⛰Vorgestern hatte ich einen Rock an. Ohne Strumpfhosen. Keine Angst, Sie bekommen hier keine Modetipps und auch keinen Erlebnisaufsatz eines Volksschulkindes. Eine kleine, persönliche Gefühlslage aber sehr wohl. Nicht, weil ich kein Tagebuch zu befüllen, keine Freund:innen zum Reden hätte; sondern weil ich glaube, dass Gefühle über die Klimakrise politisch sind – immerhin empfindet jeder zweite junge Mensch im Gedanke...
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Guten Tag,
Diese Grafik zeigt eine Karte von Nordamerika bis Europa, illustriert wird der Golfstrom.
Die Grafik zeigt den Verlauf des Golfstroms. Die rote Linie zeigt die warme Oberflächenströmung, die blaue die kalte Tiefenströmung. Der Golfstrom könnte noch in diesem Jahrhundert kollabieren, sagt eine neue Studie. (Grafik: APA)

Vorgestern hatte ich einen Rock an. Ohne Strumpfhosen. 

Keine Angst, Sie bekommen hier keine Modetipps und auch keinen Erlebnisaufsatz eines Volksschulkindes. Eine kleine, persönliche Gefühlslage aber sehr wohl. Nicht, weil ich kein Tagebuch zu befüllen, keine Freund:innen zum Reden hätte; sondern weil ich glaube, dass Gefühle über die Klimakrise politisch sind – immerhin empfindet jeder zweite junge Mensch im Gedanken an die Klimakrise Angst, Wut oder Scham. 

Es ist Ihnen bestimmt auch aufgefallen: Die Temperaturen scheinen gerade so gar nicht zur Jahreszeit zu passen. Und so kann ich die Sonnenstrahlen, die angenehm auf mein Gesicht fallen, momentan nicht wirklich genießen. Sie sind eine Erinnerung an das, was hier gerade schiefläuft: 

Januar 2024: Der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, informiert der EU-Klimadienst Copernicus.

Februar 2024: Die bisherigen Temperaturen liegen teilweise über dem Mittel des Julis. So warm, sagen sie heute im Radio, war es am Kitzbühler Hahnenkamm zu dieser Jahreszeit erst einmal seit 1939.

Freitag: Eine internationale Studie bringt neue Beweise für etwas, das Forscher:innen schon lange vermuten: Die “Atlantic Meridional Overturning Circulation” (AMOC), bei uns als Golfstrom bekannt, könnte kollabieren, und das noch in diesem Jahrhundert. Und Europa abkühlen lassen.

Dienstag: Forschende im Fachjournal Nature berichten davon, dass sich der Amazonas-Regenwald einem Kipppunkt nähert, zur Savanne werden könnte.  

Wie bitte soll das nicht Angst vor der Zukunft, Wut auf die langsamen Mühlen, Scham vor der eigenen Gelähmtheit auslösen? 

Ich glaube, dass wir übers Wetter reden müssen. Darüber, dass es nicht nur die Extreme sind (das Hochwasser, das im Sommer den Süden Österreichs verwüstete; die Waldbrände, die riesige Flächen vernichteten). Sondern auch über diese feinen, fast banal wirkenden Dinge wie einen warmen Februartag. Ich glaube, wir müssen mit unseren Verwandten, Freund:innen, Kolleg:innen Tacheles reden, über Gefühle sprechen, die durch das, was hier gerade passiert, ausgelöst werden – oder eben nicht. 

Und ich glaube, wir dürfen trotz allem nicht in Panik verfallen, müssen stattdessen diese Berge an Informationen richtig einordnen oder am besten jenen zuhören, die das mit ruhiger Stimme tun. 

Was also hieße ein Kollaps des AMOC? Und wie wahrscheinlich ist das alles?

Diese Arbeit nutze sehr aufwendige Methoden, sagt Marc Olefs, Leiter der Abteilung Klimaforschung von Geosphere Austria, im Ö1-Morgenjournal. Allein sechs Monate rechneten die niederländischen Supercomputer an den Modellen. Stimmt das, was prophezeit wird, würde es bestätigen, dass die AMOC einen Kipppunkt hat, ab dem sie versiegt. In Nordeuropa hieße das bis zu 15 Grad Celsius Abkühlung im Mittel, Wien wäre vier Grad kühler und um einiges trockener. Ein kontinentaleres Klima (also heiße Sommer, kalte Winter, wie es im Großteil Asiens der Fall ist) – mit schweren Folgen. Die tropischen Niederschläge könnten sich laut OECD verschieben, die Fläche, auf der Weizen angebaut werden kann, um die Hälfte schrumpfen.

Aber noch etwas ist wichtig: Kipppunkte sind keine einheitliche Begrifflichkeit, das habe ich in einem Artikel vor einem Jahr beschrieben. Das heißt: Manche von diesen Elementen im globalen Klimasystem sind vielleicht nicht für immer “gekippt”, sondern können wieder rückgängig gemacht werden. Das sagt auch Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Forschungsinstituts IIASA, im Interview mit dem Standard: “Es ist nun zu befürchten, dass wir auch über die zwei Grad hinausschießen werden. Entscheidend wird aber sein, wie lange und wie steil sich das Überschießen vollzieht. Wenn wir die rote Linie vielleicht nur für 30 oder 50 Jahre überschreiten, dann könnte beispielsweise das beschleunigte Abschmelzen des Grönländischen Eisschilds womöglich gestoppt werden. Denn in den vielen Systemen gibt es eine Art Karenzzeit, bevor der Kippvorgang des Systems irreversibel wird. “

Die Frage ist: Wie kann man diesen gereizten Riesen wieder zum Einschlafen bringen? 

Ich halte mich für diese Aufgabe an einer anderen Studie fest: Als Forscher:innen der Uni Bonn Menschen in 125 Ländern fragten, ob sie bereit wären, „ein Prozent ihres monatlichen Einkommens für den Kampf gegen die Erderwärmung“ auszugeben, antworteten zwei Drittel der Befragten mit “Ja”.

Ein schönes Wochenende wünscht

Bild von Katharina Kropshofer
Ihre Katharina Kropshofer

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RÜCKKEHR ZUM LAND DER PINGUINE

Nach dem Riesenerfolg von DIE REISE DER PINGUINE (Oscar® für den Besten Dokumentarfilm) kehrt Regisseur Luc Jacquet in die Antarktis zurück. In großartigen Aufnahmen zeigt er uns die Natur mit ihrer erstaunlich vielfältigen Tierwelt. Die Reise wird für ihn nicht nur zu einer Rückkehr an seinen Sehnsuchtsort, sondern auch zu einer Rückkehr zu seinen Freunden, den Kaiserpinguinen.

Ab 16. Februar nur im Kino


Große Karren, große Emotionen

Im aktuellen Falter gibt es noch einige weitere Themen, die sich mit (dem Wandel) unserer Lebensweise beschäftigen. Oder den Folgen, wenn wir das nicht tun.

In der Cover-Geschichte habe ich versucht, die Liebe (der Wiener:innen) zu SUVs zu sezieren: Wieso kaufen gerade in der Hauptstadt so viele Leute fette Karren? Und was hat das für Folgen? Den Artikel lesen Sie hier.

Es gäbe aber noch so viel mehr zu sagen: Etwa, dass jeder zweite Firmenwagen in Österreich ein SUV ist (und die dann später auf den normalen Markt kommen, die Käufer:innen Steuerprivilegien genießen). Dass nicht nur Paris, sondern auch deutsche Städte wie Koblenz, Freiburg oder Tübingen an neuen Parkmodellen arbeiten. Und dass in Großbritannien kürzlich eine SUV-Werbung verboten wurde, weil sie falsche Versprechungen über eine "unberührte Natur" mit den umweltschädlichen Autos in Verbindung bringt - ähnlich wie bei Tabakwaren.


Energiewende

RED III: So heißt die Überarbeitung der EU-Richtlinie, mit der EU-Staaten verpflichtet werden, die oftmals jahrelangen Verfahren zur Genehmigung von erneuerbaren Energieanlagen zu kürzen. Denn bis 2030 soll der Anteil an Erneuerbaren Energien auf 42,5 Prozent erhöht werden. In Österreich wird indes noch an einem Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigunggesetz (EABG) gearbeitet.

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Besser lesen mit dem FALTER

Alle zwei Wochen führt die Wiener Buchhändlerin Petra Hartlieb Gespräche mit Autorinnen und Autoren über das Lesen, das Schreiben und das Leben an sich. Zu Gast waren unter anderem bereits Marc Elsberg, Eva Menasse, Dirk Stermann, Birgit Birnbacher und noch viele weitere.

Hier geht es zur aktuellen Folge des Buchpodcasts „Besser lesen mit dem FALTER“.


Lieferkettengesetz

Und noch ein Thema (Sie sehen schon, den Natur-Newsletter könnten wir wirklich jeden Tag füllen): Eigentlich steht der Entwurf für ein EU-weites Lieferkettengesetz schon eine Weile (mein Kollege Benedikt Narodoslawsky hat das hier für Sie zusammengefasst). Doch weil sich Deutschland und Österreich - in diesem Fall Wirtschaftsminister Kocher (ÖVP) - enthalten, stockt die Umsetzung. Mehr dazu hier. Die Verhandlung wurde vertagt.


Jugenddelegierte gesucht

Bis 26. Februar kann man sich noch als österreichische:r UNFCCC-Jugenddelegierte:r bewerben und als junge Stimme auf die Weltklimakonferenzen COP29 und COP30 fahren. Hier die Ausschreibung:

Klima-Jugenddelegierte:r auf der COP29 und COP30 gesucht!

  • Du bist zwischen 18 und 26 Jahre alt?

  • Du brennst für nationale und internationale Klimapolitik?

  • Du möchtest als Teil eines engagierten Teams mit kritischer Stimme die österreichische Jugend bei den nächsten 2 UN-Klimakonferenzen vertreten?

Als Jugenddelegierte*r nimmst du gemeinsam mit CliMates Austria und der österreichischen Delegation an der COP29 in Baku in Aserbaidschan von 11. bis 24. November 2024 und an der COP30 in Brasilien von 10. bis zum 21. November 2025 teil. Ziel ist, vor Ort die Stimme der Jugend zu vertreten und die Geschehnisse kritisch zu verfolgen. Mehr Infos hier.


Froschhelfer:innen gesucht

Und falls Sie nicht allzu verplant sind: Der Naturschutzbund sucht für den Frühling Leute, die helfen, Frösche über stark befahrene Straßen zu bringen und ihre Anstrengungen zu dokumentieren.


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