✍Gefährdung der nationalen Sicherheit Österreichs, Verkauf von Ministeriums-Handys an Russland, Jagd nach Putin-Gegnern im Auftrag des Kremls: Was im Haftbefehl gegen Egisto Ott steht >> Überraschendes beim ersten offiziellen Schlagabtausch zur EU-Wahl >> Die Highlights des Literaturfestivals Wortspiele >> Der Fassadenleser über eine riesige Anlage im dritten Bezirk Wetterkritik: 20 Grad und Sonnenschein – so stellen...
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Gefährdung der nationalen Sicherheit Österreichs, Verkauf von Ministeriums-Handys an Russland, Jagd nach Putin-Gegnern im Auftrag des Kremls: Was im Haftbefehl gegen Egisto Ott steht >> Überraschendes beim ersten offiziellen Schlagabtausch zur EU-Wahl >> Die Highlights des Literaturfestivals Wortspiele >> Der Fassadenleser über eine riesige Anlage im dritten Bezirk

Wetterkritik: 20 Grad und Sonnenschein – so stellen wir uns Frühlingswetter vor. Aber gewöhnen Sie sich nicht zu sehr daran, der Sommer wartet schon am nächsten Eck.


Guten Morgen!

Bis vor ein paar Stunden sagte mir der Name Aigisthos ehrlich gesagt nicht viel – ich hätte mir höchstens zusammenreimen können, dass er wohl aus der griechischen Mythologie stammt. Inzwischen weiß ich (für Plagiatsjäger: dank Wikipedia), dass er dort wahrscheinlich „die Kraft der Ziege“ bedeutet und für einen Angehörigen des Geschlechts der Tantaliden steht, der als Inbegriff des grausamen, aber feigen Verführers gilt.

Und das passt perfekt zu der Geschichte, die ich Ihnen heute erzähle.

Warum ich überhaupt auf Aigisthos komme? Durch ein Aktenkonvolut, das meinem Kollegen Florian Klenk gestern Abend exklusiv zugespielt wurde – den 86 Seiten umfassenden Haftbefehl gegen Egisto Ott. Der frühere Verfassungsschützer (wir haben im gestrigen FALTER.morgen bereits über ihn berichtet) wird von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, über Jahre hinweg einer der gefährlichsten russischen Spione in Österreich gewesen zu sein. Ein Deckname, den er dabei benutzte, lautete offenbar „Aigistos Aigistos“. Und das ist einigermaßen stimmig angesichts der Anschuldigungen, die gegen ihn erhoben werden.

Klenk hat den Haftbefehl gestern noch in Windeseile zu einer umfassenden Geschichte verarbeitet, die es hier zu lesen gibt (mit 4-Wochen-Testabo kostenfrei). Für Sie als Leserinnen und Leser des FALTER.morgen haben wir die wichtigsten Inhalte des Konvoluts gleich unten zusammengefasst.

Außerdem: Nina Horaczek berichtet vom ersten Schlagabtausch zur EU-Wahl, der gestern in einer Wiener Schule stattfand. Die Fragen stellten allerdings keine Journalisten, sondern Schülerinnen und Schüler. Und sie löcherten die Politiker ordentlich. Christina Vettorazzi stellt Ihnen die Highlights aus dem Programm des Literaturfestivals „Wortspiele” vor. Und Fassadenleser Klaus Jürgen Bauer hat sich eine gigantische Anlage im dritten Bezirk angeschaut.

Einen schönen Tag wünscht

Martin Staudinger

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© AVITA Resort

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„… die nationale Sicherheit gefährdet“

Was in dem 86 Seiten umfassenden Haftbefehl gegen Egisto Ott steht.

Es ist eine Geschichte der Skrupellosigkeit und Brutalität, die von der Staatsanwaltschaft Wien und der im Bundeskriminalamt Wien ansässige „Soko Fama“ in ihrem 86 Seiten langen Haftbefehl gegen Ott dokumentiert wird. Wer das Dokument liest, das dem FALTER exklusiv vorliegt, bekommt Einblicke in die Hintergründe eines Geheimdienst-Skandals, der in der Zweiten Republik seinesgleichen sucht.

Früherer Verfassungsschützer Egisto Ott (im ORF-Interview): „Geeignet, konkrete vitale Interessen Österreichs negativ zu beeinträchtigen“ (© Screenshot ORF/ZiB2)

Es geht dabei nicht um irgendeine Agentenklamotte oder ein paar Wichtigtuer mit Schlapphüten. Sondern um einen jahrelangen und vorsätzlichen Angriff auf die Sicherheit der Republik und ihrer Bürger. Und um die gezielte Jagd nach Gegnern des Putin-Regimes, die sich vor der Verfolgung durch den russischen Geheimdienst nach Europa geflüchtet haben – begangen durch die österreichischen Verfassungsschützer Ott und seinen Vorgesetzten Martin Weiss, den ehemaligen Chef der Spionageabwehr im BVT (Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung). Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

Unter anderem soll Ott, teilweise gemeinsam mit Weiss …

  • die Handys von drei Spitzenbeamten des Innenministeriums an Russland verkauft haben – samt der sensiblen Inhalte auf den Geräten

  • er soll für den mittlerweile als Kreml-Agent enttarnten Wirecard-Betrüger Jan Marsalek recherchiert haben, ob gegen dessen Kumpels von europäischen Sicherheitsbehörden ermittelt wird

  • er soll die Adresse des in Wien lebenden Investigativjournalisten Christo Grozev ausgehoben haben, die mit gutem Grund geheim gehalten wurde. Russische Agenten nutzten diese Information offenbar nicht nur dazu, ins Grozevs Wohnung einzubrechen und seinen Laptop zu stehlen. Anscheinend gab es auch Pläne, den Rechercheur, der mehrere Staatsverbrechen des Kremls aufgedeckt hat, durch einen Anschlag auszuschalten. Mittlerweile musste Grozev deswegen Österreich verlassen

  • er soll seine dienstliche Stellung missbraucht haben, um im Auftrag von Putins Geheimdiensten nach russischen Regimegegnern zu fahnden. Etwa nach Dmitry S., einem abtrünnigen Agenten, der mit seiner Familie aus Russland nach Westeuropa geflüchtet war und gegen den Ukraine-Krieg eintrat; nach dem Geschäftsmann German G., der in Großbritannien unter Personenschutz stand, weil auf ihn schon einmal einen Mordanschlag verübt worden war; nach dem Unternehmen Dimitry M., der offenbar in Russland in Ungnade gefallen war und auf Zypern lebte; und nach anderen Personen

  • und er soll, fast schon bizarr, eine „Fehleranalyse und Verbesserungsvorschläge“ für Attentate auf Putin-Kritiker erarbeitet habe – etwa im Zusammenhang mit dem sogenannten Tiergartenmord in Berlin, wo die Attentäter geschnappt wurden. Das seien nur „Spielereien“ gewesen, rechtfertigte er sich.

„Dieser Fall“, sagt ein Informant, der dem FALTER die Gerichtsdokumente übergab, „ist so widerwärtig wie kaum ein anderer“.

Und auch die Staatsanwaltschaft Wien findet vernichtende Worte: „Die Unterstützungshandlungen des Chefinspektor Egisto Ott sind geeignet, das Ansehen Österreichs innerhalb der europäischen Geheimdienste und Polizeibehörden negativ zu beeinflussen und somit konkrete vitale Interessen Österreichs negativ zu beeinträchtigen“. Ott habe „zur Sammlung der im Interesse Russlands gelegenen Informationen (auch) europäische Datenbanken (EUCARIS, VIS und SIS), die von der Europäischen Gemeinschaft geführt werden“ missbraucht. Zudem habe er die italienischen und britischen Polizeibehörden nicht nur hinters Licht geführt und damit „auch die nationale Sicherheit gefährdet“. Denn: „Der Informationsaustausch basiert auf gegenseitigem Vertrauen und wurde durch die Ersuchen des Ott im Interesse Russlands negativ beeinflusst.“

Otts Verhaftung ist aber wohl noch lange nicht das Ende der Affäre. Denn der Verfassungsschützer, der zum Kriminellen wurde, hatte es verstanden, beste Verbindungen in die österreichische Parteipolitik zu knüpfen – und zwar in alle Richtungen.

Darüber wird mit Sicherheit noch mehr zu berichten sein: Demnächst im FALTER.

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INTO THE WOODS
Von 06.04. bis 11.08.2024.


Falter-Radio

Von links nach rechts: Gabriel Felbermayr, Kurt Bayer und Raimund Löw.

WIFO-Chef Gabriel Felbermayr und der Ökonom Kurt Bayer diskutieren in dieser Podcast-Folge bei Raimund Löw über die Gefahr von wirtschaftspolitischen Sackgassen durch Konjunkturpolitik.


Stadtnachrichten

Heute fallen erneut 92 Flüge der Austrian Airlines aus. Das Ringen um den AUA-Kollektivvertrag nimmt kein Ende (mehr dazu lesen Sie hier). Das Bordpersonal wird heute erneut eine Betriebsversammlung abhalten – von den 325 AUA-Flügen, die für Donnerstag angesetzt waren, muss knapp ein Viertel gestrichen werden. 8.000 Fluggäste sind davon betroffen, sie wurden laut AUA bereits informiert und teilweise umgebucht. Wenn Sie heute verreisen, können Sie Ihren Flugstatus vorab hier prüfen. 


Ab Sommer wird ein Teil der äußeren Mariahilfer Straße zur Baustelle. Das sind gute Nachrichten, denn nach einem Jahr baggern, stemmen und bohren, soll es hier nicht nur einen 3,5-Meter-breiten Zwei-Richtungs-Radweg geben, sondern auch 19 zusätzliche Bäume und einen 5-Meter-breiten Gehsteig.

Diese Details für die Umgestaltung präsentierte Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) gestern. Die erste von drei Bauphasen – sie betrifft den Abschnitt vom Christian-Broda-Platz zur Clementinengasse – beginnt im Sommer. Für die Straßenbahnen wird es vorerst keine Einschränkungen geben. Ab 2026 soll es dann mit dem zweiten Bauabschnitt weitergehen (mehr dazu hier). 


EU-Wahl in Wien

Bild von Nina Horaczek
VON NINA HORACZEK

Schuldebatte

Wiener Schülerinnen und Schüler löcherten gestern Politiker aller Parteien im Vorfeld der EU-Wahl. Es gab durchaus Überraschendes zu hören.

Wenn der erste Aufschlag hält, was er verspricht, wird das ein angenehm-sachlicher Wahlkampf zur EU-Wahl. Gestern trafen die Vertreter der Parlamentsparteien zum ersten offiziellen Schlagabtausch zur EU-Wahl zusammen. Eingeladen hatten die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Auf der Schmelz im 15. Bezirk. Mit dabei waren der EU-Abgeordnete Lukas Mandl von der ÖVP, Andreas Schieder als Fraktionschef und Spitzenkandidat der SPÖ, die Listenzweite Petra Steger von der FPÖ, die grüne Spitzenkandidatin Lena Schilling und der Neos-Spitzenkandidat Helmut Brandstätter.

Die Schülerinnen und Schüler löcherten die Spitzenvertreter zur Themen wie Neutralität, europäischer Sicherheitspolitik, aber auch zu ihren Vorstellungen in den Themenbereichen Klimaschutz, Integration und dem Verhältnis zwischen der EU und den USA und wie sich dieses durch eine mögliche Wiederwahl Donald Trumps verändern könnte.

von links nach rechts: Lukas Mandel (ÖVP), Andreas Schieder (SPÖ) und Petra Steger (FPÖ) (© FALTER/Horaczek)

Da gab es durchaus Überraschendes zu hören. Bei der Frage, ob die Aktionen der Klimakleber der „Letzten Generation” unterstützenswert seien, wollte sich etwa die grüne Spitzenkandidatin Schilling nicht festlegen. Die FPÖ-Politikerin Steger distanzierte sich hingegen klar vom Sager ihres Parteikollegen Gottfried Waldhäusl. Dieser hatte Anfang 2023 in einer TV-Diskussion auf die Anmerkung einer Wiener Schülerin mit Migrationshintergrund, dass sie und viele ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler nicht in Wien wären, wenn Waldhäusls Vorstellungen zum Thema Asyl umgesetzt worden wären, gemeint: „Auf die Frage, wenn das schon geschehen wäre, dass hier sehr viele nicht in der Schule wären: Dann wäre Wien noch Wien.“ Sie halte von dieser Aussage nicht viel „und sie entspricht auch nicht unserer Parteilinie“, erklärte Steger den mehr als hundert Schülerinnen und Schülern der sechsten bis achten Klasse, von denen viele bei der EU-Wahl erstmals abstimmen dürfen.

Neos-Kandidat Brandstätter blieb hingegen mit seinem „langfristigen Wunsch“ nach einem gemeinsamen europäischen Heer allein auf weiter Flur. Der Konservative Mandl sprach sich für mehr Grenzsicherung für

Europa aus und der Sozialdemokrat Schieder forderte, dass Europa im Kampf gegen Autokraten mehr Demokratie und Chancengerechtigkeit sorgen müsse: „Das erste Opfer Putins war auch nicht die Ukraine, sondern die Demokratie in Russland.“

Dass die Diskussion so freundlich und zivilisiert verlief, lag wohl daran, dass die Schülerinnen und Schüler die Politiker zu Beginn baten, etwas Positives am politischen Gegner zu nennen. Der grünen Schilling gefiel an ihrem blauen Gegenüber, dass sie sich der Diskussion stelle „das finde ich mutig“. Steger lobte am SP-Politiker Schieder, dass man mit ihm auch nach einem riesigen politischen Streit „danach zusammen stehen und mit einander scherzen kann“. Auch der türkise Mandl und der rote Schieder fanden etwas Verbindendes: sie sind „beide Grüne, nämlich Fans von Rapid“.


Literatur

Bild von Christina Vettorazzi
VON CHRISTINA VETTORAZZI

Sprachkunst

Die Kuratoren des zweitägigen Literaturfestivals Wortspiele holen Neuankömmlinge vor die Bühne. Welche Highlights Sie nicht verpassen sollten:

Wenn Sie ihn sich als Menschen vorstellen müssten, dann würden Sie wahrscheinlich  behaupten, er sei männlich und grau. Möglicherweise ein Brillenträger mit bauchiger Statur. Er wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen. Gemeint ist nicht der Nikolaus. Es geht um den deutschsprachigen Literaturbetrieb, der Altbekanntes fördert, während Neuankömmlingen häufig die Bühne fehlt. Das soll sich heute und morgen ändern. 

Am 4. und 5. April findet in der facultas Buchhandlung am Stephansplatz das 20. internationale Literaturfestival „Wortspiele” in Wien statt. Die Kuratoren Johan de Blank und Thomas Keul bieten den zwölf geladenen Autorinnen und Autoren – fast alle in ihren Dreißigern – die Möglichkeit, aus ihren Neuerscheinungen zu lesen. 

Die deutsche Schriftstellerin Roschal liest am 4. April um 21:20 Uhr.

Neu in der Literatur-Szene sind Florian Dietmaier und Luca Mael Milsch. Ihre Lesungen finden am 4. April zwischen 21 und 22 Uhr statt. Beide sind Anfang Dreißig und schreiben darüber, dass Freiheit nur durch ihr Gegenstück, die Einschränkung, funktioniert.

„Sieben Sekunden Luft” von Milsch überzeugt vor allem mit Spannung, die durch Rückblenden und Cliffhanger entsteht. Das Besondere bei Dietmaier ist die Sprache, die ein wenig fremdartig wirkt und genau dadurch Identifikation ermöglicht: „Der Trotz war zu einer nervösen Wut geworden.”, schreibt er in seinem Roman „Die Kompromisse”.

Zu den bekannteren Stimmen im Line-up zählen Slata Roschal und Barbara Rieger. Letztere liest am 5. April um 20 Uhr 20. Mit „Eskalationsstufen” legte sie einen Roman vor, der erotische Obsession radikal-schonungslos inszeniert.

Die deutsche Schriftstellerin Roschal liest am 4. April um 21:20 Uhr. Ihr Buch „Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten” beschreibt die ungern gesehenen Seiten von Mutterschaft.

Das Programm des Festivals Wortspiele finden Sie hier.


Lokaltipp

Olinda Bar (1050, Schönbrunner Str.)

Die Olinda Bar ist eine angenehme, unkitschige Bar, in der man es gut aushält. (© Heribert Corn)

Mit der Olinda Bar gesellt sich ein Neuankömmling in die ohnehin schon bemerkenswert hohe Bar-Dichte in Wien. Fridolin Fink, einer der „Miranda”- und „If dogs run free”- Besitzer übernahm gemeinsam mit den „Miranda”-Barkeeper*innen die Thai Kitchen im fünften Bezirk, ein seit Ewigkeiten existierendes Thai-Lokal, das aber leider schon lange nicht mehr im bemerkenswerten Bereich agiert.

Die junge Architektin und Videoclip-Producerin Clara Maria Fickl verpasste dem Lokal ein unaufgeregtes, entspanntes Design. Es gibt einen Bar-Raum mit Pulten, Barhockern und sehr kuscheligen Sitzgelegenheiten in den Fensternischen sowie einen Raum, in dem man an Tischen sitzen kann. 

Ähnlich der Miranda Bar wurde auch für dieses Lokal ein schöner Name gefunden: „Olinda”, portugiesisch für „oh, wie schön”. Ein „O” bekommen auch alle Getränke beigestellt, bei denen die Betreiber einen klassischen Drink neu interpretieren. So der Martini O, bei dem statt Wermut Verjus und die salzige Umeboshi-Pflaume zum Einsatz kommen (€ 13,–). Auch der O Paloma Highball (Highball = Cocktail-G’spritzter) war super, Grapefruit-herb und erfrischend (€ 13,–).

Auch das Barfood ist ein wesentlicher Teil des „Olinda”-Konzepts: eine Kombi aus Tapenade, Rote-Rüben-Tatar, eine etwas pampige Brokkoli-Lauch-Quiche (€ 10,–), Roastbeef-Sandwich (€ 8,50) oder Fenchelsalat (€ 7,–). Tadellos, aber auch nicht mehr, hier könnte man noch ein wenig nachlegen.

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier.


Frage des Tages

Was zeigt unser Satellitenbild?

© Geoland

Auflösung von gestern: In den 1920-er Jahren stand auf dem Laaerberg der „Tempel der Astarte“, er diente als Kulisse für den Film „Sodom und Gomorrha“ (er hatte nichts mit einer Glaubensgemeinschaft oder einem Wasserrohrbruch zu tun).


Events des Tages

Bild von Gerhard Stöger
AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER

Musik Klassik

Nachwuchssänger des Jahres, Bester Nachwuchskünstler, Preis der deutschen Schallplattenkritik – für seine Interpretation von Schuberts „Schönen Müllerin“ hat Konstantin Krimmel im vergangenen Jahr so ziemlich alle wichtigen Klassik-Preise abgeräumt. Für sein Wien-Debüt hat der 31-jährige deutsch-rumänische Bariton Nacht-Lieder von Carl Loewe, Hugo Wolf und Franz Schubert ausgewählt, die er gemeinsam mit Pianist Wolfram Rieger interpretiert. (Miriam Damev)

Konzerthaus, Mozart-Saal, 19.30


Musik Pop

Eine junge Frau Anfang 20. Dunkle Augen, noch viel dunklere Haare, große Gitarre. Sie wirkt in sich gekehrt, noch unsicher auf der Bühne. Dann beginnt sie traurige englischsprachige Lieder zu singen – und klingt plötzlich wie ein lebenserfahrener Brummbär-Melancholiker. Die junge Frau heißt Edna Million, kommt aus Österreich und hinterlässt mit ihrer Stimme einen bleibenden Eindruck. Heute stellt sie ihr Debütalbum vor, Ernst Molden ist als Gast mit von der Partie.

Porgy & Bess, 20.30 (Livestream: www.porgy.at)


Buchtipp

Shila Behjat: Söhne großziehen als Feministin

Feministin sein und Söhne großziehen - wie geht das? Die deutsche Autorin Shila Bejaht, Jahrgang 1982, Mutter zweier Söhne im Alter von zehn und acht, fragt sich: Wieso rangeln meine Söhne, wieso raufen sie miteinander, wieso sind sie dauernd laut, wieso erfüllen sie eigentlich alle Rollenklischees der toxischen Männlichkeit, inklusive Interesse für Krieg, Waffen und Gewalt? Wieso färben meine emanzipatorischen Lebensprinzipien so wenig auf sie ab? Habe ich als feministische Mama versagt? .... (Barbara Tóth)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at


Fassadenleser #156

Französische Großbauten

Im Hochhistorismus der Jahrhundertwende um 1900 war das Bauen in Wien fast ausschließlich von wirtschaftlichen Interessen geprägt. Größer, höher, monumentaler: Ein Limit schien es nicht zu geben. Der gewaltige „Avenue-Hof“ im dritten Bezirk aus dem Jahr 1904 macht hier keine Ausnahme. Risalite, Erker und Spiegelsymmetrien sind noch Requisiten des damaligen Architekturkanons, aber die Größe verweist bereits weit in das neue Jahrhundert.

Der „Avenue-Hof“ in der Bahngasse 10-14 im dritten Bezirk ist eine riesige, etwas parvenühafte Anlage. (© Klaus-Jürgen Bauer)

Die Vorbilder für diese Art zu bauen, fand man nicht mehr in Wien, sondern in Frankreich. Aus Paris erhielt der Historismus-Superblock übrigens auch seinen Namen. Etwa hundert Jahre früher führte dort, wo 1904 der Avenue-Hof gebaut wurde, der „Wiener Neustädter Kanal“ vorbei, eines der frühen Infrastruktur-Grossbauwerke des Kaiserreiches.

Für die Zeit um 1900 war eine Adresse „am Kanal“ - oder noch österreichischer: „am alten Kanal - natürlich völlig perdu: Geplant wurde nach Pariser Vorbild zwischen Heumarkt und Landstraßer Gürtel eben eine - „Avenue“. Der Architekt der riesigen, etwas parvenühaften Anlage war Karl Stephan, der, aus ärmsten Verhältnissen stammend und daher stets vom Schulgeld befreit gewesen, einen sozialen Aufstieg sondergleichen absolvierte: von der Technischen Hochschule bis zur Akademie. Carl Stephann - das zweite „N“ und das vornehme C waren bald Teil seines Künstlernamens - wurde mit zweihundert Bauten zu einem kleinen Star der späten Ringstraßenära.

PS: Klaus-Jürgen Bauer hat auch mehrere Bücher geschrieben, die im faltershop.at erhältlich sind.


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