✍Ein Vater ist mit zwei Kinder in Ägypten untergetaucht: Die Mutter kämpft in Wien darum, sie zu finden >> 65 Jahre Gartenbaukino: Leiter Norman Shetler und Veranstaltungskoordinator Lukas Kirisits im Gespräch >> Lokalkritik: Paul Boulangerie >> Architekturkritik: Kurbadstraße Oberlaa Wetterkritik: Wenn wir Glück haben, sehen wir heute am Vormittag die Sonne oder zumindest den Himmel. Am Nachmittag zieht dann wieder …
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FALTER.morgen – Der Wien-Newsletter / Die Suche nach Lily und Noah / 18.12.2025 / Sie starten in den Tag mit Soraya Pechtl }}

Ein Vater ist mit zwei Kinder in Ägypten untergetaucht: Die Mutter kämpft in Wien darum, sie zu finden >> 65 Jahre Gartenbaukino: Leiter Norman Shetler und Veranstaltungskoordinator Lukas Kirisits im Gespräch >> Lokalkritik: Paul Boulangerie >> Architekturkritik: Kurbadstraße Oberlaa

Wetterkritik: Wenn wir Glück haben, sehen wir heute am Vormittag die Sonne oder zumindest den Himmel. Am Nachmittag zieht dann wieder der triste Hochnebel auf, deprimierend das ganze Grau. Aber wir wollen nicht Sudern. Die Linzer hatten im ganzen Dezember nur fünf Minuten Sonne.


Guten Morgen!

Die Geschichte, die wir Ihnen heute erzählen, ist der Albtraum jeder Mutter. Liza Ulitzka weiß seit Monaten nicht, wo sich ihre beiden Kinder, 6 und 8 Jahre alt, befinden. Der Vater hat sie im Sommer mit auf einen Urlaub nach Ägypten genommen und kam nicht mehr zurück. Seither ist er mit den Kindern untergetaucht, die Kronen Zeitung berichtete zuerst über den Fall. 

Wir haben mit Ulitzka und den Behörden in Wien gesprochen. Wie es überhaupt dazu kommen konnte und wie es nun weitergeht, lesen Sie gleich.

Außerdem hat Sabina Zeithammer mit Norman Shetler, Leiter des Gartenbaukinos, und Veranstaltungskoordinator Lukas Kirisits über die Eröffnung vor 65 Jahren und die heutige Jubiläumsgala gesprochen. Und Architekturkritiker Maik Novotny hat sich die Pläne für die Kurbadstraße Oberlaa angeschaut.

Einen schönen Tag wünscht

Soraya Pechtl

PS: Robert Wiesner wünscht eine Richtigstellung zu einem Kurztext im gestrigen Morgen-Newsletter (es geht um die Verlinkung auf ein Falter.maily): Wir haben geschrieben, dass er eine „,eine Art Privatkampagne gegen den Falter gestartet hat – die ganze Story finden Sie hier. Wiesner sagt, das „ist falsch beziehungsweise irreführend unvollständig. Erbost hat mich, dass Klenk seinen Bericht dort mit dem Posting ,was macht eigentlich Anna Sporrer beruflich?' beworben und verbreitet hat. Das finde ich untergriffig und des Falter nicht würdig, darauf habe ich entsprechend reagiert.“


Heute für Sie auf falter.at

  • Ist Österreich tatsächlich eines der europäischen Länder, mit denen die Trump-Regierung enger zusammenarbeiten will – „mit dem Ziel, sie von der (Europäischen Union) wegzuziehen“? Das steht angeblich in einer inoffiziellen Version der neuen US-Sicherheitsstrategie. Auch wenn das Zitat bislang nicht wirklich verifiziert wurde: Es passt zu den offiziellen Aussagen aus dem Weißen Haus. Eva Konzett, Lina Paulitsch und Tessa Szyszkowitz haben die Hintergründe recherchiert.

  • Dass jetzt auch Wien sparen muss ist inzwischen bekannt – die konkreten Folgen werden aber erst nach und nach abschätzbar. Zum Beispiel im Sozialbereich: Dort treffen die Budgetkürzungen tausende Geflüchtete mit voller Härte. Nina Horaczek und Viktoria Klimpfinger haben mit Betroffenen gesprochen, die plötzlich vor dem Nichts stehen.

  • Zwei Muslime als Mörder, ein Muslim als Retter: Das Entsetzen über den Anschlag gegen eine jüdische Chanukka-Feier in Australien sitzt immer noch tief: Ein Attentäter-Duo hat dort am vergangenen Wochenende 15 Menschen erschossen. Alles deutet auf ein islamistisches Motiv hin. Schlimmeres verhinderte ein gebürtiger Syrer, der einem der Attentäter das Gewehr entriss. „Gläubige sind nicht für die Untaten im Namen ihrer Religion verantwortlich“, schreibt unser Kolumnist Ruşen Timur Aksak: „Aber sie haben eine Verantwortung dafür, dass in ihren Reihen kein Hass gedeihen kann.“

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Foto: MAK/Christian Mendez

HELMUT LANG im MAK

Die Ausstellung HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive präsentiert erstmals umfassend das Œuvre des Designers. Basierend auf dem größten öffentlichen Archiv seines Werks, seit 2011 Teil der MAK Sammlung, bietet sie einen einzigartigen Einblick in Langs Mindset und seinen kreativen Prozess.

Mehr Informationen hier

„Er hat gesagt, ich hätte alles verloren“

Liza Ulitzka sucht seit Monaten nach ihren beiden Kindern. Ihr Ex-Mann ist mit ihnen im Ausland untergetaucht. 

Als Liza Ulitzka ihren Ex-Mann kennenlernte, war er ein anderer. Sie reiste im Jahr 2011 als Journalistin zu den Protesten des arabischen Frühlings nach Kairo. Er demonstrierte am Tahrir Platz gegen das autokratische Regime von Muhammad Husni Mubarak. „Er war damals extrem liberal“, erinnert sich Ulitzka. Die beiden verlieben sich, ziehen nach Wien, heiraten und bekommen zwei Kinder, Lily und Noah. Alles lief gut.  

Bis zum Jahr 2023. Ulitzkas Mann beginnt sich zu radikalisieren. Im Netz, aber vor allem in einschlägigen Moscheen. „Er ist mit immer verrückteren Ideen nach Hause gekommen“, sagt sie. Einmal habe er eine Bibel im Garten ihrer Mutter verbrennen wollen. Auch auf Liza Ulitzka übte er immer mehr Druck aus. „Ich sollte um Erlaubnis fragen, wenn ich verreise.“ Für die Journalistin kommt das aber nicht infrage. „Dann sind die Fetzen geflogen“, erinnert sie sich. Ulitzka reicht die Scheidung ein. Während der Trennung habe er weiterhin „Psychoterror“ und Druck auf sie ausgeübt. 

© privat

Irgendwann normalisiert sich die Situation langsam wieder. Für die Kinder bekam er Kontaktrecht, jedes zweite Wochenende sollten sie bei ihm verbringen. Für den Sommer 2025 legte das Bezirksgericht Hernals eine Ferienregelung für die Kinder fest. Er soll Lily und Noah für drei Wochen mit zu seinen Eltern nach Ägypten nehmen. „Ich wollte auch, dass meine Kinder ihre Großeltern kennenlernen“, sagt sie. Am 19. Juli hätten sie eigentlich zurückkommen sollen. Aber ihr Ex-Mann taucht nicht auf. „Er hat mich angerufen und gesagt, ich hätte alles verloren.“

Liza Ulitzka fliegt nach Kairo und klopft an die Türen seiner Familie. Aber niemand öffnet ihr. Ulitzka erwirkt in Ägypten eine Verfügung gegen ihren Ex. Wenn sie die Kinder finden würde, dürfte sie sie mitnehmen. In Österreich lässt sie ihm derweil die Obsorge entziehen, die beiden entsprechenden Beschlüsse liegen dem Falter.morgen vor. 

Ende Juli lässt er Ulitzka noch einmal mit ihren Kindern telefonieren. Aber das Telefonat dauert nicht lang. „Sie wirkten eingeschüchtert“, erinnert sich die Mutter. Seither hat sie nichts mehr von Lily und Noah gehört.

Obwohl die Kinder österreichische Staatsbürger sind (sie haben auch die ägyptische Staatsbürgerschaft), sehen sich die Gerichte in Wien für den Fall nicht zuständig. Der Grund? Er ist kein österreichischer Staatsbürger und brachte die Kinder legal ins Ausland. „Als das Sorgerecht entzogen wurde, war er bereits im Ausland“, erklärt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien. Zu dem Zeitpunkt, als er mit den Kindern Österreich verlassen hatte, hatte er noch die Obsorge. 

Unterstützung bekommt Ulitzka von der Botschaft in Kairo. Man habe „unverzüglich Notpässe für die Kinder ausgestellt und gemeinsam mit dem Rechtsvertreter der Mutter einen Termin beim zuständigen Richter beantragt“, heißt es vom österreichischen Außenministerium. Man habe den Fall auch immer wieder bei den ägyptischen Behörden vorgebracht. Bislang ohne Erfolg. 

Über 16.000 Euro hat Ulitzka bereits für Gerichts- und Anwaltskosten aufgewendet. Freunde von ihr haben nun ein Crowdfunding auf Gofundme eingerichtet.

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Ein humorvoller Film wie eine sanfte Umarmung

Stand-up-Comedienne Eva Victor erzählt in ihrem gefeierten Regiedebüt vom Frausein, vom Komischsein und davon, wie komisch es ist, eine Frau zu sein. SORRY, BABY ist intim, ungefiltert und umwerfend witzig. Nominiert für den Golden Globe 2026.

Ab 18. Dezember im Kino


Stadtnachrichten

Wie geht es Ihnen? Hoffentlich liegen Sie nicht krank im Bett. Denn Wien ist mitten in der Grippewelle. Vorige Woche gab es 12.000 Anrufe bei der telefonischen Gesundheitshotline 1450, die meisten wegen Grippe- und Erkältungsbeschwerden, wie der ORF berichtete. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 gab es nur rund 6.000 Anrufe pro Woche. 


Die Wienbibliothek im Rathaus hat den Nachlass von Georg Danzer übernommen. Darunter sind Fotos, Plakate, Setlisten, Notiz- und Tagsüber, die „bemerkenswerte Einblicke in die große Bandbreite von Leben und Schaffen des Wiener Liedermachers“ gewähren, heißt es in einer Aussendung. Sein Nachlass soll zu einer Forschungsquelle für Danzers Schaffen werden und die opulärkulturellen Bestände der Bibliothek erweitern. „Georg Danzer war ein feinfühliger und präziser Chronist seiner Zeit, gesellschaftskritisch in seinen Texten und musikalisch offen für Kollaborationen,“ sagte Wienbibliothek-Direktorin Anita Eichinger. 


Die Bank Austria hat das Wirtschaftswachstum der Bundesländer analysiert. Wiens Wirtschaft wächst mit einem 1 Prozent am stärksten. Die Bank Austria spricht gar von einem „überdurchschnittlichen" Wachstum. Woran das liegt? Die Treiber waren der öffentliche Sektor, die Industrie und der Tourismus. „Die Wiener Industrie wies gemeinsam mit Tirol 2025 den stärksten Zuwachs bei der Produktionsleistung auf. Besonders dynamisch entwickelten sich der sonstige Fahrzeugbau, die Hersteller sonstiger Waren sowie die Pharmaindustrie“, heißt es in dem Dokument. Die Warenausfuhren sind in Wien heuer aber um sechs Prozent zurückgegangen, vor allem jene von pharmazeutischen Produkten und Maschinen. 

Im Rathaus freut man sich über die Analyse. „Die Entscheidung, unseren politischen Schwerpunkt auf Wirtschaftspolitik zu legen, hat sich als richtig erwiesen“, so Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in einer Aussendung. 


Das neunerhaus betreut obdach- und wohnungslose Menschen in Wien. Im 5. Bezirk betreibt es auch eine Tierarztpraxis, an die sie sich mit ihren Haustieren wenden können – kostenlos. In Kooperation mit der Österreichischen Tierärztekammer arbeiten hier ehrenamtliche Tierärztinnen und -ärzte. Gestern dekorierte das neunerhaus die Tierarztpraxis zum weihnachtlichen Fotostudio um. Bei der Gelegenheit konnte man auch gleich biometrische Passfotos anfertigen lassen. 15 obdach- und wohnungslose Menschen nutzten das Angebot und kamen mit ihren Tieren.


Falter-Radio

Jahresrückblick ‘25: Regierung neu, FPÖ im Höhenflug – #1537

Innenpolitisch war heuer viel los: Zu Beginn des Jahres schrammte  Österreich haarscharf an einer Kanzlerschaft von FPÖ-Chef Herbert Kickl vorbei. Mittlerweile regiert Schwarz-Rot-Pink seit bald zehn Monaten und die FPÖ verzeichnet Rekordwerte in den Umfragen. Die Journalisten Cathrin Kahlweit (Süddeutsche Zeitung) und Michael Fleischhacker (ServusTV) debattieren mit Falter-Chefredakteur Florian Klenk in dieser Folge über die innenpolitische Dynamik an der Jahreswende 2025/2026.


Interview

Bild von Sabina Zeithammer
VON SABINA ZEITHAMMER

Eine Gala wie damals

Das Gartenbaukino feiert das 65-Jahr-Jubiläum seiner Eröffnung im Jahr 1960 mit einem Reenactment des Gala-Abends, an dem Kirk Douglas persönlich seinen Monumentalfilm „Spartacus“ vorstellte. Norman Shetler, der Leiter des Kinos, und Lukas Kirisits, Chefkoordinator der Veranstaltung, geben Einblicke

Falter.morgen: Wie wird der Abend des 18. Dezember im Gartenbaukino aussehen?

Norman Shetler: Wir haben uns vorgenommen, den Abend radikal wie 1960 zu gestalten, im Sinne von wirklich analog. Es ist eine richtige Versuchsanordnung, mit liebevollem Augenzwinkern.

Was umfasst das?

Norman Shetler: Es gab keinen Onlinevorverkauf, sondern die Leute mussten sich die Tickets holen. Die Tickets sind handgestempelt und handgeschrieben. Der Film wird von 70 mm gespielt. Aber auch die Werbung ist historisch. Dazu zeigen wir eine Wochenschau und eine Modenschau, wie es in den 1960ern üblich war. Mit einem Moderator, der gekleidet ist wie damals und auch idealerweise so redet wie damals. Nur nicht ganz so sexistisch (lacht). 

Gartenbau Kino-Geschäftsführer Norman Shetler (© APA/ROLAND SCHLAGER)

Was darf man sich erwarten?

Norman Shetler: Einen sehr langen Abend, natürlich mit Verköstigung. Das Sortiment wird leergeräumt von Dingen, die damals noch nicht existiert haben. Sportgummi gab's schon, das haben wir überprüft. Aber gleichzeitig soll es auch etwas sehr Festliches sein. Wir hoffen, dass die Leute in Abendgarderobe kommen.

Es soll alles gleich sein, aber der Preis ist es nicht. Ein Ticket kann damals nicht 270 Schilling, umgerechnet 19,60 Euro, gekostet haben.

Norman Shetler: Das stimmt. Ich nehme stark an, dass die Eröffnung 1960 ein großes gesellschaftliches Event war, wo das normale Publikum gar nicht kommen konnte. Das ist natürlich nichts, was wir nachahmen wollten. Wir haben nur eine sehr kleine Gästeliste. Es war uns wichtig, dass die Menschen wirklich die guten Tickets kriegen. Und der Preis ist halt der Preis. Die Veranstaltung soll sich selbst tragen.

Man soll keine Handys verwenden, wird das für die Instagrammer nicht schmerzlich werden? 

Norman Shetler: Ja, das ist wurscht (lacht). Unser Fotograf wird auch ausschließlich analog fotografieren.

Waren Sie überrascht vom Zuspruch für die doch leicht nerdige Veranstaltung? 

Lukas Kirisits: Ich war ein bisschen überwältigt von den Vorverkaufstagen. Am 1. Dezember sind die Leute zwei Stunden angestanden, um Tickets zu ergattern. Also irgendwie treffen wir da einen nerdigen Zeitgeist. 

Das Kino wird auch speziell dekoriert, richtig?

Lukas Kirisits: Genau, wir haben Archivmaterial von einem privaten Plakatarchivar bekommen. Es gibt auch viel Fotomaterial vom Foyer, wie das Kino in den 1960ern und 1970ern gebrandet worden ist. Auch diesen Bereich werden wir bespielen. Wir werden etwa Pflanzen anschaffen, die zu der Zeit hier gestanden sind.

Gibt es noch Resttickets?

Lukas Kirisits: Für die ersten zwei Reihen gibt es noch Karten.

Warum sollte man sich heute „Spartacus“ ansehen?

Norman Shetler: Ich mag den Film total gern, aber er ist natürlich komplett aus der Zeit gefallen. Er hat eine andere Ästhetik, ein anderes Frauen- und Gesellschaftsbild. Aber es ist ein Film, der das Herz am rechten Fleck hat. Er hat etwas sehr Romantisches mit diesem Aufruhrgeist. Er ist sehr traurig und sehr mitreißend, und er hat sehr tolle Musik. 


Auszeichnung

Die Falter-Redakteure und SOS-Kinderdorf-Aufdecker Jürgen Klatzer und Matthias Winterer wurden von einer Fachjury im Magazin Journalist:in zu den Journalisten des Jahres und Investigativjournalisten des Jahres gekürt worden. Barbara Tóth ist Innenpolitik-Journalistin des Jahres. Wir gratulieren herzlich! 


Lokalkritik

Paul Boulangerie (1030, Kegelg. 37/39)

Gelegen beim Wiener Hundertwasserhaus, gefühlt ein Flughafen-Café im Charles de Gaulle (© Heribert Corn)

Im Herbst vergangenen Jahres rauschte die Meldung durch Österreichs Foodie-Medien, dass die französische Traditionsbäckerei Paul einen Laden in Wien aufmache. Gegründet 1889, geführt in sechster Generation, Sauerteig, kein Palmöl, reinste Butter ...

Gut, es dauerte dann doch noch über ein Jahr, bis die Verheißung wahr wurde, und die Location mitten im Souvenir-Schlachtfeld des „Hundertwasser-Village“ ist auch ein bisserl abtörnend.

Gleich beim Eingang hinter den Hundertwasser-Säulen steht eine Vitrine voller sehr französischem Gebäck, Brioches, Croissants, Tartelettes, Eclaires, Macarons, dazu Körbe voller Baguettes und Weckerln. Ganz schön viel Ware für ein recht schütter besuchtes Bäckerei-Café. Gleich hinter dem Counter mit der Vitrine kann man in eine Backstube blicken: Ob all das Backwerk da drin gebacken wird? Nein, das kommt tiefgefroren aus der Zentrale, hier backen sie es nur auf.

Zum Glück gibt’s auch Frischgemachtes, auf der Karte stehen Quiches, Crêpes, Tartines alias belegte Brote, Sandwiches, Croques Monsieurs, Ratatouille, Fotos zeigen, was man sich darunter vorzustellen hat … aber leider nein, doch nicht, weil nur bis 15 Uhr. Seltsame Strategie, dann halt ein mit Räucherlachs gefülltes Croissant aus der Vitrine, das so schmeckt wie ein aus Lille angelieferter Croissant-Teigling, der in der Früh in Wien aufgebacken und mit Lachs gefüllt wurde (€ 11,90).

Das Mohnweckerl mit Hühnerbrustscheiben ließ sich beim besten Willen mit Besteck nicht mehr bearbeiten, so „kompakt“ war es schon, immerhin hatte es aber ein frisches Salatblatt abbekommen (€ 10,90). Der Kaffee ist französischer Standard, wobei Kaffee leider wirklich nicht die Spezialität der Franzosen ist. Das Rätsel, was das Erfolgsgeheimnis der Paul-Kette sein könnte, wird im neuen Wiener Outlet jedenfalls nicht gelöst.

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier.


Frage des Tages

Was zeigt unser Satellitenbild?

Auflösung von gestern: Seit etwa 1600 dürfte es in Wien Christkindlmärkte geben (nicht seit 1850 oder 1900).


Events des Tages

Bild von Gerhard Stöger
AUSGEWÄHLT VON GERHARD STÖGER

Musik

Wenn Ernst Molden mit dem seit geraumer Zeit bestehenden und perfekt aufeinander eingespielten Frauenorchester auftritt, hat er Sibylle Kefer (akustische Gitarre, Querflöte), Marlene Lacherstorfer (Bass) und Maria Petrova (Schlagzeug) an seiner Seite. Der Sound ist elektrischer und rockiger als von Moldens sonstigen Projekten gewohnt, das Ergebnis ausgesprochen leiwand. Traditionell spielen Molden und „Orchester“ kurz vor Weihnachten im Porgy & Bess, ebenso traditionell wirken bei dieser Gelegenheit Gäste mit. Heuer sind das Neo-Austropop-Star Christopher Seiler (Gesang) und die Akkordeonistin Marie-Theres Stickler.

Porgy & Bess, 20.30 (Livestream: www.porgy.at)


Kabarett

Robert Stachel und Peter Hörmanseder alias Maschek werfen mit ihren Synchronisationen seit rund 25 Jahren einen ganz eigenen Blick auf die Tagespolitik. Im aktuellen Programm „Exit. Ausgang ungewisss“ stürzt sich das Duo mitten ins Chaos. Was, wenn die Zukunft schon da ist, aber niemand mehr den Notausgang findet? „Dank des immer wieder aufgenommenen roten Fadens über Robotik, Internet und künstliche Intelligenz erfüllt die Show alle Erwartungen an ein komisch versponnenes, satirisches Sittenbild: dicht gespickt mit Prominenz aus Politik und Gesellschaft, klugem Witz und frechem Spott, brachialen Albernheiten und ein paar sehr alten Schmähs. Keine Sekunde fad“, urteilte FALTER-Kritiker Peter Blau.

Rabenhof, 20.00


Buchtipp

Roman Sandgruber: Habsburg

Als die Habsburgermonarchie am Ende des Ersten Weltkrieges im November 1918 zerfiel, übergab Kaiser Karl zwar die aktuellen Staatsgeschäfte an die österreichische Regierung, wollte aber gleichzeitig vom Verlust des Thrones und vom Ende der Dynastie nichts wissen -und arbeitete an der Restauration. Dieser Anspruch kostete Geld. Karl, von vielen für einen politischen Nobody gehalten, schaffte es, ein großes Vermögen, an allen österreichischen Ansprüchen vorbei, ins Schweizer Exil zu schaffen. Bis heute ist nicht geklärt, was im Sonderzug und in zwei Autos am 23./24. März 1919 abtransportiert wurde.

Mit dabei wertvolle Juwelen aus zwei Vitrinen der Schatzkammer, die in den vergangenen Wochen für viel Aufregung sorgten. In Roman Sandgrubers neuem Buch „Habsburg" gelten die Juwelen noch als verschwunden. Er konnte beim Schreiben noch nicht wissen, dass Kaiserin Zita die Öffentlichkeit jahrzehntelang narrte, von Diebstahl erzählte. Die Diamanten werden wohl nie nach Österreich kommen, denn da wartet die Finanzprokuratur. Die delikate Debatte über das undurchsichtige Habsburger-Vermögen, die die Jahre nach der Republikgründung 1918 so heftig bewegt hatte, kann neu beginnen. … (Alfred Pfoser)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at. Sie suchen noch ein Geschenk? Im faltershop gibt es jetzt auch Gutscheine!


Architekturkritik #12

Bild von Maik Novotny
VON MAIK NOVOTNY

Kurbadstraße Oberlaa

Das ehemalige Areal des Kurmittelhauses am Eingang zum Kurpark Oberlaa ist ein naheliegender Ort für den Bau eines neuen Stadtquartiers. Mit bester Öffi-Anbindung direkt an der Endstation der U1 wird es ein Zentrum für die schon bestehenden, eher vorstädtischen Wohnblocks wie den 2019 eröffneten Gemeindebau Barbara-Prammer-Hof sein. 650 Wohnungen, 81 Heimplätze, Kindergarten sind hier geplant, mit klimaschonenden Bauweisen.

Bislang verlief diese Planung auf denselben bürokratischen Schienen wie bei den meisten Wiener Entwicklungsgebiete: Stadtplanung (das „Stadtteilentwicklungskonzept Südraum Favoriten“), kooperatives Planungsverfahren, Bauträgerwettbewerb, Baubewilligung. Aber auch mit Protesten der Bürgerinitiative Lebensraum Oberlaa, die die geplanten Gebäudehöhen von 35 Metern als zu monströs empfindet und weitere Bebauungen ähnlicher Art im noch dörflich geprägten Oberlaa befürchtet.

© querkraft architekten zt gmbh

Doch im November wurde die Bürokratie, wie die Zeitung Mein Bezirk berichtete, zur zwischenzeitlichen Vollbremsung gezwungen. Wie das? Die Baupolizei (MA 37) hatte in ihrer Bewilligung angegeben, eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sei hier nicht nötig. Wie man aus den Beispielen Heumarkt-Hochhaus und Stadtstraße/Lobauautobahn weiß, kann eine UVP ein Bauvorhaben jahrelang verzögern oder gar stoppen. Ob das aufwändige Verfahren einer UVP, das ursprünglich für große Infrastrukturprojekte wie Autobahnen oder Wasserkraftwerke konzipiert wurde, für den Städtebau mitten in einer Zweimillionenstadt das richtige Instrument ist, ist auch unter Experten umstritten.

Genau dieser Bescheid wurde nun nach einer Beschwerde der Bürgerinitiative und der Organisation „Alliance for Nature“ vom Verwaltungsgericht zurückgeworfen, da er „äußerst mangelhaft" sei. In unmißverständlich harten Worten wurde klargestellt, dass die Argumente der Baupolizei nicht nachvollziehbar dargelegt wurden. Diese versprach nun, nachzubessern. Ob eine UVP erforderlich ist, wird sich dann im nächsten Schritt zeigen.


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