✍Können Ungerechte einen gerechten Krieg führen? Gibt es so etwas überhaupt? Es gibt ihn wohl, den gerechten Krieg. Zum Beispiel, wenn er der Beseitigung eines ungerechten Herrschers dient, der sein Volk schindet, knechtet und quält. Das trifft ohne Zweifel auf den iranischen Tyrannen Ali Chamenei zu. Beinahe jeder Versuch, dessen islamistisches Regime zu beseitigen, verdient Applaus. Die Tötung des Ayatollah wird ke…
FALTER.maily - Der fast tägliche Newsletter
Guten Abend Gerhard Hager!
Residenz von Ali Chamenei in Teheran nach den Bombentreffern (Foto: APA-Images / AFP / Satellite image ©2026 Vantor)

Können Ungerechte einen gerechten Krieg führen? Gibt es so etwas überhaupt? Es gibt ihn wohl, den gerechten Krieg. Zum Beispiel, wenn er der Beseitigung eines ungerechten Herrschers dient, der sein Volk schindet, knechtet und quält. Das trifft ohne Zweifel auf den iranischen Tyrannen Ali Chamenei zu. Beinahe jeder Versuch, dessen islamistisches Regime zu beseitigen, verdient Applaus. Die Tötung des Ayatollah wird kein Mitleid erregen, zumal die grausam niedergeschlagenen Proteste der iranischen Bevölkerung noch frisch in Erinnerung sind. Das Blut auf den Straßen der iranischen Städte war noch nicht trocken, als die Bomben fielen.

Impliziert das „beinahe“ dennoch einen Einwand? Ja. Wenn der Versuch unklug oder unglaubwürdig ist. Der Angriff der USA und Israels auf Iran bedurfte kaum einer Erklärung. Die beiden Staaten, vom iranischen Regime der große und der kleine Satan genannt, nutzten den Augenblick der Schwäche des Todfeinds aus, um ihn zu besiegen. So weit, so gut. Alles andere an diesem Versuch aber ist dubios. Seine Erklärung zum legitimen Akt, weil Iran die USA bedrohe, zum Beispiel. Iran bedroht Israel, gewiss. Und dass er Atomwaffen baue. Jedoch: Hat Donald Trump nicht erst vor wenigen Monaten damit geprahlt, die Atomwaffen von Iran mit seinen Bombardements ein für alle Mal zerstört zu haben?

Die westliche Welt ist nicht überrascht, dass ihr Führer lügt; sie wäre überrascht, täte er es nicht. Warum aber sollte sie ihm glauben, wenn er beteuert, er denke zuerst an das Volk von Iran, das sich nun erheben möge, denn so eine Gelegenheit komme nie wieder?

Ein unerklärter Krieg ist so etwas wie Staatsterrorismus. Weder hat der amerikanische Präsident die Ermächtigung seines Parlaments zum Krieg, noch hat er glaubwürdige Erklärungen für ihn. Die Gastgeber der Verhandlungen, der Außenminister des Sultanats Oman, versichern vielmehr, die Verhandlungen seien vielversprechend vorangeschritten (die Amerikaner behaupten mittlerweile, sie hätten nur mehr zum Schein verhandelt, um Chamenei in Sicherheit zu wiegen).

Trump fasst nunmehr jenen gewaltsam herbeigeführten Regimewechsel ins Auge, dem er vor seiner Wahl publikumswirksam abschwor. Nur dass er ihn zum Unterschied von seinen Vorgängern, den Präsidenten Bush Vater und Sohn, nicht mit Truppen auf dem Boden begleiten will. Ob das iranische Regime nun die Waffen fallen lässt oder sich nach dem Tod ihrer Führer, den es wohl einkalkulieren musste, umso verbissener wehrt, bleibt abzuwarten. Aber es ist zu vermuten, dass es nicht kapituliert, obwohl das dem Volk von Iran zu wünschen wäre.

Die New York Times, in Stunden des Krieges sonst stets fest an der Seite ihrer Regierung, fragte ihren Präsidenten, was er für einen Plan habe. »Mr. Trump (…) sagt dem amerikanischen Volk und der Welt, dass er ihr blindes Vertrauen erwartet. Dieses Vertrauen hat er nicht verdient. (…) Er lügt ständig, auch über die Ergebnisse des Angriffs auf Iran im Juni.«

Es ist nicht abwegig, hinter den Motiven der beiden aggressiven Präsidenten Donald Trump und Benjamin Netanjahu nicht nur das Motiv zu sehen, den Feind in dessen schwacher Stunde weiter zu schwächen. Sie denken beide auch an ihr innenpolitisches Schicksal, beiden stehen Wahlen bevor, die über ihr weiteres politisches Schicksal entscheiden. Der notorisch korrupte Trump verteidigt zudem seine Geschäftsinteressen in Nahost, bei jenen Scheichs, die ihn und seinen Clan reich beschenken und mit Milliardengeschäften verwöhnen.

So bleibt in einer schweren Stunde des Krieges wieder die Gewissheit, dass die Großen erbarmungslos mit den Menschen spielen und dabei zuerst nicht deren, sondern ihre eigenen Interessen im Auge haben.

Haben Sie trotzdem eine schöne Woche,

Bild von Armin Thurnher
Ihr Armin Thurnher

Heute für Sie auf falter.at:

Lesen Sie gerne kluge Kolumnen? Dann haben wir heute drei Tipps aus dem aktuellen Falter für Sie:

„Auf persönlicher Erfahrung gestützt ist die Beobachtung, dass es so gut wie ausschließlich Frauen sind, die manchmal doch zur leserbrieflichen Ermahnung des Kolumnisten neigen und Kritik an dessen fragwürdiger Themenwahl, charakterlichen Mängeln oder weltanschaulichen Verfehlungen üben.“ Klaus Nüchtern nimmt Kritik an seinen Kolumnen natürlich ernst.

„Ein Idiot hat mir geholfen, als ich unlängst im Wald auf der Suche nach den ersten Anzeichen von Frühling war. Der Idiot hatte sein zerknülltes Marlboro-Packerl am Wegrand entsorgt, und direkt daneben entdeckte ich, was ich suchte: einen, dann noch einen kleinen Scharlachroten Kelchbecherling.“ Doris Knecht schätzt Pilze, auch wenn sie nur bedingt essbar sind.

„Der Schnee auf den Straßen der Wienerstadt ist weitgehend weggeschmolzen zugunsten eines grausigen Gatsches. Ich finde mein Auto wieder, das jetzt viel zu weit vom Gehsteig wegsteht. An der Windschutzscheibe ist eine Karte mit einem Esel drauf angebracht mit dem Spruch ,You park like an ass’.“ Heidi List weint diesem Winter keine Träne nach.

Anzeige

Anzeigenbild
Foto: Lukas Beck

Theater Drachengasse
OTA
Trauma und Fraktur

von Lisa Danulat
02. – 28. März 2026, Di–Sa, 20 Uhr

OTA steht im Krankenhaus für Operationstechnische Assistentin. Und Ota ist auch die Hauptfigur dieses Stückes, die uns mitnimmt in den Alltag im Krankenhaus, die Hierarchien und die Arbeitsabläufe. Ein subtiles, humorvolles Spiel um Berufung, Arbeitsflow und Überlastung.

Link Details und Tickets


Brandneues Buch

Die Seuchenkolumne ist zwar voll von Werbung für „Unsternstunden der Menschheit“ , das neue Buch des Kolumnisten. Aber es könnte sein, dass Ihnen doch entgangen ist, dass dieses Buch erschienen ist. Für diesen Fall gibt es diesen Hinweis.


Eiskalte Hölle

Eva Konzett begleitete Außenministerin Beate Meinl-Reisinger auf einer Kurzreise nach Kiew. Lesen Sie Ihren Bericht über die eiskalte Hölle der Ukraine, die Putin noch immer heldenhaft Widerstand leistet.


Genialer Schöpfer

Peter Steinberger, oberösterreichischer Held der Programmierwelt, machte in jungen Jahren 100 Millionen Dollar mit einer App und steht nun im Rampenlicht als Schöpfer von OpenClaw und neues Zugpferd von OpenAI. Tessa Szyszkowitz und Barbara Tóth haben ihn porträtiert.


USA-Erklärerin

Zeit-Korrespondentin Rieke Havertz erklärte bei der vergangenen FALTER-Arena, wie das Verhältnis Europas zu den USA aussehen könnte.


Trumps Antrieb

Der Historiker Timothy Snyder über sein Gespräch mit dem Militärhistoriker Philips O’Brien: „Wir waren uns einig, dass die Antwort (was Trump zu diesem Krieg bewegte, Anm.) weniger mit dem Iran zu tun hat als vielmehr mit Trumps innenpolitischen Problemen, seinen finanziellen Verflechtungen mit den Golfstaaten, die am meisten davon profitieren werden, und seinem Blick auf die Zwischenwahlen 2026.“


Wie fanden Sie diese Ausgabe?
Nur durch Ihr Feedback können wir unseren Newsletter verbessern.

Sehr gut | Gut | Weniger gut | Schlecht

FALTER.maily Logo
Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: abo.falter.at
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.
Unser FALTER.maily-Archiv finden Sie auf falter.at/maily.
Sie wollen in unserem Newsletter Werbung schalten? Alle Informationen finden Sie hier.
Teilen via FacebookTeilen via BlueskyTeilen via E-MailTeilen via WhatsApp
Sie sind bei unserem Newsletter mit folgender E-Mail-Adresse eingetragen: hagerhard@hotmail.com

Profil und Newsletter-Abos verwalten

Von allen Newslettern abmelden

Medieninhaber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H., Marc-Aurel-Str. 9, 1011 Wien
FB: 123082d HG Wien
Impressum/Offenlegung
Datenschutz