Beim Einkaufen ist es schon deutlich zu bemerken: Das Eierregal im Supermarkt zum Beispiel präsentiert sich des öfteren so wie auf dem Bild. Von der billigsten Kategorie, der Bodenhaltung, ist noch genug da, bei den Freilandeiern wird es dünn, und das Fach mit den Bioeiern haben Kund*innen überhaupt leer geräumt. „Die Bio-Ausgaben sind auf einem All-Time-High”, erklärt die AMA-Marketing heute. Im Vorjahr haben die österreichischen Haushalte im Schnitt um rund 360 Euro Biolebensmittel eingekauft – das ist ein Zuwachs von 6,5 Prozent und mehr als je zuvor. Auch der Anteil an allen Lebensmitteleinkäufen kletterte auf einen Rekordwert von knapp 12 Prozent. Diese guten Nachrichten haben die AMA und der Bio Austria-Verband am Ende der Leitmesse BIOFACH in Nürnberg verkündet. Mehl kaufen die Österreicher*innen bereits zu 30 Prozent in Bioqualität, an zweiter Stelle folgt Frischgemüse mit fast einem Viertel. Bei Gebäck und Eiern sind es rund 19 Prozent, bei Frischobst 17 und bei Milchprodukten 13. Endlich steigen auch beim Fleisch die Anteile: Gut acht Prozent sind es jetzt; bei Rind und Kalb, Huhn und Faschiertem deutlich mehr. (Großer Wermutstropfen: Bei Schwein und Pute ist der Anteil leicht gesunken.) Immerhin steht „Artgerechte Tierhaltung” als Motiv für den Biokauf bereits an zweiter Stelle nach „Kein Einsatz von Chemie / Pestiziden”. Trotz der Teuerung tun die Konsument*innen also mehr denn je, was Bauernvertreter*innen seit Jahr und Tag von ihnen fordern: Sie zahlen freiwillig mehr dafür, dass die Tiere ein besseres Leben haben; dass Bauern und Bäuerinnen ohne Kunstdünger und synthetische Pflanzenschutzmittel wirtschaften, damit Böden, Wasser und das Klima schonen und sich verstärkt um die Artenvielfalt kümmern. Bio erspart der Allgemeinheit und der Umwelt Folgeschäden und Kosten, wie unzählige Studien nachgewiesen haben (zuletzt etwa diese). Doch nun bremst die Politik die Branche aus, konkret das Landwirtschaftsministerium unter Minister Norbert Totschnig (ÖVP). Obwohl mehr Ökolebensmittel gebraucht würden, gibt es einen Einstiegsstopp in die Biomaßnahme des ÖPUL-Programms. „Betriebe, die jetzt auf Bio umstellen wollen, stehen vor verschlossenen Türen”, erklärt Bio Austria-Obfrau Barbara Riegler: Sie erhalten keine Förderung aus den Agrartöpfen. Das ist schon seit Ende 2024 so und dauert noch mindestens zwei Jahre: bis zum Beginn der neuen Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Die soll 2028 beginnen. Nicht zum ersten Mal steht die Bundesregierung ehrgeizigen Ökobauern im Weg. Die frühere Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) verschärfte Auflagen und stutzte gleichzeitig Förderungen. Immer wieder hieß es, man dürfe nur ja nicht zu viel Bio produzieren, am Ende bliebe es noch liegen. (Interessanterweise ist das bei Fleisch, wo Österreich Selbstversorgungsquoten weit jenseits der 100 Prozent aufweist, nie ein Thema.) Dabei gibt es aktuell so ein G'riss um die Ware, dass die hohen Exporte für Österreich schon zum Problem werden: Weil hierzulande etwa Milch und Eier fehlen und weil deutsche Diskonterketten Großmengen aufkaufen und so die Preise für die heimischen Bäuerinnen und Bauern drücken. Doch auch die Bioziele, die sich die öffentliche Hand für ihre Gemeinschaftsverpflegung vorgenommen hat – also für Ministeriumskantinen oder das Bundesheer –, sind noch meilenweit von der Umsetzung entfernt. Und sie drohen weiter aufgeweicht zu werden. Wie will die Regierung so ihr Überziel erreichen, nämlich den Anteil der Bioflächen in Österreich (derzeit 27 Prozent) bis 2030 auf 35 Prozent zu steigern? Von Minister Totschnig erwartet sich die Branche nun, dass der Bio-Förderstopp möglichst rasch ein Ende findet. Ob er sich dafür so engagieren wird, wie er es gegen die Renaturierungs- und die Waldschutzverordnung getan hat? |
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Heute für Sie auf falter.at: Es gibt Augenblicke, in denen die Weltgeschichte eine fatale Wendung nimmt. Und oft genug werden sie gar nicht bemerkt, weil sie ihre üble Wirkung erst viel später entfalten. 30 davon hat Armin Thurnher gesammelt und beschreibt sie in seinem neuen Buch „Unsternstunden der Menschheit“. Und einen finden Sie als Vorabdruck im aktuellen Falter. Spoiler: Es geht um Bill Clinton und das Internet. Mit viel Courage hat es die Zivilgesellschaft von Minnesota geschafft: Die Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE in ihrer Stadt wurden deutlich reduziert, die Greifertrupps können nicht mehr straflos tun, was sie wollen (zum Beispiel Demonstranten erschießen). Um das zu erreichen, braucht es nicht nur Mut und Kraft, sondern auch Organisation, schreibt Isolde Charim. Und erzählt, was wir von Minnesota über Widerstand lernen können. Wenn es eine Institution in Österreich gibt, die der FPÖ besonders zuwider ist, dann diese: Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW). Warum? Vor allem, weil dort die Rechtsextremismusberichte verfasst werden, in denen die Freiheitlichen immer wieder prominent vorkommen. „Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema scheint manchen nicht nur überflüssig, sondern geradezu bedrohlich“, schreibt Brigitte Bailer-Galanda, ehemalige wissenschaftliche Leiterin des DÖW in ihrem Gastkommentar: „Auch, weil sie klar ideologische Positionen benennt.“ |
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Anzeige | | Die FALTER Arena präsentiert Journalismus live! Wie eine Zeitung, nur im Theater. Die Verrohten Staaten von Amerika Die USA waren unser wichtigster Verbündeter. Jetzt sind sie ein Sicherheitsrisiko. Wird Europa endlich aufwachen? Musikalische Begleitung von Alicia Edelweiss.
Dienstag, 24. Februar 2026, 19.30 Uhr Stadtsaal Wien
Mehr Infos gibt es hier. |
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Neu: „50 Wiener Insekten” | Auf dem Cover leuchtet ein grünes Heupferd: Dieses hübsche Insekt hört die Rufe der Fledermäuse, noch bevor diese das Heupferd, also ihre Beute, überhaupt wahrnehmen. Es kann dann entweder im Gleitflug hinabsinken oder die Flügel zusammenklappen und sich im Sturzflug fallen lassen, wie Dominique Zimmermann erklärt, Insektenforscherin am Naturhistorischen Museum. Aus ihren 50 Kolumnen, die im FALTER.morgen erschienen sind, ist im FALTER-Verlag ihr Buch „50 Wiener Insekten” entstanden. Hier lesen Sie ein Gespräch mit ihr. Und am Dienstag können Sie sie live erleben, wenn Matti Bunzl mit ihr und FALTER-Redakteurin Katharina Kropshofer etwa darüber spricht, warum Wien ohne Silberfischchen, Asseln & Co. „eine tote Stadt wäre” (Wien Museum, 18.30 Uhr). Der Eintritt ist frei, Anmeldung erforderlich (hier). |
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Hans Kammerlander im Interview | Der Südtiroler Extrem-Alpinist Hans Kammerlander stehe zwar im Schatten des älteren Reinhold Messner, allerdings: „Messner ist bekannter, Kammerlander besser”, stellen Matthias Dusini und Nahla Hamula gleich einmal klar, bevor das Interview beginnt. Kammerlander kommt nämlich morgen zum Reisefestival „Alles Leinwand”: „Bergsüchtig“, Altes AKH, Campus Uni Wien, 19.30 Uhr. |
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EU geht voran, Trump zurück | |
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Doris Knecht reicht's jetzt | Sie hat schon öfter darüber geschrieben, aber sie will nicht mehr: Doris Knecht „sieht die Stadt vor lauter SUV nicht mehr”. Alles muss sich hinter dem Auto anstellen, konstatiert sie. Und nimmt die Wiener Stadtpolitik in die Zange: „Während in Wien Öffi-Tickets radikal teurer wurden, bleiben Pkw-Stellplätze im öffentlichen Raum schön billig.” Mehr Argumente hier. |
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Der Wettermann als Dolm | Den ORF-Wettermann Marcus Wadsak zählen wir normalerweise zu den Guten. Er ist ein renommierter und in Sachen Klimaaufklärung engagierter Meteorologe. Warum er diese Woche den Titel des „Dolms“ abstaubte, lesen Sie hier. |
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Hinfort, oh Valentinstagszwang | „Liebe kostet im Schnitt 85 Euro“, schrieb der Handelsverband vergnügt in die Presseaussendung zum morgigen Valentinstag. Nicht dazu angetan, Peter Iwaniewicz' Hadern mit dem zwänglerischen Termin aufzulockern. Doch er hat einen Tipp, nein, sogar zwei. |
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Krötenretter gesucht | Jedes Jahr im Frühling begeben sich Tausende Kröten, Frösche und Molche auf Wanderschaft. Sie suchen zum Ablaichen jene Gewässer auf, in denen sie selbst zur Welt gekommen sind. Doch unzählige werden dabei überfahren. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) sucht auch heuer wieder Freiwillige, die rund um den Hanslteich in Neuwaldegg (1170 Wien) beim Retten der Amphibien helfen: Wer von Anfang März bis Ende April fix eine wöchentliche Schicht am Zaun übernehmen kann, soll zur Einschulung am Sonntag, 1. März (11.30 Uhr) direkt am Hanslteich neben dem Restaurant Klee kommen. |
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