaubensbekenntnis, wie der Standard mit Verweis auf Daten der Wiener Bildungsdirektion berichtete. 36 Prozent haben ein christliches. 25 Prozent sind ohne Bekenntnis. An öffentlichen Pflichtschulen sind 42 Prozent der Schüler Musliminnen und Muslime (an Privatschulen sind 45 Prozent der Schüler Katholiken). Im Schuljahr 2024/25 waren es 41 Prozent und im Jahr davor 40 Prozent. Grund für den Anstieg ist die Zuwanderung aus Syrien, Afghanistan und Co.  Integrationsexperte Kenan Güngör sagte in der Tageszeitung Die Presse, dass mit dem arabischen Islam „deutlich traditionellere Wertevorstellungen und Rollenbildern für Frauen“ einhergehen würden.


Seit der Bauordnungsnovelle 2023 hat die Stadt den Schutz von Altbauten verschärft. Die Baupolizei, die Gruppe für Sofortmaßnahmen und das Stadtservice haben seitdem in 13 Bezirken 7.256 Gebäude kontrolliert und 1.940 Beanstandungen festgestellt. Die meisten waren feuerpolizeilicher Natur (rund 56 Prozent), bauliche Unzulänglichkeiten (rund 39 Prozent) und mit deutlich geringerem Anteil sanitäre Beanstandungen (rund 4 Prozent). 

Mit der Bauordnungsnovelle werden die Eigentümer stärker zur Instandsetzung der Gebäude verpflichtet. In einem Bauwerksbuch (das sogenannte „Gebäude-Pickerl“) müssen Gebäudebesitzer in Zukunft Instandsetzungsmaßnahmen dokumentieren. Die Frist fürs Anlegen eines solchen Buchs für Gebäude, die vor 1919 errichtet wurden, läuft bis 31.12.2027, die Frist für Gebäude, die vor 1945 gebaut wurden, geht bis Ende 2030.  

Die Wiener Grünen fordert indes ein strikteres Vorgehen bei der Spekulation mit sogenannten Horrorhäusern, sie gehen von einem dreistelligen Bereich aus. „Regelmäßige Gebäudescreenings ersetzen keine Hilfe im akuten Notfall“, so Georg Prack, Wohnsprecher der Grünen Wien. Die Oppositionspartei fordert die standardmäßige Zwangsverwaltung in solchen Fällen, außerdem solle die Stadt „Immo-Haien“ die Spekulationshäuser dauerhaft entziehen können.


Am Samstag organisiert die Grätzlgalerie zum fünften Mal das Grätzl Art Open, ein künstlerischer Spaziergang durch das Nibelungenviertel im 15. Bezirk. Von 14 Uhr bis 19 Uhr öffnen 100 Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers und Galerien. „Es geht darum, Kunst nicht nur zu sehen, sondern in einen lebendigen Dialog mit ihr zu treten“, sagt Peter Hörburger von der Grätzlgalerie. Um 15 Uhr startet ein geführter Rundgang von der Hütteldorferstraße 59 (first come first serve).


Stadtgeschichten

Bild von Florian Klenk
VON FLORIAN KLENK

Ein Furz im Namen der Republik

Warum die Wiener Exekutive das „Entweichen eines Darmwindes" bestraft und was das Gericht dazu sagt. Eine Glosse über eine Posse.

Wien, 12. Dezember, Brigittenau, kurz vor Mitternacht. Es ist kalt, die Straßen sind leer, die Polizei ist hellhörig. Und dann passiert es. Um 23:38 Uhr, so verrät es ein interner Polizeiakt, lässt der Jurist Philipp Freund „einen lauten Darmwind entweichen“, an einem Zigarettenautomaten, in der Nähe von zwei Polizisten. Zwei Minuten später folgt die nächste Verfehlung: Er zieht eine aufgrund dieses Darmwinds stattfindende Amtshandlung „ins Lächerliche“. Die Landespolizeidirektion Wien antwortet entschieden: 300 Euro.

Man könnte jetzt lachen. Und man sollte auch. Es ist ja nur heiße Luft. Aber vier Seiten Papier, sauber formuliert und zugestellt von der Landespolizeidirektion Wien, erzählen mehr über dieses Land, als man auf den ersten Blick glauben möchte. 

Es ist nicht der Furz, der diesen Fall interessant macht – Menschen furzen nun mal, auch in Wien, auch in der Brigittenau. Es ist die Entscheidung, daraus eine Strafverfügung zu machen. Irgendwann in dieser Nacht hat ein Polizist entschieden: Es reicht. Das schreiben wir jetzt auf. Mit Uhrzeit, Paragraph, Rechtsmittelfrist und Zahlungsfrist. 

23:38 Uhr: Darmwind. 23:40 Uhr: Respektlosigkeit. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Zwei Männer im Gespräch in einem hellen Büroraum mit weißen Wänden und großen Fenstern im Hintergrund.
Jurist Philipp Freund (rechts) im Gespräch mit Florian Klenk. (© Screenshot Instagram / falter)

Zwei Minuten, die es in die Akten der Republik geschafft haben. Die juristische Grundlage ist § 1 Wiener Landes-Sicherheitsgesetz, es schützt den „öffentlichen Anstand“. Ein Begriff wie aus einer anderen Zeit, vage genug, um vieles zu erfassen, dehnbar genug, um fast alles zu meinen. Er erlaubt, was Juristen „Ermessensspielraum" nennen.

Der zweite Vorwurf ist dabei der spannendere: „Amtshandlung ins Lächerliche gezogen“. Jetzt geht es nicht mehr um das Geräusch, sondern um staatliche Autorität, um die Grenzen von Herrschaftskritik. Vielleicht war es ein Spruch, vielleicht ein falsches Grinsen, vielleicht einfach Philipp Freund, Mitarbeiter der renommierten Kanzlei Lansky, der in diesem Moment nicht ernst genug wirkte. 

Freund hat Einspruch erhoben, das Landesverwaltungsgericht hat den Fall geprüft. Es hat nun die Sache untersucht und entschieden: „Dem Beschwerdeführer entwich der Darmwind unwillkürlich". Dies ergebe sich aus dem „Vorbringen des Beschwerdeführers". Der Meldungsleger, also der Polizist, hatte keine Erinnerung an den Abend mehr. 

Daraus folgt rechtlich: „Dem Beschwerdeführer ist kein Verschulden anzulasten". Mit dem Lachen seien die „Grenzen der freien Meinungsäußerung nicht überschritten worden. Eine demokratische Gesellschaft muss auch derbe und obszöne Ausdrücke hinnehmen, ohne dass die öffentliche Ordnung oder Moral dadurch Schaden erleidet". Somit wäre der Schas geklärt 


Song Contest

Welche Maske?

© Tex Rubinowitz

Den Song Contest wird heuer Finnland gewinnen. Ich weiß das, man muss mir einfach glauben, weil ich seit etwa 50 Jahren dieses unkaputtbare Fernsehmöbel, das so tut als gäbe es ein einiges Europa, schaue, analysiere, darauf wette, und einsam bin, wenn ich gezwungen bin, es alleine sehen zu müssen und wenn niemand gewillt ist, meiner Faszination für das amorphe Gebilde folgen zu können.

Also Finnland gewinnt, platzieren Sie bitte Ihre Einsätze, sie werden nicht viel Gewinn erzielen, weil alle Wettbörsen den Sieg Finnlands bereits auf ihrem sprichwörtlichen „Zettel“ haben.

Warum ist das so?

Das liegt einerseits an der aktuell globalen Hoffnungslosigkeit, in der bereits zum wiederholten Mal Finnland und die Bewohner als die zufriedensten der Welt ermittelt wurden, offenbar ein Musterbeispiel an Resilienz qua Gummistiefelweitwurfwettbewerben, Luftgitarrenweltmeisterschaften, Ketjuvara (Kettenfett, ein öliger Lakritzschnaps) und Tango. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das die Wettbarometer beeinflusst, der Wunsch Finne zu sein, wie Franz Kafka 1917 den Wunsch äußerte, Chinese sein zu wollen. 

Am Song, den Finnland als repräsentativ für die Nation ausgewählt hat, wird es sich nicht entscheiden, denn der ist eine mediokre Lakritzsuppe aus Pathos, Härte, Geige, Mann, Frau, Trockeneis, Feuer, also klassisches Budenzauberkondensat, mit dem man nichts falsch machen kann.

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Person in aufwendigem Monsterkostüm mit Mikrofon steht hinter einem Grabstein-Requisit auf einer Konzertbühne.
Lordi holte 2006 erstmals den Song-Contest-Sieg für Finnland. (© APA / Herbert P. Oczeret)

Als der Monsterrocker Lordi 2006 erstmalig den Song Contest für Finnland gewann, hat er eigentlich im Vorfeld alles falsch gemacht, Hard Rock war in einem auf Flamboyanz zugeschnittenen Festival ein disharmonischer Störfaktor, aber man hat als jahrelanger Connaisseur der Veranstaltung außeracht gelassen, dass das harte musikalische Genre im teilnehmenden Ostblock jahrzehntelang der Sound des Widerstands war, nicht grundlos pfiffen die Scorpions auf dem Roten Platz in Moskau den Wind der Veränderung herbei.

Und Lordi bekam zwar bei der Auswertung selten die volle Punktezahl, sondern mehr die mittleren, also die wichtigen acht Punkte, es ist also entscheidend, in der oberen Mittelklasse zu reüssieren. Ein Siegerlied zu schreiben ist nicht schwer, einen Rohrkrepierer noch viel weniger, spannend wird’s dann in der Breite.

Als Lordi bei der Pressekonferenz nach seinem Sieg gefragt wurde, wie er eigentlich unter der Maske aussähe, antwortete er erstaunt: „Welche Maske?“


Lokaltipp

Donauhof (1020/ Engerthstr. 141)

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Drei Männer sitzen und stehen in einem hellen Café mit Holzboden, Holztischen und einem bunten Gemälde an der Wand.
Geduld bringt Rosen: Klimt, Adamer und Schneider im neuen Donauhof (© Heribert Corn)

Ein ehemaliges Grand Hotel mit Restaurant, Café, Friseur und Ballsaal, der später zum Casino wurde, 1902 vom Architekten Franz von Neumann (der auch die Arkadenhäuser in der Reichsratsstraße baute) für mit der Nordbahn reisende Industrielle errichtet. Danach war der Donauhof im Besitz der Unternehmerfamilie Kuffner, nach dem Zweiten Weltkrieg dann Verfall, Vergessen und Nutzung als Holzlager. Vor zehn Jahren wurde das Erdgeschoß an das Hilfswerk der Baptisten verkauft, Pläne für soziale und auch gastronomische Nutzung wurden geschmiedet …

„Vielleicht war’s gut, dass es so lange gedauert hat“, sagt Projektleiter Cornelius Klimt (ja, ein Nachfahre) und wirkt sehr zufrieden mit dem nun Erreichten.

Zu Recht. Nicht nur ist der Raum fantastisch, vermittelt trotz abgekratzter Wände eine erhabene Festlichkeit. Klimt versammelte mit Küchenchef David Adamer und Serviceleiter Philipp Schneider, beide davor im Bruder verankert, ein großartiges junges Team, gekocht wird nicht nur sehr schön, sondern auch wirklich gut: Die verführerisch süße ­Zwiebeltarte mit Crème fraîche ist ein Bild von Zwiebeltarte (€ 14,–), das säuerlich-pikante Melanzani-Tatar mit Senfmayonnaise und knusprig frittierten Kapern teilt man nur ungern (€ 14,–). Frittierte Polenta-Sticks sind in der Natural-Wine-Bar-Szene derzeit ja sehr beliebte Snacks, so gut wie hier habe ich die Polenta Fries allerdings noch nie gegessen, extra-knusprig, innen luftig und leicht, verführerisches Popcorn-Aroma (€ 8,–).

Für die absolut herrlichen Paradeiskrautfleckerln mit Sauerrahm nimmt die Donauhof-Küche Farfalle, sehr hübsch, die 2,50 Euro Aufpreis für die gerösteten Grammeln als Topping lohnen, Comfort Food par excellence (€ 14,–/€ 18,–). Und schließlich Rahmherz in einer beuschelähnlichen Version mit nachgerade perfekten Briocheknödeln – großes Glück (€ 22,–).

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer finden Sie hier.

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Flanieren. Stöbern. Tanzen. – Flaniermarkt in der Neubaugasse

Am Fr., 8. & Sa., 9. Mai verwandelt sich die Neubaugasse wieder in die spannendste Flaniermeile Wiens. Alte Schätze, neue Lieblingsstücke, Design, Kulinarik und ein buntes Kultur- & Kinderprogramm sorgen für zwei Tage voller Entdeckungen. Das Motto: „Die Neubaugasse bewegt“

Flaniermarkt inkl. Flohmarkt in der Neubaugasse | Fr. 8.5. & Sa. 9.5. www.flaniermarkt.at


Frage des Tages

Was zeigt unser Satellitenbild?

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Luftbild zeigt ein städtisches Gebiet mit Gebäuden, Straßen, Grünflächen und einem zentralen Gebäudekomplex mit blauen Dächern.
© Geoland

Auflösung von gestern: Meinhartsdorf ist ein ehemaliges Dorf am linken Wienflussufer (keine österreichische Automarke und auch kein Unternehmer, der einst das erste Kaufhaus in Wien eröffnete).


Events des Tages

Bild von Gerhard Stöger
AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER

Neue Musik

Seit Jahren verfolgen Karlheinz Essl (Modularsynthesizer) und Erwin Uhrmann (Stimme) die gemeinsame Konzertreihe „Coastline Session“. Heute nehmen sich die beiden Arnold Schönbergs „Farben“ zum Ausgangspunkt einer freien Improvisation. Mia Zabelka wiederum reagiert unter dem Motto „automatic playing“ auf Schönbergs „Phantasy“; ein Spätwerk, in dem sich Musik weniger aus Themen als vielmehr aus Gesten und Klangzuständen entwickelt. Elektronik, Stimme und Violine treten in einen offenen Dialog und lassen neue Klangräume entstehen. (Miriam Damev)

Arnold Schönberg Center, 18.30 (Eintritt frei)


Kunst

Kein Bild scheint vor ihm sicher: Der US-Künstler Richard Prince wurde als Vertreter der Appropriation Art mit einer Vorliebe für die Marlboro-Cowboys bekannt. Die Albertina bietet nun einen profunden Einblick in das Werk des medienkritischen Konzeptkünstlers, dessen Aneignungen bereits in den 1980ern heute hochaktuelle Fragen zu Copyright, Originalität und Repräsentation vorwegnahmen. (Nicole Scheyerer)

Albertina, tgl. 10.00 bis 18.00, Mi und Fr 10.00 bis 21.00 (bis 16.8.)


Buchtipp

Cathryn Clüver Ashbrook: Der amerikanische Weckruf

Am 4. Juli 2026 feiern die Vereinigten Staaten den 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung. In dieser sind die Ideen der europäischen Aufklärung niedergeschrieben – Freiheit, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit.

Die transatlantische Politik-Expertin Cathryn Clüver Ashbrook bezieht sich in ihrem neuen Buch „Der amerikanische Weckruf" auf die Grundordnung der amerikanischen Verfassung und zeigt gleichzeitig auf, wie die Prinzipien der ältesten Demokratie der Welt heute von Präsident Trump neu ausgelegt werden.

Sie beschreibt detailliert, wie Trump seine Kompetenzen überschreitet, Gesetze bricht, Gerichtsentscheidungen negiert, Bildung und Medien ideologisch kontrolliert und mit seiner beschleunigten Zerstörungswut die Welt ins Wanken bringt. Das Zollchaos, der Rückzug aus UN-Gremien, das aggressive Vorgehen gegen Partner und das Anbiedern bei historischen Gegnern sind nur einige Beispiele, die die Glaubwürdigkeit der USA schwächen und die Demokratie von innen aushöhlen. … (Margaretha Kopeinig)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at


Architekturkritik #29

Bild von Maik Novotny
VON MAIK NOVOTNY

Rothneusiedl

Noch ist die Seestadt Aspern nicht komplett bebaut, plant Wien schon eine zweite am anderen Ende der Stadt. Natürlich nicht erst seit gestern, denn Rothneusiedl ist schon seit Jahrzehnten im Gespräch. Manche erinnern sich vielleicht noch an die Pläne für das Frank-Stronach-Stadion.

Deutlich tragfähiger ist die Planung für einen neuen Stadtteil an dieser Stelle. Die Grundlagen dafür wurden in Planungskonzepten der Stadt Wien und in einem städtebaulichen Wettbewerb gelegt, diese Woche wurde das darauf aufbauende Leitbild vorgestellt. 21.000 Bewohner und 8.000 Arbeitsplätze sind im Programm, und das soll besonders klimagerecht passieren. Mit einem „grünen Ring“ aus Parks, einer Stadtlandwirtschaft inklusive Obst- und Gemüseernte (auch von der Idee der „Leitpflanze Maulbeere“ war die Rede) und fast autofreien Straßen. Damit soll auch die von Bürgerinitiativen kritisierte Bodenversiegelung, um die man nicht herumkommt, ökologisch ausbalanciert werden. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Visualisierung eines modernen Wohnquartiers mit begrünten Hochhäusern, Bäumen und Menschen, die in einem Gemeinschaftsgarten arbeiten.
© O&O Baukunst

Die ersten 111 Obstbäume wurden bereits gepflanzt, der Rest braucht etwas länger. Zuerst der Beschluss in der Stadtentwicklungskommission, dann eine UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung), ab 2030 werden die ersten 3000 Wohnungen gebaut werden – wie in Wien heute üblich, sind zwei Drittel davon gefördert. Die Pionier-Bewohner werden vorerst mit dem „Rothneusiedl-Express“-Bus in die Stadt kommen, denn die U1-Abzweigung wird noch etwas länger dauern – anders als in der Seestadt, wo die U-Bahn den allerersten Schritt setzte.


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