Die Feinstaub-Werte in der Stadt sind derzeit dreimal so hoch wie der WHO-Grenzwert: Müssen wir uns Sorgen machen? >> Die Rektorin der CEU tritt zurück: Was dahinter steckt >> Wiener Baumporträts: Ungarische Eiche >> Was sind Dampfnudeldrucker, Frau Andrea?Wetterkritik: Es bleibt kalt mit maximal 6 Grad, windstill und nebelig. Vielleicht kommen am Nachmittag ein paar Sonnenstrahlen durch. Hoffen wir's! Denn das graue Wetter drückt nicht nur auf unser psychisches Wohlbefinden (siehe unten).
Guten Morgen! Atmen Sie besser nicht allzu tief ein. Wetter-Apps und Echtzeitkarten, die die Luftverschmutzung in Wien anzeigen, melden dieser Tage „ungesunde” Feinstaub-Werte. Das liege hauptsächlich am Wetter, wie der ORF Wien am Sonntag berichtete. Aber was hat das Wetter mit Feinstaub zu tun? Was bedeutet das für unsere Gesundheit? Gibt es Grund zur Sorge? Oder sind solche Werte eh normal? Wir haben darüber mit dem Umweltmediziner Hans-Peter Hutter gesprochen. Außerdem: Gestern hat Shalini Randeria, die Rektorin der in Wien ansässigen Central European University, ihren Rücktritt angekündigt. Anna Goldenberg erklärt die Hintergründe. Thomas Roth porträtiert heute die Ungarische Eiche und zieht Ähnlichkeiten zu Donald Trump. Und Andrea Maria Dusl erklärt, woher die Nudeldrucker kommen. Einen schönen Tag wünscht Soraya Pechtl |
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„Eine Art Smogglocke legt sich über die Stadt"Die Feinstaubwerte lagen in den vergangenen Tagen mancherorts im roten Bereich. Die Luftqualität ist laut Echtzeitkarten „ungesund”. Wir haben mit Umweltmediziner Hans-Peter Hutter über die Risiken gesprochen. |
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Wetterapps haben am Wochenende eine Warnung vor schlechter Luftqualität ausgegeben. Laut manchen Karten ist die Luft „ungesund”. Gibt es Grund zur Sorge? Hutter: „Ungesund” ist ein schräges Wording. Gesund ist es aber definitiv nicht. Wir hatten am Sonntag Werte von 40 bis 50 Mikrogramm pro Kubikmeter PM2,5 (das sind Feinstoffpartikel, die kleiner sind als 2,5 Mikrometer und in die Lunge gelangen können). Das ist sehr hoch und entspricht einer dreifachen Überschreitung des WHO-Grenzwertes. Der liegt bei 15 Mikrogramm innerhalb von 24 Stunden. Ob wir uns sorgen müssen? Wir sollten jedenfalls umsichtig handeln. Das gilt vor allem für Personen mit Atemwegsinfektionen, aber auch für alle anderen. Was bedeutet das konkret? Hutter: Die Feinstaubbelastung hat einen Einfluss auf unsere Lungenfunktion. Je stärker der Grenzwert überschritten wird, desto mehr steigt das Risiko für Asthma- und Hustenanfälle. Junge und gesunde Menschen werden eher keine Beschwerden haben, aber wenn man eine verminderte Lungenfunktion hat, wird man das spüren. Heißt das, wir sollen zuhause bleiben? Hutter: Sie können natürlich noch raus gehen. Auch Bewegung ist gut und wichtig. Aber man sollte nicht übertreiben. Es ist keine gute Idee, sich zu überanstrengen. Denn je mehr ich mich anstrenge, desto mehr muss ich atmen. Wichtig wäre aber, unnötige Autofahrten zu vermeiden. Ist der Autoverkehr der Grund für die hohe Feinstaubbelastung? Hutter: In Wien gibt es mehrere Erzeuger: Das eine ist der Ferntransport aus unseren Nachbarländern. Zweitens: Regionale Importe aus anderen Bundesländern. Und das dritte sind hausgemachte Abgase. Auch das Wetter spielt eine große Rolle. Können Sie das erklären? Hutter: Derzeit herrscht eine Inversionswetterlage. Das bedeutet, dass die obere Luftschicht wärmer ist als die untere. Eine Art Smogglocke legt sich über die Stadt. Bei solchen Wetterverhältnissen steigen die Feinstaubpartikel nicht nach oben auf, sondern bleiben unter dieser Schicht. Dazu kommt, dass kein Wind weht, der die Partikel verteilen würde. Sind solche Verhältnisse ungewöhnlich? Hutter: Nein, sie sind typisch für den Herbst und Winter. Wahrscheinlich werden die PM10- und PM2,5-Werte auch noch ein paar Tage erhöht bleiben. Im Sommer haben wir eher eine hohe Ozonbelastung wegen der Sonneneinstrahlung, aber kaum hohe Feinstaubwerte. Mittlerweile hat jeder eine Wetter-App am Handy, die einen vor Feinstaub warnt. Schenken wir der Luftqualität mehr Beachtung als früher? Hutter: Ja, das Bewusstsein steigt durch diese Apps. Das finde ich auch okay so. Aber bei manchen weiß ich nicht, woher sie ihre Daten beziehen. Offizielle Messungen zur Feinstaubbelastung finden Sie hier. Meine Kollegin Anna Goldenberg hat hier über die Aerosolforschung geschrieben und darüber, wie die Staubpartikeln das Wetter beeinflussen. |
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Anzeige | | Foto: © Christoph Liebentritt | Eröffnung Winter im MuseumsQuartier Do 14.11., Eintritt frei ab 17h: Punsch & Glühwein, MQ Eisstockbahn 18.30h: Oskar Haag & Band live
Der Winter im MQ eröffnet am Donnerstag mit einem Konzert von Oskar Haag & Band und anschließendem DJ-Set von p.K.one. Die Gastronomie verwöhnt mit Punsch, Glühwein und winterlichen Snacks. Bis zum 23.12. erwarten Besucher:innen im MuseumsQuartier weihnachtliches Ambiente, Konzerte, DJ-Sets, Eisstockbahn und Winter Race. Hier geht’s zum Programm! |
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Stadtnachrichten | Der Club CiCi hat vorige Woche auf der Mariahilfer Straße eröffnet (betrieben wird er von der XXKXIX GmbH, die zur Dots Gruppe gehört). Vor der Eröffnung gab es Anrainerbeschwerden, eine Stellungnahme des Bezirksvorstehers Markus Reiter (Grüne) hatte die Eröffnung verzögert. Nun liegt die Genehmigung vor. „Soeben haben wir den offiziellen Bescheid erhalten und freuen uns riesig, verkünden zu dürfen, dass der Cíci Club heute seine Türen öffnet!”, hieß es am Samstag auf Instagram. |
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Scheuba fragt nach | … bei Bernhard Pörksen | | © APA/HANS PUNZ | Florian Scheuba berichtet in dieser Ausgabe über eine Zeitenwende in der Geschichte menschlicher Moralvorstellungen, Gauner-Solidarität und ihre österreichischen Profiteure. Mit Bernhard Pörksen, Deutschlands wichtigstem Medienwissenschaftler, spricht er über die Verwechslung von Meinung mit Lüge, Elon Musk, Penisgrößen und den Kampf gegen Desinformation. |
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Stadtgeschichten | | In der KriseDie Central European University (CEU) kommt nicht zur Ruhe. Gestern gab die Rektorin ihren Rücktritt bekannt. Rektorin Shalini Randeria will ihre Position ein Jahr vor Ende ihrer Amtszeit verlassen, und zwar schon im Juli 2025. Offiziell, weil die Zeit nicht ausreiche, um die „langfristigen Transformationen”, die der CEU bevorstünden, voranzutreiben. Inoffiziell dürfte es intern Kritik an ihrem Führungsstil gegeben haben. | | © Heribert Corn | Zudem kämpft die CEU mit finanziellen Problemen. Shalini hatte geplant, das „Nationalism Studies”-Programm einzustellen, eine der ältesten Fachrichtungen an der Universität. Das sei in CEU-Kreisen auf wenig Verständnis gestoßen – vor allem in Zeiten des erstarkenden Nationalismus. Finanziert wird die CEU von der Open Society Foundation von George Soros. Diese gab im August 2023 bekannt, ihre Ausrichtung zu ändern. Nicht mehr die europäischen Projekte stehen im Vordergrund, sondern die Förderung von Demokratie und Bildung in anderen Teilen der Welt. Die CEU war 1991 unter anderem vom ungarischstämmigen Geschäftsmann Soros gegründet worden, um in ehemals kommunistischen Ländern westliche Bildung und demokratische Werte zu unterstützen. Seit 1995 befand sich der Hauptcampus in Budapest, die Universität zog Studierende aus aller Welt an. Die Orbán-Regierung, die gegen Soros hetzte, vertrieb die Universität. So landete die Universität 2019 im Wiener Exil in einem ehemaligen Bankgebäude in der Quellenstraße in Favoriten. Nur zum Übergang, hieß es zunächst. Doch Pläne, einen Ort für einen würdigen Campus zu suchen, scheiterten – zunächst am Otto-Wagner-Areal, und, wie am Wochenende nach dem Boardmeeting der Universität bekannt wurde, auch in der Eichenstraße in Wien-Meidling. Zu teuer. Nun werden stattdessen der Mietvertrag in der Quellenstraße verlängert – und die Suche nach einem neuen Rektor gestartet. |
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Wiener Baumporträts #36 | Trump, eine Ungarische Eiche?Amerika hat gewählt. Und unter den ersten Gratulanten befand sich (nicht sehr verwunderlich) der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán. Was das jetzt mit Wiener Stadtbäumen zu tun hat, fragen Sie sich? Mir ist zu Trumps Wiederwahl und Orbáns Gratulation sofort Quercus frainetto ,Trump‘ in den Sinn gekommen, die Ungarische Eiche in der Auslese Trump. Die in Holland gezüchtete schnellwüchsige Selektion hat eine steil aufragende und uniforme Wuchsweise. Die typisch regelmäßigen, verkehrt-eiförmigen und gelappten Eichenblätter sind bis zu 20 Zentimeter groß und glänzend, in einem fast metallisch wirkenden dunkelgrün gefärbt, die Unterseite dagegen ist heller. Sowohl die Eichelfrüchte, die bis zur Hälfte von einem Becher umgeben sind, als auch die Blätter sind sehr kennzeichnend für diese speziell schmal und aufrecht wachsende Sorte. | | Ungarischen Eichen sind in Wien als gewöhnliche Art ohne Trump zu finden. (© Thomas Roth) | Noch finden wir in Wien keine hitzeverträglichen, trockenresistenten, stadtklimafesten, wärmeliebenden Trump-Selektionen der Ungarischen Eichen, aber sie werden bereits als wahrer Zukunftsbaum in den Baumschulen gezogen und angepriesen. Ich stimme dieser Zuschreibung zu, bin allerdings für eine Umbenennung der Sorte! Ungarischen Eichen sind in Wien als gewöhnliche Art ohne Trump zu finden. So steht ein Prachtexemplar mit über 200 Zentimeter Stammumfang im Schlosspark der Modeschule Hetzendorf. Ein weiteres in der Wallensteinstraße/ Ecke Staudingergasse. Der 15 Meter breite und hohe Baum prägt die Situation des kleinen Platzes vor einer Papierladenkette und stellt die schmale Selektion der aus China stammenden Blasenesche (Folge 15) daneben wahrlich in den Schatten. Etwas trübt die Euphorie über die Anpassungsfähigkeit der Eichen an den Klimawandel: Der zunehmende Befall mit Eichennetzwanzen (Corythucha arcuata) nimmt wiederum – leider – durch die Klimaveränderung zu. Die 2019 erstmalig in der Steiermark entdeckten Insekten sind mittlerweile in Wien angekommen. Also Eichenblätter umdrehen und nach den Eigelegen, den Nymphenstadien und deren Kottröpfchen, allesamt auf der Blattunterseite, Ausschau halten. Durch den Befall mit den Wanzen vergilben und vertrocknen die Blätter vorzeitig, und wir sehen ein ähnliches Phänomen, wie wir es schon von den Rosskastanien (Folge 26) und den Miniermottenbefall kennen. Das bedeutet, dass uns wieder einmal keine ausgeprägte Herbstausfärbung vergönnt ist. Anscheinend sind Amerikanische Roteichen keine geeigneten Wirte für die Eichennetzwanzen, diese vertragen allerdings die kalkhaltigen Wiener Böden nicht gut. Also alles nicht so einfach, wie schon der ehemalige Bundeskanzler Fred Sinowatz erkannte! Dazu kommt auch noch der Befall mit dem Eichenprozessionsspinner. Finger weg von den Nestern der Raupen, mit den abgebrochenen Haaren, Raupenhäuten und Kotkrümel. Neben Juckreiz, Rötungen und stark juckenden Hautausschlägen kann auch das Einatmen der Raupenhaare zu schweren Asthmaanfällen führen. In diesem Sinne gilt es im Frühsommer in Wien wohl, den Ratschlag auf den Hinweisschildern des Stadtgartenamtes zu befolgen: Eichen zu weichen. Man braucht keine Schilder, um zu wissen, dass man sich auch vor Trump und Orban fernhalten sollte. Trotzdem, im Hörndlwald unter den Eichen von einer besseren Welt zu träumen, ist immer noch möglich. So, if you walk in the woods and you see A big old oak tree Tread carefully, please Cause I’m dreaming underneath And I dream, Dream, dream, dream sweet dreams (Mirel Wagner: Oak tree). ADRESSE: 1120, Schloss Hetzendorf, Hetzendorfer Straße 79, 1200 Staudingergasse, Ecke Wallensteinstraße, MUSIKTIPP: Mirel Wagner: Oak Tree |
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Anzeige | | | Schumann-Oratorium im neuen Theater an der Wien
Wie gelangt der Mensch ins Paradies? Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri erzählt von irdischen und himmlischen Zuständen mit Musik, die rauschhafte Züge annimmt. Als konzertante Aufführung mit Elsa Dreisig in der Titelpartie – im neu sanierten Theater an der Wien.
Freitag, 15. November 2024, 19 Uhr
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Frage des Tages | Welche Tiere vermehrten sich im Wien des späten 19. Jahrhunderts vor allem im 9. Bezirk besonders stark und bekamen im Volksmund daraufhin den Spitznamen „Alserbachforellen“?Ratten Biber Ringelnattern
Auflösung von gestern: In Wien gibt es pro Saison rund 450 Bälle (nicht nur 150 oder 300). |
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Events des Tages | | AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER |
| TheaterDer venezianische Geschäftsmann Volpone liegt im Sterben. Seit Langem! Nur sein treuer, weil bei ihm hochverschuldeter Diener Mosca weiß, dass alles bloß gespielt ist, damit einander die zahlreichen Erbschleicher mit „Abschiedsgeschenken“ überbieten. „Volpone oder Der alte Fuchs“ ist eine bitterschwarze Komödie von Ben Jonson, einem Zeitgenossen Shakespeares, und quasi das umgekehrte Vorbild für Molières „Der eingebildete Kranke“. Sam Madwar hat den derben Text fürs Theater zum Fürchten ziemlich witzig bearbeitet, inszeniert und ein wunderbares Bühnenbild entworfen. (Martin Lhotzky) Scala, 19.45 (Termine bis 20.11.)
MusikSeinen ersten öffentlichen Auftritt in Wien absolvierte Jan Rohrweg 2017 an Sigrid Horns Seite. Sieben Jahre später legt er sein erstes Album „Am Sand“ vor und präsentiert es live. Er macht höchst eigentümliche Musik, die Aufmerksamkeit erfordert. Zunächst fällt sein Gesang auf, der vor Affektiertheit wie auch vor manch Dissonanz nicht zurückschreckt. Das ist schon näher am Kunstlied als an Singer/Songwriter-Musik. „Deutschsprachige Chansons zwischen Folk und Schubertlied“, lautet Rohrwegs Selbstverständnis. (Sebastian Fasthuber) Tag – Theater an der Gumpendorfer Straße, 20.00 |
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Kinderbuch | Minitta Kandlbauer et al.: Gute Nachrichten aus aller Welt Weil schlechte Nachrichten mehr Klicks erzeugen, sind gute zunehmend Mangelware. Diesem Trend wirkt „Gute Nachrichten aus aller Welt" der in Wien lebenden Schwestern Minetta und Melanie Kandlbauer entgegen, schön bebildert von Yani Hamdy. Sie hätten schon über 40 Länder bereist, schreiben die Autorinnen im Vorwort. „Oft waren wir erstaunt gewesen, weil die Länder ganz anders waren als im Fernsehen." Wer weiß denn schon, dass in Nigeria jährlich mehr Filme produziert werden als in Hollywood, der Erfinder von eBay iranische Wurzeln hat und Instagram von zwei Brasilianern erfunden wurde? Ein Weltatlas mit unbekannten, aber umso erfreulicheren Fakten, der kein rundes Bild bietet, aber eine Ergänzung des in Schulbüchern und Medien kolportierten. (Kirstin Breitenfellner) Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at |
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Fragen Sie Frau Andrea | | Der Dampf, die Nudel, der DruckLiebe Frau Andrea, ich freue mich jeden Mittwoch über Ihre Zeilen im Falter. Ich habe meine Jugend im oberösterreichischen Schärding verbracht und kann mich noch an den Spruch „Boarische Dampfnudeldrucker, wann mia kemman, miassts es e umiruckan" erinnern. Was Dampfnudeldrucker sind, konnte mir niemand sagen. Vielleicht können Sie mich aufklären? # Josef Hütter, Seiersberg-Pirka, Steiermark, per E-Mail | | In der gängigen Zubereitungsvariante werden Hefeklöße (die Dampfnudeln) in einem Topf mit Deckel gleichzeitig gebraten und gedämpft. (© mhollaen auf Pixabay) | Lieber Josef, Ihre Heimatgemeinde liegt bekannterweise am Inn, durch zwei Brücken über den Grenzfluss mit dem bayrischen Nachbarort Neuhaus verbunden. Der Ihnen erinnerliche Spruch ähnelt vielen anderen, die von männlichen Jugendlichen benachbarter Orte im Rahmen von Distinktionsgewinn ausgetauscht werden. In Ihrem Fall liegt die „befreundete" Gemeinde sogar in einem anderen Staat. Ins Hochdeutsche übertragen lautet der Spruch: „Bayrische Dampfnudeldrucker, wenn wir kommen, müsst ihr rüberrücken!" Er bezieht sich offenbar auf gemeinsames Sitzen an den Tischen im Gasthaus, wahrscheinlicher aber auf den Bänken eines Kirtags. Was aber ist ein Dampfnudeldrucker, jener Ausdruck, mit dem die Bayernburschen bedacht werden? Als Nudeldrucker wird österreichweit der geizige Knauserer bezeichnet, abgeleitet von einem siebartigen Küchengerät, durch dessen Löcher einzelne Nudeln sparsam durchgedrückt wurden. Regional werden damit die Innviertler bezeichnet. Das Kompositum erfährt eine Bedeutungserweiterung durch die Dampfnudel, eine traditionelle Mehlspeise der süddeutschen Küche. In der gängigen Zubereitungsvariante werden Hefeklöße (die Dampfnudeln) in einem Topf mit Deckel gleichzeitig gebraten und gedämpft, sodass ein knuspriger Boden und eine weiche Oberfläche entstehen. Wie andere Schimpfwörter hat auch der Dampfnudeldrucker eine versteckte sexuelle Zweitbedeutung. Ist doch der Nudeldrucker der Masturbant (wienerisch: Handwaglfahrer), er drückt die Nudel, den Penis. Der Dampf wiederum ist bekanntermaßen ein Synonym für den Alkoholrausch. Nach dieser Etymologie wäre der Dampfnudeldrucker der alkoholisierte Wichser. Dass diese Bedeutung nicht allen am Spott Beteiligten klar ist, spricht für die Harmlosigkeit der Beleidigung. Frau Andrea erreichen Sie unter dusl@falter.at |
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