⛰Wahljahre sind immer auch Reflexionsmomente (in diesem “Super-Wahljahr” also Super-Reflexion). Was ist gut gelaufen? Welche Resümees können wir aus den vergangenen Jahren ziehen? Was steht für die nächste Periode an? Und nein, ich will in diesem Rahmen nicht über die Causa Lena Schilling, auch nicht über die wirren Agenden des Herrn Vilimsky reden (das haben meine Kolleginnen Barbara Tóth und Nina Horaczek ohnehin sc...
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CC-BY-4.0: © European Union 2023– Source: EP

Wahljahre sind immer auch Reflexionsmomente (in diesem “Super-Wahljahr” also Super-Reflexion). Was ist gut gelaufen? Welche Resümees können wir aus den vergangenen Jahren ziehen? Was steht für die nächste Periode an? 

Und nein, ich will in diesem Rahmen nicht über die Causa Lena Schilling, auch nicht über die wirren Agenden des Herrn Vilimsky reden (das haben meine Kolleginnen Barbara Tóth und Nina Horaczek ohnehin schon vorbildlich abgehakt). Sondern über ein Thema, das im aktuellen Wahlkampfmodus etwas zu kurz kommt: Wie geht es eigentlich mit der europäischen Klimapolitik weiter, sollte Ursula von der Leyen, die “Mutter des Green Deal” nicht mehr am Ruder sein? Wenn sich die Mehrheiten verschieben? Wenn der Druck, den die Klimabewegung zu Beginn der letzten Legislaturperiode ausgeübt hat, nicht mehr so spürbar ist? 

Der Green Deal. Ein ambitionierter Meilenstein in der Geschichte der EU. Expert:innen betonen den Erfolg dieses Maßnahmenpakets: Nicht nur einigte sich die EU darauf, bis 2050 klimaneutral zu sein und die CO2-Emissionen bis 2030 immerhin um 55 Prozent zu reduzieren; sie beschleunigte auch den Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung und will die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren ab 2035 verbieten. Um 24 Prozent hat die EU ihren CO2-Ausstoß im Vergleich zu den 1990er Jahren übrigens schon reduziert, so Daten der Weltbank. Statt auf drei Grad Erwärmung bewegt sich die EU im Durchschnitt auf einen Zwei-Grad-Pfad zu, so Analysen des Kontext Institut

Das ist vor allem unter dem Blickwinkel erstaunlich, dass schließlich nicht nur eine Pandemie, sondern auch der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine in die vergangenen fünf Jahre fiel. Normalerweise Grund genug für Kritiker:innen, den Klimaschutz hintanzustellen, ganz nach dem Motto: “Klimaschutz? Können wir uns gerade nicht leisten.”

Doch stattdessen stellte sich eines ganz klar heraus: Erneuerbare Energiequellen sind Freiheitstechnologien. Bauen wir Wind-, Solar- und Wasserkraft innerhalb der EU aus, verringern wir die Abhängigkeit von russischem Gas. Am Zug sind jetzt die Nationalstaaten, die bis 30. Juni einen Nationalen Energie- und Klimaplan (NEKP) vorlegen müssen, und so einen Fahrplan, wie sie Klimaneutralität erreichen wollen. Das hatte im Vorhinein zu einem Konflikt zwischen Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Europaministerin Karoline Edstadler (ÖVP) geführt. 

Die große Frage ist aber, was in den nächsten vier Jahren auf uns zukommt. In einer geleakten Version der sogenannten “strategic agenda” des EU-Parlaments ist klar zu sehen, dass die Klimakrise als Thema in den Hintergrund gedrängt wurde, dafür Sicherheitspolitik im Vordergrund steht. Das zeigten Recherchen von politico. Die Kommission muss sich nicht daran halten, aber der Unterschied zu 2019 ist extrem, der Druck von Fridays for Future, die damals den Diskurs dominierten, wohl nicht mehr so stark. 

Die EU-Wahl am 9.Juni wird also ausschlaggebend sein: Verbessern und finalisieren die Abgeordneten die bestehenden Rechtsakte, übernehmen sie also Verantwortung für das selbstgesteckte Ziel – oder verwässern sie die Klimaziele und bringen manches zum Stillstand? Letzteres wäre eine schlechte Nachricht für das Weltklima und somit den Fortbestand der Menschen und eines guten Lebens für alle, möglicherweise sogar ein Verstoß gegen die Grundrechtecharta. Vor allem wenn es, wie Umfragen derzeit voraussagen, einen Rechtsruck gibt, sind das keine guten Nachrichten für den Klima- und Naturschutz. 

Welche Partei sich hier wofür einsetzt, können Sie übrigens im Klima-Wahlchecker des WWF oder von orf.at überprüfen.

Bild von Katharina Kropshofer
Ihre Katharina Kropshofer

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Persönliches

Zum Schluss noch etwas Persönliches: Mit einem lachenden und weinenden Auge bin ich diese Woche in meine neue Rolle als Ressortleiterin des Falter Natur-Ressorts geschlüpft. Lachend, weil ich mich sehr auf diese Herausforderung freue. Weinend, weil das heißt, dass mein lieber Kollege Benedikt Narodoslawsky – der dieses Ressort überhaupt erst gegründet und unglaublich wertvolle Pionierarbeit geleistet hat – nicht mehr Teil des Falter-Teams ist.

Falls Sie Themenwünsche, Anregungen, Feedback haben, was diesem Newsletter oder der Umwelt- und Klimaberichterstattung des Falter in Ihren Augen fehlt, schreiben Sie mir gerne: kropshofer@falter.at 

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Das oststeirische Ausflugsziel hat täglich geöffnet.


Aus dem Falter

Die Klima- und Umweltberichterstattung kam aber auch diese Woche nicht zu kurz: Meine Kollegin Gerlinde Pölsler hat sich mit der Ewigkeitschemikalie TFA beschäftigt, die Forscher:innen auch in österreichischen Flüssen nachweisen konnten. Wieso das ein Problem ist, und was man dagegen unternehmen könnte, lesen Sie hier. Mein Kollege Benedikt Narodoslawsky hat zum Abschluss noch den Krebsforscher Lukas Kenner interviewt, der beschreibt, wieso Mikroplastik für die menschliche Gesundheit gefährlich ist. 

Ich habe den Zweitplatzierten der Grünen, Thomas Waitz, porträtiert. Wer ist der Mann? Und könnte er sein Mandat verlieren? 


Mehr zur EU-Wahl

Nicht alle spielen bei der EU-Wahl mit den gleichen Karten. So viel Desinformation wie im Vorfeld dieser Wahl gab es wohl noch nie - auch bei Klima- und Umweltthemen. Der Journalismusfund sponsert gerade ein internationales Journalismus-Projekt, das sich gezielt damit auseinandersetzt. Eine erste Recherche lesen Sie hier, eine Recherche der Online-Plattform table.media hier


Renaturierungsgesetz

Nicht nur Klimaschutz, auch Naturschutz ist auf EU-Ebene gerade hart umstritten. Schon dutzende Male haben meine Kolleg:innen und ich Jubelmeldungen oder Appelle veröffentlicht. Aber das Renaturierungsgesetz ist weiterhin Streitthema. Welche Rolle Österreich hier spielt, wieso die ÖVP auf dem Holzweg und die SPÖ gut im Pokern ist, lesen Sie in meinem dieswöchigen Kommentar.


Klimademo

Der Rechtsruck und die dahingehende Bedrohung für den Klimaschutz sind übrigens auch Thema der heutigen Klimastreiks, zu denen Fridays for Future aufgerufen hat. In Wien geht es um 16:00 Uhr los, die Termine aus den anderen Bundesländern finden Sie hier.


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