✍Seit Mai bieten das Zentrum für Angststörungen Phobius und der Donauturm Workshops gegen Höhenangst an: Wir haben teilgenommen >> Die beste Liga der Welt: Shakira trifft, ÖFB nicht >> Architekturkritik: Matzleinsdorfer Platz Wetterkritik: Liebe lieber unbeständig, hat sich die Sonne diese Woche offenbar aufs Steißbein tätowiert. Kommt sie? Kommt sie nicht? Lässt sie sich vom Regen vertreten oder übernehmen doch die …
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FALTER.morgen – Der Wien-Newsletter / Ungeahnte Höhen / 11.06.2026 / Sie starten in den Tag mit Soraya Knabel }}

Seit Mai bieten das Zentrum für Angststörungen Phobius und der Donauturm Workshops gegen Höhenangst an: Wir haben teilgenommen >> Die beste Liga der Welt: Shakira trifft, ÖFB nicht >> Architekturkritik: Matzleinsdorfer Platz

Wetterkritik: Liebe lieber unbeständig, hat sich die Sonne diese Woche offenbar aufs Steißbein tätowiert. Kommt sie? Kommt sie nicht? Lässt sie sich vom Regen vertreten oder übernehmen doch die Wolken? Jedenfalls die Temperatur bleibt stabil mit etwa 20 Grad.


Guten Morgen!

Wie geht es Ihnen mit Höhe? Oder mit Spinnen? Ich leide seit einigen Jahren an Flugangst. Startet der Flieger, kralle ich mich an den Sitzlehnen fest, meine Hände beginnen zu schwitzen und mein Herz zu pochen. Ich höre dann laut Musik, um mich abzulenken, starre aus dem Fenster, weil ich denke, ich könnte die Situation so besser kontrollieren. Wenn die Flugbegleiter vorbeikommen, bestelle ich etwas Alkoholisches, um mich etwas zu entspannen. 

Gegen die Angst hat das nicht geholfen und seit Dienstag weiß ich auch warum. Das Unternehmen Phobius hat sich auf die Therapie von Angst, Panik und Phobien spezialisiert. Seit Mai bietet der Donauturm im 22. Bezirk in Kooperation mit Phobius Workshops für Personen an, die an Höhenangst leiden. Ich habe an einem dreistündigen Kurs teilgenommen (ganz schwindelfrei bin ich nicht) und auch viel über meine Flugangst gelernt. 

Außerdem: In unserer WM-Kolumne geht es um die heutige Eröffnung. Und Viktoria Klimpfinger hat mit Stefan Schleicher vom Prozessfinanzierer Jufina über Sportwetten und Glücksspiel gesprochen.

Einen schönen Tag wünscht

Soraya Knabel


Heute für Sie auf falter.at

Da wird auch das Herz des strengsten Kunstkritikers weich: Otto Waalkes in der altehrwürdigen Albertina – mit eigenen Zeichnungen, die den dort gehüteten Meisterwerken der Grafik den Ottifanten-Rüssel aufsetzen. Darf er das denn? Ja, und es ist gut. Matthias Dusini hat mit Waalkes und seinem Wegbegleiter, dem Autor Bernd Eilert, nicht nur über die Ausstellung gesprochen, sondern auch über die strenge Mutter, deutschen Humor und das Verschwinden von Autoritäten. 

Wenn es um Integration – und damit um das das größte Reizthema des Landes – geht, ist die Emotion meist nicht weit. Und Kenan Güngör ist der Fachmann, der die Relationen zurechtrückt. Auch, weil er als kurdisch-stämmiger Zuwanderer die Problematik besonders gut kennt. „Ich war selbst ein Integrationsverweigerer“, sagt er im Interview mit Nina Horaczek. Das Gespräch über junge Muslime, kostenlose Integrationsmaßnahmen und die Frage, warum er manchmal auch für die FPÖ arbeitet, lesen Sie hier.

Wer dick ist, ist einfach nicht diszipliniert genug, um schlank zu sein: Dieses Vorurteil gibt es seit eh und je. Die erste gewichtsneutrale Klinik in Wien versucht, dagegen anzugehen – auch, weil übergewichtige Patienten medizinisch benachteiligt sind, schreibt Sandra Glonig: Sie bekommen beispielsweise häufiger Fehldiagnosen als dünne.

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Schwindelerregend

Rund 30 bis 40 Prozent der Menschen haben Höhenangst. Was hilft dagegen? Ich habe an einem Workshop am Donauturm teilgenommen. 

Der Tag beginnt um 9 Uhr mit einem einstündigen Theoriekurs. „Was spürt ihr, wenn ihr Angst habt?“, fragt Anna Köstler, klinische Psychologin bei Phobius. Eine Teilnehmerin erzählt von weichen Knien, ein Mann nimmt beim Klettern in bestimmter Höhe einen Verlust von Muskelkraft wahr. Ich denke an meine schweißnassen Hände im Flieger. 

Meist wird im Angstzustand auch die Atmung schneller und flacher. Die Frequenz des Herzschlags erhöht sich, genauso wie der Blutdruck. Das liegt am sogenannten Sympathikus, er ist Teil unseres vegetativen Nervensystems und übernimmt in Momenten der Angst das Kommando. Der Sympathikus ist quasi unser innerer Stressor. Bei drohender Gefahr wird er aktiviert: Wir bekommen einen Energieschub und sind bereit für die Flucht oder den Kampf. Evolutionär betrachtet macht das Sinn. Wer im Flieger sitzt oder auf dem Donauturm steht, braucht allerdings weder zu fliehen noch zu kämpfen. Es besteht dort objektiv gesehen keine Gefahr. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Blick von oben durch ein Metallgeländer auf eine geometrisch angelegte Parkanlage mit Wegen, Blumenbeeten und Grünflächen.
Von der Aussichtsplattform geht es 150 Meter nach unten. (© FALTER/Pechtl)

Der Gegenspieler des Sympathikus ist der Parasympathikus, er ist der Entspannte. Psychologin Köstler will uns im Workshop zeigen, wie wir ihn in Angstsituationen wieder hervorholen können. 

Sie ahnen es vielleicht schon, die eingangs von mir erwähnten Methoden – laut Musikhören, Alkohol trinken, sich ablenken – helfen nicht. In der Psychologie nennt man sie Sicherheitsverhalten. „Die Angst sagt uns, wir sollen so reagieren“, sagt Köstler. Indem wir ihr folgen, bestärken wir sie nur. Wir sollen der Angst stattdessen ins Gesicht starren, sie aushalten und atmen. 

Nach einer Stunde Theorie beginnt die Konfrontation mit der Höhenangst. Wir fahren mit dem Lift 165 Meter nach oben ins Turm Café. Oben sehen wirt durch ein Fenster auf Brusthöhe hinaus. Die beiden anderen Kursteilnehmer sind noch halbwegs entspannt. Die eine hat weiche Knie, der andere wertet seine Angst mit einer 3 von 10. 

Wir gehen ein paar Stöcke nach unten und betreten die Aussichtsplattform, 150 Meter geht es von hier in die Tiefe. Eine dicke Betonmauer, die bis zu unserem Brustkorb reicht, trennt uns vom Abgrund, darüber befindet sich ein Sicherheitsgitter, durch das wir durchschauen. Wir stellen uns ganz nah dran und schauen senkrecht nach unten. Man spürt die Nervosität der Teilnehmer, auch meine Füße beginnen zu kribbeln. Als wir auf eine Anhöhe steigen und die Mauer nur noch knapp hüfthoch ist, wird mir mulmig. 

Laut Umfragen im Auftrag des Donauturms haben 40 Prozent der Menschen Höhenangst (andere Studien gehen von 20 bis 30 Prozent aus). Rund die Hälfte der Betroffenen würde Aktivitäten vermeiden, die mit Höhe verbunden sind. Besonders herausfordernd seien Glas- und Aussichtsplattformen. 

Die Plattform auf dem höchsten Bauwerk Österreichs bereitet mir und den anderen Teilnehmern jedenfalls Unbehagen. Psychologin Köstler erinnert uns an die Atemtechniken, die wir im Theorieteil gelernt haben. Durch die Nase in den Bauch einatmen, kurz halten und lange ausatmen. Es helfe auch, sich zu bewegen, den Blick schweifen zu lassen. Und eine Zeit lang in der Situation bleiben, bis der Körper merkt, es droht keine Gefahr. Tatsächlich klappt das. 

Nach ein paar Atemzügen lässt das Kribbeln nach. Ein Teilnehmer lehnt seinen Kopf gegen das Gitter, er rüttelt daran. Der Mann hat Angst vor dem Versagen der Technik, dieser Realitätscheck soll ihm helfen, sich sicher zu fühlen. Oft reicht auch schon ein rationaler Gedanke – etwa, dass die Chance, in einem Flieger abzustürzen, bei 1 zu 11 Millionen liegt. 

Wir gehen weiter in das Café mit den großen Panoramafenstern. Wieder stellen wir uns dicht an die Glasscheiben, wieder konzentrieren wir uns auf den Atem. Eine Teilnehmerin sagt, dass ihr Schwindelgefühl nachlässt. 

Der letzte Programmpunkt ist die Rutsche (sie ist optional). Sie hat ein Glasdach, ist 40 Meter lang und befindet sich auf einer Höhe von 165 Metern an der Außenseite des Turms. Ich habe kein Ticket, also kann ich nicht mitmachen und bin gar nicht so unglücklich darüber. Die beiden anderen trauen sich. Ohne zu zögern, steigen sie in die Röhre. 

Nach drei Stunden Workshop berichten sie, dass die Angst schon jetzt ein wenig nachgelassen habe. Mit den erlernten Strategien können sie die Konfrontation weiter im Alltag üben. Denn das Gehirn lernt mit jeder positiven Erfahrung. Anders gesagt: Je öfter man sich seiner Angst aussetzt und merkt, dass keine Gefahr besteht, desto leichter wird es.

Ich werde beim nächsten Flug das Bier stehen lassen und mich an den Atemübungen versuchen.  

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(c) Stefan Oláh

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Stadtnachrichten

„Ich werde Ihnen nichts vormachen, die Zeiten sind ernst“, begann Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) gestern seine Rede zum Doppelbudget 2027/2028. Zunächst habe es zwar wieder besser ausgeschaut für die Finanzen, aber im Frühjahr hätten sich die Dinge durch den Iran-Krieg und die darauffolgende Energiekrise abermals verschlechtert. 

Österreich will 2028 wieder bei einem Defizit von 3 Prozent des BIP und damit bei der Maastricht-Obergrenze der EU ankommen. Für 2027 rechnet man mit 3,5 Prozent. Heuer will man, wie im Vorjahr, 4,2 Prozent erreichen. Die Schulden werden von 81,5 Prozent im Vorjahr bis 2028 auf 83,8 Prozent steigen, 2031 sogar 85 Prozent.

Die Länder kritisieren die Senkung der Lohnnebenkosten. Der Stadt Wien würden durch die fehlende Gegenfinanzierung bereits heuer und 2027 Ertragsanteile von 70 bis 80 Millionen Euro entzogen, nun würden bundesweit noch einmal 440 Millionen Euro für Länder und Gemeinden wegfallen, teilt Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) der APA mit. 


Im März wurden Vorwürfe gegen den Direktor des KHMs Jonathan Fine und den kaufmännischen Leiter Paul Frey laut. Eine Mitarbeiterin sprach von systematischem Mobbing. Das Kuratorium des Kunsthistorischen Museums hat die Vorwürfe von Arbeitsrechtsexpertin und Verfassungsrichterin Sieglinde Gahleitner prüfen lassen. Gestern teilte das KHM dann mit: Es habe keine Hinweise auf „Mobbing/Bossing durch die Geschäftsführung bzw. auf Compliance-Verfehlungen“ gegeben. Das Kuratorium habe „den Geschäftsführern Jonathan Fine und Paul Frey einstimmig das Vertrauen ausgesprochen“. Man forderte Fine und Frey allerdings dazu auf, die Kommunikation zu verbessern. 

Martin Maxl, Anwalt der Betroffenen Mitarbeiterin, sagte: Die zentrale Frage sei nicht, ob Begriffe wie Mobbing oder Bossing zutreffen würden, sondern: „Ist das Führungsverhalten der Geschäftsführung geeignet, ein respektvolles, angstfreies und professionelles Arbeitsumfeld sicherzustellen oder nicht?“ Maxl stellt auch die Unabhängigkeit des Gutachtens infrage. 


Der Badeteich Hirschstetten in der Donaustadt ist wegen „Blaualgen“ (Cyanobakterien) gesperrt. Am Wochenende hat sich ein bläulicher schleimiger Film auf der Wasseroberfläche gebildet, wie ORF Wien berichtete. Die MA 45 (Wiener Gewässer) hat Proben entnommen und den Teich vorsorglich gesperrt. Inzwischen ist klar: das Wasser ist mit Cyanobakterien verunreinigt. Wenn man größere Mengen des Wassers verschluckt, kann das zu Erbrechen, Durchfall und Hautausschlägen führen. Für Hunde können die Blaualgen tödlich sein.


Die beste Liga der Welt

Bild von Peter K. Wagner
VON PETER K. WAGNER

Shakira trifft, ÖFB nicht

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Person mit lockigen Haaren hält ein Mikrofon und hebt beide Arme auf einer Bühne, trägt ein Oberteil mit Tiger-Motiv.
Shakira wird die WM mit Burna Boy eröffnen. (© APA / dpa / Daniel Reinhardt)

Den von Rapid gejagten Yusuf Maart und seinen Landsmann Antonio Van Wyk hat es beruflich ins Innviertel verschlagen. Beim Bundesliga-Aufsteiger SV Ried wurde auch dank der Südafrikaner zuletzt verhältnismäßig erfolgreich Fußball gespielt. Ein Platz im WM-Kader blieb den Legionären allerdings verwehrt. Einen Fixplatz beim heutigen Auftaktspiel zwischen Mexiko und Südafrika (21 Uhr MESZ) hat dafür Shakira. Die Sängerin wird die 23. Weltmeisterschaft gemeinsam mit Burna Boy eröffnen. Aus österreichischer Sicht heißt das: 1:0 für die Spielgemeinschaft Kolumbien-Nigeria. Während der offizielle WM-Song nämlich sitzt, hat der ÖFB nicht einmal im zweiten Versuch getroffen. (Peter Wagner)

Die beste Liga der Welt erscheint zweimal wöchentlich überall dort, wo es gute Fußballpodcasts gibt und begleitet für Sie im FALTER.morgen die WM 2026.


Interview

Bild von Viktoria Klimpfinger
VON VIKTORIA KLIMPFINGER

Das Spiel mit dem Glück

Der Wiener Prozessfinanzierer Jufina klagt für Betroffene die Verluste bei Online-Casinos ein – gewinnt er, bekommt er einen Anteil. Nun klagt er auch Rapid. 

Wenn Sie im WM-Fieber sind, sind Sie vielleicht auch im Wett-Fieber. Aber Achtung, viele Online-Anbieter werben nicht nur mit Sportwetten, sondern auch mit Glücksspiel. Wie Interwetten zum Beispiel. Man kennt das Logo von Fußballspielen oder Skirennen. Prozessfinanzierer Jufina hat deshalb vor Kurzem Klagen gegen Rapid Wien und den Österreichischen Skiverband (ÖSV) eingebracht, wie das profil berichtete: Rapid wies die Vorwürfe zurück, illegale Tätigkeiten seien dem Verein nicht bekannt; der ÖSV teilte mit, dass die Unterlagen derzeit in „rechtlicher Prüfung“ seien, und Interwetten hat auf die profil-Anfrage nicht geantwortet.

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Mann mit blondem Haar und weißem Hemd steht lächelnd vor neutralem Hintergrund, im Hintergrund eine grüne Zimmerpflanze.
Stefan Schleicher ist Vorstand des Wiener Prozessfinanzierers Jufina (© Benjamin Cajic)

Falter.morgen: Herr Schleicher, Online-Sportwetten sind in Österreich legal, Online-Glücksspiel ist es nicht. Warum beschäftigt das den Prozessfinanzierer Jufina? 

Stefan Schleicher, Jufina-Vorstand: Der Bund hat das Monopol auf Online-Glücksspiel, win2day von den Österreichischen Lotterien ist der einzige konzessionierte Anbieter. Alle anderen haben keine gültige Lizenz in Österreich und operieren damit auch ohne echten Spielerschutz. Die Betroffenen haben daher Anspruch auf Rückerstattung ihrer Verluste.

Wie viele Betroffene haben sich bisher an Sie gewandt? 

Schleicher: Wir übernehmen solche Fälle seit sechs Jahren, rund 12.000 haben wir in dieser Zeit angenommen. Meistens sind es junge Männer, die in der Regel mit 18 oder 19 Jahren zu spielen beginnen. 

Wie geraten sie da überhaupt hinein? 

Schleicher: Wenn ich zum Beispiel auf die Website von Interwetten gehe, kann ich entweder auf „Sportwetten” klicken oder auf „Casino”. Die legalen Sportwetten sollen die Kunden auf die Websites und die Apps locken, der große Gewinn liegt für die Anbieter aber im Casino. Wenn ich als spielfreudiger Kunde bei den legalen Sportwetten bleibe, bekomme ich irgendwann einen persönlichen Betreuer vermittelt. Der ruft mich dann am Freitag an, fragt mich, wie es mir geht, und lockt mich mit einem Bonus ins Casino. 

Wie hoch sind die Verluste Ihrer Klienten in Summe? 

Schleicher: In Österreich sind sicher 1.000 internationale Online-Casinos aktiv. Allein bei Interwetten haben wir 9 Millionen Euro an offenen Rückforderungen, 4 Millionen davon sind bereits rechtskräftig. Aber seit eineinhalb Jahren zahlt das Unternehmen nicht, die Exekution ist praktisch unmöglich. 

Warum

Schleicher: Das Unternehmen hat seinen Sitz, wie viele Online-Casinos, in Malta, auch wenn das Büro sich im 22. Bezirk in Wien befindet. In Malta schützt die sogenannte „Bill 55” die Unternehmen vor Vollstreckung und Rückzahlungen. Der Europäische Gerichtshof hat zwar entschieden, dass bei Schadensersatzklagen jenes Recht Vorrang hat, das im Land des Geschädigten gilt. Aber in der Praxis ist das schlicht nicht durchzusetzen, weil die maltesischen Behörden sich weigern. Ein EU-Verfahren gegen die „Bill 55“ läuft bereits, aber das wird dauern, und so lange wollen wir und die Betroffenen nicht warten.

Also haben Sie einen anderen Weg gewählt und klagen Rapid Wien und den ÖSV als Werbepartner von Interwetten? 

Schleicher: Anbieter wie Interwetten erhalten den Anschein von Seriosität, wenn Verbände wie Rapid Wien oder der ÖSV sie als Sponsor darstellen. Aber für illegale Angebote gilt in Österreich eigentlich ein striktes Werbeverbot.

Wobei Interwetten ja auch legale Sportwetten anbietet. 

Schleicher: Ja, aber wenn ich eine Pizzeria eröffne, in der man Pizza Margherita und Drogen kaufen kann, wird man diese Pizzeria wohl nicht mit ihrem Logo bewerben dürfen.

Im Sommer 2026 soll eine Novelle des österreichischen Glücksspielgesetzes in Kraft treten. Auch bisher illegale Anbieter könnten sich um eine Lizenz bewerben. Geht das in die richtige Richtung? 

Schleicher: Eine Bedingung für die Lizenzvergabe soll die Rückzahlung der ausständigen Forderungen sein, das begrüßen wir. In der Praxis sollten solche Lizenzen aber wohl nicht an Unternehmen mit Sitz in Malta gehen, solange die „Bill 55“ dort in Kraft ist und sie vor der Vollstreckung künftiger Urteile schützt. Auch die Verschärfungen beim Spielerschutz sind positiv. Was ich aber vermisse, sind noch schärfere Regelungen zu Werbeverboten, sowie Behörden, die gegen diese unappetitliche Wertschöpfungskette vorgehen. Dann müssten nicht wir als Private einspringen.


Falter Radio

Wie radikal ist Österreichs muslimische Jugend? – #1650

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Vier Personen stehen vor einer Wand mit Falter-Magazin-Covern; oben links ist das Falter Radio-Logo zu sehen.

Autoritäre Tendenzen bei Jugendlichen, Religiosität, Diskriminierung und Islam: wie hängt das zusammen? Der Integrationsexperte Kenan Güngör, Autor einer viel diskutierten Studie, und Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft IGGÖ diskutieren in dieser Folge gemeinsam mit Falter-Chefreporterin Nina Horaczek und Raimund Löw über Herausforderungen für die Integration 


Lokalkritik

Pescobar (1100 / Favoritenstr. 118)

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Modernes Restaurant mit vielen Pflanzen, bunten Stühlen, großen Bildschirmen an den Wänden und zwei Personen, die eine Rutsche im Vordergrund benutzen.
Die neue Pescobar in Favoriten verwandelt Meeresfrüchte in Fastfood (© Heribert Corn)

Das wird jetzt ein bisschen schwierig. Denn ja: Ich mag Oktopus, und zwar sowohl lebendig in seinem natürlichen Habitat als auch köstlich zubereitet auf meinem Teller. Ein Widerspruch? Kann man drüber diskutieren. Allerdings wüsste ich nicht, warum ich nur essen soll, was ich hasse.

Noch ein bisschen schwieriger wird es, den eigenen Zugang zum getöteten und verspeisten Tier okay zu finden, jenen anderer aber zu verurteilen. Und genau da landen wir bei der neuen Pescobar an der Favoritenstraße. Denn hier werden seit einem Monat Meeresfrüchte in Fastfood verwandelt, also in eine Ernährungsform, die zwar von elitären Foodies wie mir geächtet wird, andererseits die hauptsächliche Ernährungsart breiter Bevölkerungsschichten ist.

Das Erfolgskonzept der Pescobar: Fisch und Meeresfrüchte niederschwellig in großen Portionen und um wenig Geld anzubieten.

Kann man machen, wenn man außer Acht lässt, dass die Meere überfischt sind und Fischzucht die überfischten Meere auch noch verdreckt. Dann kann man auch Oktopus, der vor afrikanischen Küsten mit Schleppnetzen gefangen wird, in Blöcke pressen, die dann auf Spieße stecken und nach Kebab-Art davon heruntersäbeln und die Stückerln mit Salat, Tomatenscheibe und reichlich Sauce in Weckerln füllen. Und ich kann nicht anders, aber das empfinde ich als würdelos. Wird in der Pescobar aber so gemacht, heißt Tartaruga mit Oktopus-Kebab und ist die Spezialität. Schmeckt irgendwie ein bisschen nach Oktopus, ein 187-ml-Fläschchen rumänischer halbtrockener Industriewein ist im Preis inbegriffen (14,–). Auch als Salat – 80 Gramm Oktopusarme schnell runtergegrillt und auf gemischten Salat geworfen – ist vor allem eines: billig (€ 15,–).

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer finden Sie hier.

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Die Jeunesse-Saison 26/27 eröffnet mit französischer Romantik, gespielt vom Wiener Jeunesse Orchester. Die FALTER-Auswahl legt zwei Kontraste dazu: Händels „Messias" – und japanische Taiko-Trommeln im Goldenen Saal des Musikvereins, mit dem Waseda Symphony Orchestra Tokyo.

Code FALTER: 15 % Rabatt

Hier kommen Sie zu den Tickets.


Frage des Tages

Was zeigt unser Satellitenbild?

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Luftaufnahme eines großen Gebäudekomplexes mit umliegenden Straßen und Wohnhäusern in einem städtischen Gebiet.

Auflösung von gestern: Die flächenmäßig größte Gemeinde Österreichs ist nicht Wien, sondern Sölden in Tirol (auch nicht Matrei in Osttirol).


Events des Tages

Bild von Nicole Scheyerer
AUSGEWÄHLT VON NICOLE SCHEYERER

Vortrag

Der aktuelle Schwerpunkt der Diskussionsreihe Apéro Musette widmet sich unter dem Titel „Entomologin“ der Artenvielfalt von Insekten, ihrem Beitrag zur Biodiversität und diesmal auch zu urbanen Ökosystemen. Katja Schechtner berichtet von zunehmendem Artenverlust in den Städten, ein oft unterschätztes Problem. Die Stadtplanerin fragt nach Formen der Koexistenz in dichten Gebieten, u.a. auch in ihrem neuen Buch „Stadt Natur Rechte – Was Bienen und Bäume dürfen müssen“. (Nahla Hamula)

Musette Shop, Do 18.00 (mit Anmeldung)


Ausstellung

Ursprünglich sollte sie nur vor Hochwasser schützen, dann wurde sie zum Naherholungshit für die Wiener: Die Schau „Die Donauinsel –21 Kilometer Freiraum“ zeichnet die Entstehung des künstlichen Eilands nach, auf dem sich heute regelmäßig bis zu 200.000 Menschen tummeln. Nach vielen Debatten erfolgte in den 1970ern der Startschuss für eines der größten modernen Bauprojekte Wiens. Heute führt Kuratorin Martina Nußbaumer um 17.30 Uhr durch die Schau.

Wien Museum, Do 17.30 (bis 30.8.)


Buchtipp

Margaret Laurence: Glücklichere Tage

Der Fluss floss in beide Richtungen. Die Strömung verlief von Nord nach Süd, doch der Wind kam meist von Süd und schob die kräuselnde Oberfläche des grün-bronzenen Wassers in die entgegengesetzte Richtung. Dieser scheinbar unmögliche ­Widerspruch faszinierte Morag noch immer.“

Selten gibt der erste Satz so prägnant die Tonalität eines Buches wieder, führt so sicher in seine Thematik ein: Eine Schriftstellerin sitzt in ihrem Zimmer für sich allein, mit Blick auf den Fluss. Sie ist 47 Jahre alt, und in diesem Moment, gerade als die Tochter sie verlassen hat, ziehen die Stationen von Leben und Arbeit an ihr vorbei.

Margaret Laurence befand sich in der gleichen Situation wie ihre Protagonistin. Bewegte Zeiten liegen hinter ihr: Aufgewachsen in einem Provinznest der Prärie des kanadischen Mittelwestens, verlässt sie frühestmöglich die kärgliche Idylle, studiert, heiratet 1947 einen Wasserbauingenieur. Gemeinsam gehen die beiden nach Afrika. Laurence beginnt, sich mit der Kolonialgeschichte und der lokalen Sprache zu beschäftigen. Bald übersetzt sie Lyrik aus dem Somalischen und schreibt eigene Erzählungen. Zurück in Kanada (diesmal an der Westküste, Vancouver) trennt sich das Paar, und Margaret zieht für einige Jahre mit den beiden Kindern nach London. Anlässlich der endgültigen Rückkehr in das Heimatland erwirbt sie ein altes Farmhaus im Gebiet des Lake District. … (Thomas Leitner)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at


Besser Lesen mit dem Falter

Buchpodcast #161 – Nicole List

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Zweigeteiltes Porträtfoto: Links eine Frau mit grauen Haaren und türkisfarbener Bluse vor hellem Hintergrund, rechts eine Frau mit dunklen Haaren und rotem Lippenstift vor unscharfem Hintergrund. Oben links das Logo „Falter Bücher“.

„Ich habe Angst vor Männern.“ Als Nicole List diesen Satz bewusst aussprach, war sie selbst überrascht, wie drastisch diese Aussage klingt. Sie beginnt dieser Angst nachzuspüren, sie zu hinterfragen und das Ergebnis ist ein beeindruckender Essay. Ausgehend von persönlichen Erlebnissen, führt sie uns vor Augen, was es heißt, in einer Welt aufzuwachsen und zu leben, die von und für Männer gemacht ist. In dieser Podcast-Folge phantasieren wir über ein angstfreies Leben für alle und überlegen, was es dafür brauchen würde.


Architekturkritik #32

Bild von Maik Novotny
VON MAIK NOVOTNY

Matzleinsdorfer Platz

Asphalt, Schmutz, Lärm, Fußgängerhölle: Der Matzleinsdorfer Platz dürfte wohl der unbeliebteste und unschönste Platz Wiens sein. Aufhalten kann man sich hier nicht, selbst wenn man es wollte, und man will es nicht. Doch einer hat dieses hässliche Entlein unter Wiens Kreuzungen ins Herz geschlossen. Der Künstler Tomash Schoiswohl spürt seit 2003 den Veränderungen und Verkehrslinien an diesem Ort nach, denn an diesen lässt sich vieles lesen und verstehen, was in Wien passiert.

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Mehrspurige Straßenkreuzung mit Autos, Betonabsperrungen und Zebrastreifen vor Wohngebäuden in einer Stadt.
Fußgängerhölle Matzleinsdorfer Platz, das Bild stammt aus 2021. (© Falter/Knabel)

Heute wird der gordische Infrastrukturknoten des Matzleinsdorfer Platzes neu eingefädelt, die Kräne drehen über der Tunnelbaustelle der U2-Verlängerung. Doch es sind nicht die einzigen Kräne. Auf dem Grundstück Gudrunstraße 192 drehen sie sich über dem Rohbau des neuen Sicherheitszentrums für die Favoritner Polizei. Ursprünglich wollte der Investor, die Rainer-Gruppe, hier ein Hochhaus errichten, bekam aber keine Widmung dafür. Nun wird es ein flacher Fladen, die Visualisierungen lassen wenig Hoffnung auf ein architektonisches Highlight übrig.

Doch die banale Fassade ist nicht das einzige Problem. Denn der Bezirk wünschte sich, wie Tomash Schoiswohl auf seiner Website darlegt, als Alternative für sein in die Jahre gekommenes Polizei-Quartier einen zentraleren Standort, etwa am Verteilerkreis. Doch das Innenministerium setzte sich durch. Dieses wird das Gebäude für mindestens 25 Jahre von der Rainer-Gruppe mieten – für rund 200.000 Euro monatlich. Ein für die Öffentlichkeit kostspieliges Public-Private-Partnership, wie man es auch vom Finanzzentrum in Wien-Mitte kennt, für das zahlreiche Standort in öffentlichem Eigentum aufgegeben wurden. Manche Baugrube ist eben auch eine Goldgrube.


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