✍ Die Tunnel-Lobby nimmt einen neuen Anlauf in der Lobau – und attackiert Umweltministerin Leonore Gewessler >> Autofreie Hotels? In Wien geht das gar nicht >> Der Fassadenleser entdeckt das Heilige Grab in UnterlaaWetterkritik: Dieser Donnerstag gibt uns kalt-warm – in der Früh liegt die Temperatur in manchen Stadtteilen nahe am Gefrierpunkt, dann wird es mit bis zu 18 Grad mild. Danach kommt schon wieder...
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Die Tunnel-Lobby nimmt einen neuen Anlauf in der Lobau – und attackiert Umweltministerin Leonore Gewessler >> Autofreie Hotels? In Wien geht das gar nicht >> Der Fassadenleser entdeckt das Heilige Grab in Unterlaa

Wetterkritik: Dieser Donnerstag gibt uns kalt-warm – in der Früh liegt die Temperatur in manchen Stadtteilen nahe am Gefrierpunkt, dann wird es mit bis zu 18 Grad mild. Danach kommt schon wieder die Wüste auf Besuch, aber davon morgen mehr.


Guten Morgen!

Wissen Sie, was die Wirtschaftskammer und die Klima-Aktivisten gemeinsam haben? Nein, das ist nicht der Beginn eines blöden Witzes. Beide glauben, dass der Lobau-Tunnel noch nicht vom Tisch ist – das ist übrigens der Grund, warum die Umweltschützer immer noch Lobau bleibt auf ihre Plakate schreiben, obwohl Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) das Projekt im Dezember gestoppt hat.

Das war’s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn für die Umweltschützer sind die Tunnel-Befürworter rückständige Zukunftszerstörer. Die Wirtschaftskammer sieht hingegen mit jedem Tag, an dem der Tunnel nicht gebaut wird, Geld durch die österreichischen Finger rinnen (Stichwort: Der Straßenbau schaffe Arbeitsplätze und steigere das BIP). 

Warum ich Ihnen das erzähle? Gestern ist der Konflikt um den Tunnel wieder aufgeflammt. Den Zündstoff lieferten Walter Ruck, Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Verfassungsrechtler Heinz Mayer und der Rechtsanwalt Jörg Zehetner. Sie haben in einer Pressekonferenz erklärt, dass Gewessler den Tunnelbau unmöglich absagen, sondern höchstens aufschieben könne. Wie sie das begründen, was das für die Ministerin bedeutet und welche Gegenstimmen es gibt, erzähle ich Ihnen gleich.

Außerdem: Katharina Kropshofer hat sich angeschaut, warum das eigentlich autofreie magdas Hotel im dritten Bezirk jetzt doch Parkplätze anmieten muss. Und Fassadenleser Klaus-Jürgen Bauer hat ein heiliges Grab in Unterlaa entdeckt, das nach israelischem Vorbild erbaut wurde.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Soraya Pechtl

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„Ist Ihnen der Klimaschutz eigentlich völlig wurst?”

Neben der erwartbaren Haltung der Wirtschaftskammer gab es bei der gestrigen Pressekonferenz zum Lobau-Tunnel auch einige Überraschungen.

Überraschungen Nummer eins: Die Wirtschaftskammer Wien (WKW) hat ihren Sitz in die Straße der Wirtschaft im zweiten Bezirk. Was war wohl zuerst da, die Straße oder die Kammer? Na gut, Spaß beiseite. 

Worum ging es gestern? WKW-Präsident Walter Ruck wollte die Presse über neue Erkenntnisse zum Lobau-Tunnel informieren – flankiert von den renommierten Juristen Heinz Mayer und Jörg Zehetner, die ein Gutachten für die WKW erstellt haben. 

Verfassungsjurist Heinz Mayer, WKW-Präsident Walter Ruck und Anwalt Jörg Zehetner © Florian Wieser

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Den Tunnel nicht zu bauen wäre klar rechtswidrig. Denn die S1 samt Lobautunnel seien vom Nationalrat genehmigt und im Bundesstraßengesetz verankert. Es bräuchte eine Gesetzesänderung, um das aufzuheben, die Ministerin alleine könne das nicht. Damit widerspricht Mayer einem Gutachten, das die TU-Rechtsexpertin Dragana Damjanovic für das Ministerium erstellt hat. Demnach hätte Gewessler ein vertraglich verankertes Zustimmungsrecht bei Straßenbauprojekten. „Die Ministerin kann nur Zielvorgaben machen", entgegnet Mayer. Aber dafür sei es zu spät.

  • Gewessler könnte deshalb eine Ministeranklage drohen - dass das derzeit aber unrealistisch ist, gesteht auch Mayer ein: Dafür bräuchte es eine einfache Mehrheit im Nationalrat und damit die Stimmen der ÖVP. Und das ist aus Koalitionsräson undenkbar. Allerdings könnten der Ministerin auch Schadenersatzklagen drohen.

  • Das Projekt sei nicht veraltet, sondern auf dem Stand von 2018, weil das Bundesverwaltungsgericht die Autobahn zu diesem Zeitpunkt genehmigt und alle Sachverhalte einbezogen hatte. 

  • Die neuerliche Evaluierung des Lobau-Tunnels wäre deshalb auch nicht notwendig gewesen (im Ministerium sieht man das naturgemäß anders, auch weil in Gewesslers Evaluierung erstmals ökologische Kriterien berücksichtig wurden).

  • Die Verzögerung koste dem Staat nur mehr Geld.

  • Der Asfinag-Aufsichtsrat müsse den Baustopp aufheben.

Das verwundert Sie wahrscheinlich noch nicht. Mayers Einschätzungen zum Lobautunnel waren ja bereits bekannt: „Die Ministerin kann dem Asfinag-Vorstand keine Weisung erteilen", sagte der Verfassungsrechtler bereits im Dezember zum FALTER. Und dass die Wirtschaftskammer den Tunnel gut findet, ist auch nicht neu.

Überraschung Nummer Zwei war eher das, was Ruck eher beiläufig erwähnte: „Die Beschlusslage der Asfinag ist die, dass der Lobau-Tunnel nicht gestoppt, sondern nur kurzfristig aufgeschoben wurde”, sagte er. Wenn das stimmt, hätte Leonore „Die Lobau-Autobahn wird nicht gebaut” Gewessler den Tunnel gar nicht beerdigt, wie Medien nach ihrer Ansage im Dezember berichteten.

Vom Klimaschutzministerium kommt nur eine ausweichende Antwort: Man habe das Bauprogramm auf Basis der Evaluierung für die nächsten sechs Jahre mit der Asfinag abgestimmt. „Mit diesem Bauprogramm können wir jetzt auch die Planungen für bessere Alternativen fortführen."

Momentan liege die Entscheidung aber ohnehin beim Finanzministerium, sagt Ruck. ÖVP-Minister Magnus Brunner muss für das neue Bauprogramm nämlich noch das „Einvernehmen” herstellen. Geschieht das nicht, gilt laut Anwalt Zehetner wieder das Bauprogramm vor Gewesslers Entscheidung – also mit Tunnel.

Überraschung Nummer Drei: Die persönliche Betroffenheit, die vor allem bei Wirtschaftsrechtler Zehetner mitschwang. „Persönlich ist diese Rechtsunsicherheit unerträglich”, sagte er. Und: „Schon eigenartig, dass man (Gewessler, Anm.) den Asfinag-Aufsichtsrat in eine solche Situation bringt”.

Mayer fügte hinzu: „Es wird das Narrativ genährt, Klimaschutz steht über allem. Aber dem ist nicht so. Gesetze sind da, um eingehalten zu werden.” 

Und Überraschung Nummer vier war eine junge Frau mit Rock, Blazer und Stöckelschuhen, die sich unter die Journalisten mischte. Das war deshalb ungewöhnlich, weil es sich um eine Lobau-Bleibt-Aktivistin handelte, die man sonst eher mit zerrissenen Jeans und angekettet an Baggern kennt. Sie hatte sich kostümiert, um dem Wirtschaftskammer-Präsidenten zu fragen: „Ist Ihnen der Klimaschutz eigentlich völlig wurst?”

Ruck entgegnete nüchtern: Es gehe um ein Projekt, das nach rechtsstaatlichen Prinzipien zustande gekommen sei und jetzt umgesetzt werden müsse. 

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Stadtnachrichten

Für einigen Ärger hat gestern die Anmeldung für die Summer City Camps gesorgt: „Beim Versuch, heute Ferienwochen zu buchen, ging wieder gar nichts. Das System war wie jedes Jahr nicht auf den Ansturm vorbereitet“, ärgert sich eine FALTER.morgen-Leserin per Mail: „Ich kenne zahlreiche Eltern, die es nicht geschafft haben, einen Platz zu ergattern, weil alles zusammengebrochen ist und die meisten Wochen vor allem an den Innenstadt-Standorten sofort ausgebucht waren. Außerdem ist es ausschließlich möglich, via EPS System zu zahlen. Keine Kreditkarte, kein Paypal. Wirklich absolut rückständig. Man muss sich einen halben Tag freinehmen und ständig vor der Seite sitzen und refreshen, damit überhaupt eine Chance auf einen Platz besteht.“

Eltern, die mehrere ihrer Kinder anmelden wollen, berichteten gegenüber FALTER.morgen, dass bereits reservierte Plätze während des Zahlungsvorgangs wieder aus dem Warenkorb verschwunden seien.

Summer City Camp-Veranstaltung im vergangenen Jahr: Auch heuer wieder enorme Nachfrage – und ein überlastetes Anmeldesystem © PID/Markus Wache

Das Büro von Jugendstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) macht für das Chaos zeitweilige Serverprobleme verantwortlich, die am frühen Nachmittag behoben werden konnten. Um die Anmeldung fairer zu gestalten, habe man sich zudem entschieden, sie in zwei Tranchen – eine vormittags, die zweite abends – abzuwickeln.

„Wir können in diesem Jahr mit rund 24.000 Plätzen so viele Plätze wie noch nie – vor allem im Freizeitprogramm für Kinder – anbieten. Damit haben wir auf die erhöhte Nachfrage aus dem letzten Jahr reagiert, dennoch muss man ganz klar sagen: Es gibt ein begrenztes Platzangebot und wir können nicht allen Eltern einen Platz garantieren“, so eine Sprecherin.

Der betroffenen Mutter reicht das aber nicht als Erklärung: „Das System war wie jedes Jahr nicht auf den Ansturm vorbereitet“, schreibt sie. Es sei nicht nachvollziehbar, „warum es nicht möglich ist, die Serverkapazitäten für diesen einen Tag im Jahr zu erhöhen. Die Stadt muss doch wissen, wie stark die Nachfrage ist.“

Reaktion aus dem Büro des Stadtrats: „Wir werden für das kommende Jahr wieder die Erfahrungen dieses Jahres mitnehmen und die technischen Voraussetzungen für die Anmeldung verbessern.“

Stadtgeschichten
Bild von Katharina Kropshofer
VON KATHARINA KROPSHOFER

Falschparken 

Das magdas will zum autofreien Hotel werden - mit grünem Garten statt betoniertem Parkplatz. Es gibt nur ein Problem: Die Landesgesetzgebung spielt nicht mit.

Lange war das magdas Hotel Inbegriff eines innovativ-sozialen Unterkunft und Vorreiter, wenn es etwa um Integration von Flüchtlingen geht. Schließlich ist das Social-Business-Hotel der Caritas mit privilegierter Lage mitten im Prater nicht profitorientiert, Gewinne gehen an andere Sozialprojekte und beschäftigt werden Asyl- oder subsidiär Schutzberechtigte. 

Jetzt läuft die Zwischennutzung für den Prater-Standort aus, das Projekt zieht in den dritten Bezirk um, renoviert in der Zwischenzeit das alte Gebäude, um in Zukunft - wenn alles gut läuft - zwei Hotels betreiben zu können. So der Plan. 

Im dritten Bezirk entsteht das neue magdas Hotel © FALTER/Kropshofer

Aber es ist immer noch Pandemie, der Städtetourismus noch nicht ganz angelaufen. Und nun ist noch eine Hürde aufgetaucht: „An und für sich ist für ein Hotel unserer Größe vorgeschrieben, dass wir 16 Parkplätze zur Verfügung stellen”, so Geschäftsführerin Gabriela Sonnleitner. „Aber wir wollen ein autofreies Hotel sein, das ist unsere Haltung.” Also hatten sie eine Idee: Wieso die Parkplätze des ehemaligen Priesterwohnheims (gebaut in den 1960ern) nicht entsiegeln, daraus stattdessen einen Garten machen - eine Oase, im ohnehin sehr Beton- und asphaltlastigen Grätzel?!

Das magdas will nicht nur Vorreiter in Sachen Integration sein, sondern auch was umweltfreundlichen Tourismus, klimaneutrales Unternehmertum angeht. So werden beim neuen Standort Erdsonden eingebaut, Möbel aus den 1960ern des ehemaligen Priesterwohnheims wiederverwendet, die Gitter am Balkon (die nach heutigen Auflagen zu niedrig sind), als Zaun wiederverwendet. Und zu einem klimafitten Hotel zählt auch, Besucherinnen und Besucher zu animieren, nicht per Auto, sondern öffentlich anzureisen - Angebote gibt es in der Gegend genug. 

Das Problem: Ein Hotel einer bestimmten Größe muss für seine Gäste auch Parkplätze zur Verfügung stellen. So steht es in der Wiener Stellplatzverpflichtung. Im Falle des neuen magdas sind das 16 Parkplätze. Die guten Absichten des Unternehmens reichten nicht. Die Stadt Wien verstand das Anliegen zwar, aber berief sich auf die Verordnung: „Das ist wohl gerade in Veränderung - aber wir sind ein oder zwei Jahre zu früh”, sagt Sonnleitner. 

Im Moment ist hier alles Baustelle, Kabelrollen, Dämmstoff liegen herum, drinnen wird geschraubt und gebohrt. Die schattenspendenden Bäume und Sträucher, Pergolas und Rosenbüsche sollen im Mai gepflanzt werden. Denn den Garten will das Hotel trotzdem. 200.000 Euro Ablöse hätte das magdas für die 400 Quadratmeter falschen Parkplatz zahlen müssen. Zusätzlich zu den 400.000, die der Umbau ohnehin kostet. 

Die Parkplätze muss das magdas nun woanders zur Verfügung stellen. Sie haben dafür Stellplätze in einer anliegenden Garage gemietet. „Die Grünfläche tut dem Grätzel gut”, meint Sonnleitner. Das Hotel hat deshalb auch ein Crowdfunding gestartet. Klingender Name? „Blumen statt Beton”. So sollen zumindest die 25.000 Euro für die Pflanzen eingenommen werden. „Ich denke, dass wir Leute anziehen, die ein Bewusstsein dafür haben.” 

Falter Radio

Corona – welche Maßnahmen waren wirklich nötig?

Über die Frage, ob der Staat in der Pandemie richtig oder doch überschießend reagiert hat, debattieren in unserem Podcast der Prognostiker Nikolaus Popper, der Public-Health-Experte Gerald Gartlehner, die Gesundheitsökonomin Maria Hofmarcher und die Soziologin Barbara Preinsack.

Lokaltipp

Café Freud

Etwa 20 Jahre lang war das Café Freud unmittelbar neben dem Freud-Museum in der Berggasse ein schrulliges, etwas aus der Zeit gefallenes Café mit kunstsamtbezogenen Bänken, bunten Mozart- und Freud-Porträts und einem Hinterzimmer mit Billardtisch. Die Besitzerin war eine ältere Dame aus Belgien oder Frankreich, das weiß man nicht mehr so genau. Irgendwann starb die Dame, der Nachlass war offenbar nicht geregelt worden, das Café interessierte niemanden, stand drei Jahre leer und verfiel. Und auf Lokale, die niemanden mehr interessieren, ist Christian Göttlich ja ein bisschen spezialisiert.

Auch dem verfallenden Café Freud konnte er nicht widerstehen. Beim Café Freud blieb außer dem Namen und der Adresse gar nichts gleich, der altrosa 80er-Look wich einer schlichten, kühlen Geradlinigkeit mit Spanplatten-Mobiliar und -Boden, Industrielampen, mit leisem Soul im Hintergrund, Steckdosen bei jedem Tisch und einem Gewölbe in pastelligem Olivgrün. Ein Graffito lässt Professor Freud ein wenig geisterhaft in den Raum blicken.

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier.

Wir schicken dich da raus

So, es gibt keine Ausrede mehr, auch nicht das bissl Regen, das für das Wochenende angesagt ist: Es muss wieder gewandert werden, und wir schicken Sie zu diesem Zwecke in den kommenden Wochen raus ins Waldviertel – wie so oft mit Hilfe eines wunderbaren Buchs aus dem FALTER-Verlag. „Wandern im Weinviertel“ beschreibt 33 Touren und sieben Stadtspaziergänge im nördlichen Niederösterreich. Wunderbar sind sie allesamt.

Ein Problem gibt es, wie die Autorinnen (Katharina Bliem, Peter Hiess, Helmuth A. W. Singer) einräumen, allerdings: Den beklagenswerten Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln im Waldviertel. Ohne eigenen Pkw sind viele der Touren von Wien aus an einem Tag kaum zu bewältigen. Entweder Sie machen dafür eine Individualverkehrsausnahme – oder Sie nehmen sich ein Wochenende Zeit und reisen gemütlich zu den Ausgangspunkten der Wanderungen.

Heute: Auf gallischen Pfaden – durch die Wälder nördlich von Horn.

Am Ausgangspunkt Pernegg besuchen wir die Gebäude des vor Jahrhunderten florierenden Klosters – heute Gesundheitszentrum und „Ort der Stille“. Dann marschieren wir durch aufgelockerte Wälder ins Tal des Trampelbachs mit der Feriensiedlung Gallien, über den Buchgraben und am Zeiselberg entlang nach Horn.

© FALTER Verlag

Wegverlauf: Streckenwanderung. Pernegg – Kloster Pernegg – Pernegg (45 Min.) – Gallien (1 Std.)
– Doberndorfer Straße (1 Std.) – Horn/Hauptplatz (45 Min.)

Dauer: 3 1⁄2 Std.

Länge: 15,2 km

Schwierigkeitsgrad: Minimale Höhenunterschiede, bequeme Wanderung

Wegmarkierungen: Gelbe Pfeile, unmarkiert, rote Tafeln mit „2“, gelbe Quadrate mit „42“, unmarkiert, Rot-Weiß-Rot mit „631“

Einkehrmöglichkeiten: Gasthaus Schmutzer (Mo–Mi Ruhetag), Restaurant in Gallien (April bis Juni und Sept./Okt. Mo–Mi Ruhetag, Nov./ Dez. Mo–Fr Ruhetag), diverse Lokale in Horn

Anfahrt: Mit dem Bus von Horn/Hauptplatz bis Pernegg/Ort (Haus 55)

Hinweis: Im ersten und letzten Viertel ist viel in freiem Gelände zu marschieren. Sonnen- und Regenschutz sind angeraten.

Frage des Tages

Worauf geht der Wiener Ausdruck „sich einen Karl machen“ (für Spaß haben) zurück?

1) Auf das Carltheater im 2. Bezirk, das im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört wurde?

2) Auf den Kabarettisten Karl Farkas?

3) Auf die Ringelspiele am Weihnachtsmarkt vor der Karlskirche?

Auflösung von gestern: Wien kennt rund 50 verschiedene Zubereitungsarten für Kaffee (nicht 20 oder 70). Verlängerter, Melange und Einspänner ... fällt Ihnen noch was ein? (Quelle: Unnützes Wiener Wissen, Holzbaum Verlag)

Event des Tages
Bild von Lisa Kiss
AUSGEWÄHLT VON LISA KISS

Literatur

Was ist ein Vater? Wer hat ihn ans Kopfende gesetzt? Und sitzt er dort gut? Mit diesen Fragen wendet sich der Kabarettist Hosea Ratschiller an seinen Vater, den Schriftsteller und Lehrer Klaus Ratschiller. Der Sohn schenkte ihm zu Weihnachten ein gemeinsames Projekt: ein Buch über die Vaterrolle. „Den Vater zur Welt bringen“ ist eine intellektuell anregende Lektüre über die Auflösung des klassischen Vaterbegriffs und die Frage, was an seine Stelle treten könnte. (Sebastian Fasthuber)

Schauspielhaus, 20.00

Buchtipp

Emily Anthes: Drinnen - Wie uns Räume verändern

Die New Yorker Journalistin Emily Anthes, eine selbsterklärte Stubenhockerin, schickt zum Start dieses Buchprojekts ihren Duschkopf zur Mikroben-Untersuchung. Anthes geht es um Hygiene, Licht und Belüftung; sie interessiert sich für Räume und wie diese unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden beeinflussen. Passt gerade gut, schließlich nehmen wir „drinnen" seit der Pandemie anders wahr.

Anthes ist überzeugt: Gutes Design ist Medizin. Von einem Häftling will sie wissen, wie eine Einzelhaftzelle die Psyche beeinflusst. Sie erkundet Wohnmodelle für Menschen mit Autismus, erforscht, wie Smart Homes die Stimmung manipulieren können und wie amphibische Architektur Hochwassergebiete klimawandelfit macht. Futuristisch wird es, wenn es darum geht, wie Astronauten mit Mondmaterial bauen können. (Juliane Fischer)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Der Fassadenleser

Das Heilige Grab

Unmittelbar neben der uralten Johanneskirche in Unterlaa steht diese kleine Heilig-Grab-Kapelle. Sie entstand zwar 700 Jahre später als die Johanneskirche, wirkt aber mit ihren Halbsäulen, Blendarkaden und dem Schindeldach fast älter als die romanische Kirche selbst. Das ist kein Zufall, denn diese Kapelle wurde nach dem Abbild der antiken Heilig-Grab-Kapelle von Jerusalem errichtet. Man sieht: Alter ist nur eine Konstruktion.

Letztlich nur eine Erinnerung der Erinnerung © Klaus-Jürgen Bauer

Schon seit den Kreuzzügen bauten Pilger überall in Europa solche Grabeskapellen nach Jerusalemer Vorbild. Die Jerusalem-Sehnsucht der Gläubigen brachte sich dabei in allen Maßstäben zum Ausdruck, angefangen von kleinen Grabeskapellen wie in Unterlaa bis hin zu ganzen Kalvarienbergen, worin die Topographie der heiligen Stätten nachgebaut wurden. Alle diese frommen Werke verband der Wunsch, die heiligen Stätten so genau wie möglich zu kopieren.

Dieses Original jedoch war – als die Kapelle um 1700 errichtet wurde – längst nicht mehr vorhanden. Kaiser Konstantin baute im Jahr 326 über dem Ort, an dem das Grab Jesu vermutet wurde, eine Rotunde, die um das Jahr 1000 herum durch Ägypter fast vollständig zerstört wurde. Die eigentliche Grabrotunde brannte im Jahr 1555 ab. So ist auch das Wiener Heilige Grab letztlich nur eine Erinnerung der Erinnerung.    


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