Über 2.000 Altkleider-Sammelconatiner gibt es in der Stadt. Mit Jänner 2027 müssen die meisten von ihnen verschwinden >> Zu Besuch beim Israel-Fan-Café im Museumsquartier >> Lokaltipp: Arici >> Event-Tipps für das lange Wochenende von Gerhard Stöger >> Architekturkritik: Schwimminsel STRØMWetterkritik: Es bleibt sonnig, es bleibt kühl. Die Sonne strahlt unbekümmert vor sich hin und erinnert uns mit maximal 16 Grad daran, dass ja doch noch nicht Sommer ist.
Guten Morgen! Sie haben vermutlich schon einmal getragene Kleidung zu einem der zahlreichen Container gebracht, die in der Stadt verteilt sind. Mir haben sie lange Zeit das Gewissen erleichtert. Ich dachte, wenn ich das billige T-Shirt, das ich ohnehin kaum anhatte, nicht mehr tragen will, hat vielleicht jemand anderes eine Freude damit. Aber das ist ein Irrglaube. Mit Kreislaufwirtschaft haben die Container nämlich selten etwas zu tun. Die Stadt Wien will sie nun ganz verbieten. Mit welcher Begründung und wo Sie Ihre alten Kleider stattdessen hinbringen können, lesen Sie gleich. Außerdem: Anna Goldenberg hat mit der Betreiberin der MQ-Kantine gesprochen, die zum „Eurofan Café“ für die israelischen Song-Contest-Fans wird. Gerhard Stöger hat Veranstaltungstipps für Ihr langes Wochenende. Und Maik Novotny berichtet, warum die Schwimminsel STRØM nicht schwimmt. Ein schönes langes Wochenende wünscht Soraya Pechtl
Heute für Sie auf falter.at: Es ist schon ein paar Jahre her, da fand bei einer Falter-Redaktionssitzung jemand eine treffeme Bezeichnung für österreichische Lehrergewerkschafter: „Innovationsresistente Blockade-Eliten“. Das sitzt bis heute gut, denn wer sich daran versucht, im Bildungsbereich Änderungen anzustoßen, holt sich schnell eine blutige Nase. Bildungsminister Christoph Wiederkehr macht diese Erfahrung gerade wieder. Er will das Schulsystem so radikal umkrempeln wie keiner seiner Vorgänger, schreibt Jürgen Klatzer: Aber hat der Neos-Politiker dabei auch eine Chance? Seit mehr als vier Jahren schafft es die Ukraine nun schon auf beeindruckende Art und Weise, den russischen Angriffskrieg abzuwehren. Das gelingt nur, weil auch die Zivilbevölkerung entschlossen bei der Verteidigung hilft, berichtet Thomas Wolkinger. Er hat in Kyjiw Frauen getroffen, die ihr Wohnzimmer zu Waffenfabriken umfunktioniert haben. Nach der Arbeit basteln sie im Do-it-yourself-Verfahren Drohnen und Granaten, um die Soldaten an der Front mit Nachschub zu versorgen. Wolkingers Reportage mit beeindruckenden Bildern der ukrainischen Fotografin Elena Kalinichenko finden Sie hier. Haben Sie den Hype um den Buckelwal „Timmy“ mitverfolgt, der in der Ostsee gestrandet war und derzeit gerade in einem Lastkahn zurück in den Atlantik geschippert wird? Dann wird Sie die Geschichte interessieren, die Gerlinde Pölsler für den aktuellen Falter geschrieben hat. Denn auch die Steiermark hat sozusagen ihren Timmy. Eine Wanderfalken-Familie, die in einem Kirchturm lebt – und per Livestream von Tausenden Fans rund um die Uhr beobachtet wird. Und wie bei Timmy stellt sich auch hier die Frage: Wann soll der Mensch eingreifen, wenn Tiere in Probleme kommen?
|
|
Anzeige | | Closing Klima Biennale Wien Ein Hoch auf die Bürgerin Donau Zum Finale der zweiten Klima Biennale Wien schließt sich der Kreis: Von der Bürgerin Donau zurück ins KunstHausWien. In der Festivalzentrale kommen wir ein letztes Mal zusammen, um weiterzudenken, was uns die Biennale mitgegeben hat – und neue Impulse mitzunehmen. Danach wird gefeiert – mit DJ-Sets, Drinks vom Café Friedlich und Tanz im Hof bis in den Abend. Samstag, 09.05.2026, 17:30–21:30, Eintritt frei Festivalzentrale im KunstHausWien |
|
|
Das Problem mit dem Kleidermüll Die Stadt Wien verbietet Altkleider-Container. Wohin dann mit dem getragenen Gewand? Vier dicke Ordner legt Josef Thon, Leiter der MA 48, auf den Tisch. Darin sind Fotos von geplünderten Altkleider-Containern aus dem Jahr 2026. Die Kleidung, die jemand spenden wollte, ist auf dem Asphalt verteilt. 1750 Mal mussten die 48er heuer ausrücken, um den Müll vor Altkleider-Containern zu beseitigen. 340 Beschwerden langten bis Ende April bei der Stadt ein. Im Vorjahr waren es knapp 800 (wir haben hier berichtet). In Wien stehen derzeit 2.280 Altkleider-Sammelboxen. Die meisten werden von den Unternehmen Öpula und Humana betrieben. Sie versprechen, eine nachhaltige Lösung ausgemistetes Gewand zu liefern. Aber das können sie nur selten einhalten. Die Kleidung in den Containern landet nur dann in den Regalen von Second-Hand-Shops, wenn sie zum Sortiment passt. Oftmals wird sie unsortiert ins Ausland verkauft. In Afrika sorgt unser Textilmüll mittlerweile für gravierende Umweltprobleme. |
|
| Ein Altkleider-Container im 23. Bezirk. (© MA 48) |
|
Aber nicht nur im globalen Süden machen die Container Probleme. Ulli Sima, Stadträtin für den öffentlichen Raum, sprach gestern von der Broken-Window-Theorie. „Vorhandener Müll lädt ein, auch anderen Müll abzuladen.” So kommt es, dass Menschen neben den verstreuten Altkleidern ihren kaputten Schreibtischstuhl oder leere Glasflaschen abstellen. Wären nicht eigentlich die Unternehmen dafür zuständig, den Mist zu beseitigen? Humana schrieb im August 2025 auf Falter.morgen-Anfrage: „Plünderungen von Kleidercontainern kommen leider vor – das ist eine reale und ernstzunehmende Herausforderung.“ Man setze alles daran, solche Vorfälle zu verhindern, indem man Überfüllung vermeide. Öpula, deren Container häufig auf den Bildern der MA48 zu sehen sind, antwortete uns nicht auf unsere Anfrage. „Wir haben die Betreiber immer wieder ermahnt, aber es hat sich nichts geändert”, sagt Sima. 89,90 Euro pro Jahr bezahlen Öpula, Humana und Co. für einen Standplatz. Die Einsätze der 48er kosteten deutlich mehr. Sima und Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky (beide SPÖ) haben deshalb angekündigt, die Altkleider-Container auf öffentlichem Grund ab 1. Jänner 2027 zu verbieten. Mit Jänner werden deshalb eine Novelle des Gebrauchsabgabengesetzes sowie eine ortspolizeiliche Verordnung in Kraft treten, letztere betrifft „explizit die Aufstellung von Altkleidersammelcontainern“. Und wohin dann mit dem alten Gewand? Rund 500 Container bleiben auch nach 2027 in der Stadt, weil sie auf privatem Grund stehen. Sie sollten Ihre Altkleider aber zu seriösen Sammlern bringen, wenn Sie nicht wollen, dass Ihr T-Shirt auf einer Mülldeponie in Afrika landet. Umweltstadtrat Czernohorsky empfiehlt, Gewand zu den Mistplätzen der MA 48 zu bringen. „Die abgegebene Kleidung wird sortiert und schöne Ware im 48er-Tandler in Margareten sowie in der Donaustadt weiterverkauft“, sagt er. Auch die Sammelstellen der Volkshilfe und Caritas (ihre Container bleiben weiterhin, weil sie meist auf privatem Grund stehen) sind seriös. Bei der Caritas kann man gebrauchte und noch intakte Kleidung direkt in den Second-Hand-Shops carla abgeben. Ihre Kleidung sollten Sie übrigens nur dann spenden, wenn sie qualitativ noch in Ordnung ist. Zerschlissene Hemden und Pullis gehören in den Restmüll. Spätestens ab 2028 soll die Verwertung der Altkleider aber ohnehin neu aufgestellt werden, bis dahin soll die EU-Abfallrahmenrichtlinie umgesetzt und die Textilhersteller stärker in die Verantwortung genommen werden. Damit wird dann hoffentlich nicht nur das Wiener Müllproblem gelöst werden. PS: Die Altkleider-Container sind oft auch eine Gefahr für bedürftige Menschen, die sich mit Kleidung eindecken wollen, wie Florian Klenk hier geschrieben hat. |
|
Anzeige | | Die Krise führt schon. Und Sie?
Geopolitische Krisen, Unsicherheit, Dauerdruck – was braucht Leadership, wenn die alten Spielregeln nicht mehr gelten? Das Future Leadership Forum der TU Wien bringt am 27. Mai Führungskräfte zusammen, die nicht zuhören, sondern mitdiskutieren. Kein klassisches Konferenzformat, sondern echter Austausch über die Fragen, die gerade wirklich zählen.
Alle Infos und Tickets finden Sie hier. |
|
|
Stadtnachrichten | Die Stadt Wien startet eine Forschungsplattform zu „Johann Strauss und Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts“, wie Bürgermeister Michael Ludwig und Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler (beide SPÖ) gestern bekannt gaben. Damit will die Stadt das Strauss-Jubiläumsjahr 2025 fortführen. Die Plattform ist ein gemeinsames Projekt der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK), der Universität Wien, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und dem Wiener Institut für Straussforschung. Das Strauss-Archiv der Wienbibliothek im Rathaus soll als „maßgebliche Grundlage für die Forschung“ dienen. „Ziel ist es, Wiens einzigartiges Erbe rund um Strauss sowie die Wiener Operetten-, Tanz- und Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts wissenschaftlich zu erschließen und dieses Themenfeld für eine neue Generation von Wissenschaftler*innen zu öffnen“, heißt es in einer Aussendung.
Der Winter war kalt. Gestern endete das 16. Winterpaket des Fonds Soziales Wien (FSW), mit dem obdach- und wohnungslosen Menschen in Wien während der kalten Jahreszeit zusätzlich geholfen wird. Rund 2.900 Betroffene wurden über das Winterpaket im vergangenen Winter versorgt, in etwa gleich viele wie im Jahr davor. 13 Notquartiere standen für rund 1.000 Einzelpersonen und Personengemeinschaften sowie rund 40 Plätze für Familien zur Verfügung, die Auslastung lag bei etwa 95 Prozent. Sie ist im Vergleich zur Vorsaison um 2 Prozent angestiegen. In den Kälteperioden im Dezember und Jänner wurden die Kapazitäten kurzfristig um über 100 Plätze erhöht. „In den drei Wärmestuben gab es über 58.000 Kontakte und es wurden über 66.000 warme Mahlzeiten von den Mitarbeitenden ausgegeben“, erklärt Susanne Winkler, FSW-Geschäftsführerin. „Auch die FSW-KälteApp wurde im Winter stark genutzt, über 3.200 Meldungen sind bei den Teams der Straßensozialarbeit eingegangen.“ Über den Sommer stehen rund 300 Plätze in vier Notquartieren zur Verfügung. |
|
Stadtgeschichten | | Ein bisschen Frieden zur VorspeiseVor zwei Wochen wurden die Eurofan-Cafés für die Teilnehmerländer des Song Contests vorgestellt. Nur Israel fehlte damals. Ab Sonntag hat der „Kantine Antipastiteller” einen neuen Namen: Die Auswahl an Bobo-Lieblingen von Falafel bis Feta heißt dann „ESC Jerusalem-Teller”. Über der Glastür des Lokals im Museumsquartier (MQ) wird ein großes Transparent des Eurovision Song Contest (ESC) hängen, an den Tischen Aufsteller. Und dazu eine Landesflagge – von Israel. Am 16. April präsentierten ORF, der Klub der Wiener Kaffeesieder und das Echo Medienhaus eine gemeinsame Aktion für den ESC: Wiener Kaffeehäuser sollten zu „Eurofan Cafés” werden, die den Fans der einzelnen Teilnehmerländer einen Treffpunkt bot, kulturelles Begleitprogramm inklusive. Israel fehlte damals. Warum? „Besondere Aufmerksamkeit galt etwa der israelischen Delegation, für die naturgemäß erhöhte Sicherheitsanforderungen bestehen. Entscheidend war daher auch, dass das jeweilige Kaffeehaus mit diesen Anforderungen umgehen kann”, heißt es im wortgleichen Statement von Kaffeesiedern und Echo. Wien hat gut 2200 Gastronomiebetriebe mit Kaffeehauskonzession. Und da gab es wirklich niemanden, der Israel und seine Fans beherbergen wollte? „Ich fand das einen Skandal”, sagt Lisa Wegenstein. Weshalb die Kantine, die Wegenstein seit 23 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Johannes, betreibt, ab 3. Mai das Eurofan Café für Israel sein wird, wie sie am 23. April bekannt gab. | | Lisa Wegenstein und ihr Mann Johannes betreiben die MQ-Kantine seit 23 Jahren. (© FALTER/Goldenberg) | Am vergangenen Dienstag hat Wegenstein ihr Büro auf einem der kleinen Kaffeehaustische aufgebaut. Dem israelischen Fernsehen hat sie schon ein Interview gegeben, in der Früh kamen die zuständigen Behörden für ein Sicherheitstreffen („es wird gut beschützt sein”, mehr Details bitte nicht), und nebenbei organisiert Wegenstein das Begleitprogramm. Die Sängerin Sandra Kreisler hat schon zugesagt, die Initiative „Artists Against Antisemitism” will sich auch engagieren. In der jüdischen Gemeinde sei der Enthusiasmus groß, erzählt Wegenstein, die selbst einen jüdischen Großvater hat: Einige Gemeindemitglieder hätten schon angeboten, zum Kartoffelschälen vorbeizukommen, falls Hilfe nötig wäre. (Die Küche sei wohl zu klein, meint Wegenstein.) Wichtiger wären ihr Menschen, die einfach vor Ort sind und ruhige, vernünftige Diskussionen führen. Auch wenn es hier „nicht um Politik gehe”, sondern sich alles um „Musik, Kultur, gemeinsam Essen, Trinken, Singen und Tanzen dreht”. Wegenstein hat selbst erlebt, wie schnell die Stimmung kippt: Sie gründete 2008 das „This Human World”-Filmfestival. Rund um dessen Ausgabe im November 2023, nur wenige Wochen nach dem Massaker vom 7. Oktober, wurde das Menschenrechtsfestival als „rassistisch” bezeichnet, weil Wegenstein auf dem Festivalaccount eine Israelflagge postete – die sie später löschte. (Meine Falter-KollegInnen Matthias Dusini und Lina Paulitsch haben die Geschehnisse hier rekonstruiert.) „Bei Antisemitismus müssen wir immer ein Aber sagen”, meint Wegenstein. „Geht es um Rassismus, ist das anders.” Für die Song-Contest-Aktion gibt es kein Extra-Budget. Sie soll zusätzliche Gäste in die Lokale bringen, 21 Cafés in ganz Wien sind dabei. „Ich habe keine Ahnung, ob wir überrannt oder gecancelt werden”, sagt Wegenstein. Hauptsache, es geht alles gut. |
|
Falter-Radio am Wochenende | online ab Freitag Victor Adler und die Welt von heute – #1626 | | Victor Adler war im frühen 20. Jahrhundert Begründer der Sozialdemokratie in Österreich. Wie relevant ist seine Sicht auf die Welt heute? Wer sind die „Ziegelböhm“, das Subproletariat der Monarchie, unserer Zeit? Wie wurde damals über Krieg und Frieden diskutiert? Sie hören ab Freitag: Den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig, den Historiker Wolfgang Maderthaner, die Historikerin Gabriella Hauch sowie den Autor Robert Misik in einer Diskussion im Bruno Kreisky Forum unter der Leitung von Renata Schmidtkunz.
online ab Sonntag Wie saniert man dieses Land, Herr Marterbauer? – #1627Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) spricht in dieser Folge mit Eva Konzett im Museum Arbeitswelten in Steyr über die Lehren von John Maynard Keynes. Und wie ein Ruck durch das Land führen könnte. Das Gespräch wurde im Rahmen der Reihe „Politik ohne Filter" aufgezeichnet und ist ab Sonntag im Falter Radio zu hören. |
|
Lokaltipp | Arici (1080/ Blindeng. 3) | | Unkomplizierte italienische Küche gibt es bei Mila Arici in der Blindengasse (© Heribert Corn) | Als sie das Lokal in der Blindengasse vorige Weihnachten besichtigt hätten, sei es ihnen so gegangen wie allen, die hier das erste Mal hereinkommen, erzählt Simon Steiner: Es habe „Wow“ gemacht. Der langjährige Gastro-Profi – Volksgarten Pavillon, Heuer am Karlsplatz, Dogenhof, Praterwirt – hatte gemeinsam mit Mila Arici schon eine Weile nach einer geeigneten Location gesucht. Diese war es dann aber. Dass die Blindengasse keine Hochfrequenzlage ist und die prachtvolle Fassade durchaus einschüchternd sein kann, wissen die beiden. Unkomplizierte, leistbare Italo-Küche mit Witz, die zugleich hübsch anzusehen ist, in Kombination mit einem Bar-Konzept soll das lösen. Also gibt’s Vitello tonnato, Stracciatella mit Honig, Panzanella, den herrlichen und hier auch sehr gut gelungenen Salat aus Sauerteig-Croutons, Tomaten, Zwiebeln und Olivenöl (€ 9,–) und – oho! – Trippa fritta: Kälbermagen nach Calamari-Art. Und da Mila Arici fast alle Zutaten aus Italien importiert, schmecken die Kutteln eben nicht nach Gülle wie bei uns, sondern nach Kalbfleisch wie in Italien (€ 10,50). Das Pasta-Sortiment ist ebenso klassisch wie verführerisch, die Carbonara macht die Arici-Küche mit Paccheri statt mit Fettucine, schmeckt großartig (€ 18,–). Schwer vorbei kommt man natürlich auch an Cotoletta Milanese, dem panierten Kalbskotelett mit Knochen, das immer wieder als Vorbild/Ursprung des Wiener Schnitzels ins Treffen geführt wird. Die Cotoletta wird hier zwar sehr viel dünner geschnitten als in Mailand üblich, dafür kostet sie aber auch nur 23 Euro und liegt damit im untersten Preisbereich für ein Kalbsschnitzel. Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer finden Sie hier. |
|
Anzeige | | (c) Verlag Bibliothek der Provinz / Raphael Besenbäck | Hitler hat den Krieg gewonnen … und plant eine groteske Parade zu seinem 100. Geburtstag. In satirischen Bildern zeigt sich ein kraftloses Nazireich in seinen letzten Zügen. Zeitzeuge Hellmut Butterweck erzählt von absurden „Möglichkeiten“, die der Welt erspart geblieben sind.
360 Seiten, Hardcover, 26 €
Am Dienstag, 5. Mai, präsentiert der Verlag Bibliothek der Provinz den Roman im Bruno Kreisky Forum.
Infos zur Veranstaltung |
|
|
Frage des Tages | Was zeigt unser Satellitenbild? | | © Geoland | Auflösung von gestern: Im Alten Wien waren die Mistbauern, die Vorgänger der 48er, für den Abtransport des Mülls zuständig (sie hießen nicht Mülladler oder Drecksammler). |
|
Wochenendevents | | AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER |
| Ausstellung (letzte Gelegenheit)Das Mak besitzt das Archiv des einflussreichen österreichischen Modedesigners Helmut Lang und zeigt daraus die erste Retrospektive „Séance de Travail“. Im Mittelpunkt der nur noch bis Sonntag geöffneten Schau steht das Gesamtkonzept der Marke, die nicht nur durch ihre Kleidung, sondern auch in punkto Runway-Shows, Branding, Shop-Architektur oder Werbestrategien pionierhaft war. Die Ausstellung setzt mit der ersten Pariser Modeschau 1986 ein und liefert mit Schwerpunkten wie „Backstage“ oder „Accessoires Vêtements“ einen Überblick bis zu Langs Ausstieg aus der Modewelt 2005. (Nicole Scheyerer) Mak, Do–So 10.00 bis 18.00
LiteraturVor sechs Jahren debütierte die Wiener Autorin Mercedes Spannagel glänzend mit dem Roman „Das Palais muss brennen“. Der Nachfolger ließ ein wenig auf sich warten, aber die Autorin hat noch ein anderes Leben mit einem Diplom in Maschinenbau. „Crashtest Dummies“ siedelt sie nun in der Automobilindustrie an. Die Protagonistin Cleo ist mit der Entwicklung von E-Fahrzeugen beschäftigt. Fast noch stärker prägen ihren Arbeitsalltag aber langweilige Gespräche mit Männern. Am Donnerstag liest Spannagel aus dem Roman. Ebenfalls mit von der Partie ist Tomer Gardi, dessen Buch „Liefern“ einen anderen Bereich der Arbeitswelt behandelt: Fahrradkuriere. Angelika Reitzer führt durch den Abend. (Sebastian Fasthuber) Alte Schmiede, Do 19.00 (Eintritt frei)
Theater 1Zum letzten Mal in dieser Saison zeigt das Volkstheater heute Donnerstag Nicolas Stemanns großartige Inszenierung „Ödipus Tyrann“. Lediglich zwei Schauspielerinnen erzählen die Geschichte rund um Ödipus, der seinen Vater tötet und seine Mutter heiratet. Dabei wollte er doch gerade das vermeiden, nachdem ihm das Orakel von Delphi dieses Schicksal prophezeit hatte. Langsam, wie im Krimi, baut sich die Spannung auf, und König Ödipus wird zum Detektiv, der am Ende erkennen muss, dass er selbst der Mörder ist. (Sara Schausberger) Volkstheater, Do 19.30
Theater 2In „Die alte Johanna“ kehrt Renate Welsh zur Protagonistin ihres Romans „Johanna“ zurück. Von der Schufterei auf dem Hof über die NS-Zeit bis ins Alter schildert die österreichische Autorin die Geschichte eines Kindes, das sich vom Rand in die Mitte der Gesellschaft kämpft. Nicole Metzger adaptiert den Stoff zügig und jongliert Tragik mit ulkiger Komik. Die Zeitebenen purzeln durcheinander und vereinigen sich zu einer starken Frauenbiografie, die politische Entwicklung Österreichs schwelt stets im Hintergrund. (Verena Bauer) Theater Spielraum, Do, Fr, Sa 19.30
KunstWien hat eine lange Tradition, den lokalen State of the Art in Gruppenausstellungen zu beleuchten. Nun feiert das Format „Lebt und arbeitet in Wien“ sein Revival – und das größer denn je. Viel hat sich seit der ersten Ausgabe anno 2000 getan. Noch nie gab es in Wien eine so breite und diverse freie Kunstszene, selten erhielt die Stadt so viel internationale Frischblutzufuhr wie im letzten Jahrzehnt. Die Schau reflektiert diese Entwicklung und zählt stolze 18 Herkunftsländer unter ihren 56 Teilnehmenden. Zu sehen sind eigens produzierte oder noch nie in Wien ausgestellte Arbeiten. Eine Newcomer-Show darf man sich dabei nicht erwarten: Auf der Liste stehen durchwegs etablierte Namen, und das Durchschnittsalter überschreitet 35 Jahre. (Nicole Scheyerer) Kunsthalle Wien, Museumsquartier, Fr–So, 10.00 bis 18.00 (tgl, außer Mo, Mi 10.00 bis 20.00; bis 25.10.)
AusstellungDie Ausstellung „Auch für Nichtschwimmer“ im Karl-Marx-Hof würdigt „100 Jahre Amalienbad und das Bäderwesen im Roten Wien“, denn im Juli feiert das Prunkstück am Reumannplatz sein großes Jubiläum. Der historische Parcours führt vom ersten Tröpferlbad 1887 über die Strombäder, das Gänsehäufel, andere Frei- und Kinderbäder bis hin zur „modernen Badeanlage in Favoriten“, die der sozialdemokratische Bürgermeister Karl Seitz 1926 eröffnet hat. Waschsalon im Karl-Marx-Hof, So 12.00 bis 16.00 (bis 5.9. 2027, jeweils donnerstags und sonntags) |
|
Buchtipp | Bojan Pancevski: Die Nord-Stream-Sprengung. Die wahre Geschichte der Sabotage, die Europa erschütterte 17 Milliarden Euro hat der Bau von Nord Stream 1 und 2 gekostet. Die Rohre sind die längsten Unterwasserpipelines der Welt, sie führen tief unter der Meeresoberfläche auf dem Ostseeboden von Russland nach Deutschland -in Umgehung der Ukraine. Und sie sollten jährlich bis zu 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Westeuropa bringen. Am 26. September 2022 explodierten die Pipelines. Beide Stränge von Nord Stream 1, die bereits operativ waren, und einer von Nord Stream 2 liefern kein Gas mehr. Die gigantischen Geysire mitten im Meer führten nicht nur zur größten jemals von Menschen verursachten Freisetzung von Treibhausgas in die Atmosphäre. Sie ließen auch Spekulationen darüber explodieren, wer hinter der Sabotage steckte. „Die Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines ist der größte Sabotageakt der modernen Geschichte", schreibt Bojan Pancevski in „Die Nord-Stream-Sprengung", das soeben auf Englisch und auf Deutsch gleichzeitig erschienen ist. Der aus Mazedonien stammende Journalist ist seit über einem Jahrzehnt als Korrespondent in der Ukraine tätig, er überrascht mit ausgesprochen engen Beziehungen zu ukrainischen Militärs und Geheimdienstagenten. Sie haben ihm tiefe Einblicke in die „Operation Diameter" gegeben. Wie die Idee bei einem Besäufnis in Kyjiw im April 2022 entstand, wer sie vorbereitete, wer informiert wurde: Pancevskis Buch ist eine Mischung aus politischer Intrige, Agententhriller und Abenteuerroman. … (Tessa Szyszkowitz) Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unterfaltershop.at |
|
Besser Lesen mit dem Falter | Buchpodcast #158 – Shelly Kupferberg | | Die abenteuerliche Geschichte ihres jüdischen Großonkels „Isidor“ wird gerade am Akademietheater aufgeführt, im Podcast ist Shelly Kupferberg mit ihrem neuen Buch „Stunden wie Tage“ zu Gast. Wer war die geheimnisvolle alte Frau, die jahrelang in Hauspantoffeln und abgerissenem Mantel, mit verfilztem Haar durch Berlin Schöneberg gewandert ist? Was hat das mit einem Mietshaus in Berlin, der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ und Zivilcourage zu tun, und warum aus dem unglaublichen Stoffe ein Roman und kein Sachbuch geworden ist, bespricht Shelly Kupferberg in dieser Folge mit Petra Hartlieb. |
|
Architekturkritik #28 | | Alles unter STRØMOslo, Kopenhagen und Paris haben den Sprung ins Wasser schon gewagt: Sie sind „swimmable cities“ geworden. Das heißt: Man darf in Fjord, Sund und Seine schwimmen. Andere Metropolen wie Zürich mit seinen „Badis“ an der Limmat waren schon immer schwimmbar. Auch die EU-Badegewässerrichtlinie unterstützt das Schwimmbarmachen natürlicher Gewässer. Und Wien? Wir haben mit den Strandbädern an der Alten und den 42 Kilometern beidseitigen Ufers an der Neuen Donau reichlich Schwimmgelegenheit, doch mitten in der Stadt am Donaukanal ist der Sprung ins Nass nicht erwünscht. Dabei wäre die Wasserqualität dafür gut genug. Seit 2020 wirbt der engagierte Schwimmverein Donaukanal für die Freibadisierung des Gewässers. Doch nicht nur die Uferzone des Donaukanals ist zwischen Freiraum und Kommerz heiß umstritten, auch im kühlen Wasser dazwischen überlagern sich viele Interessen und Zuständigkeiten, vom Magistrat bis zum Denkmalschutz. | | © Laura Sánchez Fernández, Lisa Müller-Schober | |
|
Dabei gäbe es jetzt einen idealen Anlass, Wien auch am Kanal zur swimmable city zu machen: die in sonnigem Gelb gehaltene Schwimminsel namens STRØM. Sie wurde von Placemaking Austria und raumpioniere erdacht, ein Prototyp im Maßstab 1:1 ist derzeit auf der Klimabiennale zu sehen. Leider nur im Trockendock, denn die Behörden gaben nach monatelangen Verhandlungsrunden letztendlich rotes Licht für den Sprung ins Blau. Nun wartet die schöne Insel auf ein neues Einsatzgebiet. Wann wird Wien schwimmbar? |
|
|