„Zuwanderer und Flüchtlinge“ würden Milliarden kosten, während Österreicher auf OPs warten müssen, behauptet die Kronen Zeitung – wir haben die Fakten >> Josef Dvorak ist gestorben: Nachruf auf einen Wiener „Satanologen“ >> Lokaltipp: Kübey >> Architekturkritik: Österreichs PavillonWetterkritik: Sonne! Nein, das ist keine Prognose, sondern ein frommer Wunsch. In der Realität erwarten uns Schneeregen und grauer Himmel.
Guten Morgen! Haben Sie kürzlich die Kronen Zeitung gelesen? Nein? Dann haben Sie den Artikel, um den es heute geht, vielleicht auf Social Media gesehen. „,Spitals-Touristen’ kosten das Gesundheitssystem Milliarden“, lautete die Überschrift. „Flüchtlinge und Zuwanderer", die „oft noch keinen Cent eingezahlt haben“, hätten „22 Millionen (!)“ Behandlungen in Anspruch genommen, während es „elendslange OP-Wartezeiten für heimische Patienten“ gebe. Wir haben uns angesehen, was hinter diesen Zahlen steckt. Spoiler: Sie sind beinahe bis zur Unwahrheit zugespitzt. Außerdem lesen Sie einen Nachruf von Matthias Dusini auf Josef Dvorak, der durch seinen Bestseller „Satanismus“ bekannt wurde. Florian Holzer war im Restaurant Kübey im ersten Bezirk. Und Maik Novotny hat sich den Österreich-Pavillon auf der Architekturbiennale Venedig angeschaut. Einen schönen Tag wünscht Soraya Pechtl
Heute für Sie auf falter.at: Wer Kinder hat, kennt den Kampf um Bildschirm-, Handy- und Social-Media-Zeit – und die Sorge, dass die Kids völlig in die Digital-Sucht abgleiten. Was das betrifft, entwickelt inzwischen auch die Politik ein Problembewusstsein. Australien hat TikTok, Snapchat & Co. für Kinder und Jugendliche unter 16 gesperrt, europäische Länder wie Frankreich, Spanien und Dänemark wollen das auch. Aber ist das auch sinnvoll?, fragt Lina Paulitsch. Antwort: Ja, wenn es richtig gemacht wird. Kopftuch-Verbot, Scharia-Verbot, Dies-Verbot, Das-Verbot: Alle paar Wochen erfindet Österreichs Politik ein neues Verbot, um den muslimischen Fundamentalismus zu stoppen. Unser Kolumnist Ruşen Timur Aksak hält diese Motivation grundsätzlich für richtig und wichtig – das Mittel aber falsch. Sinnvoller wäre es seiner Meinung nach, an die Wurzel des Problems zu gehen und Organisationen wie die Muslimbruderschaft zu verbieten oder auf die Terrorliste zu setzen. „Verkaufe Flachmann, bin jetzt trocken“: Es gibt kaum etwas, das auf Willhaben nicht im Angebot ist (in diesem Fall um wohlfeile 99 Cent. Seit der Online-Marktplatz im Jahr 2006 startete, hat er sich zu einer Art Wühlkiste der Nation entwickelt. Man könnte auch sagen: Willhaben gehört inzwischen zur kritischen Infrastruktur Österreichs. Lukas Matzinger hat eine Jubiläums-Shoppingtour zum 20. Geburtstag der Plattform unternommen. Und einiges mitgebracht.
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Kontext, bitte!Die Kronen Zeitung macht mit „hochbrisantem Datenmaterial“ zu den Spitalsbehandlungen von Zuwanderern Stimmung. Sie verschweigt aber den Kontext. Worum geht es: Die Krone zitiert aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) an die FPÖ. Die Freiheitlichen wollten wissen, welche gesundheitliche Versorgung Afghanen, Syrer, Afrikaner, Inder, Iraner, Iraker, Libyer, Pakistanis, Türken und Ukrainer zwischen 2015 und 2024 in Anspruch genommen haben. Insgesamt kommen auf diese Gruppen 21.896.000 stationäre und ambulante Behandlungen in österreichischen Krankenhäusern. „Diese Patienten ohne rot-weiß-roten Pass belasten also mit durchschnittlich 6.000 Klinik-Besuchen pro Tag unser ohnehin an allen Ecken und Enden krachendes Gesundheitssystem zusätzlich.“ Würde man die Kosten für ein durchschnittliches Spitalbett hochrechnen, käme man auf die erwähnten Milliarden Euro. Blicken wir hinter diese Zahlen: |
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Die Freiheitlichen haben nicht nach den Spitalsbehandlungen aller Menschen mit nicht-österreichischem Pass gefragt, sondern speziell nach den oben genannten Herkunftsländern. Ob beziehungsweise wie viele dieser Personen bereits in das Sozialsystem eingezahlt haben, wissen wir nicht (es gibt Studien, die nahelegen, dass Ausländer mehr ins Sozialsystem einzahlen als herausnehmen). Man kann daraus auch nicht schließen, dass diese Gruppen das Gesundheitssystem besonders stark beanspruchen. Im Gegenteil. Mario Dujaković, Pressesprecher von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, verweist auf eine Studie des Complexity Science Hub aus dem Vorjahr, die sich die Spitalbesuche nach Staatsangehörigkeit in einer Langzeitbeobachtung genauer angeschaut hat. Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft sind deutlich (!) seltener und kürzer im Spital als Österreicher. Ausländer machen österreichweit 20 Prozent der Bevölkerung aus (in Wien sind es 35 Prozent), aber nur 9,4 Prozent aller Spitalspatienten. Schaut man sich die Nächtigungen in Krankenhäusern an, kommen Ausländer auf 9,8 Prozent. Und jetzt raten Sie mal, welche Gruppe von Zuwanderern am häufigsten im Spital ist? Die Deutschen – kein Shaming, wir Österreicher sind genau so oft in der Klinik. Danach kommen Türken (sie waren lange auf Platz 1), Menschen aus Serben, Bosnien-Herzegowina, Rumänien, und und und. Bei der Dauer der Spitalaufenthalte sehen die Daten recht ähnlich aus. Syrer und Afghanen machen dagegen nur einen geringen Teil der Spitalspatienten aus (siehe Grafik). Warum ist das so? |
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| Nicht-österreichischen Patienten zählen rund 1,3 Millionen Spitals-Aufenthalte – das entspricht 9,79 Prozent aller erfassten Aufenthalte. (© Complexity Science Hub) |
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„Jene Communities, die in Österreich am größten sind (Deutsche, Türkei, Ex-Jugoslawien, CEE), sind auch am meisten im Spital“, schlussfolgert Dujakovic. In der Studie ist noch von einem anderen Grund die Rede: Hohe Zugangsbarrieren wie die Sprache könnten dazu führen, dass Migranten trotz Gesundheitsproblemen gar nicht oder erst später ins Spital gehen. Das würde auch die hohe „Wiederaufnahmerate“ erklären. Manche Migrantengruppen (wie Afghanen, Russen und Syrer) werden nach der Erstbehandlung häufiger wieder ins Spital aufgenommen als Österreicher und Deutsche. Vermutlich weil die Krankheit bei ihrer Erstaufnahme schon weiter fortgeschritten und die Behandlung schwieriger ist. Anstatt Stimmung gegen die ausländischen Patienten zu machen, sollten „zukünftige Maßnahmen den Zugang – insbesondere zur ambulanten Versorgung – gezielt erleichtern, beispielsweise durch verbesserte Übersetzungsdienste oder Orientierungshilfen im Gesundheitssystem“, wird Studienautorin Elma Dervic in einer Aussendung zitiert. |
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Stadtnachrichten | Wir haben gestern über den psychisch kranken Insassen Michael berichtet, der von Justizwachen geschlagen wurde und beim anschließenden Häftlingstransport starb (hier lesen Sie die ganze Geschichte). Die Grüne-Justizsprecherin Alma Zadić forderte eine „umfassende Aufklärung“ und kündigte eine parlamentarische Anfrage an. Zadić will unter anderem wissen, warum trotz bekannter psychischer Erkrankung des Häftlings kein medizinisches Personal beigezogen wurde und warum die Beamten den Einsatz nicht abgebrochen haben. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt ermittelt gegen zwölf Justizwachebeamte wegen des Verdachts der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang unter Ausnutzung einer Amtsstellung.
Der Verein Hemayat betreut seit Jahren Folter- und Kriegsüberlebende in Wien (hier lesen Sie mehr über Hemayat). Der Andrang ist groß und wird immer größer. Im Jahr 2025 wurden 2.006 traumatisierte Menschen bei Hemayat versorgt, darunter waren 300 Minderjährige. Aber der Verein ist unterfinanziert. „Noch nie war der Bedarf an Unterstützung für Folter- und Kriegsüberlebende größer – und noch nie war die Finanzierung so unsicher”, heißt es in einer Aussendung. Grund seien angekündigte Sparmaßnahmen von Bund und Land. Man versuche die Finanzierungslücke nun über Spenden zu schließen, damit man das Betreuungsangebot nicht kürzen muss. Am 12. Juni findet dazu ein Benefizabend im Unteren Belvedere statt.
US-Schauspielerin Sharon Stone kommt zum Opernball nach Wien. Und zwar als Stargast – nein, nicht von den Lugners, sondern von Schaumrollenkönig Karl Guschlbauer, der das oberösterreichische Bäckerunternehmen Guschlbauer leitet. Am 10. Februar gibt es in der Manufaktur in St. Willibald einen VIP-Empfang mit Stone. Was halten Sie vom Opernball? Ignorieren Sie das Event? Sitzen Sie zu Hause vor dem Fernseher und beobachten Stars und Sternchen beim Sprudeltrinken? Oder stehen Sie mit „Eat-the-Rich“-Schildern vor der Oper? Schreiben Sie uns an morgen@falter.at. |
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Falter Radio | Donald Trump, der Mad King unserer Zeit – #1564 | | Die Gewalt und Exekutionen durch die Einwanderungspolizei ICE schockieren Amerika. Der Versuch der Aneignung Grönlands verstörte Europa. Verwandelt Trump den Führer der freien Welt in eine unberechenbare Autokratie? Eine Bestandsaufnahme mit dem Historiker Mitchell Ash, dem Politikwissenschaftler Gerald Knaus (ESI) und Auslandskorrespondentin Tessa Szyszkowitz hören Sie in dieser Folge. |
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Nachruf | | Andenken an einen undogmatischen DenkerJosef Dvorak war Theologe, Psychoanalytiker und bekannter Satanismus-Forscher. Am Samstag ist er gestorben. Wer im Juni 1962 die Wiener Festwochen besuchte, brauchte einen guten Magen. Die Künstler Hermann Nitsch, Adolf Frohner und Otto Muehl ließen sich im Perinetkeller in der Brigittenau einmauern. Sie wollten eine Art Kunst produzieren, „die sie in ihrer Zeit allein noch für möglich und echt hielten“, etwa die Zerreißung eines toten Lammes. Organisator der Veranstaltung, die in die Annalen der Kunstgeschichte einging, war der Wiener Theologe und Psychoanalytiker Josef Dvorak. Bekannt wurde Dvorak durch den 1989 veröffentlichten Bestseller „Satanismus“. Elfriede Jelinek widmet ihm ihren exakt 666 Seiten (!) starken Roman „Die Kinder der Tote“. Josef Dvorak wurde am 28. Jänner 1934 in Wien geboren. Er studierte bei Karl Rahner Theologie und ließ sich zum Psychoanalytiker ausbilden. Noch im Priesterseminar knüpfte er Kontakte zu Künstlern. Dvorak forschte zur okkulten Szene im Wien des Fin de Siècle und zu den Wurzeln des modernen Satanismus. Außerdem experimentierte er mit sexualmagischen Ritualen. | | Josef Dvorak wurde durch sein Buch „Satanismus“ bekannt. (© Marcel Houf) | Kurz nach dem Happening von 1962 gründete er in der Lagergasse die Galerie Dvorak und die Zeitschrift Die Blutorgel, ein Magazin für „schöperischen Nihilismus und permanentes Delirium“. Dvorak schuf damit erste Foren für jene Künstler, die unter dem Label Wiener Aktionismus berühmt wurden. Er definierte Kunst in therapeutischem Sinn als Abreaktion. Die verdrängten Verbrechen der NS-Zeit und die katholischen Sexualfeindlichkeit sollten in rituellen Aktionen aufgearbeitet werden. Der undogmatische Denker veröffentlichte in der Zeitschrift Forum und kritisierte hier auch die totalitären Züge des Aktionismus. In einem Artikel prangerte er 1972 den Tod eines jungen Mannes an, der von Otto Muehl in den Selbstmord getrieben worden sein soll. Seit den 1980er-Jahren interessierte sich der Metal- und Elektronik-Underground für Dvorak. Er arbeitete mit den Wiener Bands Der Blutharsch und Fuckhead zusammen. Der Forscher publizierte zu Außenseitern der Psychoanalyse, etwa dem Freud-Schüler Otto Gross. Dem Autor und Filmemacher Alexander Kluge offenbarte der gutem Schmäh zugeneigte Provokateur in einem TV-Gespräch die Verwandtschaft zwischen Satanismus und Wirtschaftsliberalismus. Beide wurzelten in einem hemmungslosen Individualismus. „Es gibt nur eine einzige Norm: ‚Thelema! Tu, was du willst‘“, schrieb Dvorak und ergänzte: „Was gar nicht so einfach ist, denn zuvor muss man wissen, was man will.“ In der Nacht auf Samstag, 24.1., starb Josef Dvorak in einem Wiener Altersheim. |
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Lokaltipp | Kübey (1010, Rudolfsplatz 3) | | Murat Efe Ankun serviert in seinem neuen Innenstadtlokal türkische Tapas (© Heribert Corn) | Seit 2011 lebt Murat Efe Ankun in Wien. Gekommen ist er eigentlich, um Wirtschaftsinformatik zu studieren, gelandet ist er aber recht bald in der Wiener Gastronomie. Dort fragten die Gäste den Mann aus Istanbul dann immer, wo man denn in Wien wirklich gut türkisch essen könne, „und ich konnte ihnen eigentlich keinen Tipp geben“. Also beschloss er, selbst aktiv zu werden und die türkische Küche „modern“ zu präsentieren, also in Tapas-artigen Kleinportionen. Die etwa 20 Gerichte sind ebenso bezaubernd anzusehen wie köstlich, einziger Nachteil: Die Portionen sind echt winzig. Selanik etwa, ein Pilzgericht (das leider mit Champignons statt mit den auf der Speisekarte versprochenen, seltenen Maronenpilzen zubereitet wird, was aber auch sehr erstaunlich gewesen wäre …) mit knusprigen Zwiebeln, ein bisschen Kadaif und Gewürzjoghurt ist gerade einmal ein Appetithappen (€ 11,50), auch von Levrek Tatar (Wolfsbarsch-Tatar mit grobem Senf, Granatapfel, Kräutern und Pickles samt Gewürzöl-Miso-Marinade) hätte man trotz etwas konfusem Geschmacksbild gern noch ein Löffelchen mehr gehabt (€ 18,–). Und dass unter der knusprigen Süßkartoffelscheibe des Gerichts „Ali Nazik“ nur eine Miniportion des zarten, marinierten Lammragouts auf geräuchertem Melanzanipüree und Misojoghurt wartete, war dann wirklich bitter, denn das ist richtig gut (€ 17,50). In Zeiten wie diesen braucht man was zwischen die Zähne, bitte! Dennoch, nach nur einem Monat Betrieb funktioniert die Kombi aus Cocktail, Vinyl und Sharing Plates prachtvoll. Das Kübey ist unter der Woche rappelvoll. Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier. |
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Frage des Tages | Was zeigt unser Satellitenbild? | | © Geoland | Auflösung von gestern: Österreich erkannte die buddhistische Religionsgruppe als erster europäischer Staat im Jahr 1983 an (nicht 1948 oder 1965). |
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Events des Tages | | AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER |
| LiteraturElias Hirschl knöpfte sich zuletzt mit Vorliebe sehr zeitgenössische Stoffe vor. Rechtspopulistische Politiker etwa oder Künstliche Intelligenz. Nun stellt der Wiener Autor mit Wurzeln im Poetry Slam seinen neuen Roman „Schleifen“ vor, der aus einer losen Sammlung von Kurzgeschichten entstanden ist. Die Gegenwart hat darin einmal Pause, das Buch dreht sich um sprachphilosophische Fragen. Bei der Präsentation liest Hirschl daraus und führt ein Gespräch mit Matthias Seier. Literaturhaus, 19.00 (Eintritt frei)
PopManch Träne wird fließen. Edwyn Collins dreht eine letzte Runde und geht auf Abschiedstour. Der schottische Musiker, der Anfang der 1980er als Sänger der Band Orange Juice mit „You Can’t Hide Your Love Forever“ ein Jahrhundertalbum voll Herzblut, schiefer Töne und jugendlicher Altklugheit veröffentlichte und später solo mit "A Girl Like You" einen Welthit landete, erlitt 2005 zwei Schlaganfälle. Nur langsam konnten Therapien, seine Frau Grace Maxwell sowie nicht zuletzt die Musik ihn wieder aufbauen. Nun verabschiedet er sich von seinen österreichischen Fans. Der Altersschnitt wird hoch sein, die Rührung groß. Hach, Edwyn! (Sebastian Fasthuber) Wuk, Saal, 20.00
Vortrag/MedienDie heutige Ausgabe der Veranstaltungsreihe Aufmacher Medienrunde bietet ein Gespräch mit Josef Dollinger, einem langjährigen Mitarbeiter des ORF. Er war im Bereich Innenpolitik tätig, ebenso als Korrespondent in mehreren europäischen Städten. Seit 2017 leitet er das ORF-Büro in Peking. Dort startete er unter anderem auch den Podcast „China verstehen“. Nun erzählt Dollinger von seinen Erfahrungen als Journalist im Überwachungsstaat und spricht über die Bedeutung von Korrespondent:innen ganz generell. (Nahla Hamula) Presseclub Concordia, 18.00 (Eintritt frei) |
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Buchtipp | Christopher Glanzl, Eşim Karakuyu & Fabian Reicher: Die alternative Held:innenreise „Die größte Bühne der Welt ist Social Media." Und hier dominieren seit Jahren reaktionäre und extremistische Inhalte. Für den digitalen Widerstand gegen die algorithmische Dauerbeschallung von rechts gibt es nun einen Leitfaden: „Die alternative Held:innenreise." Digitaler Minimalismus gilt vielen als Ausweg – weniger Bildschirmzeit, weniger Scrollen, weniger Lärm. Doch dieses Buch schlägt einen anderen Weg vor: nicht die Flucht aus dem Netz, sondern seine schlaue Unterwanderung. Eşim Karakuyu, Christopher Glanzl und Fabian Reicher zeichnen in einem zweiteiligen Buch zunächst eine facettenreiche Rückschau auf die jüngere Netzkultur, ihre Problematiken und Chancen. Danach werden konkrete, praxisnahe Vorschläge zur Wiederaneignung digitaler Räume skizziert. … (Olja Alvir) Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at |
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Architekturkritik #15 | | Österreich trifft Bosnien-Herzegowina in VenedigMusterschülerhaft früh dran ist Österreich bei der Bekanntgabe seines Programms für die nächste Architekturbiennale Venedig, die im Mai 2027 eröffnet wird. Vorgestern, Dienstag, gab das zuständige Kulturministerium BMWKMS bei einer Pressekonferenz im Architekturzentrum Wien (Az W) die Namen des Kuratorenteams bekannt. Der Österreich-Pavillon wird im kommenden Jahr zum diplomatischen Raum. Unter dem trilingualen Titel „Koncesija / Konzession / Concessione“ werden Adna Babahmetović, Ajna Babahmetović und Sebastian Höglinger den Hoffmann-Pavillon symbolisch an Bosnien und Herzegowina übergeben und zum Verhandlungsraum für Geschichte, Gegenwart und Weltpolitik machen. Die inszenierte Hotellobby des geschichtsträchtigen Holiday Inn in Sarajewo soll zu einer „Lobby für Lobbying“ werden, zum „symbolischer Warteraum für die nachhaltige Etablierung bosnischer Perspektiven im internationalen Architekturdiskurs“. | | Eine Außenansicht des Österreich-Pavillon in Venedig. (© Georg Petermichl) | „Unsere Länder sind eng miteinander verknüpft: allen voran durch den engen Austausch der bosnischen Diaspora, die längst Teil der österreichischen Gesellschaft ist, mit der Bevölkerung und der Künstler:innen- und Architekt:innen-Szene in Bosnien-Herzegowina“, so Vizekanzler und Kunst- und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ). Manche dürfte hier ein kleines Déjà-vu ereilt haben, denn dies wird nun die dritte Architekturbiennale in Folge, auf der Österreich sein Haus für eine andere Nation öffnet. 2023 schlugen das Kollektiv AKT und Hermann Czech mit „Partecipazione“ eine (dank italienischer Behörden halbfertig gebliebene) Brücke über die Mauer der Giardini ins Nachbarviertel Sant’Elena. 2025 teilten sich Wien und Rom je zur Hälfte den Ausstellungsraum und die Kuratoren Michael Obrist, Sabine Pollak und Lorenzo Romito verglichen die Wohnpolitik in beiden Städten. 2027 wird also ein weiteres Mal die Einheit von Pavillon und Nation subversiv unterlaufen. Mit der programmatischen Wiedereröffnung der „Balkan-Route“, die einiges mit Österreich zu tun hat. |
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