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FALTER.morgen – Der Wien-Newsletter / Zwickt’s mi! / 09.04.2026 / Sie starten in den Tag mit Viktoria Klimpfinger }}

In Wien ist die Zahl der Kurzzeitvermietungen leicht gesunken, in manchen Bezirken am Stadtrand steigt sie aber: Verlagert sich das Problem? >> Der Wiener Grüngürtel und seine Geschichte >> Lokaltipp: Pomali >> Architekturkritik: Westbahnpark

Wetterkritik: Alles beim Alten: In der Früh sehr frisch, nachmittags bis zu 15 Grad, viel Sonne und glückliche Menschen in Parks und Schanigärten.


Guten Morgen!

Wenn Wolferl Ambros mit der Tramway in Richtung Favoriten gondelt, ärgert er sich über so manches fade Aug’: „Zwickt’s mi, i man i tram! Es derf net woah sein, wo samma daham?” Eine Frage, die man sich in Favoriten nicht mehr nur rhetorisch stellt. In den nächsten Jahren sollen im Bezirk neue Stadtviertel entstehen, gleichzeitig steigt auch die Zahl der Kurzzeitvermietungen. Anbieter weichen auf den Stadtrand aus, um die strenger regulierten Wohnzonen zu umgehen. Kann man das verhindern? 

Außerdem: Soraya Pechtl berichtet über die Pläne der Stadt, den Grüngürtel zu erweitern. Florian Holzer war im neuen Lokal Pomali. Und Architekturkritiker Maik Novotny hat sich die Pläne für das Westbahnareal angeschaut.  

Einen schönen Tag wünscht

Viktoria Klimpfinger

PS: Wir haben Ihnen gestern im Newsletter Filme empfohlen, die derzeit gar nicht mehr im Kino laufen. Entschuldigen Sie! Die richtigen Kino-Tipps von Sabina Zeithammer finden Sie hier.


Heute für Sie auf falter.at

  1. ORF-Spitzengagen sind ein gefundenes Fressen für Boulevardzeitungen (jedenfalls, wenn sie gerade wieder ein Hühnchen oder mehr mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu rupfen haben). Und eines stimmt ja auch: am Küniglberg wird immer noch kräftig abgecasht – vor allem von alten weißen Männern, kommentiert Barbara Tóth. Aber über den ORF weiß man das dank Transparenzbericht inzwischen wenigstens. Im Gegensatz zu anderen staatlichen oder halbstaatlichen Unternehmen: Auch sie sollten ihre Gehälter schleunigst offenlegen.

  2. Er ist einer der intelligentesten und witzigsten Schriftsteller, Regisseure und Schauspieler der Welt – und er ist inzwischen Österreicher. Der Brite Stephen Fry hat die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen. Und das, obwohl er als Nachfahre verfolgter Wiener Juden die Abgründe der hiesigen Geschichte nur allzu gut kennt. Aber nicht nur darüber hat Tessa Szyszkowitz mit ihm gesprochen. Sondern auch über englischen Humor, jüdische Witze und vieles andere mehr.

  3. Darf’s ein bisserl Selbstlob sein? Die Dreierkoalition kann der Versuchung offenbar nicht widerstehen. Sie lockert heimlich, still und leise das strikte Werbeverbot für Regierungsinserate, das erst vor wenigen Jahren beschlossen wurde – und das, obwohl die strengen Bestimmungen damals als Maßnahme gegen Inseratenkorruption gefeiert wurden. Jürgen Klatzer hat die Gründe dafür recherchiert.

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Tanzbarer Indie-Pop mit Wawra im Wiener Konzerthaus

Authentische Geschichten, ungeschönte Emotionen und Musik, die im Kopf bleibt: Magdalena Wawra zeigt uns »wie man tanzt«. Die Wienerin verbindet deutschsprachigen Indie-Pop mit tanzbarer Melancholie.

Nach ihrer Erfolgssingle »wie man tanzt« erscheint nun im April 2026 ihr Debütalbum »ICH BIN VIELE«.
Die Songs daraus bringt Magdalena Wawra am 25. April live ins Wiener Konzerthaus jetzt Tickets sichern!

Urlaub in Schlupflöchern?

Die gewerbliche Kurzzeitvermietung weicht anscheinend an den Stadtrand aus. Eine Rechenaufgabe am Beispiel Favoriten: 

14.022 Apartments und Zimmer kann man auf der Plattform Airbnb in Wien mieten. Im Juni 2025 waren es noch 14.219. Tendenz also leicht sinkend. Aber nicht überall. Einige Anbieter dürften in Randbezirke abwandern, um den Wohnzonen auszuweichen, in denen die Stadt die Kurzzeitvermietung stark eingeschränkt hat. In einem YouTube-Video rät der Betreiber einer Beratungsfirma, die ihre Klienten zu Airbnb-Großverdienern machen will (wir haben hier berichtet), etwa dazu, Wohnen „etwas außerhalb” anzumieten. Dann sei das auch zu „100 Prozent legal”. Da hat er recht. Vorausgesetzt man hat eine Ausnahmebewilligung für die Kurzzeitvermietung, wenn sie über 90 Tage im Jahr hinausgeht. Innerhalb der Wohnzonen sind die Regeln deutlich strenger. 

In Favoriten gibt es keine einzige Wohnzone. Aber es gibt 1.328 Apartments oder Zimmer, die man über die Buchungsplattform Airbnb mieten kann. Im Juni 2025 waren es noch 1.254. Tendenz also leicht steigend. Filtert man nach jenen Unterkünften, die länger als 90 Tage im Jahr zur Verfügung stehen, sind es 949 (im Juni waren es 893). Seit Mai 2024 wurden in Favoriten aber nur 61 Ausnahmebewilligungen für die Kurzzeitvermietung erteilt, wie aus einer Anfragebeantwortung des Bezirks an das Wohnressort hervorgeht. Wie kann das sein? 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Screenshot einer Airbnb-Suchergebnisseite mit Wohnungsangeboten links und einer Karte mit Unterkunftspreisen im Stadtgebiet rechts.
In Favoriten ist die Zahl der Kurzzeitvermietungen gestiegen. (© Screenshot airbnb)

„Das kommt daher, dass es im Moment sehr viele illegale Angebote gibt”, sagt Georg Prack, Sprecher für Wohnen der Grünen. Die Stadt erklärt die Diskrepanz zwischen Bewilligungen und Angebot damit, „dass derartige Bewilligungen nicht per se nur eine Wohnung umfassen und zudem auf Kurzzeitvermietungsplattformen auch einzelne Räumlichkeiten einer Wohnung angeboten werden”, schreibt ein Sprecher der Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) auf Falter.morgen-Anfrage. 64,7 Prozent der Airbnb-Gastgeber vermieten in Wien mehrere Zimmer oder Apartments. 

Die Plattform Airbnb schreibt, man würde die „lokalen Gastgeber:innen“ über die Vorschriften und lokalen Gesetze informieren. „Wenn uns Bedenken bezüglich eine:r Gastgeber:in oder eines Inserats gemeldet werden, prüfen wir den Fall und ergreifen geeignete Maßnahmen, zu denen auch die Entfernung von Nutzer:innen und Inseraten von der Plattform gehören kann“, so eine Sprecherin. Die Durchsetzung der Regeln liege aber bei der Baupolizei.

Gleichzeitig gibt es laut Grünen aber auch ein rechtliches Schlupfloch: Widmet man ganze Gebäude in Beherbergungsstätten um, braucht man für die Kurzzeitvermietung keine Ausnahmegenehmigung. Aus ausgedienten Bürogebäuden können so also mitunter Apartmenthotels mit sogenannten Serviced Apartments entstehen wie im ehemaligen Philips-Haus am Wienerberg (wir haben hier darüber berichtet). So weit, so sinnvoll. 

Der ORF berichtete vor Kurzem allerdings über ein Wohnhaus in Ottakring, bei dem zurzeit ein Umwidmungsverfahren zur Beherbergungsstätte laufe. Die Grünen orten eine Masche, mit der Vermieter der Stadt den dringend benötigten Wohnraum entziehen, um daraus Profit zu schlagen. Passiert das auch in Favoriten? Es komme „punktuell vor”, schreibt ein Sprecher des Bezirksvorstehers Marcus Franz (SPÖ), sei „aber für die privaten Wohneigentümer mit hohen Auflagen wie etwa einem zweiten Rettungsweg, einer Außenstiege, einer Brandschutzanlage und vielem mehr verbunden.” Auch Hanel-Torschs Sprecher betont: „Jede Umwidmung in eine Beherbergungsstätte muss ausnahmslos von der Baupolizei bewilligt werden.”

Das Eindämmen der Kurzzeitvermietungen verbucht die Stadt jedenfalls als Erfolg: Über 1620 Anzeigen habe es im Vorjahr wegen illegaler Kurzzeitvermietung gegeben. Als gewerblicher Gastgeber muss man sich außerdem registrieren: „In Wien gibt es eine Verpflichtung zur Abfuhr der Ortstaxe. Um diese regelmäßig zu entrichten, musst du dich dafür bei der Magistratsabteilung MA46 registrieren”, heißt es auf der Website von Airbnb. Bald könnte das auch EU-weite Praxis werden, wie eine Verordnung vorgibt: Gewerbliche Vermieter bräuchten dann eine Registrierungsnummer, die Plattformen müssten die Buchungsdaten monatlich an die zuständigen Behörden übermitteln. Laut Prack würde das die Kontrolle erheblich vereinfachen. Auch von Airbnb heißt es: „Wir unterstützen die Datenharmonisierung in der gesamten EU, um eine solide Datengrundlage für die verhältnismäßige lokale Regulierung von Kurzzeitvermietung zu schaffen anstatt des derzeitigen Flickenteppichs aus komplexen und verwirrenden lokalen Vorschriften.“

Der Bund müsse die digitale Infrastruktur schaffen, die Umsetzung liege aber in der Kompetenz der Bundesländer und sei nicht verpflichtend, wie das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus schreibt: „Die Statistik Austria wurde 2024 beauftragt, ein Konzept für bundesweit einheitliche Register zu erarbeiten. Die Bundesländer haben dieses Konzept aber nicht aufgegriffen, da einige von den Bundesländern ihre eigenen, bestehenden Systeme adaptieren wollen.” Also werde die Verordnung „vorerst in keinem Bundesland umgesetzt”.

In Favoriten sollen einstweilen Grätzel wie etwa am Wienerberg, in Innerfavoriten, Oberlaa oder dem Triesterviertel zu Wohnzonen deklariert werden, wenn es nach dem Bezirk geht. Die Bezirksvertretung hat die entsprechenden Anträge in der jüngsten Sitzung jedenfalls angenommen (mit Gegenstimmen von ÖVP, FPÖ und Neos) und dem Bauausschuss zugewiesen. Und dann? Die Wohnzonen könnten „nicht flächenmäßig verordnet werden, sondern müssen Block für Block durch die MA 21 diesbezüglich begutachtet werden”, heißt es aus dem Büro des Bezirksvorstehers.

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10. Cine Latino Festival

Das CINE LATINO FESTIVAL bringt vom 16.-23. April 2026 filmische Entdeckungen, Musik und Kulinarisches aus Lateinamerika ins Wiener Filmcasino. Mit über 25 Filmen aus 10 Ländern bietet das Festival schillernde Einblicke in diesen vielfältigen Kino-Kontinent. Festival-Eröffnung am 16. April im Gartenbaukino mit YANUNI – DIE STIMME DES AMAZONAS.


Stadtnachrichten

Nun ist es offiziell, der Hermann-Gmeiner-Park im ersten Bezirk wird seinen Namen los. Er soll künftig wieder Börsepark heißen, das hat der Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft beschlossen. Die Gmeiner-Büste wurde bereits entfernt. „Gerade bei Fragen der Erinnerungskultur braucht es einen verantwortungsvollen und sensiblen Zugang“, sagte SPÖ-Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. Der Vorschlag wurde im Dezember in der Bezirksvertretung einstimmig angenommen und dem Gemeinderat zugewiesen. 


In Wien wird mancherorts offenbar Diesel knapp. Wie der ORF gestern berichtete, haben „einige kleinere Diskont-Tankstellen“ den Treibstoff nicht mehr vorrätig. Die Wirtschaftskammer beruhigte aber, es sei kein flächendeckender Engpass. Der Grund für den Mangel: Diskont-Tankstellen würden mehr Treibstoff am kurzfristigen Spot-Markt einkaufen, das ist aktuell aber zu teuer. Dazu kommt, dass Tankstellen über Ostern stärker nachgefragt und quasi „leergetankt“ wurden.


Seit gestern können sich Schulklassen von der Volksschule bis zur Oberstufe wieder für die Ehrenamtswoche anmelden. Die Stadt Wien und die Organisation WIENXTRA vermitteln die Schulklassen an gemeinnützige Organisationen. Die Kinder und Jugendlichen arbeiten dann vom 24. Juni bis 1. Juli ehrenamtlich mit. Heuer gibt es 84 Projekte bei 55 Organisationen, neu dabei sind etwa Amnesty International und SOS Balkanroute.


Sie erinnern sich vielleicht noch an die Bankomat-Sprengungen in Wien. Eine kriminelle Organisation aus den Niederlanden soll mehrere Geldautomaten in Wien gesprengt haben (hier mehr dazu). Gestern wurde am Wiener Landesgericht ein Algerier, 27, zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil er der Bande eine Wohnung und Mietautos zur Verfügung gestellt haben soll. Ein Österreicher, 34, war ebenfalls angeklagt. Er wurde von den Vorwürfen in Zusammenhang mit den Bankomat-Sprengungen freigesprochen, bekam aber 15 Monate unbedingt, weil er ungerechtfertigterweise Notstandshilfe bezogen hatte.


Falter-Radio

Steht Orbán vor dem Sturz? – #1612

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Mann im blauen Anzug mit roter Krawatte sitzt auf einem roten Stuhl vor Hintergrund mit „DIE WELTWOCHE“-Logo; oben rechts „FALTER Radio“-Logo.

Für die bevorstehenden Parlamentswahlen in Ungarn sehen Meinungsumfragen einen Vorsprung für die Opposition unter Péter Magyar. Die Abwahl der Orbán-Partei „Fidesz“ würde den Einfluss der autoritären Nationalisten in Europa schlagartig reduzieren. In dieser Folge hören Sie die Journalistinnen und Journalisten Márton Gergely (HVG, Budapest), Cathrin Kahlweit (München), Nina Horaczek und Lina Paulitsch vom Falter.


Stadtgeschichten

Bild von Soraya Pechtl
VON SORAYA PECHTL

Sie sind sich grün

Drei Wiener Bezirke kooperieren mit niederösterreichischen Gemeinden, um den Wald- und Wiesengürtel im Süden ausbauen. Ein Überblick:

Wer von oben auf Wien blickt, sieht einen dicken grünen Gürtel um die Stadt. Viele dieser Wälder und Wiesen sind bereits geschützt. Im Süden sollen nun weitere dazukommen, wie Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) am Wochenende bekannt gab.

Die Wiener Bezirke Favoriten, Simmering und Liesing haben sich mit den fünf niederösterreichischen Gemeinden Schwechat, Lanzendorf, Leopoldsdorf, Hennersdorf und Vösendorf zusammengeschlossen. Das Projekt „Landschaftsbogen 5 plus 3“ hat das Ziel, die Gegend stärker zu begrünen, bestehende Wiesen und Wälder zu schützen und Radverbindungen von Niederösterreich nach Wien zu schaffen.

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Übersichtskarte zeigt die großen Grünräume rund um Wien, darunter Wienerwald, Lobau, Donau-Auen, Marchfeld und Arbeshthaler Hügelland.
Der grüne Gürtel rund um Wien. (© Stadt Wien/Knollconsult Umweltplanung ZT GmbH)

Was passiert konkret? 

Das Ufer des Liesing-Bachs wird bereits renaturiert und die Gegend rundherum begrünt. In Simmering wird im Stadtentwicklungsgebiet Weichseltalweg ein großer Park entstehen. Im niederösterreichischen Lanzendorf wollen die Gemeinden und Bezirke Streuobstwiesen gemeinsam nutzen. Und in Rothneusiedl in Favoriten, wo künftig 20.000 Menschen leben sollen, sind 25 Hektar neuer Grünraum geplant. Rund um den Verschiebebahnhof in Favoriten dürfen Autos künftig außerdem nicht mehr durchfahren – „der Kfz-Transitverkehr werde unterbunden“, heißt es. Dafür sollen bessere Rad- und Fußwege kommen. 

Was ist der Wiener Grüngürtel?

Wie der Name schon sagt, umfasst der Grüngürtel alle geschützten Grünflächen rund um die Stadt – derzeit circa 12.000 Hektar, wo eine Bebauung verboten ist (alle Grünflächen der Stadt kommen zusammen auf 22.000 Hektar). 

Im Jahr 2020 hat der Wiener Landtag die „Wiener Wald- und Wiesen Charta“ beschlossen. Sie hat unter anderem das Ziel, den Grüngürtel zu schließen. Dort ist aber auch verankert, dass der Grünraum am Stadtrand mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad erreichbar sein muss. Und: der Grünraum-Anteil der Stadt muss mehr als 50 Prozent betragen (Katharina Kropshofer hat in dieser Podcast-Folge mit der Landschaftsarchitektin Lilli Lička über diese Zahlen gesprochen)

Woher kommt der Grüngürtel?

Bürgermeister Karl Lueger – ja, der umstrittene und antisemitische Lueger – erteilte im Mai 1905 den Auftrag zur Schaffung eines Wald- und Wiesengürtels. 6.000 Hektar an Grünflächen wurden damals unter Schutz gestellt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Lainzer Tiergarten an die Stadt Wien übertragen und unter Schutz gestellt (er wäre beinahe verbaut worden). Nach Kriegsende wurde der Laaerberg aufgeforstet. Im Stadtentwicklungsplan 1994 waren weitere geschützte Flächen im Nordosten der Stadt enthalten. 

In den vergangenen Jahren wurde der Grünraum weiter ausgebaut. Der Regionalpark „DreiAnger“ ist beispielsweise eine Kooperation zwischen Floridsdorf, der Donaustadt und der Umlandgemeinde Gerasdorf. 


Lokaltipp

Pomali (1150, Märzstr. 87)

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Zwei Servicekräfte in Schürzen stehen lächelnd im Vordergrund eines gut besuchten Restaurants mit Holzwänden und gedeckten Tischen.
Lukullische Liaison in Lindgrün: Karoline Schuster und Mathilde Mazaud kochen lustig

Das Wienerische hat ein paar Begriffe hervorgebracht, die in ihrer Aussagekraft kaum zu überbieten sind, und „Pomali“ für „langsam, langsam, nur keine unnötige Hektik, bitte“ gehört da zweifellos dazu. Dass sich diesen wunderschönen Begriff bisher noch kein Lokal gekrallt hat, ist eigentlich ein Wunder. Jetzt gibt es dieses Lokal nicht nur, es ist auch super. Und zwar, weil es sich in einer lässigen Gegend befindet; außerdem wird mit dem Pomali ein schönes, altes Gasthaus wiederbelebt. Und drittens wird es von zwei jungen, engagierten Frauen geführt.

Karoline Schuster stammt aus Wien, studierte Jus, verliebte sich ins wunderbare Gasthaus brösl, stalkte es auf Instagram, und als die endlich jemanden suchten, ging sie ins Rennen; Mathilde Mazaud ist Halb-Französin, studierte in Paris, arbeitete schon mit 19 in der Gastronomie, irgendwann auch in München, wo ihr ständig österreichische Produkte unterkamen und sie sich dachte, dass man eigentlich in Wien sein sollte. Und auch sie landete im brösl, die beiden kochten zusammen, verstanden sich und beschlossen, was Eigenes machen zu wollen. Und fanden das Gasthaus auf Instagram.

Die Küche ist zwar modern und gemüseorientiert, aber überfordert niemanden. Eine Interpretation des Themas „Senfei auf Blattspinat“ zum Beispiel, herrlich (€ 7,–), knusprige Erdäpfelstückchen mit Paprikasauce und Aioli – idealer Snack zum Gläschen Wein (€ 8,–), geschmurgelte Karotten und Rüben in Mohnbutter, köstlich, will man nicht teilen (€ 8,50) oder eine Art Waldorfsalat mit ordentlich Remoulade, mmmhhh (€ 8,50). Von den vier Hauptspeisen ist nur eine mit Fleisch, die Ravioli, gefüllt mit Roten Rüben und Topfen, sind ebenso hausgemacht wie erstklassig (€ 14,50), die Belugalinsen mit geschmortem Lauch ein vegetarisches Highlight (€ 14,–).

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer finden Sie hier.

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nicht verstummt
Verena Krausneker & Katharina Schalber, AT 2013
Dokumentarfilm | 45 Min. | OF in Gebärdensprache mit dt. UT

Erstmals kommen gehörlose ZeitzeugInnen des Nationalsozialismus selbst zu Wort. Der Film erzählt ihre Geschichten in Gebärdensprache. Zwischen Österreich und den USA entfalten sich Erinnerungen an Ausgrenzung und Gewalt, aber auch an Zusammenhalt.

Montag, 13. April,18:00, Metro


Frage des Tages

Was zeigt unser Satellitenbild?

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Satellitenbild zeigt einen Park mit Wegen, einem Teich links oben und umliegender Vegetation aus der Vogelperspektive.
© Geoland

Auflösung von gestern: Das Wiener Fragamt war ein Auskunftsbüro für Adressen und eine Arbeitsvermittlung (kein Tourismus-Büro und auch keine Telefonseelsorge).


Events des Tages

Film & Party

Die Hip-Hop-Kultur ist Mitte der 1970er in den Straßen New Yorks entstanden Als Rap-Musik in die Welt hinausgetragen wurde sie erstmals 1979. „Wild Style“ von Charlie Ahearn, 1982 gedreht, hat die Hip-Hop-Kultur dann früh auf die Kinoleinwand gebracht. Im Zentrum steht ein Graffiti-Künstler, sein Wirken und sein Privatleben. Außerdem sind die damalige Breakdance-Größe The Rocksteady Crew sowie allerlei legendäre DJs und Rapper Teil des Personals. Auf das Screening des Film-Klassikers folgt ein Gespräch mit Grandmaster Caz, 1961 in der Bronx geboren und Hip-Hop-Aktivist der ersten Stunde. Danach lädt er noch zum gemeinsamen Partymachen.

Gartenbaukino, 19.30


Kunst & Klima

Heute startet die zweite Ausgabe der Klima Biennale Wien, noch stärker als beim Debüt vor zwei Jahren wird diesmal der öffentliche Raum bespielt. Mit „Aktivierungen“ rund um den Karlsplatz, die witzig und ironisch daherkommen, möchte das Festival ein breites Publikum für drängende Fragen sensibilisieren. Einschlägige Ausstellungen sind im Kunst Haus Wien, in zehn alternativen Kunsträumen und am Badeschiff zu sehen. Näheres zur Klima Biennale finden Sie in der aktuellen Titelgeschichte unserer Kultur- und Programmbeilage FALTER:Woche. (Nicole Scheyerer)

Diverse Orte, 9.4. bis 10.5.; www.biennale.wien


Jugendbuch

Kateryna Michalizyna & Stanislaw Dwornyzkyi: Reaktoren explodieren nicht

Der 26. April 1986 war ein Samstag – und Schultag. Als die Schüler aus dem 18 Kilometer entfernten Städtchen Tschornobyl Rauch sahen, dachten sie, dass in der Nähe des Atomkraftwerks das alte Laub verbrannt würde. Tatsächlich war ein lokaler Unfall passiert, dessen Schaden Ländergrenzen überschritt und dessen wahres Ausmaß erst Jahre später bekannt wurde.

Deswegen lernen aus dem informativen Jugendsachbuch mit dem Titel „Reaktoren explodieren nicht. Eine kurze Geschichte der Tschornobyl-Katastrophe“ auch jene etwas, die damals schon auf der Welt waren. Etwa dass der Unfall zwar der schwerste, aber nicht der erste in diesem Werk war, sondern es allein zwischen 1983 und 1985 zu fünf Havarien und 63 Anlageausfällen gekommen war.

Das Autorenduo Kateryna Michalizyna und Stanislaw Dwornyzkyj hatte bereits im Jahr 1991 mit der Arbeit an dem Buch begonnen, das ab zehn Jahren empfohlen wird, dessen inhaltlich starker Tobak und dystopische Illustrationen aber ein Lesealter ab zwölf, dreizehn angeraten sein lassen. Sein Publikum waren zunächst ukrainische Heranwachsende. (Kirstin Breitenfellner)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at


Architekturkritik #25

Bild von Maik Novotny
VON MAIK NOVOTNY

Westbahnpark oder Westbahnquartier?

Mehr Wohnraum oder mehr Freiraum? Diese Frage stellt sich an vielen Orten in dieser Stadt, die immer voller und immer heißer wird. So auch am 1,2 Kilometer langen Streifen zwischen Felberstraße und Westbahngleisen. Die seit Jahren aktive und mit Fachkompetenz ausgestattete Initiative Westbahnpark verweist auf Kaltluftschneise und den quasi parklosen angrenzenden 15. Bezirk. Sie fordert hier seit Jahren eine Grünfläche. Nun hat sie eine Petition dafür gestartet. Der Anlass: Die Stadt Wien startet demnächst einen Wettbewerb, in dem auch eine Teilbebauung des Areals vorgesehen ist. 

(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Gruppe von Menschen steht und sitzt auf stillgelegten Bahngleisen und hält Schilder mit der Aufschrift „Westbahnpark jetzt!“. Im Hintergrund sind Züge zu sehen.
Die Initiative Westbahnpark fordert seit Jahren eine Grünfläche. (© Heribert Corn)

Die Wiener SPÖ reagierte prompt: Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht verwies darauf, dass sich das Westbahnareal noch in einer frühen Entwicklungsphase befinde und die ÖBB die Fläche eh noch bis 2030 benötigen. Ein Großteil des Areals werde als Grün- und Freiraum gesichert, die Bebauung erfolge ausschließlich auf bereits versiegelten Flächen. Was eher klingt wie „Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen, wir kümmern uns darum und alles wird gut.“ Hört man sich in der Planerszene um, heißt es, dass die Pläne für das Areal sehr wohl schon weit gediehen sind. 

Dass man die Bürgerinnen und Bürger bei so wichtigen Vorhaben eben gerade frühzeitig in einem Prozess einbinden sollte, ist eigentlich Stadtplanungs-Standard. Zwar gab es Anfang 2024 eine Ausstellung vor Ort, bei der die Stadt erste Ideen präsentierte, doch diese waren noch recht vage – allerdings waren schon damals hohe Wohnbauten im Hintergrund der hübsch begrünten Zeichnungen zu sehen.

Immerhin verspricht die Stadt, hier eine Mikroklimasimulation durchzuführen, um zu garantieren, dass die Luftströme aus dem Wienerwald nicht gebremst werden. Gut so. Doch die Frage, wie wir in Zukunft unsere immer knapper werdenden Freiräume nutzen, geht uns alle an. Jetzt wäre noch Zeit, gemeinsam Antworten zu finden.


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