✍Was kümmert mich die Weltpolitik, wenn ich Herbert Kickl bin? Der FPÖ-Chef postete vergangenen Sonntag ein Bild von sich, dass ihn beim Abseilen aus einer Eishöhle zeigt, in voller Bergmontur. „Kraft tanken im Eis. Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen Sonntag. Genießt ihn, wenn möglich, und passt auf Euch auf“, schrieb er dazu. Tags zuvor hatte US-Präsident Donald Trump den venezolanischen Diktator Nicolás Mad…
FALTER.maily - Der fast tägliche Newsletter
Guten Abend Barbara TÛth!
(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Bildcollage: Links ein Kletterer an einem Seil unter einer Eisformation, rechts ein Screenshot eines Social-Media-Profils mit Profilbild und Textinformationen.
Unterschiedliche Reaktionen (ehemaliger) österreichischer Politiker auf den US-Coup in Venezuela: Kein Kommentar von Herbert Kickl, Applaus von Sebastian Kurz.

Was kümmert mich die Weltpolitik, wenn ich Herbert Kickl bin? Der FPÖ-Chef postete vergangenen Sonntag ein Bild von sich, dass ihn beim Abseilen aus einer Eishöhle zeigt, in voller Bergmontur. „Kraft tanken im Eis. Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen Sonntag. Genießt ihn, wenn möglich, und passt auf Euch auf“, schrieb er dazu.

Tags zuvor hatte US-Präsident Donald Trump den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro gekidnappt. Seitdem steht die Welt kopf und geostrategische Analyst:innen haben Prime Time. Sind wir endgültig im Zeitalter der Post-Pax-Americana? Ist die Ära, die nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen hat, also jetzt zu Ende? Oder dürfen wir noch auf ein Revival von Völkerrecht, Diplomatie, Demokratie, kurzum der „Welt von gestern“ hoffen? Mein Kollege Raimund Löw hat dazu gestern Einordnendes geschrieben.

Kickl jedenfalls hält sich komplett raus, und das ist insofern bemerkenswert, als er ja doch Chef der stimmenstärksten Partei in Österreich ist und man eigentlich erwarten könnte, dass er auch außenpolitisch etwas drauf hat.

Dafür hat sich jemand anderer sofort zu Wort gemeldet, der in der heimischen Politik eigentlich gar nichts mehr zu sagen hat: Ex-ÖVP-Chef Sebastian Kurz. Ganz staatsmännisch, in ausführlichen Postings auf Englisch und Deutsch, beglückwünschte er Trump zu seinem Coup und lobte seine strategische Weitsicht. Nicht nur würde nun „von Teheran bis Caracas die Achse ideologischer Fundamentalisten“ zerbröseln. Weil Trump sich Zugang zu Venezuelas Ölreserven verschafft habe, könne er damit „Moskau mehr unter Druck setzen als jede Sanktion“ und gleichzeitig die US-Wirtschaft stärken. Soll einer noch sagen, Trumps Außenpolitik sei impulsiv und erratisch? Kurz kennt das Bigger Picture.

Jetzt stellen wir uns nur einmal kurz vor, wir hätten vor einem Jahr doch Kickl als Kanzler bekommen oder der ÖVP geht es demnächst so miserabel, dass sie sich Kurz vor die Füße wirft, wir erneut wählen müssen und es erst recht wieder heißt: Übernimmt Kurz oder Kickl das Land? So oder so würden wir uns dann in einer seltsamen Achse zwischen Budapest, Mar-o-Lago und – wer weiß? – bald auch wieder Moskau wiederfinden.

Im echten politischen Leben versucht sich die Dreierkoalition gerade zu einer Wehrpflichtreform durchzuringen. Angesichts geopolitischer Kontinentalverschiebungen mag das so bedeutsam scheinen, wie wenn im Tullnerfeld ein Acker umgepflügt wird. Ist es aber nicht. Denn ob und wie die Regierung dem Wahlvolk jetzt näherbringt, dass das Schützen unserer Republik und ihrer Werte (früher nannte man das „geistige Landesverteidigung“) wichtiger ist denn je, entscheidet über unsere Zukunft in Europa.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die vom Verteidigungsministerium eingesetzte Reformkommission am 20. Jänner eine verlängerte Wehrpflicht (etwa 8 plus 2 Monate) vorschlagen wird. Eventuell entbrennt auch eine Debatte über die Frauen-Wehrpflicht, so wie in anderen EU-Ländern.

Die Neos sind die einzige Partei, die offensiv für eine EU-Armee eintritt und dafür nur mehr Berufssoldat:innen ausbilden will. Die FPÖ ist für eine intensivierte Wehrpflicht, verknüpft das aber mit ihrem gestrigen Verständnis von Neutralität, das eher auf frostigen Isolationismus hinausläuft (siehe Kickl in seiner Eishöhle). ÖVP und SPÖ? Die eiern herum, aus Angst, ihr ohnehin schwindende Wählerinnen-Basis zu verlieren. Dabei sind mittlerweile 73 Prozent grundsätzlich für die Wehrpflicht, ergab eine repräsentative Umfrage des Verteidigungsministeriums zu sicherheitspolitischen Themen Ende letzten Jahres. Immerhin 43 Prozent der wehrfähigen männlichen Bevölkerung würde auch konkret zur Waffe greifen.

Mehr Mut, also! Und vor allem: Nicht herumdrucksen! Wenn Österreich sich für eine intensivere Wehrpflicht entscheidet, dann nicht, weil es nur mehr neutral sein will und sich vom Weltgeschehen abschotten. Das war einmal und ist wirklich die Welt von gestern. Sondern weil es mithelfen will, Europa und alles, wofür es steht, gegen das Faustrecht der neuen Imperialisten zu schützen.

So etwas nennt sich auch wehrhafte Demokratie, etwas, das wir 2026 gut brauchen werden können.

Trotz allem ein Happy 2026!

Bild von Barbara Tóth
Ihre Barbara Tóth

Heute für Sie auf falter.at:

Wladimir Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine verursacht nicht nur unermessliches menschliches Leid – sie verwüstet auch Fauna und Flora. Thomas Wolkinger war an der Front unterwegs mit Natur- und Tierschützern, die im Kriegsgebiet zu retten versuchen, was noch zu retten ist.

Sparmaßnahmen, Klimakrise, Demokratieverlust: Das vergangene Jahr war voller schlechter Nachrichten. Aber wer weiß – vielleicht wird das nächste ja besser. Die Stadtleben-Redaktion ist jedenfalls zuversichtlich.

Was wäre der FALTER ohne seine Fotografinnen und Fotografen? Katharina Gossow, Heribert Corn und Christopher Mavrič haben vergangenes Jahr hunderte Aufnahmen gemacht – und zwar garantiert ohne Hilfe der KI. Sechs Bilder, die ihnen besonders am Herzen liegen, haben sie ausgesucht.

Anzeige

Anzeigenbild
(c) Ian Ehm

Event-Tipp
Diskussion zur Semesterfrage: "Was sollen wir lernen, wenn sich alles ändert?"

Die Universität Wien lädt zur Diskussion ein: Was braucht die "Schule der Zukunft"? Blogger, Autor und Bildungsinfluencer Bob Blume und Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis, Susanne Schwab und Fabian Scheck, sprechen über ein Bildungssystem im Umbruch, Future Skills und wie Lernen junge Menschen berührt.
Am Montag, 12. Jänner um 18 Uhr in den Festsälen der Uni Wien, sowie online.

Info und Anmeldung hier!


Einmal die Welt retten

Alles dreht sich um Grönland und die Arktis, geopolitisch. Die Forschungsdirektorin der NATO-Verteidigungskollegs in Rom, Florence Gaub, hat ein – bei allem Ernst des Themas – unterhaltsames Buch genau dazu geschrieben. „Szenario“ ist wie die bekannte Jugendbuchreihe „1000 Gefahren“ aufgebaut. Der oder die Leser:in entscheiden selber, wie die Geschichte der Welt in Zeiten von Trump, Putin und ihrer Vasallen weitergeht. Als Strategieberater:in muss man Informationen sammeln, Think-Tanks besuchen, Regierungen warnen, Medien aufrütteln – oder eben nicht. Lehrreich und unterhaltsam!


Sich wie Arktisforscher fühlen

Oder zumindest ansatzweise nachfühlen, wie es im hohen Norden bei Eis, Sturm und Kälte so ist, kann man dieser Tage am zugefrorenen Neusiedler See. Den besten Blick in Richtung Sonnenuntergang (sofern sich die Sonne zeigt) hat man in Weiden am See. Dort kann man sich auch im Lokal Das Fritz aufwärmen. Podersdorf hat ziemlich ruppiges Eis, nicht zu empfehlen, wenn man Eislaufen will, aber besser, um am Eis zu spazieren. Im Hafenbecken von Jois und Breitenbrunn ist das Eis glatt, Versorgungen gibt es aber nur in Breitenbrunn (Libelle Neuer Strand). Übrigens: Eislaufen war letztes Jahr, heuer wird am Eis gewingt!


Über das Phallozän nachdenken

In ihrem neuen Essay „Abschied vom Phallozän – Eine Streitschrift“ stellt die österreichische Schriftstellerin Gertraud Klemm die These auf, dass viele der globalen Krisen – von der Klimakatastrophe bis zur sozialen Ungleichheit – auf eine gemeinsame Wurzel zurückgehen: das Patriarchat. Im FALTER-Literaturpodcast spricht sie mit Petra Hartlieb über isolierte Mütter, real existierende Matriarchate und die Hoffnung auf ein neues Gleichgewicht.


Journalismus live erleben

Nächsten Donnerstag ist es wieder so weit: Die FALTER Arena bringt Journalismus live auf die Bühne des Wiener Stadtsaals. Thema diesmal „Die Republik der Skandale", was wir aus ihnen lernen und welche Rolle Investigativjournalismus dabei spielt. Mit dabei: Grasser-Anwalt Manfred Ainedter, Florian Klenk, Eva Konzett, Jürgen Klatzer und Matthias Winterer. Mit musikalischer Begleitung von Anna Mabo. Das Programm und Tickets finden Sie hier.

Sie sind nicht in Wien? Am 29. Jänner gibt die FALTER Arena im Linzer Schauspielhaus ein Gastspiel!


Wie fanden Sie diese Ausgabe?
Nur durch Ihr Feedback können wir unseren Newsletter verbessern.

Sehr gut | Gut | Weniger gut | Schlecht

FALTER.maily Logo
Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: abo.falter.at
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.
Unser FALTER.maily-Archiv finden Sie auf falter.at/maily.
Sie wollen in unserem Newsletter Werbung schalten? Alle Informationen finden Sie hier.
Teilen via FacebookTeilen via BlueskyTeilen via E-MailTeilen via WhatsApp
Sie sind bei unserem Newsletter mit folgender E-Mail-Adresse eingetragen: toth@falter.at

Profil und Newsletter-Abos verwalten

Von allen Newslettern abmelden

Medieninhaber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H., Marc-Aurel-Str. 9, 1011 Wien
FB: 123082d HG Wien
Impressum/Offenlegung
Datenschutz