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FALTER.morgen – Der Wien-Newsletter / Schul-Propaganda / 05.02.2026 / Sie starten in den Tag mit Soraya Pechtl }}

Der russische Staatssender Rossija war zwei Mal für Dreharbeiten in einer Floridsdorfer Schule: Wie kam es dazu? >> Am Sonntag findet der 60. Superbowl statt: Wo Sie in Wien mitfiebern können >> Lokaltipp: Contigo im Senhor Vinho >> Architekturkritik: Remise Kagran

Wetterkritik: Kein Regen mehr, mild mit bis zu 5 Grad und weiterhin grau. Mittlerweile ist das auch schon Wurscht. Wir wissen kaum noch, wie sich Sonne anfühlt.


Guten Morgen!

Vor ein paar Tagen wurde uns ein Foto zugespielt (wir können das Foto zum Schutz der Quelle nicht zeigen). Es zeigt ein Kamerateam, wie es mit dem Direktor einer Floridsdorfer Schule spricht. Das wäre an sich nicht ungewöhnlich – auch wenn die Bildungsdirektion einen strengen Umgang bei Presseanfragen pflegt. 

Wer in das Foto hinein zoomt, erkennt den Schriftzug am Mikrofon. „Россия“ ist darauf zu lesen, in lateinischer Schrift: Rossija (Russland). Laut Falter-Informationen war der russische Staatssender Rossija 1 für ein Interview in der Franz-Jonas-Europaschule in Floridsdorf. Gesprächspartner: Direktor Christian Klar. Was es damit auf sich hat, erzähle ich Ihnen gleich.

Außerdem erfahren Sie, wo in Wien Sie am Sonntag den Superbowl feiern können. Florian Holzer war in einem Lokal, in dem man wunderbar portugiesisch frühstücken kann. Und Architekturkritiker Maik Novotny hat sich die Remise Kagran näher angeschaut.

Einen schönen Tag wünscht

Soraya Pechtl


Heute für Sie auf falter.at

  • Was wurde eigentlich aus der guten alten Flugscham? Es ist noch nicht lange her, da überlegte man zumindest ein bisschen, bevor man sich ein Ticket kaufte. Doch das ist auch schon wieder vorbei. 2025 wurden mehr Passagiere gezählt als je zuvor, sowohl in Österreich als auch weltweit, schreibt Gerlinde Pölsler. Doch damit schießt auch der Ausstoß an Treibhausgas in die Höhe. 

  • Das Vamperl ist eine der sympathischsten Figuren der österreichischen Kinderbuchliteratur: Als kleiner Vampir muss es klarerweise irgendjemanden beißen – tut das aber ganz sanft und saugt kein Blut, sondern das Gift aus der Galle seiner Opfer. Erfunden wurde es von der Autorin Renate Welsh. Ihr widmet der Filmemacher (und Falter-Filmkritiker) Martin Nguyen ein einfühlsames Porträt. Und Stefanie Panzenböck hat mit Welsh, die gerade 88 geworden ist, ein Gespräch über vife Vampire, kranke Kinder und wunderbare Worte geführt.

  • Sie sind für die Forschung immer noch eines der größten Rätsel der Tierwelt: Aale haben keine Geschlechtsteile. Sie legen keine Eier. Sie bilden keine Larven. Wie also pflanzen sie sich fort? Fragen über Fragen. Die Antwort, schreibt Verena Ahne, liegt womöglich in der Tiefsee.

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Credit: Alexander Kluge

Alexander Kluge: Nachts träumen die Kulissen von ungesehenen Bildern

Im Prospekthof des Atelierhauses inszeniert Alexander Kluge eine Ausstellung, die der Idee einer Theateraufführung folgend Videostationen als Akteurinnen einsetzt und einen transhistorischen Bühnenraum für multiperspektivische Denkbewegungen offeriert, in deren Mitte das Werk Sphinx Opera von Katharina Grosse steht.

6.2.–24.2.2026 | Akademie der bildenden Künste Wien
Atelierhaus, Lehárgasse 8, 1060 Wien
Prospekthof, Tor 2

Mo–Fr 11–18 h
sowie Samstag, 14.2.2026, 11–18 h
akbild.ac.at

Putins Sprachrohre in Floridsdorf

Das russische Staatsfernsehen kam zweimal innerhalb von 15 Monaten in eine Floridsdorfer Mittelschule, um den Direktor zu interviewen. Die Bildungsdirektion wusste nichts davon. 

Christian Klar bekam in den vergangenen Jahren viel Medienaufmerksamkeit. 2024 veröffentlichte der ÖVP-Personalvertreter sein Buch „Was ist los in unseren Schulen?“. 2025 folgte das nächste: „Wie retten wir die Zukunft unserer Kinder?“. In beiden geht es um die Probleme in Wiens Klassenzimmern – verursacht von muslimischen Kindern. Es geht um „Sittenpolizisten“, die andere Schüler maßregeln, und um Mädchen, die sich immer öfter verschleiern würden. 

Klar wurde daraufhin von zahlreichen Medien zu Diskussionsrunden eingeladen (auch vom Falter), interviewt, porträtiert. Auf der russlandfreundlichen Krawall-Plattform Exxpress schreibt er eine regelmäßige Kolumne. 

Und offenbar hat der Direktor auch das Interesse des russischen Staatssenders auf sich gezogen. 

Im Dezember 2024 waren die „Journalisten“ von Rossija erstmals an der Schule im 21. Bezirk. Im Jänner 2026 kamen Reporterin und Kameramann erneut, um Klar zu interviewen. Sie hätten auch mit ukrainischen Schülern gesprochen, erzählt ein Informant dem Falter.morgen. In den Beiträgen soll es um die „Islamisierung Österreichs“ gegangen sein. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Links steht ein Mann im Anzug in einem Schulflur, rechts ist die Fassade der Franz-Jonas-Europaschule in Wien mit geparkten Autos zu sehen.
Das russische Fernsehen interviewte Christian Klar, Direktor der Franz-Jonas-Europaschule in Floridsdorf. (© Christian Wind)

Rossija 1 ist kein normaler TV-Sender. Er ist einer der reichweitenstärksten staatlichen Kanäle Russlands und Teil von Putins Propaganda-Apparat. Die Propaganda ist das „Fundament seiner Herrschaft“, sagte Michael Thumann, Moskau-Korrespondent der Zeit, im Interview mit dem Falter

In Europa kann man den Sender seit 2022 nicht mehr empfangen (daher können wir den Beitrag mit Klar auch nicht anschauen). „Wir haben festgestellt, dass diese Fernsehprogramme Sprachrohre Putins sind, die seine Lügen und Propaganda aggressiv verbreiten. Wir werden ihnen nicht mehr länger erlauben, das zu tun“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Was wir über das Programm wissen: Putins Chef-Propagandist Dmitri Kisseljow moderiert auf Rossija 1 eine Nachrichtensendung. Der Westen wird als angriffslustiger Feind und Bedrohung dargestellt. Es wird behauptet, die Ukraine habe den Krieg provoziert. Auch von einem Werteverfall in europäischen Städten durch Genderpolitik und Einwanderung ist immer wieder die Rede. Die Probleme mit muslimischen Schülern in Wien, die Christian Klar gerne thematisiert, könnten gut in dieses Narrativ passen. 

Klar bestätigt auf Falter.morgen-Anfrage, dass die Reporter zwei Interviews mit ihm führten – im Dezember 2024 und im Jänner 2026 –, beide zu seinen Büchern. „Besonders interessiert war das Team an den Themen Deutschförderung und Veränderung des Alltags durch den Islam. Für mich war das überraschend, da ich bis dahin nicht wusste, dass es in Moskau Probleme mit dem Islam gibt, und auch nicht, dass es dort viele Schülerinnen und Schüler gibt, die nicht russisch können“, schreibt er. „Auch das in Österreich beschlossene Kopftuchverbot in der Schule und seine Umsetzung interessierte das Team. Zur Umsetzung konnte ich allerdings nichts beitragen, da es noch keine diesbezüglichen Richtlinien für uns gibt.“

Das Interview endete, als der Unterricht gerade pausierte. Kinder waren am Gang und das Team bat um ein Foto von Klar mit den Schülern. Der Direktor erlaubt das unter der Bedingung, dass die Kinder verpixelt beziehungsweise nicht erkennbar sind. 

Allerdings haben die russischen Medienvertreter auch mit den Schülern gesprochen. „In den wenigen Minuten in dieser Pause kamen neugierige Kinder auf die Journalisten und den Kameramann zu und versuchten mit ihnen zu sprechen“, so Klar. Darunter waren auch ukrainische Kinder. Das Team hätte dem Direktor – der weder Ukrainisch noch Russisch versteht – garantiert, dass sie nicht über den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine gesprochen haben. „Jedenfalls kann ich jedwede Propaganda in diesen kurzen Momenten ausschließen“, schreibt er. Dass sein Interview für russische Propaganda verwendet wird, kann er natürlich nicht verhindern.

Die Bildungsdirektion hat die beiden Interviews übrigens nicht genehmigt.


Falter-Radio

Die bittere Niederlage der Kurden in Syrien - #1569

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Zwei Kinder halten gemeinsam eine kurdische Flagge mit rotem, weißem und grünem Streifen sowie gelber Sonne in der Mitte.

Kurdische Milizen haben im Norden des vom Bürgerkrieg erschütterten Landes jahrelang gegen die Dschihadisten des Islamischen Staats gekämpft. Sie waren Verbündete der USA und wurden gleichzeitig von der Kurdischen Arbeiterpartei PKK unterstützt. In den letzten Wochen hat eine militärische Offensive der syrischen Streitkräfte das Projekt Rojava zerstört. Das Schicksal der Grenzstadt Kobane steht auf dem Spiel. In dieser Folge spricht Podcast-Host Raimund Löw mit der aus Kobane stammenden Aktivistin Aljeen Hasan und dem Nahost-Experten Thomas Schmidinger.


Stadtnachrichten

Und täglich grüßt das Heumarkt-Projekt. Das Immobilienunternehmen Wertinvest von Michael Tojner will seit Jahren am Heumarkt ein Wohnhaus bauen und das Hotel Intercontinental neu errichten. Die UNESCO sah damit das Weltkulturerbe gefährdet und setzte die Stadt auf die Rote Liste. Tojners Wertinvest plante um, das Projekt wurde redimensioniert. Knapp 50 Meter hoch soll es laut aktuellem Stand werden.

Aber auch für diese Variante braucht die Wertinvest eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Das hat das Bundesverwaltungsgericht am Montag bekanntgegeben. Die Wertinvest will laut ORF dagegen nun eine außerordentliche Revision am Verwaltungsgerichtshof (VwGH) einlegen.


Stadtgeschichten

Party-Kick-off

In der Nacht von Sonntag auf Montag findet der 60. Super Bowl statt. Wo Sie in Wien mitfeiern können.

Schauen Sie American Football? Laut einer Umfrage von Statista Consumer Insights verfolgen 15 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher die Spiele. Am Montag sind es vermutlich noch ein bisschen mehr. 

Um 00:30 Uhr MEZ findet der Kick-off des Super Bowl LX statt: die New England Patriots treffen auf die Seattle Seahawks. Und wer nicht alleine zu Hause mitfiebern will, hat in Wien zahlreiche Public Viewings und Partys zur Auswahl. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Zwei große Leinwände im Vienna Marriott Hotel zeigen Werbung für eine „Superbowl Party“ mit dem Hinweis „All you can eat & drink“.
Die Super Bowl Party im Wiener Marriott Hotel zählt zu den bekanntesten Österreichs. (© Screenshot Instagram vienna_marriott_hotel)

Die bekannteste Super Bowl Party Wiens steigt ab 21 Uhr im Marriott Hotel am Ring. 2.000 Besucher werden erwartet, die über 3.000 Burger und 5.000 Chicken Wings verspeisen. Die Tickets erhalten Sie ab einem Preis von 99 Euro, dafür gibt’s „All You Can Eat & Drink“ mit drei über den Abend verteilten Buffets.

Auch in der Metastadt im 22. Bezirk wird das Spiel aus Kalifornien übertragen. Die Ticketpreise starten ebenfalls bei 99 Euro und ebenfalls mit „All You Can Eat & Drink“. Einlass ist um 21 Uhr. 

Weiter geht’s in den zweiten Bezirk. In der Admiral Arena im Prater zahlt man 119 Euro. Dafür gibt es 75 Screens, natürlich auch hier „All You Can Eat & Drink“, Tanzauftritte, eine Live-Moderation und wer den Sportlern nicht nur zuschauen will, kann bei „Fitness Challenges“ mitmachen und Preise gewinnen. Los geht’s um 21 Uhr. 

In der Ottakringer Brauerei feiert man natürlich auch nicht ohne All-inklusive-Schlemmerei, „natürlich auch mit veganen Optionen“, heißt es auf der Homepage. Dazu gibt’s „DJ- und Cheerdance-Einlagen“ sowie Interviews mit Football-Persönlichkeiten und österreichischen Nationalspielern. Preis ab 89 Euro. 

Wer’s weniger aufwändig mag: Zahlreiche Pubs und Bars übertragen das Spiel. Eine unvollständige Aufzählung: Cafe Benno, Charlie P’s, Plutzer Bräu, das Pointers. 

Eine Liste mit allen Events finden Sie hier


Lokaltipp

Contigo im Senhor Vinho (1050/ Schwarzhorng. 8)

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Frau steht lächelnd hinter einer Theke in einem Café, im Vordergrund ein Teller mit Gebäck, im Hintergrund sitzen Gäste an Tischen.
Verena dos Santos-Trestl serviert portugiesisches Frühstück – tudo bem! (© Heribert Corn)

Daniel Fadista dos Santos betreibt gemeinsam mit seinem Bruder Nelson seit 22 Jahren das wunderbare portugiesische Beisl Senhor Vinho in der Schwarzhorngasse. Seine Frau Verena dos Santos-Trestl dachte sich: Das Senhor Vinho sperrt erst am Abend auf, andererseits können die Leute gerade gar nicht genug von Frühstück und Brunch bekommen, also warum nicht portugiesischen Brunch im ungenutzten Lokal anbieten? Und eröffnete Anfang Jänner ihr Contigo, portugiesisch umgangssprachlich für „mit dir“. Dort serviert sie einerseits großartige Kombos, mit denen man den Tag wirklich sehr portugiesisch beginnen kann.

Noch interessanter finde ich allerdings die sogenannten „Petiscos“ (man spricht das sehr anders aus, als man’s schreibt …), also kleine, salzige Snacks, die man tagsüber in Konditoreien oder als Vorspeisen knabbert, wie die Speisekarte erläutert. Nicht umsonst ganz oben auf der Liste stehen die Pasteis de Bacalhau, Stockfischkroketten, unsagbar köstlich, eine der besten Möglichkeiten, Portugals nationalen Trockenfisch zuzubereiten, das Minz-Joghurt dazu passt perfekt (€ 12,–). Herrlich auch der kleine Kichererbsensalat mit Zwiebel, Paprika und hart gekochtem Ei, auf Wunsch auch mit Stockfisch zu bekommen (€ 8/10,–), gebratene Sardinen sind ja quasi so etwas wie die portugiesische Leberkässemmel, will man ebenfalls (€ 13,–), dann noch Oktopussalat, knusprig frittierte Rissois-Teigtaschen mit zerfließender Fülle, die warmen Champignons mit Olivenöl und Koriander muss ich das nächste Mal probieren. Ah ja, und Prego, eine Art flaumiger Porto-Burger mit dünnem Schweinskotelett, das in einer Weißwein-Senf-Reduktion geschmurgelt wird, extrem gut (€ 8,–).

Da wird der Platz im Bauch sogar trotz knackigem Portonic-Aperitiv aus weißem Portwein und Tonic ein bisschen knapp. Und man muss erkennen: Das werden wir heute wohl nicht alles essen können, was dann zwangsläufig zu großer Wehmut und Sehnsucht nach der Zeit, als wir das noch konnten, führt …

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer finden Sie hier.

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Das Patriarchat ist kein Mythos

Doch allzu oft wird es ignoriert oder beiseite gewischt. Während unzählige Daten und Statistiken eine klare Sprache sprechen, dominieren gefühlte Wahrheiten den öffentlichen Diskurs. Die Art Direktorin, Illustratorin und Juristin Lenka Reschenbach bricht mit dieser Dynamik und zeigt in dem Buch Der Patriarchatsindex ungeschönt auf, wo Österreich in Punkto Gleichstellung wirklich steht. Sie vereint illustrierte Infografiken mit fundierten Daten und macht die Strukturen des Patriarchats sichtbar.

Erhältlich auf faltershop.at


Frage des Tages

Was zeigt unser Satellitenbild?

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Luftbild einer städtischen Kreuzung mit umliegenden Gebäuden und Straßen, aufgenommen bei Tageslicht.
© Geoland

Auflösung von gestern: Das Planetenviertel liegt im 14. Bezirk – einige Straßen dort sind nach Planeten benannt (nicht im 16.)

PS: Wir haben gestern geschrieben, dass der Luxuspalast ein Kino in der Neulerchenfelder Straße war – das stimmt nicht ganz, das Kino hieß Luxpalast. Entschuldigen Sie.


Events des Tages

Bild von Gerhard Stöger
AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER

Performance/Medien/Politik

Bei „Dossier live“, einer Lecture-Performance der österreichischen Recherche-Plattform Dossier, trifft Schauspiel auf Journalismus und Recherche auf Bühne. In 75 Minuten geht es um Fakten, Fake News, parteinahe Medien – und die Frage, wie wir Propaganda erkennen und ihr begegnen können.

Schauspielhaus, 20.00


Theater

Das Stück „Liliom“ erzählt als Mischung aus Sozialdrama und Märchen vom gleichnamigen Ausrufer, der die Attraktion der Karussellbetreiberin Frau Muskat ist. Nichts kann ihm geschehen, denkt er, bis eines Tages Julie vor ihm steht. Er verliert erst sein Herz, dann seinen Job, und dann ist Julie schwanger. Jahrelang wurde die titelgebende Figur aus Ferenc Molnárs Stück zum Sympathieträger stilisiert; in dieser mitreißenden Inszenierung fällt es schwer, Liliom zu mögen. Und das ist genau richtig so. Stefanie Reinsperger spielt den grapschenden Karussell-Ausrufer, der im Jenseits für Selbstmörder erwacht und noch einen letzten Blick auf sein Leben werfen darf, mit einer enormen Wucht. Überhaupt brilliert das gesamte Ensemble im Wiener Dialekt, mit 80er-Föhnfrisuren und Schulterpolstern. Große Empfehlung. (Sara Schausberger)

Burgtheater, 20.00


Buchtipp

Kari Leibowitz: Wintern

Kari Leibowitz ging es wie so vielen: Sie hasste den Winter, fürchtete die Dunkelheit. Und dann zog ausgerechnet sie aus New Jersey ins norwegische Tromsø, wo während der Polarnacht fast zwei Monate lang die Sonne nicht aufgeht. Da werde die Depression wohl viele Menschen niederdrücken, erwartete die promovierte Stanford-Psychologin. Und lernte: Die Tromsøer haben gar kein Problem mit dem Winter. Die mögen den sogar!

Weil: Sie lassen sich voll darauf ein. Nicht nur machen sie es sich schön koselig -das norwegische Wort für das dänische hygge -, erhellen die Stadt mit Kerzen, zelebrieren Geselligkeit und Winterfeste. Sie verlassen auch bei jedem Wetter das Haus, gehen eisbaden und erscheinen zu Treffen auf Skiern. Dieselbe Haltung fand Leibowitz auch in anderen Gegenden mit langen Wintern wie Reykjavík und Finnland. „Was müsste passieren, damit Sie sich in den Winter verlieben?“, fragte das kanadische Edmonton seine Bürger und trimmte dann die gesamte Stadt auf winterfit: Nun gibt es Wintergärten und Schlittschuhwege durch den Wald. Schneeschuhe und tragbare Feuerstellen kann man ausleihen. … (Gerlinde Pölsler)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at


Besser Lesen mit dem Falter

Buchpodcast #152 - Florian Klenk

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Zweigeteiltes Bild: Links eine Frau mit grauem, schulterlangem Haar und türkisfarbener Bluse, rechts ein Mann mit Bart, der ein Buch hält. Unten rechts das Logo „Falter Bücher“.

In dieser Folge nimmt Florian Klenk im Podcast-Studio Platz – diesmal allerdings nicht in der Rolle als FALTER-Chefredakteur, sondern als Autor seines neuen Buches „Ausreden: Elfriede Blauensteiner - Ein Bekenntnis”. Darin seziert er das Leben der Serienmörderin Elfriede Blauensteiner, die im 20. Jahrhundert reihenweise Menschen umgebracht hat, die ihr zur Pflege anvertraut waren.

Während sie als „Schwarze Witwe” in den 1990er-Jahren massenweise Schlagzeilen in den Boulevardmedien machte, betrachtet Klenk den Fall nun aus einer anderen, persönlicheren Perspektive. Im Podcast erzählt er, wie er durch Zufall auf die Protokolle von Blauensteiners Gerichtspsychiaterin stieß, Verwandte von Blauensteiner traf und daraus ein Buch schrieb, das tiefe Einblicke ins Blauensteiners Leben und die Gesellschaft der Zwischenkriegszeit bietet.


Architekturkritik #16

Bild von Maik Novotny
VON MAIK NOVOTNY

Remise Kagran

Was Vorstadt war, wird Großstadt: Wenige Bezirkszentren haben sich so schnell verändert wie Kagran. Früher bildete nur das Donauzentrum einen sehr suburbanen urbanen Treffpunkt für die Transdanubier, rundherum stilles Siedlungsidyll. Heute ragen hier Hochhäuser wie das Vienna Twentytwo empor, es entstehen neue hochverdichtete Wohnviertel wie das umstrittene Quartier „An der Schanze“ im benachbarten Donaufeld, U-Bahn und Bim wurden ausgebaut. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Visualisierung eines modernen Gebäudes mit begrünten Terrassen, Straßenbahn und Passanten vor der Remise Kagran in Wien.
Die Remise Kagran steht im Zentrum der Vorwürfe gegen Ernst Nevrivy im Wienwert-Prozess. (© Wiener Linien_S + B Gruppe)

Die Abstell-Remise für ebendiese Bim ist eine der letzten Baulücken mitten im Kagraner Zentrum. Rund 1.000 Wohnungen will ein Konsortium aus S+B Group, Soravia, ARWAG und Neues Leben hier errichten, turmhoch (bis zu 125 Metern) über den neu errichteten Gleishallen. Nahversorger, Gewerbe und Kindergarten sollen hier auch Platz finden. Der Architekturwettbewerb wurde bereits 2025 entschieden, die Ergebnisse und das Siegerprojekt aber bislang weder von der Stadt Wien noch von den Bauträgern veröffentlicht.

Bis das soweit ist, wird es vermutlich noch länger dauern, denn jetzt wurde die Pausetaste gedrückt. Das Grundstück steht nämlich im Zentrum des Wienwert-Prozesses um Bezirksvorsteher Ernst „Kleingartensiedlung“ Nevrivy. Dieser muss sich des Vorwurfs erwehren, dem mittlerweile insolventen Developer Wienwert Informationen zum bevorstehenden Remisen-Ausbau exklusiv zugesteckt zu haben. Jener erwarb das Areal und trieb den Preis für die Wiener Linien in die Höhe – laut Stadtrechnungshof war der Kauf um 20 Prozent zu teuer. Jetzt warten die Bagger auf die Richter. Die Vorstadt bremst die Großstadt aus.


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