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FALTER.morgen – Der Wien-Newsletter / Zwischen Schande und Utopie / 22.07.2026 / Sie starten in den Tag mit Viktoria Klimpfinger }}

Im Juli sorgte eine Kunstaktion beim Lueger-Denkmal für Aufsehen – vor allem aufgrund der Reaktionen. Der Künstler ist in Wien kein Unbekannter >> Konferenz der Stadtforscher in Wien >> Hundstage über Einbrecher >> Film-Tipps von Sabina Zeithammer

Wetterkritik: Unseretwegen kann der Sommer so bleiben: Maximal 26 Grad und ein paar Wolken. Etwas mehr Regen wäre noch wünschenswert.


Guten Morgen!

Wer rückwärts geht, muss die Schritte vorsichtig setzen. Sonst stolpert man und tut sich weh. Aber wie weit kann man in der Zeit zurückgehen, ohne dass es einen auf den Hintern setzt? In der jüngeren Geschichte reichen die vergangenen Wochen für erste Blessuren: Während der jüdische Künstler Alon Ishay einen Rundgang um das umstrittene Lueger-Denkmal gestaltete, hat ein Passant ihn und sein Publikum aufs Übelste antisemitisch beschimpft, berichtete der Standard. Währenddessen posierten Rechtsextreme vor der Gruppe. Ishay befestigte ein Banner, das den fiktiven Sturz der Statue beschrieb, als wäre er schon passiert. Ein paar Tage später riss es ein FPÖ-Lokalpolitiker ab. 

Ishay will sich davon nicht entmutigen lassen, im Gegenteil. Aber wer ist der 25-Jährige eigentlich? Wir haben ihn an dem Ort getroffen, der ihn umtreibt. 

Außerdem: Anna Goldenberg war bei einer Konferenz, die sich mit der Zukunft der Städte befasst. Und Sabina Zeithammer hat die besten Filmtipps für Sie.

Einen schönen Tag wünscht

Viktoria Klimpfinger


Heute für Sie auf falter.at

  1. Geld aus Budapest für Sebastian Kurz: Wo woar sei’ Leistung? Ein ungarisches Parteimedium berichtet von Honorarnoten, die der Ex-Kanzler über Umwege an ein Institut von Viktor Orbáns Fidesz-Partei gelegt haben soll. Lina Paulitsch ist der Frage nachgegangen, was an der Info dran ist. 

  2. Fake-Accounts und Jubelpostings: Die Trollfabrik des Wiener Marktamts. Auf Social Media bejubeln „Edi“, „Sabine“, „Tobias“ und andere Wiens Märkte. Ihre Accounts dürften jedoch Fakes sein – erstellt von einem hochrangigen Mitarbeiter der Behörde. Jürgen Klatzer und Matthias Winterer haben recherchiert.

  3. Das nackte Kind: Wirbel um angeblich pädophile Kunstsammlung in Tirol. Landesregierung stoppte den Ankauf der Sammlung Peter Weiermair – wegen Verdachts auf Kinderpornografie, berichtet Matthias Dusini. Ein Pionier queerer Kunstgeschichte steht posthum am Pranger. Vorsicht oder Rufmord?  

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Jeunesse Highlights 2026/27 — drei Konzerte, ein Code

Im Februar „Sieben Samurai" im Großen Musikvereinssaal: das Waseda Symphony Orchestra Tokyo trifft auf Taiko-Meister Eitetsu Hayashi — Christian Josts „Sieben Samurai" als österreichische Erstaufführung, dazu Mahlers Fünfte. Eines von drei Highlights aus der Jeunesse-Saison 26/27 — zur Saisoneröffnung das Klavierduo Gugg (Poulenc), im Advent Händels „Messias".

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Lueger „weggestalten“ 

Alon Ishay hat Anfang Juli eine Kunstaktion am Lueger-Denkmal veranstaltet, die Reaktionen darauf schlugen Wellen. Wer ist der jüdische Künstler? 

Ein frisch geputzter Karl Lueger lehnt sich an die Baumkronen. Als wäre er gestolpert. Gestürzt ist er aber nicht, nur geneigt. Kurz vor unserem Treffen hat jemand rote Farbe über das Denkmal geschüttet. „Das war ich nicht”, sagt Alon Ishay. Im Rahmen eines Festivals der Universität für Angewandte Kunst hat er hier Anfang Juli einen künstlerischen Rundgang veranstaltet. „Wie man das Lueger-Ehrenmal stürzte” – der Titel, Utopie. Ishay besprühte den Boden mit Kreidefarbe, verteilte Sticker mit der Aufschrift „Schande”. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Person mit Maske sprüht mithilfe einer Schablone weiße Fußabdrücke auf den Boden vor einem steinernen Denkmal mit Relief.
Alon Ishay beim Besprühen des Platzes (© Jüdische österreichische Hochschüler:innen)

So ein Sticker klebt vor unserem Gespräch noch auf der Texttafel, die das Denkmal zeitlich einordnen soll, „kontextualisieren”. 2012 hat die Stadt den Dr.-Karl-Lueger-Ring in Universitätsring umbenannt. Die Lueger-Statue hat sie nicht entfernt. Seit Jahren ringen die Wienerinnen und Wienerum den richtigen Umgang mit ihr. Die einen wollen Lueger metaphorisch von einem Podest als großer Modernisierer Wiens holen, indem sie seinen politischen Antisemitismus sichtbar machen. Die anderen wollen ihn tatsächlich vom Sockel stoßen. 

Wie Ishay. „Das einzige klare und unmissverständliche Zeichen gegen Antisemitismus wäre, den Lueger endlich vom Sockel runterzuhauen.” Ihn „weggestalten”. Ishay wählt seine Worte sorgfältig, politische Kommunikation ist er gewohnt. Er ist 25 Jahre alt, mit Antisemitismus hat er sich schon früh auseinandergesetzt, sagt er. Gezwungenermaßen. „Ich glaube, es gibt verschiedene Arten, mit dem Hass gegen die eigene Volksgruppe umzugehen. Für mich ist es nie eine Option, nichts zu tun.” Geboren ist Ishay in Frankfurt, wo es eine der größten jüdischen Gemeinden Europas gibt. 2020 ist er zum Studieren nach Wien gekommen – Psychologie und Informatik. Seither ist er auch in der Jüdischen österreichischen Hochschüler:innenschaft (JöH) aktiv. 

„Als Jude, als Jüdin ist es auf jeden Fall gefährlicher geworden, sich öffentlich zu zeigen und die eigene politische Meinung zu äußern.” Im Oktober 2023 wurde er zum Vorsitzenden der JöH gewählt, kurz vor dem 7. Oktober. Nach dem verheerenden Terrorangriff der Hamas auf Israel haben antisemitische Übergriffe weltweit zugenommen, auch in Wien. Ishay spricht von einer „schwierigen”, „prägenden Zeit”. In diese Zeit fallen auch Aktionen der JöH, die für breite mediale Aufmerksamkeit sorgten. Wie die Blockade der Kranzniederlegung des Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz (FPÖ) beim Holocaust-Mahnmal oder die „Mahnwache gegen Volkskanzler & Kellernazis” am Burgtor. Als die FPÖ und ÖVP im Vorjahr zu Koalitionsverhandlungen zusammen traten, waren die Mitglieder der JöH die ersten, die eine große Demo organisierten – im Geiste der Donnerstagsdemos (hier mehr dazu). 

Im Herbst 2025 trat Ishay nicht zur Wiederwahl an, sein Aktivismus verlagerte sich: Er studiert nun Sprachkunst an der Angewandten. „Ich glaube, das ist dem geschuldet, dass ich gerne alles machen würde und mich nicht auf eine Sache fokussieren kann.” Das Schreiben biete ihm ganz andere Möglichkeiten als seine politische Funktion, die gesellschaftspolitischen Themen sollen aber die gleichen bleiben. 

„Dieses Ehrenmal” – so nennt er das Denkmal ganz bewusst – „ist zu einem der zentralen Kulturkämpfe der extremen Rechten geworden”, sagt Ishay. Im Vorjahr startete die jährliche Sommer-Demo der Identitären Bewegung zu Luegers Füßen. Dieses Jahr war sie für den 25. Juli geplant, die Route wurde von den Behörden aber offenbar nicht genehmigt. 

Das Problem sieht Ishay aber nicht nur bei den Identitären: „Es herrscht eine antisemitische Grundstimmung in Österreich.” Gerade deshalb wolle er die Stimme junger Jüdinnen und Juden „in die Öffentlichkeit tragen“. Von der Stadt fühle sich die jüdische Gemeinde in ihrer Kritik am Lueger-Denkmal seit Jahren übergangen, überhört.

Im Juli 2020 ist Lueger mit Graffitis besprüht worden: „Schande”. Weil die Stadt daraufhin angekündigt hatte, den Schriftzug entfernen zu lassen, formierte sich eine „Schandwache”. Der Rest ist Geschichte: Aus Reinigung sollte Einordnung werden, und eine Schieflage um 3,5 Grad. Im Zuge des Kippens wurde die Statue restauriert, die Schriftzüge mussten weichen. Bei der Präsentation der Statue hieß es von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), dass die Stadt neue Graffiti nicht entfernen würde. „Ob und welche Maßnahmen erforderlich sind, wird im Einzelfall unter Berücksichtigung der baulichen Substanz, der Sicherheit von Passant*innen sowie der denkmalpflegerischen Vorgaben des Bundesdenkmalamts geprüft“, heißt es auf Falter.morgen-Anfrage aus ihrem Büro. 

Ein Kind im Fußball-Dress turnt um die Statue herum, legt den Kopf schief, ahmt mit dem Arm ihre Neigung nach. Eine ältere Frau verschränkt die Hände auf dem Rücken und liest sich den Text auf der Tafel durch. Ishays Sticker klebt nach unserem Gespräch nicht mehr. Irgendjemand muss ihn in der Zwischenzeit entfernt haben. 

Über die gekippte Statue und ihre Geschichte hat Matthias Winterer im Falter hier berichtet.

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Stadtnachrichten

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen der Kleingarten-Causa gegen den Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy eingestellt, wie sein Anwalt Volkert Sackmann der APA bekannt gab. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen der Anstiftung zum Amtsmissbrauch und der verbotenen Intervention. Nevrivy kaufte eine Parzelle in einem Kleingarten in Breitenlee, wenig später wurde der Kleingarten umgewidmet. Nevrivy hatte stets bestritten, Einfluss auf das Widmungsverfahren genommen zu haben.


Im Sommer wird der Wiener Gemeinderat auf Antrag der FPÖ für eine Sondersitzung zusammenkommen. Themen sollen die Postenbesetzungen sein, in die der Wiener Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck involviert war. Und auch die Vorwürfe gegen Andreas Kutheil, ehemaliger Leiter des Marktamts, die der Falter aufgedeckt hat, sollen behandelt werden. Laut den Wiener Grünen wusste die rot-pinke Stadtregierung seit einiger Zeit von den Missständen. 


Falter Radio

Warum ein junger Mann im Gefängnis sterben musste – #1673

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Porträt eines älteren Mannes mit Brille vor blauem Hintergrund, oben rechts das Logo von Falter Radio.

In Hirtenberg starb ein Häftling qualvoll und mit schweren Verletzungen. Strafvollzugsexperte Wolfgang Gratz hat den vom Falter aufgedeckten Fall für Justizministerin Anna Sporrer untersucht. Mit Florian Klenk spricht er in dieser Folge über seine erschreckenden Erkenntnisse.


Stadtgeschichten

Bild von Anna Goldenberg
VON ANNA GOLDENBERG

Die Welt der Städte

Stadtforscher aus 96 Nationen tagen gerade in Wien. Was beschäftigt sie?

Die bewachten Wohnanlagen der Reichen in Johannesburg, die langen Fußwege der Haushaltsangestellten in Lima, die Nachbarschaftsbeete im russischen Jekaterinburg. 

Alles weit weg vom altehrwürdigen Hauptgebäude der Universität Wien, und doch hier genau richtig. Seit Montag, den 20. Juli, haben sich hier gut tausend Stadtforscherinnen und -forscher aus der ganzen Welt versammelt. Drei Tage lang machen sie sich Gedanken darüber, wie Städte funktionieren und das Zusammenleben dort so gerecht wie möglich sein kann. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Vorderansicht des Karl-Marx-Hofs in Wien mit Schriftzug, Balkonen, zwei großen Torbögen und Statuen an der Fassade.
Bei der Exkursion der Konferenz zu den Wiener Gemeindebauten herrscht großer Andrang. (© Heribert Corn)

Organisator ist das Komitee für Soziologie der Stadt- und Entwicklungsplanung der internationalen soziologischen Assoziation, kurz RC21. Alle zwei Jahre findet die Konferenz statt. Das diesjährige Thema: Ungleichheiten und die Stadt

Aktuell leben 44 Prozent der Weltbevölkerung in einer Stadt mit mindestens 50.000 Einwohnern. Zählt man Kleinstädte ab 5.000 Einwohnern sowie Vororte dazu, kommt man auf 80 Prozent. Auf der ganzen Welt sind diese Anteile seit Mitte des vorigen Jahrhunderts gestiegen, am stärksten in Afrika und Südamerika. Der Großteil der Menschheit lebt also in Städten. Dort ist die Ungleichheit im Schnitt höher als auf dem Land.

Und doch zieht es die Menschen weiterhin in die Städte. Das wirft jede Menge Fragen auf, die bei der Konferenz diskutiert werden. Hilft die Plattformökonomie, also etwa die Vermietungsplattform Airbnb oder Zustelldienste wie Foodora, beim Aufstieg oder verfestigt sie Ungerechtigkeiten? Die Versprechungen seien „widersprüchlich”, findet ein Pariser Forscher. 

Wie bekommt man Menschen in verschiedenen afrikanischen Städten dazu, mehr mit dem Rad zu fahren? Vielleicht, indem man ihnen klar macht, dass das Radfahren schon lange präsent ist, wie eine kenianische Forscherin herausfand. 

Und wie lassen sich die langen Arbeitswege von Hausangestellten in Megastädten wie Mumbai sicherer machen? Mehr Straßenlaternen würden helfen, erklärt ein indischer Forscher.

Mit Jakarta, Tokio oder New York kann Wien nicht mithalten – was die Größe, aber auch, was die Probleme betrifft. Hier lebt niemand in Slums; hier parken Autos (fast) nur dort, wo sie dürfen; hier funktioniert die Wasserversorgung und der soziale Wohnbau gilt als internationales Vorzeigeprojekt. Kein Wunder also, dass die Konferenz-Exkursion zu den Wiener Gemeindebauten der absolute Renner ist: Wegen des riesigen Ansturms mussten die Organisatoren spontan eine zweite Tour buchen.

Mehr über die Konferenz lesen Sie im kommenden Falter.


Hundstage #78

Bild von Viktoria Klimpfinger
VON VIKTORIA KLIMPFINGER

Wenn der Postler zweimal klingelt

Wenn es um Hausfriedensbruch geht, verstehen Fini und ich keinen Spaß. Und verfolgen ähnliche Abwehr-Strategien. 

Seit ich mich aus dem familiären Nest geschält hatte und alleine wohnte, trug ich eine Ur-Angst in mir: Einbrecher. Knarrte der Boden, bumperte die Tür mitten in der Nacht, war es bestimmt kein Luftzug, sondern ein Berufsverbrecher, der sich Zutritt in mein unordentliches Habitat verschafft hat. Zumindest behauptete das mein niemals ganz im Leerlauf fahrendes Hirn.

Mutig starrte ich meiner Angst mitten ins Gesicht. Fiel wieder einmal mein Zahnputzbecher im Bad um, weil die Bürste sich der Schwerkraft hingab, stürmte ich aus dem Schlafzimmer, möglichst laut und bedrohlich, und schrie in die dunkle Wohnung: „Ich weiß, dass Sie hier sind!” Selbst in Panik steckt mir die scheiß Höflichkeit im Rachen. Einen Einbrecher, der auf das unbemerkte Ein- und Aussteigen bedacht ist, sollte das jedenfalls aus der Ruhe bringen. Gefahr gebannt. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Kleiner, grau-weißer Hund sitzt auf einer Decke und trägt ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Little Bitch“ am Halsband.
Fini mit unflätigem Lebkuchenherz (© Falter/Klimpfinger)

Allerdings musste ich den imaginären Ganoven schon lange nicht mehr hinterher brüllen. Dafür habe ich ja jetzt den Hund. Wenn es um verselbstständigte Hirngespinste geht, ist Fini ein regelrechter Ghost Buster. Blöd nur, dass die sich hauptsächlich in der Türklingel manifestieren. Die allerwenigsten Einbrecher läuten wohl an, bevor sie die Wohnung ausbaneln. Aber das ist Fini herzlich wurscht. Lieber einmal zu viel gebellt als gefesselt und geknebelt im eigenen Kellerabteil eingesperrt. 

Wagt man es also, an meiner Tür zu läuten, hört man zuerst einmal lautes Kläffen, gefolgt von ebenbürtig lautem Schimpfen. „Wuff, wuff, wuff!” „Nein, gusch, auf deinen Platz, verdammte &$%§&!“ Die Tür geht auf, ich klaube mein genervtes Gesicht zu einem Lächeln zusammen, während der Hund in seinem Körbchen sitzt und vor sich hin wufft, zuerst leise, dann immer lauter. „Guten Tag, wie kann ich Ihnen – halt die Klappe!!!” Unter Postlern bin ich mittlerweile verschrien. 

Normalerweise halte ich Fini in Schach, wenn es um vermeintliche Eindringlinge geht. Immerhin bin immer noch ich das Oberhaupt dieses Haushalts, die müssen zuerst an mir vorbei. Aber letztens wurden wir Ziel eines Verbrechens, das weder Opfer noch Verluste fordert. Ein Schock. Ein Schreck. Ein Klingelstreich. Verdattert stand ich in der offenen Tür, während mich Kindergelächter in der Ferne verhöhnte. Aber denen war wohl nicht bewusst, mit wem sie sich da angelegt hatten. 

Endlich, nach all den Jahren Maulsperre, der Moment, auf den Fini hin trainiert hatte. Ich nickte meinem Miniatur-Berserker zu. Der schoss hinaus ins Stiegenhaus wie eine haarige Kanonenkugel und ballerte seine Vokalprojektile in den hallenden Äther. All die  unterdrückten Kläffer der vergangenen Jahre schoben sich aus der kleinen Kehle und peitschten die Treppen auf und ab. Plötzlich erlebte ich den kleinen Waschbärterrier in seiner vollen Pracht, zwei mentale Meter groß und präsent wie eine Opernsängern. Meine Prima-Donner. Das Kinderlachen verstummte schlagartig. Und auch Post haben wir seitdem keine mehr bekommen. 

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(c) iStock

Hotspots für den Sommer

Warme Tage, laue Nächte – und die richtigen Orte dazwischen. Ob zum Entspannen, Entdecken oder Genießen: Hier finden Sie unsere Auswahl, die den Sommer von seiner schönsten Seite zeigt.

Lassen Sie sich inspirieren!


Frage des Tages

Woher hat die Kettenbrückengasse ihren Namen?

1. Von einem Händler, der Ketten in einer Gasse bei der Brücke am Naschmarkt verkaufte.

2. Von der einstigen Hängebrücke die an dieser Stelle über den Wienfluss führte, bei der Ketten oder Augenstäbe eingesetzt wurden.

3. Vom ehemaligen Bezirksvorsteher Johann Kettenbrücke.

Auflösung von gestern: In dem Haus „Zum goldenen Wagen“ am Bauernmarkt wurde der Autor Franz Grillparzer geboren (nicht Ingeborg Bachmann oder Arthur Schnitzler).


Events des Tages

Bild von Gerhard Stöger
AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER

Musik

Easy Listening ist anders. Das Ausladend-Epische geht beim US-Quintett Deafheaven Hand in Hand mit unbedingter Intensität. Metal und Postrock hat die Band ebenso im Programm wie atmosphärische Shoegaze-Gitarrenwände, Hardcore-Elemente und Gesang der Marke „abgestochenes Schwein“. Was dabei herauskommt, fällt interessanterweise aber doch stärker durch eine ganz eigene Schönheit als durch Härte auf.

Arena, 19.00 (Einlass)


Kino

Der spätere Oscar-Preisträger Jonathan Demme, damals noch frisch aus der Roger-Corman-Schule des Low-Budget-Films, dokumentierte im etwas anderen Konzertfilm „Stop Making Sense“ 1984 mit sparsamen Mitteln die amerikanischen New-Wave-Popstars Talking Heads mit ihrer minimalistischen Bühnenshow. David Byrne in Turnschuhen und Anzug kommt mit einem Kassettengerät und seiner Gitarre auf die leere Bühne, singt „Psycho Killer“ – und der Rest ist Magie. So einfach ist das, ja, und einfach grandios. Zum 40er wurde der Film frisch restauriert, heute ist er wieder einmal zu sehen.

Filmcasino, 19.30


Buchtipp

Val Plumwood: Das Auge des Krokodils

Wer im Sommer mehr in der Natur sein möchte, sollte sich zwei aufregende Bücher aus der Edition Naturkunden (Matthes & Seitz) besorgen. „An das Wilde glauben" der Französin Nastassja Martin von 2021 schildert den Angriff eines Bären auf die Autorin und reflektiert unser Verhältnis zur nicht gezähmten Natur.

Nun legt der Verlag mit Texten der australischen Ökofeministin Val Plumwood (1939-2008) nach, die am eigenen Leib erfahren hat, was es heißt, ein essbares Wesen zu sein: 1985 versuchte ein Krokodil, sie zu erbeuten. Zu dem von ihr kritisierten westlichen Dualismus zwischen Mensch und Natur und der daraus folgenden Ablehnung des Todes gehört für Plumwood auch ein Veganismus, der das Beutemachen per se ablehnt. Alle Lebewesen seien Nahrung und zugleich viel mehr als das: Reichlich Stoff zum Nachdenken! (Kirstin Breitenfellner)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at


Kino-Tipps

Bild von Sabina Zeithammer
VON SABINA ZEITHAMMER
(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Drei Männer in antiker Rüstung mit Helmen und Schwertern stehen auf sandigem Boden vor Zelten unter blauem Himmel.

Christopher Nolan verfilmt den weltbekannten Homer-Stoff als starbesetzte Action-Fantasy: Nach dem Trojanischen Krieg möchte König Odysseus (Matt Damon) zu seiner Familie zurückkehren. Doch der Heimweg wird schwieriger als erwartet, denn ihm steht ein langes Abenteuer voller Gefahren und mythischer Wesen bevor. Seine Frau Penelope (Anne Hathaway) und sein Sohn Telemachos (Tom Holland) sind derweil mit ganz anderen Problemen konfrontiert.

Regie: Christopher Nolan, USA/GB  2026


So klingt das Leben

Zwei Jahre nach dem tragischen Untergang eines Fischerbootes, der eine kleine Küstenstadt erschüttert hat, beschließen die Mitglieder der Rondalla, einer traditionellen Musikgruppe, wieder zusammenzukommen, um ihre Begeisterung zurückzugewinnen und die Trauer hinter sich zu lassen. „Daniel Sánchez Arévalo erzählt in seinem Ensemblefilm eine vielgestaltige Geschichte über Abschied und Neubeginn. Die Tragikomödie punktet mit sorgfältig gezeichneten Figuren und Musik, die ihr eine besondere Vitalität verleiht." (Sabina Zeithammer)

Regie: Daniel Sánchez Arévalo, E  2025


Eine stürmische Affäre

Als die Journalistin Lea in einer Bar den 20 Jahre älteren Seismologen Rocco kennenlernt, beginnen die beiden eine Affäre. Dabei ist Lea in einer Beziehung mit dem Schauspieler Andrea, mit dem sie eine Tochter hat, und Rocco mit der Psychologin Cecilia verheiratet. „Das Spielfilmdebüt von Ludovica Rampoldi beginnt als leichte Komödie. Doch schnell werden die verträumten Filmbilder surreal und das subtile Spiel der Akteure düster. Die Affäre in dieser Liebesgeschichte ist lediglich der Katalysator, um Sehnsüchte und Ängste an die Oberfläche zu befördern." (Dominique Gromes)

Regie: Ludovica Rampoldi, I  2024


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