✍Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Ich habe mich auch nicht vertippt. Die drei neuen Medienförderungen, die die Regierung am Montag ankündigte, sind richtig gedacht. Sie brechen mit schlechten, alten Traditionen und setzen auf ein neues Prinzip: Medienpolitik ist Demokratiepolitik, wie Medienminister Andreas Babler (SPÖ) nicht müde wird zu wiederholen. Und dazu auch Sicherheitspolitik, wie die Neos betonen. Warum?…
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(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Drei Personen in Businesskleidung gehen und stehen vor Rednerpulten mit Namensschildern, im Hintergrund österreichische und EU-Flaggen.
Andreas Babler (SPÖ) am Montag im Rahmen der Pressekonferenz zum neuen Medienpaket (Foto: APA/ Roland Schlager)

Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Ich habe mich auch nicht vertippt. Die drei neuen Medienförderungen, die die Regierung am Montag ankündigte, sind richtig gedacht. Sie brechen mit schlechten, alten Traditionen und setzen auf ein neues Prinzip: Medienpolitik ist Demokratiepolitik, wie Medienminister Andreas Babler (SPÖ) nicht müde wird zu wiederholen. Und dazu auch Sicherheitspolitik, wie die Neos betonen.

Warum? Weil nur eine gut informierte und orientierte Gemeinschaft sicher ist vor Fake News und Propaganda. Weil überall dort, wo echter Journalismus ausstirbt, Parteien gewinnen, die auf Sündenbock-Politik und Krawall setzen.

Aber wer bestimmt, was echter Journalismus ist und wer vom Staat gefördert werden soll? Geht es nach den Plänen der Regierung, wird diese Entscheidung in Zukunft transparenter, nachvollziehbarer und vor allem viel stärker von Expertinnen und Experten getrieben sein. Die Basis dafür ist eine Studie, die unter Leitung des Wiener Medienforschers Andy Kaltenbrunner entstanden ist (mehr dazu unten in den „Nockerl“).

Die Boomer-Verlegerschaft muss rasch umdenken. Bis jetzt holte sie sich „ihre“ Förderung je nach Kanal – Print, Radio, TV – recht bequem bei der Medienbehörde ab. Experten gaben unverbindliche Empfehlungen ab, Beamte entschieden. In Zukunft müssen nicht nur sie sich für „Fördercalls“ mit Konzepten bewerben, die messbare Effekte haben. Ins Förder-Rennen dürfen jetzt auch digitale Indie-Medien gehen, One-Man-oder Woman-Newsletter, investigative Podcasts, nicht mehr nur die etablierten alten Print-Riesen.

Diese neue Logik probiert die Regierung mit den gerade präsentierten drei Förderschienen gewissermaßen im Kleinen aus. Die 22,5 Millionen Euro Zustellförderung kriegen die Gratis-Medien Österreich und Heute nun doch nicht, wie die ÖVP ursprünglich wollte. Richtig so. Journalismus, der sich verschenkt, ist nicht förderwürdig.

Für die digitale Transformationsförderung (2027 und 2028 je 22,5 Millionen Euro) können sich auch kleinere Medienunternehmen bewerben, aber alle eingereichten Förderprojekte müssen konkreter und qualitativer sein, warnt Babler. In der Vergangenheit war das offensichtlich anders, da wurde die Medienbehörde mehr als Medien-Bankomat gesehen und agierte wie eine Black-Box: ziemlich intransparent.

Keine Demokratiedebatte, die nicht beim Thema Medienkompetenz landet. Die dafür vorgesehene Förderung wird von der Regierung von 700.000 auf drei Millionen aufgestockt. Sieben Millionen zusätzlich stehen für Journalisten bereit, die sich gezielt an junge Menschen wenden. Das können auch Newsfluencer sein, sofern sie genuin journalistisch arbeiten und nicht nur Recherchen anderer verwursten.

Wie das in der Praxis konkret ausschauen wird, wer in den Entscheidungsgremien sitzt, die die Förderungen vergeben, ob am Ende mehr als ein paar Schlagworte pro gefördertem Projekt öffentlich gemacht werden, so wie es bis jetzt der Fall war, all das wird sich erst zeigen. Aber der Kurs, den die Regierung in der Medienpolitik eingeschlagen hat, der stimmt.

Schönen Abend!

Bild von Barbara Tóth
Ihre Barbara Tóth

Heute für Sie auf falter.at:

Diese Texte haben vergangene Woche auf unserer Website die meisten Leserinnen und Leser interessiert:

Seit neun Jahren führt Andreas Kutheil die MA 59, das Wiener Marktamt, mit harter Hand. Sexismus, Rassismus und Mobbing seien an der Tagesordnung, sagen seine Mitarbeiter – und wehren sich gegen ihren toxischen Chef, der mittlerweile nicht mehr auf seinem Posten ist.

Gab es Touristen, die im belagerten Sarajevo auf Menschenjagd gingen? Neue Recherchen wollen Licht ins Dunkel eines langjährigen Mythos bringen, zu hören im FALTER Radio.

Der Tod des Gastronomen Christian Wukonigg (1958-2026) schockiert die Wiener Lokalszene. Eine Würdigung seines Lebenswerks.

PS: Mit den bunten Designs ihres Labels Combinege wollen Amelie Goetzl und Moritz Gottschalk Spaß an der Mode vermitteln. Auch in ihrer Arbeit lassen sie sich nicht von der Marktlogik leiten – sondern von der Freude an der Sache. Mehr dazu lesen Sie im Best of Vienna.


Zum Nachhören & -lesen

Wer den Falter zuletzt aufmerksam gelesen hat, für den war das heutige Medienreform-Paket keine große Überraschung. Hier können Sie einen Podcast zum Thema mit Medienminister und Vizekanzler und SPÖ-Chef Andreas Babler nachhören, hier das Interview mit ihm dazu nachlesen und sich hier in eine Recherche über die strittigen Aspekte auf den letzten Metern der Verhandlungen vertiefen.


Black Box Medienförderung

Ich beschäftige mich schon seit einiger Zeit mit der Frage, wie der Staat Journalismus fördert und was es dabei zu verbessern gibt. Ein besonders krasses Beispiel von verfehlter Medienförderung habe ich hier aufgeschrieben. 2022 wurde mir ein Sitzungsprotokoll aus der Medienbehörde zugespielt. Es gibt um die Frage, welche Privat-TV-Sender welches Programm gefördert bekommen sollen.


Wer ist Andy Kaltenbrunner?

Der ehemalige profil-Journalist, Politikwissenschafter und Medien-Forscher Andy Kaltenbrunner ist das Mastermind hinter Andreas Bablers Medienpolitik. Er leitete das Wissenschaftsteam, das mit einer umfassenden Studie die Basis für die komplette Neuordnung der österreichischen Medienförderung legte. Die 183 Seiten starke Studie können Sie hier nachlesen, ein Interview, das ich mit ihm führte, hier.

Kaltenbrunner hat in Österreichs Medienlandschaft schon einiges bewegt. Er initiierte den profil-Lehrgang für Magazinjournalismus mit. Ich war Absolventin des ersten Jahrganges 1996 genauso wie Gernot Bauer, Robert Treichler (beide profil), Mia Eidlhuber (Standard) und Thomas Hofer (Berater und Politik-Analyst).

Aus dem Lehrgang heraus entstand die Fachhochschule für Journalismus in Wien. Auch das „Medienhaus Wien“ ist eines von Kaltenbrunners „Kindern“ Und demnächst vielleicht auch Österreichs Medienförderungsarchitektur.


Einladung

Dienstag nächster Woche findet das nächste FALTER-Naturgespräch im Wiener Museumsquartier statt. Katharina Kropshofer diskutiert mit ihren Gästen darüber, wie viel Platz die Stadt für Fuchs, Fledermaus und Falter, sprich: Natur bietet. Im Haupthof ab 19h bei freiem Eintritt, idealerweise mit einem kühlen Erfrischungsgetränk Ihrer Wahl.


Aus dem Verlag

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