⛰Es ist schwierig, bei diesem Anblick nicht gerührt zu sein: „You don’t see borders, you don’t see religious lines, you don’t see political boundaries. All you see is Earth, and you see that we are way more alike than we are different“, sagte Christina Koch, eine der vier Astronaut:innen der Artemis II-Mission über den Blick, der sich ihr diese Woche auf dem Weg zum Mond offenbarte: Keine Grenzen, keine Religionen, k…
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Guten Tag,
(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Blick von der Mondoberfläche auf die teilweise sichtbare Erde vor schwarzem Weltraumhintergrund.
Wolken über Australien und Ozeanien, Foto aufgenommen am 6. April 2026 (Foto: NASA)

Es ist schwierig, bei diesem Anblick nicht gerührt zu sein: „You don’t see borders, you don’t see religious lines, you don’t see political boundaries. All you see is Earth, and you see that we are way more alike than we are different“, sagte Christina Koch, eine der vier Astronaut:innen der Artemis II-Mission über den Blick, der sich ihr diese Woche auf dem Weg zum Mond offenbarte: Keine Grenzen, keine Religionen, keine politischen Differenzen. Nur der Blick auf diesen Planeten, der uns vereint – und das von einem Fleck aus betrachtet, so weit weg entfernt von der Erde, wie noch kein Mensch vor ihr. 406.778 Kilometer entfernt, um genau zu sein.

Ich bin keine Astronautin und habe keine Ambitionen, selbst ins All zu reisen. Aber ich kann mir vorstellen, wie es sich anfühlen muss, einen Planeten zu betrachten, der gleichzeitig so viel Schönheit und so viel Verletzlichkeit vereint. Das Wunder des Lebens und die damit verbundene Vergänglichkeit. Und das in einer Woche, die wohl das beste und schlechteste der Menschheit in kürzester Zeit komprimiert hat. Jedes Foto, das ich von der Mission zu sehen bekam, brachte diesen Mix an Gefühlen: Staunen über den Mut und das über Generationen aufgebaute Wissen jener, die sich auf solche Missionen begeben. Und Verzweiflung über die Kriege, die andere Artgenossen währenddessen auf ihrem Heimatplaneten anzetteln. Bewunderung für den Erfindergeist der Menschen, ihre Neugierde und ihre unnachgiebige Suche nach Lösungen. Und Sorge über die Grenzen unserer Fähigkeiten, Psychologie und Größenwahn, die uns unsere Heimat immer schneller zerstören lassen.

In der US-amerikanischen Zeitschrift The Atlantic schreibt der Journalist Charlie Warzel, er habe sich diese Fotos wie das meiste auf seinem kleinen Handy-Bildschirm angeschaut. Kurz vor und nach den Nachrichten über irgendein Golfturnier, steigende oder fallende Ölpreise und die Drohung seines Präsidenten, eine „ganze Zivilisation ausrotten zu wollen“. Ich selbst bin am Montag stundenlang wach gelegen, hin und hergerissen, ob ich mein Handy anschalten und am Ende von Trumps „Ultimatum“ gegenüber dem Iran überprüfen soll, ob wahnsinnige Männer mit zu viel Macht den Dritten Weltkrieg gestartet haben; oder ob ich doch lieber meine Meditations-App öffnen und mich zurück in den Schlaf zwingen soll.

Klimawandel, Krieg, Pandemie, Tech-Konzerne, die sich der Gefahr von KI bewusst sind und trotzdem, ja, wissentlich weiter unreguliert an ihren Maschinen arbeiten – kein Wunder, dass es sich so anfühlt, als würden wir in der wohl absolut komischsten und schlimmsten Ära aller Zeiten leben (oder haben sich das bisher noch alle Menschen jeder Generation gedacht?).

Trotzdem glaube ich, dass es zwei Sorten an Menschen gibt: Die einen, die sich die fernen Fotos der Erde ansehen und Panik bekommen ob der Unbedeutsamkeit des eigenen Seins (und noch dazu als Teil einer Spezies, die nicht mal so besonders ist – oder haben sie schon einmal einem Oktopus beim Träumen zugesehen?). Da ist es wenig verwunderlich, dass manche diese Wahrheit durch Größenwahn oder Machtfantasien kompensieren wollen. Und dann gibt es jene, die diese unglaubliche Weite und Komplexität des Universums beruhigt. Die stattdessen über die Milliarden und Milliarden an Zufällen staunen, die erst zum eigenen Leben geführt haben.

In Wochen wie diesen bemühe ich mich, Teil dieser zweiten Gruppe zu sein. Und mich darin zu üben, auch die schönen Seiten der Menschheit zu sehen: Die Wahl der Terrakottafarben, die das Licht in der italienischen Stadt, die ich gerade bereist habe, besonders warm auffangen. Die blühenden Obstbäume gesetzt zwischen Weinstöcken, die den hunderten Schmetterlingen und (Wild-)Bienen Futter geben und nebenbei eine jahrtausendealte Symbiose symbolisieren. Die Menschen, die trotz aller Skepsis ihrer Kolleg:innen weiter an noch unbekannten Fragen forschten – wie die Botanikerin Monica Gagliano, über die ich gerade lese. Sie fand heraus, dass die kleine Pflanze Mimosa Pudica sich an Sachen erinnern kann – ohne Hirn oder Hirn-ähnliche Strukturen.

Vielleicht klingt all das in einer geopolitisch katastrophalen Woche wie dieser nach Kitsch. Aber ich möchte gerne glauben, was die Astronautin Christina Koch noch zur Nasa gesagt hat: „We will explore. We will build. We will build ships. We will visit again. We will construct science outposts. We will drive rovers. We will do radio astronomy. We will found companies. We will bolster industry. We will inspire. But ultimately, we will always choose Earth. We will always choose each other.“

Der erste Schritt? Ein wenig Demut. Sprich der Gedanke, dass wir Menschen auf diesem Planeten nicht mehr Relevanz haben als Amöben, Dungkäfer, Flechten oder Pinguine. Und der nächste Schritt? Sich darüber zu freuen, dass wir einer Spezies angehören, die die Möglichkeit hat, all diese anderen Lebensformen zu erkunden und zu beobachten – sogar jenseits des eigenen Planeten.

Bild von Katharina Kropshofer
Ihre Katharina Kropshofer

Heute für Sie auf falter.at:

Falls Sie noch nicht zum Stammpublikum der Falter-Podcasts zählen, haben wir heute drei Hörtipps aus unserem aktuellen Angebot für Sie:

Am Mittwoch war Karl Nehammer  – ehemaliger ÖVP-Bundeskanzler, jetzt Vizepräsident im Direktorium der Europäischen Investitionsbank – bei uns im Studio: „Haben Sie Angst, dass alles eskaliert?“, haben ihn Florian Klenk und FALTER Radio-Host Raimund Löw angesichts der chaotischen Weltlage gefragt. Und daraus hat sich ein spannendes Gespräch über den Iran, die Ukraine, Ungarn, die USA und die liberale Demokratie entsponnen.

Keine 48 Stunden mehr, bis in Ungarn eine Wahl beginnt, die zurecht als schicksalsträchtig eingestuft wird: Immerhin kann es sein, dass der Rechtspopulist, EU-Feind und Russland-Amigo Viktor Orbán („Endlich!“, würde der Großteil Europas wohl sagen) abgewählt wird. Das würde den Einfluss der autoritären Nationalisten in Europa schlagartig reduzieren. Darüber debattieren die Journalistinnen und Ungarn-Kenner Márton Gergely (HVG, Budapest), Cathrin Kahlweit (München), Nina Horaczek und Lina Paulitsch im Podcast bei Raimund Löw.

Und jetzt zu einer Podcast-Folge, die Sie heute noch nicht hören können, sondern erst morgen früh: Tessa Szyszkowitz im Gespräch mit dem Comedian, Autor, Schriftsteller und Schauspieler Stephen Fry, der Ihnen sicher aus dem einen oder anderen Film oder Buch (großartig: der Roman „Geschichte machen“, in dem zwei Zeitreisende versuchen, die Geburt von Adolf Hitler zu verhindern) bekannt ist. Fry ist Brite, hat inzwischen aber die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen. Und das, obwohl seine Wiener Vorfahren von den Nazis verfolgt wurde. Online ab morgen, Samstag, in aller Früh.

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Naturexpedition durch NÖ

Feldhäsin Lexi ist auf einer spannenden Mission: Ihr Freund, Feldhamster Arthur, ist verschwunden! Wo ist Arthur? Seine Spur führt mitten hinein in die faszinierende Natur Niederösterreichs. Gemeinsam mit Lexi entdecken Leser:innen geheimnisvolle Moore, sonnige Trockenrasen, wilde Flussufer und mystische Bergwälder bei Nacht.

Mit liebevollen Illustrationen von Désirée Berghold-Wieser und Texten von Christian Raffetseder ist dieses Buch eine unterhaltsame und lehrreiche Expedition mit regionalen Ausflugstipps und spannenden Aufgaben zum Mitmachen für kleine Entdecker:innen ab 6 Jahren und ihre Familien.

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Eine Ladung Wunder

Als Übung, um Teil der staunenden Gruppe von Menschen zu sein, hier eine Ladung an neuen Erkenntnissen über nicht-menschliche Wesen:

  1. Eine Spinne, die vortäuschen kann, von einem Zombie-Pilz befallen zu sein. Und sich so vor Fressfeinden schützt.

  2. Die unglaubliche Welt der Schleimpilze, die besser als die meisten Menschen oder Computer schwierige Aufgaben lösen können und etwa in kürzester Zeit das U-Bahn-Netz von Tokyo nachbildeten.

  3. Den Wert von Fledermausscheiße. Ja, Sie haben richtig gelesen.


Empfehlungen

Um die Welt nicht weiter in diesem Tempo zu zerstören, empfiehlt sich ein „decentralising“: also die Erkenntnis, dass Menschen nicht die wichtigste Spezies auf diesem Planeten sind und schon gar nicht die Nabe, um die sich alles dreht. Diese „Dezentralisierung“ empfiehlt James Bridle in dem Buch „Ways of Being - Animals, Plants, Machines: The Search for a Planetary Intelligence“, das ich gerade lese und Ihnen ans Herz lege.

Beim „Stimmen der Wildnis“-Festival in St. Pölten können Sie nächste Woche so wie ich dem Öko-Akustiker David Monacchi lauschen. Und außerdem das „Parlament der Wildnis“ kennenlernen, sowie einige Konzerte besuchen.

In Wien ist indes die zweite Klima-Biennale gestartet. Meine Kollegin Nicole Scheyerer hat die wichtigsten Tipps von K wie Karlsplatz bis S wie Schwedenplatz zusammengetragen.

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Gebaute Natur

Die rund 60 Texte, Interviews und Porträts in dem Buch Die Donauinsel beleuchten nicht nur die komplexe Entstehungsgeschichte des Areals, sondern auch seine zentrale soziale und ökologische Bedeutung in der wachsenden und heißer werdenden Stadt von heute. Erst im Lauf von mehr als 30 Jahren Planungs- und Bauzeit wurde die Insel zu einem vielfältigen Natur- und Erholungsraum am Wasser.

Zahlreiche historische Abbildungen und Klaus Pichlers Fotoprojekt „Eine Insel, viele Geschichten“ geben Einblicke in die Vielschichtigkeit der Donauinsel.

Die Publikation erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung des Wien Museums.

faltershop.at


Klima- und Umweltpolitik

Vor lauter Krieg könnte man fast vergessen, dass wir mitten in einer Klima- und ökologischen Krise stecken. In den USA spricht der Chef der wichtigsten Umweltbehörde EPA, Lee Zeldin, auf einer Konferenz dezidierter Klimaleugner. In Österreich streicht Oberösterreich aus Naturschutz-Gründen eine Beschleunigungszone für Windkraft, der Verfassungsgerichtshof hebt indes ein Solar-Verbot in St.Pölten auf. Und in Wien siedelt die Stadt seltene Hamster um, die sich in einem Gemeindebau in Favoriten angesiedelt hatten.


Aus dem Falter

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Trotz des starken Gegenwinds haben Klimaschützer Grund zur Freude. Der Ausbau der Erneuerbaren geht rasant weiter – selbst unter Donald-„Drill Baby Drill“-Trump.

Der Bayer Hans-Josef Fell war einer der ersten, der die notwendigen Hebel für den Ausbau in Gesetze gegossen hat. Das deutsche Erneuerbaren-Energie-Gesetz wurde in Dutzende Länder exportiert. Das Interview mit ihm lesen Sie hier oder in der aktuellen Falter-Ausgabe.

Peter Iwaniewicz schreibt in gewohnter Manier über nervige April-Scherze.

Und falls Sie noch etwas zur Artemis II-Mission lesen wollen, empfehle ich den Text des freien Autors Thomas Zauner. Er hat vor ein paar Wochen recherchiert, wieso sich die Mission verzögert hat.


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