Weihnachten in der Stadt vs. Weihnachten am Land: Unsere Autorinnen erzählen >> Sechs Tipps für die Feiertage >> Insekten in der Stadt: Der Siebenpunkt-Marienkäfer >> Frau Andreas WeihnachtswünscheWetterkritik: Heute übernimmt der Regen nach und nach das Ruder, maximal fünf Grad sollen es werden. Aber – wer hätte damit gerechnet? – morgen soll es tatsächlich schneien! Weiße Weihnachten in Wien? Gar nicht so unwahrscheinlich.
Guten Morgen! Soraya Pechtl und ich sind uns bei vielem einig, ja, manchmal tragen wir sogar unabsichtlich ähnliche Outfits. Darin, wie wir Weihnachten verbringen, unterscheiden wir uns allerdings stark. Sie ist in Tirol-Imst aufgewachsen, ich in Wien-Simmering. Während sie also kurz vor der Bescherung in Richtung Westen fährt, teile ich mir die Stadt in den nächsten Tagen mit Daheimgebliebenen und Touristen. Es folgt: eine Gegenüberstellung. Außerdem hat Soraya Pechtl sechs Tipps für entspannte Feiertage für Sie. Dominique Zimmermann porträtiert den Marienkäfer und beendet damit die Insektenserie. Wir bedanken uns vielmals für die wunderbaren Texte! Und Frau Andrea erzählt Ihnen von ihren Weihnachtswünschen. Damit verabschieden wir uns in ein paar freie Tage. Am 2. und 5. Jänner melden wir uns mit einem reduzierten Newsletter zurück und ab 7. Jänner sind wir in alter Frische wieder da. Schöne Feiertage wünscht Viktoria Klimpfinger
Heute für Sie auf falter.at:Diese drei Texte haben vergangene Woche auf unserer Website die meisten Leserinnen und Leser interessiert: „Zugegeben, die Angst vor hämischen Reaktionen war immer da“, schreibt Armin Thurnher – und meint damit seine Gedichte, die er im Band „Sieben Flüsse“ veröffentlicht hat. Die Sorge war, wie die Rezensionen darüber zeigen, unbegründet. Nicht nur, aber auch deshalb beginnt der Falter-Herausgeber seine Seuchenkolumne vom Montag vergangener Woche mit dem schönen Satz: „Sie dürfen sich mich als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ Schulen, an denen die Kinder nicht mehr singen wollen, weil es „haram“, also verboten ist; muslimische Schüler, die prüfen, ob die Jausen der anderen Kinder „halal“, also erlaubt sind; religiöses Mobbing: all gibt es in Wien (auch wenn es nicht die Regel ist), wie Lehrerinnen und Lehrer berichten. Das hat Soraya Pechtl bei einem spannenden Workshop erfahren, der vom Muslimische Forum des streitbaren Theologen Mouhanad Khorchide veranstaltet wurde. Jürgen Klatzer und Matthias Winterer sind am Fall SOS Kinderdorf drangeblieben und bei auf verstörende Informationen über den pädophilen Großspender gestoßen, den die Kinderschutzorganisation jahrzehntelang hofierte: Der Mann trieb nicht nur in Kinderdörfern sein Unwesen – er tauchte auch bei anderen Jugendeinrichtungen auf. Zum Beispiel bei den Wiener Sängerknaben.
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Anzeige | | Multitalent Anna Mabo zu Gast im Wiener Konzerthaus Eine Reise durch alles, was das Leben so zu bieten hat: Multitalent Anna Mabo schafft es in ihren Liedern, kleine Alltagsdramen zu spinnen, die erheiternd und intelligent zugleich sind. Als Portraitkünstlerin zeigt sich die Singer-Songwriterin und Regisseurin im Wiener Konzerthaus von unterschiedlichsten Seiten, am 13. Jänner z.B mit Clemens Sainitzer, Alexander Yannilos und dem inn.wien ensemble. Weitere Konzerte folgen im Frühjahr am 6. März und am 20. April – jetzt Tickets für Anna Mabo sichern – z.B als Last-Minute-Geschenk? |
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Weihnachtliches Stadt-Land-GefälleEine von uns feiert in Tirol, die andere in Wien. Wie unterschiedlich Weihnachten in Österreich abläuft, je nachdem, ob man in der Stadt oder auf dem Land aufgewachsen ist: Weihnachten in der Stadt: |
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Sind erst einmal alle in die jeweilige Bundesländer-Heimat zurückgekehrt, ist Wien einigermaßen leer. Zumindest war das in meiner Kindheit so, als mein Großvater mit mir den Weihnachtsmarkt am Rathausplatz unsicher machte, damit „das Christkind” in Ruhe einbrechen konnte. Heute sieht mich die Innenstadt ab dem 23. Dezember nur mehr als Staubwolke am Horizont. Am Vormittag des 24. sitze ich in meiner Wohnung auf dem Boden, um mich herum türmt sich Geschenkpapier, an meinen Fingern pickt Tixo. Im Fernsehen läuft – Traditionalisten werden sich die Augen gleich mit Weihwasser waschen – „Der Grinch” oder die zuckersüße Zeichentrickserie „Weihnachtsmann & Co. KG”. Ein bisserl Kind bin ich eben immer noch. |
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Sind die Packerln eingepackt, führe ich den Hund zu unserem traditionellen Weihnachtsspaziergang bei frühlingshaften Temperaturen aus – in die Hundezone am Laaerberg, mit herrlichem Blick über das Industriegebiet im Südosten Wiens. Zumindest kann man es im Nebel erahnen. Gegen 17 Uhr geht es mit Sack und Pack zu meinem Elternhaus, das ist nur ein paar Busstationen entfernt. Wir feiern zu viert – Schwester, Mutter, Großmutter –, von der Kernfamilie sind nur mehr die Frauen übrig. Die Großmutter, ein Wiener Urgestein, will uns Jahr für Jahr den traditionellen gebackenen Karpfen einreden, Jahr für Jahr isst sie ihn dann aus Protest schon zu Mittag. Denn seit ich denken kann, gibt es um 18 Uhr kalte Platte: Lachs, gefüllte Eier, Schinken, Käse, man kennt’s. Im Wohnzimmer klingelt es, das lässt sich „das Christkind” immer noch nicht nehmen. Die Oma stimmt „Es wird scho glei dumpa” an, „Stille Nacht” kommt am Schluss und dazwischen rempeln die beiden Hunde der Familie fast die Krippe um, die meine Mutter mit ihren eigenen Händen gebaut hat. Um spätestens 22 Uhr macht sie sich bereit für die Weihnachtsmette. Früher bin ich mitgegangen, aber seit ich den Pfadfindern ihre Feuerzangenbowle abgeschwatzt habe und damit ins Arena Beisl ausgebüchst bin, ist ihr das komischerweise nicht mehr so wichtig. Die Wege trennen sich also, nur um ein paar Stunden später wieder an einem Esstisch zusammenzuführen – diesmal bei der Großmutter. Die lässt sich die Weihnachtsgans nämlich auch mit 88 Jahren nicht aus den Händen nehmen. Genauso wie das Beef Wellington am Stefanitag. Oh, du sättigende!
Weihnachten am Land: |
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Weihnachten gleicht bei meiner Familie in Tirol eher einem Fress- und Trink-Marathon als einem gemächlichen Spaziergang. Der Stress beginnt am 23. Dezember. Normalerweise fahren ich und alle anderen 62.000 Einwohner des Bezirks Imst an diesem Tag zu dem einen großen Hyper-Supermarkt in der Stadt (es gibt noch zahlreiche andere Lebensmittelgeschäfte, aber die haben keine Bügelbretter, Holzkohlegrills und was sich eventuell sonst noch als Verlegenheitsgeschenk eignen könnte). Am Tag vor Heiligabend herrschen keine Regeln im Lebensmitteleinzelhandel. Die gebrechliche Oma mutiert zum Hulk und reißt einem das letzte Stück Lachsfilet aus den Händen. Die notorischen Zweite-Kassa-Rufer werden zu aggressiven Dränglern mit riskanten Überholmanövern. Und wer beim Fleischer (eigentlich heißt das in Tirol Metzger, aber ich verzichte auf die wütenden Leser-Mails aus Wien) sein Filet nicht vorbestellt hat, muss an Heiligabend sowieso Fasten. Heuer erspare ich mir dieses Gerangel, weil ich am 23. noch in Wien bin. Entschuldige Mama (sie muss die Einkäufe erledigen)! Am 24.12 fällt der Startschuss für den Marathon, abends feiern wir mit Raclette im engsten Familienkreis. Am 25.12 geht es weiter zu meiner Schwester – sie serviert Käsefondue. Am 26.12 lädt meine Oma väterlicherseits uns und rund 30 andere Verwandte zum Mittagessen ins Wirtshaus ein. Am Nachmittag gibt’s Kaffee bei Oma, am Abend Marend (kalte Platte) bei meiner Tante. Und dazu Wein, Bier oder was auch immer – hauptsache alkoholisch. Als mein Freund voriges Jahr ein Bier ausschlug, weil er mit dem Auto unterwegs war, erntete er ein Augenrollen von meinem Schwager, der ihm im nächsten Moment eine Flasche in die Hand drückte (keine Sorge, er hat sie nicht getrunken). Am 27.12 rolle ich mich dann leicht verkatert, aufgebläht und müde aus dem Bett. Entspannen? Fehlanzeige. Am letzten Tag des Marathons ist nochmals voller Einsatz gefragt. Die Brüder meiner Mutter kommen zum Mittagessen, ich bereite das dreigängige Menü zu. Wenn der Hauptgang serviert und das Dessert im Ofen ist, schenke ich mir einen Schluck alkoholfreien Wein ein (nach Tag vier ist das die größte Erleichterung). Ab jetzt beginnt der entspannte Teil der Feiertage. |
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Scheuba fragt nach | … bei Robert Palfrader – Folge #127 | | Florian Scheuba berichtet in dieser Folge über ein Weihnachtswunder der Korruptionsbekämpfung, Opfer „aggressiver Zahlungen“ und Donald Trumps Bekenntnis zu seiner rektalen Identität. Mit seinem Freund und Kollegen Robert Palfrader spricht er über Atheismus, radikale Unbefangenheit und Männer in Hühnekostümen. |
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Stadtnachrichten | Vorige Woche haben Ermittler eine Bande Jugendlicher auf frischer Tat ertappt, als sie in Sollenau im Bezirk Wiener Neustadt in einen PKW einbrechen wollten. Seit November ermittelt das Landeskriminalamt Niederösterreich gegen die sechs Verdächtigen im Alter von 11 bis 14 Jahren. Sie sollen eine Reihe von Delikten begangen haben, darunter Fahrzeugdiebstähle, Einbrüche in und Sachbeschädigungen an Autos. Die Polizei sprach am Montag von einem Schaden von mindestens 20.000 Euro. Die Verdächtigen wohnen offenbar in Wien, teils in Krisenzentren, und sind Staatsbürger aus Rumänien, Polen, den Niederlanden, Österreich und Belarus, teilte die Polizei in einer Aussendung mit. Ein 14-Jähriger war großteils geständig und wurde in die Justizanstalt Wien-Josefstadt eingeliefert. Die Unmündigen wurden in die Krisenzentren oder zu ihren Erziehungsberechtigten gebracht.
In der Nacht auf Montag brannte eine Wohnung in der Angeligasse im 10. Bezirk. Die Feuerwehr hat mehrere Bewohner gerettet, vier von ihnen wurden über Drehleitern geborgen. In der Brandwohnung standen mehrere Räumen in Flammen – die Bewohner flüchteten sich zu ihren Nachbarn. Durch die offen gelassene Wohnungstür drang der Rauch ins Stiegenhaus und in die Nachbarwohnung. Um 23:20 Uhr wurden die Einsatzkräfte alarmiert. Die Feuerwehr rückte mit acht Fahrzeugen aus, der Einsatz lief bis 2 Uhr Früh. Ins Krankenhaus musste niemand gebracht werden.
Der Ärztefunkdienst wappnet sich für die Feiertage. Als Vertretung der Hausärztinnen und -ärzte übernimmt er die medizinische Versorgung. Der Ärztefunkdienst rechnet heuer mit 1.300 telefonischen Anfragen, wobei etwa 60 Prozent davon übers Telefon versorgt werden können. Erreichbar ist er unter der Telefonnummer 141, an Werktagen ist er von 19 bis 7 Uhr und an Wochenenden, Feiertagen und am 24. und 31. Dezember rund um die Uhr im Einsatz. Bei Notfällen mit Lebensgefahr, plötzlich auftretender Atemnot und akuten Schmerzen im Brustbereich ist die Rettung unter 144 zuständig. |
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Ratgeber | | Schlemmen, schlafen, schauenWir haben sechs Tipps, wie Ihre Feiertage möglichst entspannt bleiben. Die Weihnachtsfeiertage sind nicht für alle gleichermaßen entspannt (siehe oben). Wir haben aber ein paar Tipps, wie Sie das Beste daraus machen: | | Wir verkriechen uns auf der Couch. (© Bild von ambermb auf Pixabay) | Schlemmen: Draußen schneit es (in Wien stellen wir uns den Schnee eher vor), es ist kalt und zu Hause gibt es Kekse von der Oma, übrig gebliebene Schokolade vom Nikolaus und massenhaft anderes Essen. Genießen Sie es! Der Jänner mit seinen Vorsätzen kommt früh genug. Falls Sie selbst an den Herd müssen: Versuchen Sie, sich nicht zu sehr zu stressen. Niemand wird sich im nächsten Jahr daran erinnern, wenn der Braten ein bisschen zu durch oder das Erdäpfelpüree ein bisschen zu fest ist. Schlafen: Mit vollem Bauch und leerem Terminkalender lässt es sich auch abseits der Nachtstunden gut dösen. Oder wann haben Sie zuletzt ein Mittagsschläfchen gemacht? Lesen: Die Zeit zwischen den Jahren ist perfekt, um ohne schlechtes Gewissen stundenlang auf der Couch zu liegen und Romane zu lesen: Wir empfehlen Vea Kaisers neuestes Buch „Fabula Rasa“ (hier geht's zu einem Video-Interview von Petra Hartlieb mit Kaiser), wer’s lieber kürzer mag, dem sei „Gym“ von Verena Keßler ans Herz gelegt – positiver Nebeneffekt: bei der Lektüre vergeht einem gleich das schlechte Gewissen, weil man das Fitnessstudio schwänzt (noch mehr Buchtipps gibt's ab Mittwoch im Falter). Serien-Marathon: Wer die Bücher lieber zugeklappt lässt, binge-watched die neue Staffel „Emily in Paris“ oder (warum eigentlich nicht: und?) schaut sich die Weihnachts-Rom-Com „Champagne Problems“ an. Dabei müssen Sie garantiert nicht nachdenken! Politische Gespräche vermeiden: Wenn der Onkel anfängt, über Ausländer zu schimpfen, ist es für den Familienfrieden oft ratsam, nicht auf eine Diskussion einzusteigen (mehr Survival-Tipps haben wir im Vorjahr hier aufgeschrieben). Spaziergänge: Wenn Sie Ihren Popsch nicht mehr spüren vom ganzen Herumliegen auf der Couch, sollten Sie sich vielleicht doch zu einer kleinen Runde aufraffen. Wir empfehlen: Spaziergänge rund ums Schloss Belvedere, im Stadtpark und auf den Steinhofgründen.
Für alle, die Weihnachten nicht bei ihren Familien verbringen und nicht alleine feiern wollen, gibt es in Wien zahlreiche Angebote. Zum Beispiel lädt die Dompfarre St. Stephan armutsbetroffene Menschen am 24. Dezember ab 17 Uhr zu einem Festmahl (Stephansplatz 3). Bei der Gesprächsinsel (Freyung 6a) können Menschen am 24. Dezember von 11 bis 14 Uhr ihre Sorgen teilen. Die Telefonseelsorge 142 ist rund um die Uhr erreichbar. Weitere Angebote hat der ORF hier zusammengetragen. |
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Falter Radio an den Feiertagen | ab sofort online Kann man im 21. Jahrhundert noch an Gott glauben? – #1540 | | Die Frage klingt banal, weil Milliarden Menschen gläubig sind und sich bekanntlich oft in den Haaren liegen, wer der richtige Gott ist. Der deutsche Journalist Tobias Haberl ist bekennender Katholik und hat ein sehr persönliches Buch über seine Beziehung zu Gott und zur Kirche geschrieben. Beim Humanities Festival des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) spricht er mit ORF-Journalistin Susanne Krischke darüber. Die Folge hören Sie hier.
online ab Samstag Österreich 1945: Neubeginn der Demokratie – #1541In Salzburg stellten die USA nach dem Sieg über Hitlerdeutschland die Besatzungsmacht. Die Kulturpolitik war den amerikanischen Befreiern im Westen Österreichs deutlich weniger wichtig, als den Sowjets in Wien. Wie der Umbruch schließlich doch passierte und was bis heute nachwirkt, diskutierten im Rahmen der Salzburger Festspiele bei einem Symposium besprochen eine prominente Runde mit Mavie Hörbiger, Helga Rabl-Stadler, Oliver Rathkolb, Ilija Trojanow, Danielle Spera und Aleida Assmann moderiert von Hannelore Veith. Die Folge hören Sie hier.
online ab Sonntag Österreich 1955: Die Wurzeln der Zweiten Republik – #154280 Jahre nach der Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus und dem Wiederaufbau der Salzburger Festspiele in der Zweiten Republik befindet sich die Welt auch heute in einem krisenhaften Umbruch und steuert auf eine geopolitische Neuordnung zu. Im Gespräch mit Oliver Rathkolb blickt Heinz Fischer auf die Anfänge der Ersten Republik zurück, beim Symposium der Salzburger Festspiele 2025, Teil 2.
online ab Montag Die Salzburger Festspiele und Österreichs Identität – #1543 | | Die Vorstellung von Österreich als Kulturnation entstand in Abgrenzung zu Deutschland und Deutschtum. Was war die Idee 1955 wert und was gilt sie heute? Darüber diskutieren die Schriftstellerin Maja Haderlap, Bundespräsident a.D. Heinz Fischer, der Historiker Oliver Rathkolb, der Bankmanager Andreas Treichl, die Kulturmanagerin Kathrin Zechner, moderiert von Tarek Leitner, beim Symposium der Salzburger Festspiele 2025, Teil 3. Hier zum Nachhören. |
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Insekten in der Stadt #47 | Der Siebenpunkt-Marienkäfer – ein Glückssymbol mit langer GeschichteDas Jahr neigt sich dem Ende zu – und mit ihm auch diese Kolumne. Zum Abschluss also eine Art, die wie kaum eine andere für Glück steht: der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata). Doch warum soll uns ausgerechnet ein Marienkäfer Glück bringen? Die Antwort liegt tatsächlich in seiner Biologie. Schon früh erkannten Bäuerinnen und Bauern, dass Marienkäfer wertvolle Helfer sind. Sie fressen große Mengen an Blattläusen und Spinnmilben, also genau jene Tiere, die Kulturpflanzen schädigen. Der Legende nach baten Menschen in Zeiten starker Plagen die Jungfrau Maria um Hilfe und deuteten das vermehrte Auftreten der Käfer als göttliches Zeichen. So entstand der Name Marienkäfer. Und weil die Zahl sieben seit jeher als Glückszahl gilt, wurde unter all den Marienkäfer-Arten – über 70 sind es allein in Österreich – der Siebenpunkt-Marienkäfer zum Glückssymbol auserkoren. | | Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist leicht an den sieben Punkten erkennbar – er gilt gemeinhin als Glückssymbol. (© Dominique Zimmermann) | Doch auch Glücksbringer haben es nicht immer leicht. In den 1980er- und 1990er-Jahren verglich man die Gefräßigkeit verschiedener Marienkäferarten und stellte fest, dass der Asiatische Marienkäfer noch mehr Blattläuse vertilgt. Er wurde deshalb gezielt im biologischen Pflanzenschutz eingesetzt – mit weitreichenden Folgen. Denn diese gebietsfremde Art bringt eine mächtige biologische Waffe mit: Mikrosporidien, also parasitische Pilze. Der asiatische Marienkäfer ist durch den körpereigenen Wirkstoff Harmonin immun gegen sie, für andere Marienkäfer sind sie jedoch tödlich. Und wenn sich Marienkäfer-Larven gegenseitig fressen – was sie häufig tun –, geht das immer zum Nachteil heimischer Arten aus. Ganz chancenlos ist der Siebenpunkt-Marienkäfer dennoch nicht. Er kommt mit Kälteeinbrüchen im Frühjahr besser zurecht als sein asiatischer Konkurrent. Marienkäfer überwintern als erwachsene Tiere in Hohlräumen, Böschungen, Laub- oder Reisighaufen und bilden dabei oft große Ansammlungen. Der Asiatische Marienkäfer ist im Frühjahr zwar früher aktiv, späte Fröste können seine Populationen jedoch stark dezimieren. Wer Marienkäfern helfen möchte, braucht keine perfekt gepflegte Fläche. Im Gegenteil: Ein Laubhaufen an einem geschützten Ort, der den Winter über liegen bleibt; ein paar Blüten, die den adulten Tieren als zusätzliche Nahrung dienen und etwas Toleranz gegenüber Blattläusen reichen oft schon. Denn ganz ohne Läuse gibt es auch keine Marienkäfer. Damit wünsche ich Ihnen schöne Feiertage und ein glückliches Neues Jahr! P.S: Falls Ihnen die Geschichten dieser Kolumne gefallen haben: Am 10. Februar erscheint „50 Wiener Insekten“ im Falter Verlag. Und schon jetzt können Sie sich zur Buchpräsentation am 17. Februar im Wien Museum anmelden. Ich freue mich! |
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Frage des Tages | Was war Georg Danzers erster und einziger Nummer-eins-Hit?1. Die Single „Jö schau“ 2. Das Lied „Ruaf mi ned au“ 3. Die Nummer „Hupf in Gatsch“ Auflösung von gestern: Die Wiener Schneekugel-Manufaktur in Hernals ist die älteste der Welt. 300 000 Kugeln werden dort jährlich produziert (nicht 70 000 oder 100 000 Schneekugeln). |
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Events des Tages | | AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER |
| Mode & DesignFrüher betrieb die Unternehmerin Sophie Pollak in der Neubaugasse ihr Modegeschäft We Bandits, wo sie vor allem Kreationen ihres eigenen Labels und Bekleidung aus Südkorea führte. Dann kam die Pandemie und sie konnte nicht mehr zweimal im Jahr nach Seoul fliegen, um in den Showrooms einzukaufen. Schlussendlich musste sie das Geschäft aufgeben. Pollak ist aber ein Stehaufmännchen: Bis Ende Jänner veranstaltet sie in der Lindengasse den temporären Laden We Bandits Korean-Pop-up, wo es nun wieder hippe Faltenröcke, Lederhosen, Jeans und Strickjacken zu kaufen gibt. (Nathalie Großschädl) Lindengasse 20, 11.00 bis 19.00 (bis 31.1.)
MusikRaunzen, aber mit Stil: Der vom Künstler Oliver Hangl initiierte und von ihm gemeinsam mit Stefan Foidl geleitete Wiener Beschwedechor bietet Stadtbenutzerinnen und Stadtbenutzern einen ungewöhnlichen Rahmen, ihren Ärger in Musik zu übersetzen. Die Lieder sind für gewöhnlich kontext- und ortsbezogen, das stilistische Repertoire reicht von Wienerlied und Walzer über unterschiedliche Popspielarten bis zur zeitgenössischen E-Musik. Heute wird draußen in Liesing geraunzt, das Konzert bildet den Abschluss des Musikalischen Adventkalender 2025. F23, 19.30 |
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Buchtipp | Niko Stoifberg: Abglanz Selin ist unglücklich mit ihrem Partner Timm, der als Chefredakteur jedem Lifestyle-Trend nachjagt. Sie möchte dennoch ein Kind mit ihm - und außerdem will sie von ihrer Kunst leben. Tatsächlich jobbt sie als Grafikerin in einer Werbeagentur. Ihren Frust sprudelt sie, im Auftrag ihrer Therapeutin, in Form zynischer Sprachaufnahmen an ein unbestimmtes Du in ihr Handy. Die Wende bringt im zweiten Roman von Niko Stoifberg ein Identitätsdiebstahl, der an die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" erinnert. Selin kupfert die Idee einer Künstlerkollegin ab und malt unter deren Namen tibetische Götter mit Karikaturen von Breivik, Lindgren, Hitler und Jesus. Durch das Lob eines Kunsthistorikers und Insta-Fame blüht sie auf. Bis das Lügenkonstrukt zu wackeln beginnt. Ein gelungener Roman am Puls der Zeit. (Juliane Fischer) Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at |
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Fragen Sie Frau Andrea | | Comandantinas WeihnachtswünscheLiebe Fragende! Liebe Antwortsuchende! Das Wetter war sus, die Leute cringe, die Punsche schal. Innenpolitisch dominierte Blödestes, weltlagemäßig Bösestes. Idole wurden zur Kenntlichkeit entstellt, Heldinnen taumelten, nur die Schlimmwichte surften im Oberwasser. Weihnachtlich wähnten sich Wandernde wie Weilende, Wappler wie Wissende. Die Wohnungen blieben warm, wenn auch nur für Wohlhabende. Wird es wonniglicher? Wohlan! Unser Wandelstern willkürt seinen Wechselschwung am Wendepunkt des Winterwegs. Ab morgen werden die Tage wieder länger. Das Licht kommt zurück! Die Zirbeldrüse jubiliert und stellt sich auf das ferne Kommen des Frühlings ein. | | In den Gängen des Salzamts duftet es nach nach Weihrauch, Myrrhe und den goldenen Äthern in Dalwhinnies Highland Single Malt (© Bild von Felix Wolf auf Pixabay) | Zeit für Tradition. Seit nunmehr 24 Jahren beantwortet die Comandantina Fragen der Falter-Leserschaft. Bis auf die Nummer am Ende des Jahres, da fordert sie Unerhörtes. Auch diesmal ergeht die Liste mit den Wünschen an ein Institut von bestem Ruf: das Salzamt! In seinen Gängen duftet es nach Creeds Millésime Impérial, nach den süßen Schwaden frisch oxidierter Partagás, nach Weihrauch, Myrrhe und den goldenen Äthern in Dalwhinnies Highland Single Malt. Unsere Freunde von der Wunscherfüllung tagen in Eintracht: Angesäuselt die gekrönte Teenagerin im Engelskleid: das Christkind! Ihr zur Seite der gemütliche Boomer im roten Wams, Joulupukki, Sinterklaas, der Weihnachtsmann! In knisternder Hochlaune der elegante Herr in Possanners double breasted blue pinstripe suit. Genagelt sind seine Double Monkstraps, Eau-de-Toilette-betäubt seine Schläfen, handgemachtes Konfetti staubt von seinen Epauletten. Es ist der Cavaliere Corrado di Molinalibera, Kennern dieser Kolumne als die Jahresendperson bekannt. Liebes Christkind, lieber Weihnachtsmann, carissimo signore di fine anno! Dies wünsche ich mir: 1. Die Wiedereinführung der Zukunft. 2. Die Wiederkehr der Visionen. 3. Die Solidarität mit Vulnerablen. 4. Die Umverteilung von oben nach unten und 5. von deppert nach gscheit. 6. Die Trennung von Kirche und Staat, Religion und Individuum. 7. Die Trennung von Staat und Bosheit. 8. Ein Musikgedudelverbot in Gaststätten und Geschäften. 9. Die Einführung von 24-Stunden-Delis nach New Yorker Vorbild. 10. Die Fortführung des „Unendlichen Panoramas“ in einer Stadtzeitung von Welt. Soeben ist das neue Buch von Andrea Maria Dusl „Die Wiener Seele" im Falter Verlag erschienen. Darin beantwortet sie 100 Fragen rund um österreichische Begriffe, Redewendungen und Eigenheiten – gesammelt von Leser:innen der Wiener Wochenzeitung FALTER. Sie erreichen Frau Andrea unter dusl@falter.at |
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