⛰Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Aber dieser Winter hat es besonders in sich. Eigentlich gehöre ich zur Gruppe jener, die sich über jede Jahreszeit freuen können (wer weiß, wie lange wir sie noch haben!). Doch wenn mein Fahrrad länger als ein paar Tage im Schuppen stehen bleiben und ich selbst meinen Hund zum Spazierengehen überreden muss, endet auch meine Kulanz. Mit dem kalten Wetter kommt verlässlich auch ei…
FALTER.natur - Der Nachhaltigkeits-Newsletter
Guten Tag,
(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Digitale Anzeigetafel an der Haltestelle Paulanergasse der Wiener Linien mit Warnhinweis „Vorsicht Glatteis!“.
Glatteiswarnungen waren heuer auch in Wien etliche Male notwendig (FOTO: APA/Nina Kornberger)

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Aber dieser Winter hat es besonders in sich. Eigentlich gehöre ich zur Gruppe jener, die sich über jede Jahreszeit freuen können (wer weiß, wie lange wir sie noch haben!). Doch wenn mein Fahrrad länger als ein paar Tage im Schuppen stehen bleiben und ich selbst meinen Hund zum Spazierengehen überreden muss, endet auch meine Kulanz.

Mit dem kalten Wetter kommt verlässlich auch eines: rechte Politiker:innen und Online-Trolle, die sich lustig machen über das, was viele Wissenschaftler:innen als „größte Bedrohung des Jahrhunderts“ bezeichnen. Und Sätze wie „Das soll jetzt der Klimawandel sein?“ posten, inklusive Bildern von Schnee schaufelnden Menschen oder verstaubten Artikeln, die das Ende des Winters prophezeien. Gerald Grosz, ehemaliger FPÖ- und BZÖ-Politiker, fackelt in einem Video sogar einen Christbaum ab, „damit der Klimawandel schneller kommt“ – der Winter „schlage immerhin die Klima-Ideologie“.

So einfach, wie es Demagogen wie Grosz formulieren, ist die Realität natürlich nicht. „Ein kalter Jänner widerspricht nicht dem Fakt, dass der Klimawandel stattfindet“, sagt Klaus Haslinger von der Geosphere Austria (eine Erklärung liefert auch die ÖAW). Natürliche Variationen gebe es im Klimasystem immer – heuer ist diese besonders stark ausgeprägt. Vor allem, weil wir es schon fast nicht mehr gewohnt sind, dass es so kalt ist (er und seine Kolleg:innen haben gerade den kältesten Jänner seit 19 Jahren gemessen). Das menschliche Gehirn arbeitet schließlich nicht mit langen Zeitreihen.

Doch ich habe dem Klimaforscher Haslinger noch eine Frage gestellt: Werden solche Kälteperioden – analog zu Hitzewellen – mit dem fortschreitenden Klimawandel vielleicht sogar häufiger?

Wie immer ist die Sache etwas kompliziert. Und dieser Winter ist besonders: In der Arktis, also am Nordpol, gibt es ein Tiefdrucksystem. Forschende nennen es Polarwirbel. Er ist gekoppelt mit dem Jet Stream, einem Starkstromband in großer Höhe, dessen Winde Wetterlagen von West nach Ost tragen. Ist der Jet Stream stark ausgeprägt, verhindert er, dass arktische Kaltluft weiter gen Süden gelangt. Doch das Band schwächelt, mäandert immer wieder „wie ein Fluss“ (hier eine Grafik dazu). Und so ist diese Kaltluftblase weiter nach Süden gerutscht – eine Erklärung für die eisigen Wetterlagen in den USA und in Europa. So kalt, dass in Florida sogar Leguane von den Bäumen fielen.

„Manche Studien zeigen, dass dieses Mäandern der Wirbel mit dem Klimawandel größer wird“, sagt Haslinger. Einerseits, weil sich die Arktis stärker erwärmt als niedrigere Breiten, aber auch weil die Schneebedeckung in der Nordhemisphäre abnimmt. Es gibt aber noch große Unsicherheiten in diesen Berechnungen, weswegen manche Wissenschafter wie der US-amerikanische Klimaforscher Zeke Hausfather die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Kältewellen auch verneint. „Aber dass sich im Winter etwas verändern wird, ist sicher“, sagt Haslinger.

Übrigens: Die Wetter-App zeigt nächste Woche für Wien Temperaturen über dem Nullpunkt an. Und ist da sogar ein kleines Sonnensymbol, das durch die Wolken lacht?

Bild von Katharina Kropshofer
Ihre Katharina Kropshofer

Heute für Sie auf falter.at:

5000 Tote? 15.000? 30.000? Niemand weiß, wie viele Menschen das iranische Terror-Regime in den vergangenen Tagen und Wochen ermordet hat, um seine Herrschaft zu sichern. Die Mullahs versuchen, ihren Islam mit aller Gewalt durchzusetzen, schreibt unser Kolumnist Ruşen Timur Aksak. Damit erreichen sie aber das Gegenteil: Sie haben ihr Volk erfolgreich und nachhaltig vom religiösen Fundamentalismus kuriert.

Die trauen sich was! Obwohl der Buchmarkt mit einer schweren Krise kämpft, haben zwei in Wien lebende Literatur-Enthusiasten neue Verlage gegründet: Stefanie Jaksch und der Polen-Experte Markus Schnabel. Sebastian Fasthuber hat die beiden Furchtlosen getroffen und beschreibt, was sie eint – ihr Enthusiasmus und das Fehlen überzogener Erwartungen.

Mädchen, die mit Handgranaten hantieren. Burschen, die mit der Kalaschnikow das Schießen lernen. Pädagogen, die zum Kampf gegen die Ukraine aufrufen: All das ist Realität in russischen Schulen. Der Lehrer Pawel Talankin hat die Kriegstreiberei jahrelang dokumentiert, bevor er mit tausenden Stunden Video in den Westen flüchtete, schreibt Lina Paulitsch. Mit Hilfe des Filmemachers David Borenstein ist aus diesem Material die Doku „Ein Nobody gegen Putin“ entstanden: ein ruhiger Film, der unruhig macht.

Anzeige

Anzeigenbild

50 Wiener Pflanzen und ihre Geschichte

Der ideale Guide, um die vielfältige Pflanzenwelt Wiens neu zu entdecken. Mit Blick in die Vergangenheit, Bezügen zur aktuellen Forschung und überraschenden Anwendungstipps eröffnet Birgit Lahner neue Perspektiven auf die Pflanzen, die Wien prägen.

faltershop.at


Aus dem Klima-Falter

Er ist die „goldene Kuh des Klimaschutzes“: Der Flugverkehr ist immerhin für vier Prozent der Emissionen Europas verantwortlich – Tendenz steigend. Vergangenes Jahr trugen die Fluglinien fast fünf Milliarden Passagiere durch die Lüfte. So viele wie noch nie zuvor. Die „Flugscham“, wie sie noch vor ein paar Jahren durch die Bevölkerung kroch, gibt es so wohl nicht mehr. Doch was tun? Meine Kollegin Gerlinde Pölsler hat sich in der dieswöchigen Falter-Ausgabe dieser Frage gewidmet. Und ist auf sehr viel Widerstand gestoßen. Ihren Text lesen Sie hier.


Aus dem tierischen Falter

Was sind eigentlich Aale? Die glibbrigen, wurmigen Wesen beschäftigen Denker:innen schon seit Jahrhunderten. Auch heute sind noch viele Fragen über die Fische offen – etwa wo der Asiatische Aal laicht. Die freie Autorin Verena Ahne hat einen Salzburger Aalforscher besucht, der schon einige Abenteuer für die Tiere bestritten hat. Was sie herausgefunden hat, können Sie hier nachlesen.

Peter Iwaniewicz beschäftigt sich diese Woche indes mit guten Vor-und Nachsätzen – wenn es solche überhaupt gibt.

Anzeige

Anzeigenbild

Bäume im Porträt

Die besten Texte der beliebten Kolumne „Wiener Baumporträts“ des FALTER.morgen-Newsletters sind nun endlich in einem Buch gesammelt. Autor Thomas Roth porträtiert in 50 Wiener Bäume die faszinierende Vielfalt an Baumarten, die Wien prägen – von exotischen Raritäten bis hin zu alten, einheimischen Giganten. Jedes Porträt erzählt auf Geschichten über die Herkunft, ihre Bedeutung für die Stadt und ihre Besonderheiten.

Ergänzt werden die Baumporträts mit einem Glossar und wunderschönen Illustrationen von Silvia Ungersböck.

Erhältlich auf faltershop.at


Nadelöhr

Dass Europa die Energiewende vorantreiben will, ist kein Geheimnis. Doch unklar ist, woher sie die Rohstoffe dafür nehmen will. Denn der EU-Rechnungshof prophezeit in einem neuen Bericht einen Engpass bei seltenen Erden wie Lithium. Eigentlich wollen die europäischen Staaten bis ins Jahr 2030 rund 42 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen, doch für die Technologien braucht es 26 kritische Rohstoffe. Die EU will die heimische Produktion auf mindestens zehn Prozent und das Recycling auf mindestens 25 Prozent steigern. Doch bei zehn von 26 kritischen Rohstoffen besteht eine vollständige Abhängigkeit von Importen, schreibt der Rechnungshof. Zehn der Stoffe werden überhaupt nicht recycelt.


Land der Jäger

Der Tiroler Landtag hat vergangenen Mittwoch eine Novelle des Jagdgesetzes beschlossen. Nun dürfen Wölfe leichter abgeschossen werden können – und zwar ohne Verordnung. Die Angst vor dem Beutegreifer ist groß. Die Handhabe der Politik klein, wie wir zuletzt hier aufgeschrieben haben. Denn die Frage bleibt: Bringt es überhaupt etwas, die Tiere einfach abzuschießen? Die meisten Expert:innen bezweifeln das nämlich.


Good News

Ich will Sie aber auch mit ein paar guten Nachrichten entlassen. Beziehungsweise mit ein paar Empfehlungen:

In einem sechsstündigen Podcast hat das schwedische Radio etwa 70 Forschenden, Künstler:innen, Jungen und Alten dieselbe Frage gestellt: „What question do you have in your mind and carry with you about the climate crisis?“ Sie können das Opus Magnum hier nachhören.

Und für Vogelfans gibt es gleich genug Beschäftigung für das ganze Wochenende: Das Cornell Lab hat nämlich alle Vögel und ihre Verwandtschaftsverhältnisse neu geordnet. Schmökern können Sie hier.


Wie fanden Sie diese Ausgabe?
Nur durch Ihr Feedback können wir unseren Newsletter verbessern.

Sehr gut | Gut | Weniger gut | Schlecht

FALTER.natur Logo
Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: abo.falter.at
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.
Unser FALTER.natur-Archiv finden Sie auf falter.at/natur.
Sie wollen in unserem Newsletter Werbung schalten? Alle Informationen finden Sie hier.
Teilen via FacebookTeilen via BlueskyTeilen via E-MailTeilen via WhatsApp
Sie sind bei unserem Newsletter mit folgender E-Mail-Adresse eingetragen: gkowar@posteo.de

Profil und Newsletter-Abos verwalten

Von allen Newslettern abmelden

Medieninhaber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H., Marc-Aurel-Str. 9, 1011 Wien
FB: 123082d HG Wien
Impressum/Offenlegung
Datenschutz