Warum ist die Zahl der außerordentlichen Schulanfänger gerade in Margareten so hoch? >> Die „Allianz Alte WU“ kritisiert die Pläne für das ehemalige Uni-Gebäude am Althangrund >> Lokaltipp: Carioca >> Architekturkritik: Der Charme der S-Bahn-StammstreckeWetterkritik: Der Strich am Thermometer klettert etwas weiter nach oben als in den vergangenen Tagen. Die Höchsttemperatur beträgt heute 0 Grad. Bitterkalt bleibt es trotzdem.
Guten Morgen! Die mangelnden Deutschkenntnisse von Schülerinnen und Schülern sind ein Dauerthema, vor allem in Wien ist das Problem groß. Anfang des Jahres veröffentlichte die Wiener ÖVP Daten aus einer Anfrage an Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) zu Erstklässlern und Vorschülern, die nicht gut genug Deutsch sprechen, um dem Unterricht folgen zu können. Ihre Zahl stieg im Jahr 2025 auf 50,9 Prozent, 2024 waren es noch 49,7 Prozent (insgesamt sank die Zahl der außerordentlichen Schüler leicht). Auffallend: In keinem anderen Bezirk gibt es so viele außerordentliche Schulanfänger wie in Margareten. Im 5. Bezirk sprechen 76,6 Prozent der Erstklässler und Vorschulkinder nicht gut deutsch – die Kinder besuchten durchschnittlich zwei Jahre den Kindergarten und knapp die Hälfte von ihnen ist in Österreich geboren (47,4 Prozent). Auf Platz zwei liegen übrigens der 16. und 20. Bezirk mit 70,1 Prozent, auf Platz drei der zehnte Bezirk mit 69,9 Prozent. Wir haben versucht, die Ursachen herauszufinden. Außerdem: Die Allianz Alte WU fürchtet, dass die Eigentümer mit dem Abriss des Gebäudes am Althangrund beginnen könnten, noch bevor die Pläne fertig sind. Wir haben nachgefragt, was dran ist. Maik Novotny erzählt Ihnen vom Charme der S-Bahn-Stammstrecke. Einen schönen Tag wünscht Soraya Pechtl
Heute für Sie auf falter.at: Die Verfassungsschützer Egisto Ott und Anton H. stehen wegen Spionage für Russland bzw. Geheimnisverrat vor Gericht. Die Anklage dokumentiert keine harmlose Agentenposse, sondern einen schweren Anschlag auf die Sicherheit Österreichs und seiner Bürger. Florian Klenk erklärt, was man wissen muss. Seit zwei Wochen kein Lebenszeichen: Das Ehepaar Madyar und Vazista in Wien bangt um ihre Familien im Iran, während das Regime das Internet sperrt. Zehntausende Tote werden vermutet. Wie geht es weiter? In einer zweitägigen Klausur hat die Bundesregierung einen überraschend ambitionierten Fahrplan erarbeitet. Dadurch könnte sie die FPÖ in Schach halten. Aber der Kampf gegen Blau darf nicht Single Issue sein, schreibt Eva Konzett.
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Anzeige | | Akademie der bildenden Künste Wien Blick hinter die Kulissen der Kunstuniversität Während dem Rundgang 2026 öffnet die Akademie von 22. bis 25. Jänner ihre Türen und lädt ein zu offenen Ateliers und Studios, Performances, Diskussionen, Studienberatungsangeboten, Konzerten und vielem mehr. Dies bietet die Möglichkeit, den universitären Betrieb kennen zu lernen und Einblick in laufende Arbeitsprozesse zu gewinnen. |
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Der Fünfte und seine Sprachprobleme Im Bezirk Margareten sprechen knapp 77 Prozent der Schulanfänger nur mangelhaft Deutsch. Wie kann das sein? Wir hätten über die hohe Zahl an außerordentlichen Schülern gerne mit einer Lehrerin oder einer Schulleiterin aus dem fünften Bezirk gesprochen. „Ich hätte zu dem Thema sehr viel zu sagen“, meldete uns eine Pädagogin auf Anfrage zurück. Sie müsse nur das Einverständnis der Bildungsdirektion einholen. Am nächsten Tag der Anruf: Die Bildungsdirektion habe das Interview abgelehnt. Warum? In der Pressestelle der Bildungsdirektion hob niemand das Telefon ab. Schriftlich hieß es nur: „Ihre Annahme, die Bildungsdirektion für Wien würde Interviews mit Schulleitungen untersagen, ist nicht zutreffend.“ Vielmehr wolle die Lehrerin nicht über das Thema sprechen. Aha. Wir wollten auch von der Bildungsdirektion wissen, warum gerade in Margareten so viele Schulanfänger nicht deutsch sprechen. Die Antwort: „Der vergleichsweise hohe Anteil kann mit der demografischen Struktur des Bezirks zusammenhängen. Die Bildungsdirektion für Wien kann als Schulverwaltungsbehörde diesbezüglich jedoch keine belastbaren Aussagen treffen.“ Nochmals zur Verdeutlichung: Die Lehrerin, die uns Antworten geben hätte können und unseren Infos zufolge auch wollte, darf mit uns nicht sprechen. Sei's drum. Schauen wir uns die Demografie im Bezirk an. |
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Im fünften Bezirk leben rund 54.500 Menschen, laut dem statistischen Jahrbuch der Stadt Wien haben 56 Prozent von ihnen die österreichische Staatsbürgerschaft. Zum Vergleich: In ganz Wien liegt der Anteil der Österreicher bei 64 Prozent. Aber in den Bezirken Rudolfsheim-Fünfhaus (54 Prozent), Favoriten (55 Prozent) und der Brigittenau (55 Prozent) ist der Anteil der österreichischen Staatsbürger noch niedriger als in Margareten. Die Bevölkerungsstruktur erklärt die hohe Zahl der außerordentlichen Schüler also nicht. Und wie sieht es mit der Durchmischung an den Schulen aus? Laut einem Standard-Artikel vom April 2025 haben 88,7 Prozent der Volksschülerinnen und -schüler im fünften Bezirk nicht Deutsch als Alltagssprache, so viele wie in keinem anderen Bezirk. Im aktuellen Schuljahr sind es laut Bildungsdirektion sogar 92 Prozent (von denen haben nur rund 18 Prozent keinen außerordentlichen Status). Die Vermutung: Autochthone Eltern könnten ihre Kinder in einem anderen, angrenzenden Bezirk zur Schule anmelden. „Die Durchmischung in den Schulen fehlt“, sagt auch Michael Luxenberger, grüner Bezirksvorsteher in Margareten. Seine Partei fordert seit Monaten, den sozioökonomischen Hintergrund und die Erstsprache der Eltern als Kriterium bei der Schulplatzzuteilung zu berücksichtigen. „Man muss nicht an Bezirksgrenzen festhalten.“ Zudem bräuchte es mehr Personal für die Deutschförderung – angefangen im Kindergarten. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", sagte Susanne Kasché-De Martin, Direktorin der Volksschule Gassergasse, zum Standard. In der Schule haben 95 Prozent der Kinder nicht Deutsch als Erstsprache. Die Lehrer seien „massiv überfordert”. Deutschförderkräfte würden zum Supplieren abgezogen werden. Der Bezirk Margareten versucht derweil, mit außerschulischen Projekten wie „Gemma Deutsch spielen“ und dem Eltern-Kind-Treff „mini“ die Deutschkenntnisse der Kinder und ihrer Eltern zu fördern. Weitere Angebote zum Deutschlernen finden Sie hier. |
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Stadtnachrichten | Gestern endete die Verhandlung rund um einen blutigen Angriff von Tschetschenen und anderen jungen Männern auf eine Gruppe Afghanen im Sommer Juli 2024. Der Hauptangeklagte D. wurde zu sechs Jahren unbedingter Haft verurteilt, ein Mittäter zu 30 Monaten bedingter Haft. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Zur Erinnerung: D. soll am 7. Juli 2024 zu einer Massenschlägerei am Bahnhof Meidling aufgerufen haben. Der Tschetschene habe sich an Syrern rächen wollen, die in den Wochen zuvor seine Landsleute angegriffen haben (mehr zum Prozess lesen Sie hier, hier und hier). D. war nicht geständig und meldete volle Berufung an.
Gestern haben wir über die Schließung der Pratersauna berichtet. Ebenfalls gestern eröffnete das Handelsgericht ein Konkursverfahren über das Vermögen der Prater Nostra GmbH, die Betreibergesellschaft der Pratersauna. „Der Techno Club ,Pratersauna' hat seit Mitte Dezember 2025 geschlossen, Grund war eine anhängige Räumungsklage wegen Mietzinsrückständen“, heißt es in einer Presseaussendung vom Österreichischen Verband Creditreform. „Gerüchte über einen drohenden Konkurs machten die Runde, Geschäftspartner der Schuldnerin haben dann die Zusammenarbeit beendet.“
„Heute werden die Weingärten nach den strengen Richtlinien des biologischen Weinbaus bewirtschaftet“, ist auf der Homepage des stadteigenen Weinguts Cobenzl zu lesen. Laut einem Bericht der Tageszeitung Kurier hat man es mit der Bio-Zertifizierung aber nicht so genau genommen. Von insgesamt 60 Hektar Rebfläche sollen 30 Hektar konventionell – mit chemischen Hilfsmitteln – bewirtschaftet worden sein. Die MA 49 (Forst- und Landwirtschaftsbetrieb) bestätigte, dass die Bewirtschaftung der Rebflächen am Bisamberg kurzfristig „aus betriebsstrategischen Gründen“ umgestellt wurden. Das habe man aber „weder verheimlicht noch missbräuchlich kommuniziert“. Man habe den potenziellen Einsatz des chemischen Düngers an die Landwirtschaftskammer und die Bio-Zertifizierungsstelle gemeldet. „Damit konnte rechtzeitig sichergestellt werden, dass weder Wein falsch bezeichnet bzw. etikettiert noch als BIO-Wein in den Handel gebracht wurde.“ Inzwischen habe man wieder alle Rebflächen auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. |
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Falter-Radio | Aufstand im Iran: Kippt nun das Regime? - #1560 | | Dem Regime der Islamischen Republik scheint es gelungen zu sein, durch ein Blutbad mit tausenden Toten die größte Protestbewegung seit Jahren niederzuschlagen. Aber fest im Sattel sitzen die Herrschenden in Teheran mit Sicherheit nicht. Analysen von Shoura Hashemi (Amnesty International), dem Iran-Experten Homayoun Alizadeh, dem Nahostexperten Walter Posch (Verteidigungsministerium) und Auslandskorrespondentin Tessa Szyszkowitz hören Sie hier. |
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Stadtgeschichten | | Zwischennutzungsende In den vergangenen Jahren haben Sozialprojekte und Kunstinitiativen eine vorübergehende Bleibe in der Alten WU am Alsergrund gefunden. Mit Monatsende müssen sie ausziehen. Nun regt sich Widerstand. Gestern wehte ein eisiger Wind am Althangrund im neunten Bezirk. Bei Minusgraden luden Künstlerinnen und Architekten der „Allianz Alte WU” zu einer Pressekonferenz mit dem etwas polemischen Titel „Kein Abriss ohne Plan“. Die Alte Wirtschaftsuniversität am Alsergrund steht seit Jahren leer. Soziale Projekte und Kulturinitiativen fanden hier über Zwischennutzungsverträge eine Heimat auf Zeit. Aber mit Ende Jänner laufen die Verträge aus. Die Eigentümerin, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), will das Gebäude zu einem energieeffizienten Bildungscampus mit zwei Schulen und Räumlichkeiten für die Universität Wien und die Universität für Bodenkultur (Boku) umbauen (Anna Goldenberg hat sich hier angeschaut, was damit verloren geht). Seit August läuft der Architekturwettbewerb für den Umbau. | | Architekten und Künstlerinnen fordern den Erhalt des Gebäudes am Althangrund. (© FALTER/Pechtl) | Die „Allianz Alte WU” fürchtet nun aber, dass die BIG vor Ende des Wettbewerbs „Fakten schaffen“ könnte. „Noch bevor Klarheit darüber herrscht, was am Althangrund entstehen soll und welche Gebäudeteile erhalten werden können, müssen nun etablierte Nutzungen, die das Grätzl seit Jahren beleben, weichen“, heißt es in einer Aussendung. Bei der Pressekonferenz war von einem großflächigen Abriss und „Entkernungsmaßnahmen“ die Rede, dabei sei die Finanzierung noch gar nicht geklärt. Die Allianz forderte, den Bestand so weit wie möglich zu erhalten – das sei ohnehin viel günstiger und klimafreundlicher –, auch die Kunst- und Sozialprojekte sollten bleiben dürfen. Die BIG will nicht von einem Abbruch sprechen. 40 Prozent des Bestands müssen erhalten bleiben, so sieht es die Ausschreibung vor. Das sei eine Mindestvorgabe, sagte eine Sprecherin der Bundesimmobiliengesellschaft im Herbst zum Falter. Architekten, die mehr Substanz erhalten, würden belohnt werden. Es werden auch keine Gebäudeteile abgerissen, bevor der Architekturwettbewerb abgeschlossen ist. Dass die Zwischenmieter demnächst ausziehen müssen, hat einen anderen Grund. „Bis Mitte 2027 läuft die sehr aufwendige Schadstoffsanierung (zum Beispiel: sachgemäße Asbest-Entsorgung). Das ist nicht mit einem Abbruch zu verwechseln, auch wenn vielleicht Bautätigkeit wahrnehmbar ist“, heißt es von der BIG. Während der Arbeiten dürften sich keine Menschen – außer die Schadstoffbeseitiger – im Gebäude aufhalten. „Das war mit den Zwischennutzungen auch von Anfang an so vereinbart.“ Die erste Phase des Architekturwettbewerbs läuft noch bis Februar, dann geht es an die Detailplanung für die erste Bauetappe. Die Arbeiten werden wohl nicht vor 2028 starten. |
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Der FALTER in Linz | Kommende Woche, am Donnerstag den 29. Jänner, gibt die Falter Arena ein Gastspiel in der Stahlstadt Linz, es wird um die Skandale der Republik gehen – von SOS Kinderdorf über KHG und Lucona. Ein paar Restkarten für den Abend im Linzer Schauspielhaus gibt es noch! Sie sind in Wien oder Wien-Umgebung Zuhause? Auch kein Problem, am 24. Februar 2026 ist die Falter Arena wie gewohnt im Wiener Stadtsaal zu sehen. Tickets sind hier erhältlich. |
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Lokaltipp | Carioca (1050, Hamburgerstr. 16) | | Strahlen wie die Sonne Brasiliens: Stefan Stratil und Livia Pires Mata im neuen Carioca | Gekocht und serviert wird im Lokal in der Hamburgerstraße nur von Brasilianerinnen und Brasilianern, „das ist wichtig für die Stimmung“, sagt Livia Pires Mata. Das Sortiment ist klein, aber dafür authentisch; auf irgendwelche Neymar-Burger oder Ronaldinho-Tacos lässt man sich hier gar nicht erst ein. Im Zentrum steht die Feijoada, die in Brasilien quasi jeder liebt und hinter der ein enormer Aufwand steckt: Der Fond wird sechs Stunden lang gekocht, „mit den weniger edlen Teilen vom Schwein“. In den Fond kommen Bohnen und Hartwürste, dann noch Waldviertler, Geselchtes und natürlich Charque, getrocknetes Rindfleisch, das den ganz besonders typischen Geschmack verleiht und das Livia Pires Mata selbst herstellt: „Eine Feijoada ist insgesamt ein bisschen wie eine Schwangerschaft.“ Das nicht wirklich Insta-taugliche Bohnengulasch wird mit Reis, geröstetem Maniokmehl und Vinagrete-Sauce kombiniert, ist ebenso sättigend wie köstlich (€ 17,90), gibt’s auch in vegan und steht immer auf der Karte. Ebenso übrigens wie eine Unglaublichkeit namens Escondidinho, eine Art Auflauf aus dem Trockenfleisch mit Maniokpüree, arg (€ 13,90/16,90), sowie Coxinha de Galinha, ein frittiertes Knöderl aus Weizen-Erdäpfel-Teig, in das zwei Stunden lang Hühner-Bratensaft eingeknetet wird, mit gut gewürzter Hühnerfleisch-Fülle – zart ist anders, aber großartig (€ 5,20). Dazu trinkt man Bier, noch dazu, wo es mit dem Schnaitl-Pils eines der besten Biere Österreichs gibt; oder natürlich Caipirinha, das fruchtig-säuerliche Mischgetränk aus gequetschten Limetten, dem Zuckerrohrschnaps Cachaça, etwas Zucker und viel Eis (€ 9,50 bis € 11,–). Den Alkohol schwitzt man bei 35 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit eh gleich wieder raus. Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier. |
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Frage des Tages | Was zeigt unser Satellitenbild? | | © Geoland | Auflösung von gestern: 2024 wurden in Wien 13.000 Kinder geboren (nicht 5.000 oder 26.000) |
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Events des Tages | KunstEs ist wieder soweit: Die Akademie der bildenden Künste lädt von heute bis Sonntag zum Rundgang 2026, der durch Ateliers und Werkstätten sowie zu einer Menge temporärer Präsentationen führt. So stellt das Programm „Gender & Space“ im Haupthaus am Schillerplatz mehrere Semesterprojekte vor. „Legionella“ titelt eine Schau samt Konzertreihe der Studierenden von Daniel Richter im Atelierhaus Lehárgasse. (Nicole Scheyerer) Akademie der bildenden Künste, diverse Standorte, 22. bis 25.1.; Details: www.akbild.ac.at
LiteraturSie sind beide Niederösterreicher und schreiben bevorzugt in der Mundart. Nun stellen Herbert Eigner-Kobenz und Wolfgang Kühn ihr gemeinsames Buch „da fraunz und da koal. pongen im dialekt“ vor. Es ist ein literarischer Schlagabtausch in Form von launigen bis tiefgründigen Miniaturen. Auch nicht schlecht: Attwenger-Hälfte Hans-Peter Falkner (Akkordeon, Stimme) begleitet die Präsentation musikalisch. (Sebastian Fasthuber) Grätzlbuchhandlung Lainz, Do 19.00 |
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Kinderbuch | Volkmar Mühleis & Atak: Am Fluss entlang ATAK alias Georg Barber legte immer schon Bilderbücher vor, die sich für alle Lebensalter eignen: von der Illustration von Mark Twains Erzählung „Der geheimnisvolle Fremde"(2013) bis zum Nachgesang auf „Martha, die letzte Wandertaube" (2023). Seine Ästhetik zwischen naiver Malerei und Comicstrip mit Neigung zum Wimmelbild verleitet zu kontemplativem Schauen. „Ich putze meine Kinderschuhe und mache mich auf den Weg", beginnt das neue Buch, getextet von Volkmar Mühleis, und führt von den niederländischen Bergen über „Böhmen am Meer" und ein magisches Theater mit einem Schlenker nach Bolivien bis zu den Schnee-Eulen. Ein fantastisch angehauchtes Künstlerbuch in limitierter Auflage, das man sich selbst schenken oder als Vorrat für das nächste Weihnachtsfest horten sollte. (Kirstin Breitenfellner) Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at |
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Besser lesen mit dem Falter | Buchpodcast #151 – Simon Schwarz | | In dieser Folge ist der Schauspieler und Kabarettist Simon Schwarz zu Besuch. Mit im Gepäck hat er sein neues Buch „Geht's noch? Betrachtungen eines Überforderten”, das er gemeinsam mit Co-Autorin Ursel Nendzig verfasst hat. Darin blickt er zurück auf seine Kindheit und Jugend, die geprägt waren von einer umweltbewussten Mutter und dem Dasein als „schwarzes Schaf” ohne Matura in einer intellektuellen Familie. Schwarz übt im Gespräch mit Podcast-Host Petra Hartlieb Kritik an der wachstumsorientierten Gesellschaft und plädiert für einen wissenschaftsbasierten Diskurs, der über ideologische Bubbles hinausgeht. Warum das Vollkorn-Jausenbrot in der Jugend uncool, die Hainburg-Besetzung und die Ausflüge ins Mühlviertel zum Gemüse-Kaufen aber umso cooler waren, erzählt er in dieser Folge. |
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Architekturkritik #14 | | Der diskrete Charme der S-Bahn-StammstreckeSie ist eine der wichtigsten Lebensadern Wiens, aber sie gibt sich große Mühe, sich das nicht anmerken zu lassen: Die S-Bahn-Stammstrecke. Die meistbefahrene Bahnstrecke Österreichs, seit 1857 in Betrieb, durchtaucht die Stadt in diskreter Tarnung. Unter dem gepflasterten Vorplatz des Hauptbahnhofs und unter dem Gras des Schweizergartens spielt sie U-Bahn, ab dem Rennweg zwängt sie sich in den Einschnitt des früheren Wiener Neustädter Kanals, bevor sie im ästhetischen White Trash der Shopping-Malls von Wien Mitte begraben wird. Erst am Donaukanal schwingt sie sich wieder zur stolzen Sichtbarkeit auf. | | Die Bahnsteige der S-Bahn-Station Quartier Belvedere werden um 60 Meter verlängert. (© Rendering ÖBB/zkpt) | Kein Wunder also, dass viele Bürger entsetzt waren, als kürzlich im Schweizergarten zu großflächigen Baumfällungen kam. Verständlich auch, denn so groß ist der Schweizergarten nicht, dass ihm dieser Eingriff nicht eines beträchtlichen Teils seiner Gartenhaftigkeit berauben würde. Der Grund für die Rodung liegt im Untergrund: Die Bahnsteige der S-Bahn-Station Quartier Belvedere werden um 60 Meter verlängert, mit einem zweiten Ausgang im Park. Die Visualisierungen der ÖBB zeigen diesen als luftig verglasten Pavillon mit Flugdach. Der diskrete Charme der Stammstrecke wird also für eine Zeit lang zur offensichtlichen Baustelle – nicht nur im Schweizergarten. Auch die Viaduktbögen, die Stützmauern und die Ungarbrücke werden ersetzt, der Bahnsteig am Rennweg verlängert. Ab Herbst 2026 wird sie für 14 Monate ganz gesperrt, danach gleiten die Bahnen mit erhöhter Taktfrequenz wieder durch Untergrund und Einschnitt. So gewohnt sind wir an das Funktionieren der Stadt und ihrer Infrastruktur, dass wir leicht vergessen, dass man sie regelmäßig instand halten muss, damit sie funktioniert. In 170 Jahren, bei der nächsten Großreparatur, sehen wir sie vielleicht wieder, die diskrete Stammstrecke. |
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