✍Die Stadtregierung hat gestern ihr Paket zur Budgetsanierung präsentiert: Wo sie kürzt und wo sie mehr einhebt >> Die ÖBV-Buchhandlung muss schließen >> Hundstage: Ist Fini Ball-süchtig? >> Film-Tipps von Michael Omasta Wetterkritik: Wir sind wieder im April: es ist kalt (14 Grad maximal), regnet und am Nachmittag scheint die Sonne. Ein schöner Herbst wäre uns lieber. Guten Morgen! Wenn Finanzstadträtin Barbara Nova…
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FALTER.morgen – Der Wien-Newsletter /  / 15.10.2025 / Sie starten in den Tag mit Soraya Pechtl }}

Die Stadtregierung hat gestern ihr Paket zur Budgetsanierung präsentiert: Wo sie kürzt und wo sie mehr einhebt >> Die ÖBV-Buchhandlung muss schließen >> Hundstage: Ist Fini Ball-süchtig? >> Film-Tipps von Michael Omasta

Wetterkritik: Wir sind wieder im April: es ist kalt (14 Grad maximal), regnet und am Nachmittag scheint die Sonne. Ein schöner Herbst wäre uns lieber.


Guten Morgen!

Wenn Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) Journalistinnen und Journalisten zu einem Hintergrundgespräch lädt, kommen sie alle ins Rathaus. Die Stühle in ihrem Büro waren gestern bis zum letzten Platz gefüllt. Das liegt wohl weniger an Novaks freundlicher Art als am Thema. 

Novak, Neos-Wirtschaftssprecher Markus Ornig und Finanzdirektor Christoph Maschek stellten gestern vor, wie die Stadtregierung das Budget 2026 konsolidieren will. Weniger bürokratisch ausgedrückt: Die Stadt muss sparen und seit gestern ist auch klar, wie beziehungsweise wo. Mehr darüber erfahren Sie gleich.

Außerdem: Die ÖBV-Buchhandlung am Schwarzenbergplatz muss bald schließen. Viktoria Klimpfinger war ein letztes Mal dort. Sie berichtet außerdem von Finis Sucht nach Bällen. Und Michael Omasta hat wie immer die sehenswertesten Filme der Woche für Sie.

Einen schönen Tag wünscht

Soraya Pechtl


Heute für Sie auf falter.at

  1. Es waren historische Stunden, die unsere Korrespondentin Tessa Szyszkowitz am Montag in Israel erlebte. Sie war auf dem „Platz der Geiseln” in Jerusalem, als die Menge zu jubeln begann: „Da sind sie, da sind sie!”. Die Freudenrufe galten den ersten befreiten Hamas-Geiseln. In ihrer aktuellen Reportage beschreibt Szyszkowitz die Stimmung in Israel und in Gaza. Und die Hoffnung auf Frieden, die dort herrscht – zumindest im Moment.

  2. Der erste Tag im ersten Prozess gegen René Benko vor dem Landesgericht Innsbruck ist vorbei – und endete unerwartet schnell. Für die kommenden Tage sind zwar g’schmackige Details über das Luxusleben des Immobilienbankrotteurs zu erwarten, schreibt Eva Konzett: Die tatsächliche Aufarbeitung der Signa-Milliardenpleite wird aber anderswo stattfinden.

  3. Das kann es nicht gewesen sein: ÖVP-Klubobmann August Wöginger kommt trotz Betätigung als Ämterkorruptionist mit einer Diversion nach Hause – und damit unbescholten. „Das ist ein juristisches Fehlurteil”, schreibt Florian Klenk: „Das Recht wurde verletzt, die Justizministerin ist am Zug: Eine gute Fehlerkultur gebietet eine Kehrtwende.”

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(c) Volkstheater Wien

Der große Erfolg vom Westend jetzt in Wien!

Ein Kleinkrimineller bricht aus dem Hochsicherheitstrakt aus, um in einer Bank einen Diamanten zu stehlen … aber vom ewigen Praktikanten bis zum Hausmeister geraten ihm alle in die Quere. Die gefeierten Shows der Mischief Theatre Company verbinden Slapstick, Akrobatik und Sprachwitz. Das Volkstheater bringt den turbulenten Unfug à la Monty Python erstmals in Österreich auf die Bühne!

Mehr erfahren ->

Weniger Mindestsicherung, teurere Hochzeiten 

Die Stadt will das Budgetdefizit im kommenden Jahr deutlich drücken. Wie sie einsparen will und wo Wienerinnen und Wiener mehr bezahlen müssen: 

Finanzstadträtin Barbara Novak weiß wohl, dass Kürzungen und Gebührenerhöhungen nicht so gut ankommen. Bevor sie dazu kommt, berichtet sie lang und breit, in welchen Bereichen nicht gespart wird. Der beitragsfreie Kindergarten bleibt trotz anderslautender Medienberichte erhalten. Der Ausbau der U2xU5 wird ebenfalls planmäßig fortgesetzt.  

Insgesamt will die Stadt 2 Milliarden Euro konsolidieren. Ausgabenseitig werden 1,35 Milliarden eingespart. Einnahmenseitig sollen 350 Millionen lukriert werden. Das Budgetdefizit soll damit 2026 bei 2,65 Milliarden Euro liegen, heuer sind es 3,32 Milliarden. 

Die rote Finanzstadträtin Barbara Novak. (© APA/GEORG HOCHMUTH)

Die größten Punkte des Pakets:

  1. Die Mindestsicherung:

Die rot-pinke Stadtregierung will bei der Mindestsicherung 200 Millionen Euro einsparen. Subsidiär Schutzberechtigte bekommen künftig keine Sozialhilfe mehr, sondern fallen in die Grundversorgung (Wien und Tirol waren bislang die einzigen Bundesländer, die die Grundversorgung von subsidiär Schutzberechtigten aufstockten). Zudem wird der Eltern-Familienzuschlag gestrichen. Diesen Zuschlag führte die Stadt 2023 ein, nachdem der Verfassungsgerichtshof die Sätze für Paare aufgehoben hatte, weil sie über dem im Sozialhilfe-Grundgesetz vorgesehenen Wert lagen. Mit der zusätzlichen Förderung wollte man die Verluste für armutsbetroffene Eltern und Alleinerziehende ausgleichen. Zudem werden die Sonderzahlungen, die Mindestsicherungs-Dauerbezieher zwei Mal pro Jahr erhalten, halbiert. 

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) kündigte bereits Anfang September an, dass Wohngemeinschaften mit Bedarfsgemeinschaften gleichgesetzt werden und Wohnkosten auch bei Kindern auf die Mietbeihilfe angerechnet werden (hier finden Sie mehr dazu). 

  1. Kürzungen bei den Förderungen & Ausgaben: 

Alle Ressorts müssen 10 bis 15 Prozent bei Förderungen einsparen. Das betrifft die Kultur, die Verwaltung, aber auch die Bereiche Integration und Bildung. Welche Projekte konkret mit weniger Geld auskommen müssen, konnte man gestern noch nicht sagen. Fix ist nur, die Förderung für die Parteiakademien wird gekürzt, ebenso die Werbekosten der Stadt. „Im Bereich Bildung werden wir uns einzelne Projekte anschauen”, sagte Markus Ornig von den Neos. Der Regelbetrieb soll aber nicht beinträchtigt werden, es werde auch keine Gehaltskürzungen geben.

Wobei die öffentlichen Gehälter im kommenden Jahr nicht steigen werden, wie es ursprünglich geplant war. Zur Erinnerung: Der Bund hatte mit der Gewerkschaft die Beamtengehälter nachverhandelt und sich vorige Woche darauf geeinigt, dass es 2026 keine Erhöhung gibt. Die Stadt Wien übernimmt den Abschluss. 

Zudem werden die Bezirksbudgets eingefroren (normalerweise werden sie jährlich angepasst) und die Betriebskostenzuschüsse für den Wiener Gesundheitsverbund und die Wiener Linien reduziert. 

  1. Verzögerte Bauprojekte

Haben Sie sich schon auf den Gürtel-Radweg gefreut? Dann müssen Sie sich noch ein wenig gedulden. Der Bau wird nämlich nach hinten verschoben, ebenso wie die Renovierung der Gumpendorfer Straße, Brückenbauten im 22. und 23. Bezirk oder die Sanierung des Laaerbergbades und des Seestadt-Bades. „Alle Projekte, die im Bau sind, werden fortgeführt”, hieß es. „Projekte, die in Planung sind, werden gestreckt.” Wie lange wir darauf warten müssen, ist noch nicht klar.

  1. Einnahmen

Ein Drittel der Konsolidierung soll über zusätzliche Einnahmen generiert werden. Der größte Brocken ist die Erhöhung des Wohnbauförderungsbeitrags um 0,25 Prozent. Diesen Beitrag bezahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ein Teil wird künftig für den Schulbau zweckgewidmet. Über die Erhöhung des Öffi-Tickets, der Parkgebühren und der Ortstaxe haben wir hier und hier bereits berichtet. 

Die Gebühren für unbegründete Blaulicht-Einsätze werden erhöht – bei Feuerwehreinsätzen steigen die Kosten um 50 Prozent. Auch die Kosten für „Luxushochzeiten” steigen. Was damit gemeint ist? Wer Standesbeamte am Samstag für eine Hochzeit auf einen Wiener Weinberg bestellt, zahlt heute schon mehr als im Amt, künftig aber noch mehr. 

Ab 2027 soll es einen sogenannten Kultureuro geben. Pro verkauftem Ticket soll ein Euro für die Kulturförderung verwendet werden. 

Das konkrete Budget soll Mitte November präsentiert und am 16. und 17. Dezember im Gemeinderat diskutiert werden.

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(c) Gaumont

Jean Epstein – Der große Unbekannte unter den Größten des Films

Von 17. Oktober bis 27. November würdigen die Viennale und das Österreichische Filmmuseum heuer den visionären Filmemacher Jean Epstein, dessen Werk zu den einflussreichsten der Filmgeschichte zählt – und dennoch oft übersehen wird. Epstein war ein Pionier des poetischen Kinos, ein Theoretiker des „Photogénie“ und ein Meister der filmischen Rhythmik.

Infos und Tickets auf www.filmmuseum.at


Stadtnachrichten

Die „Steine der Erinnerung” gedenken Wiener Jüdinnen und Juden, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden. Am Montag wurden sechs neue Steine der Erinnerung im 1. Bezirk eröffnet: in der Reichsratsstraße 17, der Wipplingerstraße 24-26, am Fleischmarkt 20, in der Riemergasse 16, der Mahlerstraße 14 und der Pestalozzigasse 3. 


Vielleicht kommen Sie ja demnächst am Westbahnhof vorbei. Hinter dem Bahnhofsgelände verbergen sich nämlich nicht nur Züge. Bis 18. Oktober zeigt das Kollektiv Westwaerts in einer Ausstellung im Stadtraum MITTE 15, wie das Westbahnareal genutzt werden könnte. „Sie dokumentiert, wie Menschen das Westbahnareal heute nutzen, und öffnet zugleich den Blick für Visionen und Utopien seiner Zukunft”, sagen die Kuratorinnen Isabell Jorina Zehnder und Marlene Johanna Fertner.

Das Kollektiv hat Künstlerinnen und Künstler dazu aufgerufen, sich mit ihren Arbeiten, Fotografien, Plastiken und Installationen zu beteiligen. Die Ausstellung findet im Rahmen des urbanize! Festivals statt. Das gesamte Programm finden Sie hier.


Falter-Radio

Wenn man sich durch Schwangerschaft strafbar macht – #1489

Astrid Wödl ist im achten Monat mithilfe einer Samenspende schwanger. Sie erklärt in dieser Folge, warum Frauen nun vor den Verfassungsgerichtshof ziehen, um das Verbot für Single-Frauen, sich künstlich befruchten zu lassen, zu bekämpfen. Falter-Redakteurin Anna Goldenberg erklärt die Rechtslage und die Zusammenhänge. 


Stadtgeschichten

Bild von Viktoria Klimpfinger
VON VIKTORIA KLIMPFINGER

Ausgelesen 

Wien hat eine besonders hohe Dichte an Buchhandlungen, auch im europäischen Vergleich. Rund 45 Prozent der österreichischen Buchhandlungen befinden sich in der Hauptstadt. Eine von ihnen wird allerdings bald schließen. 

Das warme Schaufensterlicht glimmt am Sockel der Buchhandlung, viel beleuchtet es nicht mehr. Wehmütig hält es die Stellung, bis man es ausknipst. Die Bücherständer darin, die vor ein paar Wochen noch Podeste für Bestseller waren, sind auch schon leergeräumt und selbst zum Ausstellungsstück geworden. Sie sind dem Imperativ zuvorgekommen: „Alles muss raus!”, schreit einem ein weißes Plakat mit schwarzer Schrift entgegen. 

1923 siedelte sich hier, in der Schwarzenbergstraße, der Österreichische Bundesverlag (öbv) an. Gegründet wurde der überhaupt schon 1772 unter Maria Theresia, damals noch als Verlag der Schul-Kommission, er sollte einheitliche Schulbücher drucken. Nach dem Ende der Habsburgerzeit erhielt der öbv seinen Namen und war von da an im Besitz des Bundes. Kurz vor der Jahrtausendwende wurde er teilprivatisiert, wenig später kaufte ihn die deutsche Klett Gruppe auf. Die ÖBV Buchhandlung ist nach wie vor spezialisiert auf Schulbücher und Unterrichtsmaterialien, agiert allerdings unabhängig vom öbv. Deshalb auch das Akronym in Großbuchstaben. 

ÖBV Buchhandlung
© Falter/Klimpfinger

Die Buchhandlung blieb also in der Schwarzenbergstraße, Verlagshaus hin oder her. Bis jetzt. Im Mai 2025 kaufte sie der Wiener Verlag freytag & berndt auf und übernahm damit laut Pressemitteilung nicht nur den stationären Handel, sondern auch die Betreuung der Schulen und die Direktbelieferung von Organisationen, die die Buchhandlung von hier aus steuerte. Der Blick in die Zukunft klang zunächst optimistisch: „Die ÖBV Buchhandlung ist die am besten sortierte Schulbuchhandlung in Wien”, wird Geschäftsführer Carl Rauch vom Hauptverband des österreichischen Buchhandels zitiert. „Mit der Übernahme können wir unsere Kompetenz für Schulbücher stark ausbauen – und gewinnen darüber hinaus einen wunderschönen zweiten Standort in der Wiener Innenstadt.” 

Aber Optimismus allein schreibt keine schwarzen Zahlen. Der Umsatz sei in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, schreibt Rauch auf Falter.morgen-Anfrage. „Von 2023 auf 2024 um ungefähr 20 % und auch wieder von 2024 auf 2025 in ähnlicher Größenordnung.” Außerdem wäre der Mietvertrag nächstes Jahr ausgelaufen und nur befristet verlängert worden, auch die Nutzungsrechte am ÖBV-Logo laufen Ende des Jahres aus und man hätte in die Renovierung der Innenflächen investieren müssen. Das Geschäft sei „in die Jahre gekommen”. Conclusio: Der stationäre Handel schließt, der zweite Standort hat sich nicht rentiert. 

Seit 6. Oktober öffnet die Buchhandlung zu reduzierten Öffnungszeiten – Montag bis Freitag von 11:30 bis 17 Uhr – und mit bereits stark reduzierter Besetzung. Die Hälfte der acht Mitarbeiterinnen hat laut Rauch bereits neue Stellen gefunden. Zwei Verkäuferinnen sind am Montagnachmittag übrig und haben alle Hände damit zu tun, den Kunden die verkürzten Öffnungszeiten klarzumachen. „Wir schließen”, gellt es immer wieder durch die alten Räume. Subtext: Gehen Sie endlich. Das Geschäft ist erstaunlich voll um kurz vor 17 Uhr. „Entschuldigen Sie bitte, ich bräuchte einen Stowasser für meinen Sohn”, eine Kundin rauscht kurz vor Ladenschluss herein. Die Verkäuferin schüttelt den Kopf – das Wörterbuch ist ausverkauft. Nachbestellen? Geht auch nicht mehr. „Wir schließen bald.” Subtext: Für immer. Bis Ende Dezember seien die, die noch nichts Neues gefunden haben, noch angestellt, erzählt sie dem Falter.morgen. Ob die Buchhandlung bis dahin überhaupt offen bleibt, weiß sie nicht.


Falter-Arena

Einladung

Die nächste FALTER Arena, das journalistische Live-Event des FALTER dreht isch um das Thema: „Wer cancelt hier wen? Meinungsfreiheit in Gefahr" 

Journalismus, Politik und Öffentlichkeit geraten durch einen neuen Autoritarismus weltweit unter Druck. Aber wer ist der wahre Feind der freien Rede? Trägt „linke Wokeness" ihren Anteil am Rechtsruck? Warum gerieren sich ausgerechnet Machthaber von Orbán bis Trump als jene Sprachpolizei, die sie vorgeben, zu bekämpfen? Und wie schaffen wir neue Wege für Dialog, Demokratie und Meinungsvielfalt? 

Mit: Konrad Paul Liessmann (Philosoph und Publizist), Faika El-Nagashi (Politikwissenschaftlerin und Frauenrechtsaktivistin), Lea Susemichel (Journalistin/ an.schläge), Michal Hvorecký (Schriftsteller und Journalist) Lina Paulitsch, Eva Konzett und Florian Klenk (FALTER).

Am Donnerstag, 06. November 2025, ab 19:30 Uhr im Wiener Stadtsaal, musikalisch wieder begleitet von der famosen Anna Mabo. 

Alle Informationen und Tickets finden Sie hier


Hundstage #40

Bild von Viktoria Klimpfinger
VON VIKTORIA KLIMPFINGER

Schlechte Vorbilder

Laut einer aktuellen Studie können Hunde menschenähnliches Suchtverhalten entwickeln. Fini ist der beste Beweis dafür.  

„Ihr Hund könnte ein tatsächlicher Ball-Junkie sein”, titelte der Standard am Freitag zum Welthundetag. Darauf folgt ein Foto von einem Border Collie mit manisch aufgerissenen Augen und Tennisball im Rachen. Oje, denke ich und sehe Finis kleinen roten Ball langsam auf mich zurollen. Wie in einem Horrorfilm. Fehlt bloß noch, dass draußen ein Eiswagen aus den 80ern mit seiner Xylophon-Musik vorbeitingelt. Nur schupft den kleinen roten Ball weder Horrorclown noch Axtmörder, sondern ein genervter Mischlingshund, der es nicht fassen kann, dass ich seinen fordernden Wutausbruch ignoriert habe, und jetzt zu sanfteren Methoden übergeht. Fini liegt irgendwo versteckt, zusammengekauert, lauernd. Und stupst ihren Ball mit der Schnauze in meine Richtung. 

Dass sie ein Ball-Problem hat, schwant mir schon länger. Jetzt ist es traurige Gewissheit: Eine aktuelle wissenschaftliche Studie bestätigt, dass Hunde tatsächlich Suchtverhalten entwickeln können. Dafür durften sich die Probanden ein Spielzeug aussuchen und damit spielen. Und dann wurde es auf ein Regal oder in eine Box gelegt – außerhalb ihrer Reichweite. Fini würde ausrasten, denke ich, und stupse den Ball mit dem Fuß an. Das war ein Fehler. Schon sprintet sie in vollem Karacho auf mich zu, inhaliert den Ball, spuckt ihn mir vor die Füße, wedelt mit dem Schweif, deutet mit ihrer Schnauze zwischen mir und dem Ball hin und her. Fast sieht sie aus, als würde sie lächeln. Süß. Wie Jack Nicholson in „The Shining”, nachdem er die Badezimmertür mit der Axt gespalten hat. 

Fini mit Ballproblem
© Falter/Klimpfinger

Laut Studie fixieren die abhängigen Hunde ihr Spielzeug, winseln, werden immer unruhiger, sind dabei weder empfänglich für Futter noch für Schmeicheleien und kriegen sich erst ungefähr eine Viertelstunde, nachdem das Spielzeug weggeräumt wurde, wieder ein. Das kommt mir unangenehm bekannt vor, denke ich, als ich den Ball in eine Schublade sperre und Fini daraufhin eine Viertelstunde lang klägliche Minnesänge an den Vorzimmerschrank richtet. Dreiunddreißig der 105 Hunde, die an der Studie teilnahmen, zeigten suchtähnliches Verhalten. 

„Hunde sind bisher die einzige nicht-menschliche Spezies, die spontan suchtähnliche Verhaltensweisen entwickelt”, heißt es in der Fachpublikation. Und: Schuld daran ist höchstwahrscheinlich der Mensch. Ich kann mich nur wiederholen: Oje. Als wir vor Kurzem in einer Hundezone waren und ich Fini den Ball geworfen habe, wurden wir beobachtet. Von einem anderen Hund: groß, weißes Fell, feingliedrig, wie die Walt-Disney-Version eines Schäferhundes. Zuerst sah er sich an, was Fini und ich da treiben: Ich werfe den Ball, sie saust ihm nach, fängt ihn im Flug ab und spuckt ihn mir vor die Füße. Wieder. Und wieder. Und wieder. Dann ging er und kam mit seinem eigenen Ball im Maul zurück. Vorsichtig, unsicher. Sobald Fini erneut davon sprintete, nutzte er seine Chance und warf mir seinen Ball etwas zaghaft vor die Füße. Wie der Vierzehnjährige, der zum ersten Mal an einer Zigarette zieht, weil seine große Schwester so cool dabei aussieht. Wir sind schlechte Vorbilder.


Lexikon

Love Scam

Der Wiener F. hat ein Dutzend Frauen gedatet und Geld von ihnen erschlichen: Über 150.000 Euro Schaden sind dadurch entstanden. Vergangene Woche erlebte Wien seinen ersten großen „Love Scam“-Prozess. Damit ist das englische Wort für diese spezielle Betrugsmasche auch bei uns angekommen. Früher nannte man „Love Scammer“ (oder „Romance Scammer“) auch Heiratsschwindler. Dank Dating-Apps wie Tinder gelingt das Vortäuschen einer Liebesbeziehung noch einfacher. Die Polizei empfiehlt, bei den meist höflichen, perfekt formulierten Anfragen mit tollen Fotos immer eine Google-Bildersuche zu machen.

Wir erklären an dieser Stelle jede Woche einen Begriff, der durch die Medien geistert.

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BRIGITTE KOWANZ/EVA SCHLEGEL, Kunstinstallationen im Leopold Museum, Wien, 2025, Eva Schlegel/ESTATE BRIGITTE KOWANZ, Rendering: D. Minovski © Bildrecht, Wien 2025

KOWANZ. ORTNER. SCHLEGEL

Ein Dialog zwischen Architektur, Licht und Raum:
Im Leopold Museum treffen monumentale Kreidezeichnungen von Ortner & Ortner auf immersive Installationen von Brigitte Kowanz und Eva Schlegel.
Die Ausstellung KOWANZ. ORTNER. SCHLEGEL ist bis 11.01.2026 zu sehen.

Mehr erfahren ->


Frage des Tages

Wie wurde das Museumsquartier bis Anfang der 2000er genannt?

1. Rindermarkt

2. Glacis Platzl

3. Messepalast

Auflösung von gestern: Franziska von Wertheimstein war eine Wiener Wohltäterin und Mäzenin, die in Döbling lebte. Der Wertheimsteinpark im 19. Bezirk ist nach ihr benannt (nicht im ersten oder im 16.).


Events des Tages

Bild von Gerhard Stöger
AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER

Pop/Albumpräsentation

Gelernt hat die 1996 als Anna Marboe in Wien geborene Künstlerin Theaterregie, und zwar nicht irgendwo, sondern am Max Reinhardt Seminar. Musikerin ist sie auch, in dieser Rolle verzichtet Marboe auf zwei Buchstaben ihres Nachnamens und wird zu Anna Mabo. Lieblichkeit mit doppeltem Boden trifft in ihren Liedern auf die Lust am Unkonventionellen und dem Schmähführen. Fad wird ihr nicht: Am 7. Oktober hatte im Rabenhof ihr neues Stück Premiere – ein Ferdinand-Raimund-Musical, in dem sie auch noch selbst die Hauptrolle spielt. Gleichzeitig erscheint Mabos bereits viertes Album (schöner Titel: „Mittelschwere Ekstase“); begleitet von ihrer zweiköpfigen Band Die Buben präsentiert sie es nun live.

Porgy & Bess, 20.30


Ausstellung

Nein, die Ausstellung „Fleisch“ im Wien Museum ruft nicht zum Vegetarismus auf, sondern beleuchtet auf kulturhistorisch, wie in Wien Tiere gehalten, geschlachtet, verkauft und verzehrt wurden. Dass in der Donaumetropole schon im 19. Jahrhundert Tierschützer auf den Plan traten und das erste fleischlose Gasthaus aufsperrte, zählt zu den vielen Überraschungen dieser interessanten Schau. (Nicole Scheyerer)

Wien Museum, 10.00 bis 18.00 (tgl, außer Mo, bis 22.2.)


Aus dem Verlag

Buchpräsentation: Die Wiener Seele

Was bitte ist das „Arschkappelmuster“? Warum soll man sich beim Salzamt beschweren, wenn man sich über eine Behörde aufregt? Und woher kommen eigentlich die „Kropferten“? Heute Abend beantwortet Andrea Dusl diese und viele weitere Fragen rund um österreichische Begriffe, Redewendungen und Eigenheiten – gesammelt von Leser:innen der Wiener Wochenzeitung FALTER. Eintritt frei!

Thalia Wien Mitte/ Landstraßer Hauptstraße 2a/2b, 1030 Wien, 18.30 Uhr


Buchtipp

Lea Ypi: Aufrecht

Lea Ypi ist eigentlich Philosophin und lehrt an der London School of Economics. Seit sie 2022 ihr autobiografisches Buch „Frei" veröffentlichte, ist sie ein Star der Literatur-und Philosophieszene gleichermaßen. 

Ihr neues Buch „Aufrecht", erschienen bei Suhrkamp, ist neuerlich eine Verknüpfung von Theorie und Autofiktion. Ypi fügt Reportagen mit Elementen eines Historienromans zusammen. Alles beginnt mit einem Foto, das sie in den sozialen Medien entdeckt und das die Autorin irritiert. Das Bild zeigt ihre Großmutter Nini auf Hochzeitsreise im italienischen Skiort Cortina. Aufgenommen im Winter 1941. Hasskommentare zieren das Bild, denn Ninis Schwiegervater, Leas Urgroßvater, war kurzzeitig Albaniens Ministerpräsident und kollaborierte mit den italienischen Besatzern unter Mussolini. War die Großmutter etwa eine Faschistin, urlaubend und freudestrahlend, mitten im Zweiten Weltkrieg? Lea Ypi versucht, deren Würde im Schreiben zu bewahren – weshalb das Buch auch den Titel „Aufrecht" trägt. … (Lina Paulitsch)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

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Alan Bartus (c) Frantisek Gazik, DIS IS MARKETA (c) Martina Mlcuchova, Yazz Ahmed (c) Alex Beer

Klangvolle Oktobermomente im ORF RadioKulturhaus

Von Jazz bis Pop, von Newcomern bis zu internationalen Stars – das ORF RadioKulturhaus lädt im Oktober zu musikalischen Entdeckungen ein. Erleben Sie Yazz Ahmed, DIS IS MARKĒTA, Alan Bartuš & Martin Klein live im Herzen Wiens.

Mehr Infos ->


Film-Tipps

Bild von Michael Omasta
VON MICHAEL OMASTA

Das Spielfilmdebüt der norwegischen Regisseurin Ingolfsdottir, führt als beeindruckende Charakterstudie an den Tiefpunkt einer Ehe, der zugleich die Selbstfindung einer Frau begründet. Herausragend ist dabei nicht nur Hauptdarstellerin Helga Guren, sondern auch der Einsatz filmischer Mittel als psychologisches Anschauungsmaterial: Bereits gezeigte Szenen, an die Maria sich später erinnert, werden wiederholt und verwandelt. Ein kleines Meisterwerk, das für das Publikum viele Tränen und viel Trost bereithält. (Sabina Zeithammer)

Regie: Lilja Ingolfsdottir, NOR  2024


Blum - Masters of Their Own Destiny

Es ist eine bewegende Heldengeschichte, die Jasmila Žbanic in ihrem neuen Dokumentarfilm erzählt: Die Geschichte des Holocaust-Überlebenden, Ex-Bürgermeisters von Sarajevo und Unternehmensgründers Emerik Blum – „eines Visionärs, dem im ehemaligen Jugoslawien die Verschmelzung von Kapitalismus und Sozialismus gelang." (M. Nguyen)

Regie: Jasmila Žbanic, BiH  2024


Amrum

Amrum, 1945: Nanning unterstützt seine hochschwangere Mutter Hille in den letzten Kriegstagen auf der Insel, indem er nachts auf Fischfang geht oder auf dem Feld arbeitet. Mit dem Frieden kommen neue Herausforderungen auf den Buben zu, denn der Tod des „Führers" und eine schwere Niederkunft haben die überzeugte Nationalsozialistin Hille in tiefe Depressionen gestürzt, aus denen sie vermeintlich nur Weißbrot mit Butter und Honig retten kann. Für den Rest des Films jagt Nanning hinter den dafür nötigen Zutaten her, um der Mutter ihren Wunsch zu erfüllen. „Ein Hark Bohm Film von Fatih Akin" (Vorspann), basierend auf den fiktionalisierten Kindheitserinnerungen des 1939 in Hamburg geborenen Filmemachers Bohm. (Michael Omasta)

Regie: Fatih Akin, D  2024


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